MHP Riesen Ludwigsburg, Taktik

Press it like Patrick

Die Press-Defense in der Basketball-Bundesliga

Es gibt derzeit nicht viele Headcoaches in der Basketball-Bundesliga, die sich schon über mehrere Jahre bei ein und demselben Team halten konnten. Noch weniger Coaches gibt es allerdings, die es schaffen, ihren jeweiligen Teams in den einzelnen Spielzeiten immer wieder eine wiedererkennbare Handschrift zu verleihen. Einer der zur beiden Gruppen gehört ist John Patrick, zurzeit Cheftrainer der MHP Riesen Ludwigsburg. Der US-Amerikaner startet im September in seine vierte Saison mit den MHP Riesen und konnte dabei immer die Playoffs erreichen und im vergangenen Jahr die Saison sogar als Tabellenfünfter beenden. Das Markenzeichen der Ludwigsburger war dabei wieder einmal die unverkennbare Art Defense zu spielen. Im Folgenden soll diese im Allgemeinen wie im Speziellen genauer untersucht werden.

Was ist Press-Defense überhaupt?

Allgemein beschrieben ist die Press-Defense eine Art der Verteidigung, die in verschiedenen Weisen versucht Druck auf den Gegner und damit den Ball auszuüben. Wichtigstes Merkmal ist somit, dass die Spieler nicht in die übliche Defensivformation zurückkehren, sondern das Verteidigen schon weiter vorne im Feld beginnen, was zwar Vorteile aber auch enorme Risiken birgt. Grundsätzlich müssen gleich mehrere Unterscheidungen bei dem relativ weit gefassten Begriff der Press-Defense vorgenommen werden. Zum einen kann eine Presse über das ganze Feld aber auch nur über den halben Court vorgenommen werden. Entsprechend wird von einer „Fullcourtpress“ oder einer „Halfcourtpress“ gesprochen. Hierbei ergeben sich schon große Unterschiede in der Aufstellung und in der Verwendung. In dieser Analyse soll die Presse über das ganze Feld, wie sie Ludwigsburg ausübt, im Vordergrund stehen.

Des Weiteren kann die Press-Defense auch ganz verschiedene Ziele haben. Dabei muss klar gesagt werden, dass ein Ballgewinn nicht immer das primäre Ziel sein muss. Dieser Irrtum ist immer wieder zu finden, deswegen sollte verinnerlicht werden, dass eine Presse, die ohne Ballgewinn für das Team endet, nicht zwangsläufig eine nicht gelungene ist. So kann ein Team zwar auch auf den Steal gehen, in anderen Fällen dient die Press-Defense allerdings lediglich dazu etwas Zeit von der Uhr zu nehmen oder den Ball aus den Händen eines bestimmten Spielers zu forcieren.

Zu guter Letzt kann auch danach unterschieden werden, welche Aufstellung die Coaches bei der Presse nutzen.  In manchen Fällen ist diese nämlich schon ein Zeichen darauf, wie die Halbfeld-Defense danach aussehen wird. So kann eine Presse beispielsweise direkt in eine Zone übergehen und entsprechend sind die Spieler dann bereits aufgestellt. Genauso ist die Aufteilung der Spieler auch wichtig, um bei der entsprechenden Press-Defense zu wissen, wo die „Traps“ (Fallen) folgen sollen. 

Die Principles

Anhand des Beispiels der Full-Court-Presse MHP RIESEN Ludwigsburg aus der easycreditBBL, sollen die Principles („Grundsätze“) und Ziele nochmals taktiktheoretisch herausgestellt werden. Wie bereits erwähnt, geht es bei der Press-Defense nicht immer um den direkten Ballgewinn, allerdings ist der enorme Druck auf den Ball und die Gegenspieler immer Bestandteil. Um diesen erhöhen zu können und sinnvoll einzusetzen, gibt es natürliche bestimmte Prinzipien wie dieser erfolgen soll, um nicht einfach überspielt zu werden oder Kraft in eine ineffektive Presse zu investieren.

Zu aller erst stehen aber die so wichtigen Funktionen der fünf pressenden Spieler im Vordergrund. Natürlich können aus Gründen des Risikos nicht alle aktiv am Druck gegen den Ball teilnehmen, allerdings ist jeder Einzelne bei einer gut funktionierenden Press-Defense enorm wichtig. Grundsätzlich gilt das Prinzip aus dem Englischen; „two on the ball, two interceptors and one protector.“

Das bedeutet, dass zwei Spieler vorne direkt Druck auf den Ball ausüben, während zwei weitere Spieler mit Abstand dahinter als „Interceptors“ agieren, also um möglicherweise lange oder schwache Pässe abzufangen. Zu guter Letzt gibt es einen „Protector“, der sich meist schon in der eigenen Hälfte befindet und das ganze System schützt, falls die Presse überspielt wird. Natürlich wird trotzdem von den restlichen Spielern gefordert, dass sie schnell zurückkehren, da ein einziger Spieler den gegnerischen Schnellangriff nur schwer unterbinden kann.

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In der oben dargestellten beispielhaften Szene aus einem letztjährigen Spiel der Basketball-Bundesliga kann die Aufteilung gut erkannt werden. Zwei Spieler postieren sich direkt beim Einwerfer und setzen zusätzlich den ersten Guard stark unter Druck. Dass die Big Men des Teams (graue 4,5) wenig vorausschauend sofort über die Mittellinie laufen, spielt dem pressenden Team natürlich zusätzlich in die Karten, da sich nur noch ein weiterer anspielbereiter Spieler in der Hälfte aufhält. Dieser kann nun von den beiden „Interceptors“ (gelbe 1,3) in Schach gehalten werden. Diese beiden sollten am besten flinke Akteure sein, die Pässe antizipieren können und auch die Courage haben in Passwege zu springen.

Der „Protector“, welcher eigentlich immer ein Big Man sein sollte, befindet sich mit den beiden gegnerischen großen Spielern schon auf dem Weg zum eigenen Korb. Er sichert somit lange Pässe über die Mittellinie und die Gefahr möglicher Fastbreaks ab.

Doch wie genau wird aus dieser grundlegenden Formation eine effektive Presse? Dafür gibt es einige Regeln, die den Weg zu einer zielführenden Press-Defense erleichtern.

Dabei kommt dem pressenden Team auch immer der Basketballcourt selbst zu Hilfe. Immerhin können die Seiten- und Grundlinien als zusätzlicher Verteidiger genutzt werden, da Spieler, die sich unmittelbar in der Nähe dieser Linien befinden, grundsätzlich immer noch unter einen größerem Druck eines Ballverlustes stehen. 

So gibt es auf dem Court mehrere „Checkpoints“, wohin die pressende Mannschaft die Gegenspieler forcieren will, um den Druck auf den Ball nochmals zu erhöhen. Selbst wenn daraus nicht der Steal gelingt, besteht ein geringes Risiko sich sofort den Schnellangriff zu fangen. Dazu ist es zu allererst wichtig den Druck auf den ballführenden Spieler nach außen zu verlagern.

PRINCIPLE#1: KEINE MITTE ERLAUBEN!

Wie der folgenden Grafik entnommen werden kann, ist diese Regel von elementarer Wichtigkeit. Der pressende Spieler (hier in gelb) versucht den ballführenden Akteur immer gen Seitenauslinie beziehungsweise der schwarz gefärbten Punkte zu drängen. Mit diesem Druck ist es für den Ballhandler unmöglich in die Mitte zu ziehen, wo er den einfachen Weg nach vorne wählen könnte.

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(via Radius Athletics)

Voraussetzung für die Verlagerung der Offense nach außen ist eine gute und richtige Fußarbeit der pressenden Spieler. Durch die Fußstellungen und die anschließenden Bewegungen wird schließlich die Richtung des Ballhandlers vorgegeben und die Mitte kann geschlossen werden.

Zur Veranschaulichung kann man sich die Aufteilung des Courts wie ein Dach vorstellen. Ganz oben ist der ballführende und der pressende Spieler zu sehen. Die kleinen schwarzen Punkte sind wiederum die “Checkpoints”, wohin der in grau gefärbte Einser später forciert werden soll. Durch entsprechende Fußarbeit und Druck auf den Ball versucht der gelbe Einser nun den Gegenspieler entlang des “rooftops” zu den Seitenauslinien zu bringen. Ganz wichtig ist dabei, dass der Gegner nicht in den roten Bereich eindringen kann, da ihm so wieder die Mitte und meist einfache Punkte erlaubt werden. Von den Checkpoints an der Seitenauslinie und an der Baseline kann der graue Einser wenig kreieren und viel eher gedoppelt und zu Turnovern gezwungen werden.  

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(via Radius Athletics)

In der folgenden Sequenz ist deutlich zu sehen, wie der erste pressende Spieler, hier Shawn Huff, durch seine Fußarbeit dem ballführenden Spieler die Richtung vorgibt (zum rot gefärbten “Checkpoint”) und ihm keine Chance lässt nach innen zu ziehen. Diese Eigenschaft wird zusätzlich später noch wichtiger, wenn es um das Erstellen von Fallen und dem Erzwingen von Ballverlusten geht. Für Huff galt hier aber erstmal der Auftrag den Ballführer unter Druck zu setzen und den Crailsheim Merlins damit den Einstieg in die Offense zu erschweren.

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PRINCIPLE #2: BALL AUS DEN HÄNDEN DES BESTEN BALLHANDLERS FORCIEREN!

Um die Ziele der Press-Defense noch besser umsetzen zu können, macht es natürlich umso mehr Sinn, dass der beste Ballhandler des Gegners so selten wie möglich den Ball berührt. Immerhin könnte es diesem Spieler dank seiner Skills vielleicht doch gelingen die Presse zu überspielen. Außerdem ist er natürlich weniger Turnover-anfällig als beispielsweise Big Men, die den Ball über die Mittellinie bringen müssen. So ist es bei der Full-Court-Presse immer ein Ziel dem besten Ballhandler den Weg zum Ball so schwer wie möglich zu machen und ihn somit schon beim Einwurf daran zu hindern den Spalding zu erhalten. An dieser Formulierung lässt sich schon erkennen, dass diese Grundordnung natürlich nur eingenommen werden kann, wenn es zu einem Einwerfen des Balles kommt. Somit muss das Team, welches die Fullcourtpress ausüben möchte, selbst erst einmal einen Korb erzielt haben. Nach einem Fehlwurf ist es nur schwer möglich in eine Ordnung zu kommen, die eine fehlerlose Presse über das ganze Feld erlaubt. So haben Headcoaches beispielsweise auch ganz klare Regeln, wie nach einem erfolgreichen Wurf beziehungsweise einem Fehlwurf agiert werden soll.

Im unten gezeigten Beispiel können die MHP Riesen nach einem erfolgreichen Wurf in Korbnähe direkt in ihre Formation übergehen. Dazu stellen zwei Ludwigsburger sofort die beiden Berliner Guards zu, die bereit stehen um den Einwurf empfangen zu können. Ein dritter Riese orientiert sich zusätzlich zu dem Gegenspieler, der unter keinen Umständen den Ball erhalten darf. So wird Akeem Vargas hier zugestellt und der junge Ismet Akpinar wird zur ersten freien Option.

Sobald sich der gedoppelte Spieler, hier Vargas, nach vorne freilaufen will, kann ein Ludwigsburger von ihm ablassen und sich sofort auch um Akpinar kümmern. Immerhin wäre ein weiter Inbound-Pass immer mit einem hohen Risiko verbunden für die Berliner, weshalb der Fokus der Riesen erstmal darauf liegt die kurzen Einwürfe zu den guten Ballhandlern zu unterbinden.

Besonders beachten sollte man in dieser Szene die Akteure von ALBA Berlin. Guard Will Cherry weist lediglich seine Mitspieler an und Elmedin Kikanovic entfernt sich komplett von der Szene. Die beiden wären wichtige Anspielstationen für den unter Druck geratenen einwerfenden Spieler, selbst wenn sie wie im Fall von Kikanovic nur kurz den Ball aufnehmen und direkt weitergeben würden.

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Ein anderes Bild ergibt sich wenn, der beste Ballhandler selbst den Einwurf übernimmt. So muss der Druck der Ludwigsburger nicht besonders hoch sein auf dem Spieler, der den den Einwurf erhält. Immerhin wissen die Männer von John Patrick, dass ein größerer Spieler und damit meist schwächerer Ballhandler nicht die erste Option ist, wenn es darum geht den Ballvortrag zu übernehmen. Viel eher gehen sie davon aus, dass dieser Spieler den Ball nach dem Erhalt sofort an den einwerfenden Ballhandler übergibt. Aus diesem Grund sind die Ludwigsburger viel eher darauf fixiert dem Gaurd die Ballführung so schwer wie möglich zu machen.

Hier bekommt Konrad Wysocki nach dem Einwurf den Ball, ist aber bestrebt diesen sofort wieder an Cizauskas abzugeben. Dies ist den Ludwigsburgern bewusst, sodass sie keinen großen Druck auf Wysocki ausüben und sich, wie später gesehen werden kann, viel eher auf den Crailsheimer Aufbauspieler konzentrieren.

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Daraus ergibt sich auch schon der dritte wichtige Bestandteil der Press-Defense.

PRINCIPLE #3: GRÖßERE SPIELER WENIGER UNTER DRUCK SETZEN ALS KLEINE!

Eigentlich eine ganz logische Regel, die sich zudem aus der Letzten ergibt. Es ist zwar gewünscht, dass der Ball die Hände des besten Ballhandler verlässt, allerdings muss vermieden werden, dass der Schwächere, der den Ball nun empfängt zu stark unter Druck gesetzt wird. Dies hat gleich mehrere Gründe. Zum einen ist es manchmal gar nicht nötig einen schwachen Ballhandler so enorm unter Druck zu setzen, damit er einen Ballverlust kreiert. Viele werden versuchen den Spalding schnell loszuwerden und so ergeben sich daraus Möglichkeiten auf den Steal zu gehen.

Gleichzeitig zeigt dies den zweiten Grund auf. Schwächere Ballhandler wollen den Ball passen. Sie haben gar nicht vor mit dem Ball zu dribbeln, also ist es sehr gefährlich sie mit mehreren Spielern unter Druck zu setzen. Wenn der Ball nämlich dann weitergepasst wird, kann die Presse ganz schnell überspielt werden und bessere Ballhandler haben die Chancen mit viel Freiraum zu kreieren.

In der Sequenz setzen die beiden Ludwigsburger also nun den ballführenden Spieler stark unter Druck, vernachlässigen dabei aber den größeren Spieler. Denn auch ohne Ballgewinn muss der beste Crailsheimer Ballhandler den Ball abgeben und bis Konrad Wyocki mit dem Ball die Mittellinie überquert, ist Royce O’Neale schon wieder zurück bei ihm. Dem Angriff der Merlins raubt dies aber enorm wichtige Sekunden, womit ein Ziel der Presse erfüllt wäre.

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Eine weitere Möglichkeit, um die Wahrscheinlichkeit auf eine effektive Full-Court-Presse zu erhöhen, ist die Forcierung des Balles in die „Small Box“, was zum nächsten Grundsatz führt.

PRINCIPLE#4: SMALL BOX > BIG BOX

Dabei geht es um eine imaginäre Aufteilung des Basketballcourts, welche beim gegnerischen Einwurf vorzunehmen ist und Konsequenzen auf die Formation hat. Am einfachsten lässt sich dies in der folgenden Grafik erkennen.

(via Radius Athletics)

(via Radius Athletics)

Es wird immer von der Position des einwerfenden Spielers ausgegangen, der ja nicht immer mittig unter dem Korb steht, sondern meist eine deutliche Tendenz zu einer Seite hat. Dies hat dann Auswirkungen auf die entsprechende Aufteilung der  beiden Boxes. So deckt die „Small Box“, wie der Name sagt, den kleineren Teil vom Einwerfer bis zur Seitenauslinie und bis auf Höhe der Freiwurflinie ab, die „Big Box“ den großen Rest.  Für die pressende Mannschaft sollte es das Ziel sein, den Ball in die „Small Box“ und damit unterhalb der Freiwurflinie zu forcieren, weil dort die Wahrscheinlichkeit einer extrem effektiven Presse am höchsten ist. In der Big Box haben die Gegner extrem viel Raum, um den Druck aus der Press-Defense zu nehmen.

Wieder spielt die Fußarbeit der pressenden Spieler eine wichtige Rolle, um den Ball in dir richtigen Richtungen forcieren zu können. Wie hier zu erkennen ist, blockiert Adam Waleskowski unter dem Korb den Pass auf die linke Seite. Zudem schicken die Giessen 46ers extrem wenig Unterstützung bei diesem Einwurf, was die Forcierung in die „Small Box“ leichter macht, da der Giessener Ballhandler nach der Ballannahme nun ganz wenig Platz hat, um zu agieren.

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Für die Ludwigsburger ist dies eine Einladung, um eine Falle aufzuspannen. In der Ecke des Courts können sie den Giessener nun sehr stark unter Druck setzen, sodass diesem als Ausweg höchstens der Pass zu seinem Big Man bleibt. Somit hätten sie hier gleichzeitig das Ziel wieder erreicht, dass der bessere Ballhandler den Ball abgeben muss.

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Natürlich lassen sich die beiden Ziele nicht immer vereinen, da beispielsweise ein schwächerer Ballführer in der kleinen Box getrapt werden könnte, sodass letztendlich genau das Gegenteil passiert und der Spalding wieder in den Händen eines guten Ballhandlers landet. Dort sollte natürlich von Fall zu Fall abgewogen und die primären Ziele in den Vordergrund gestellt werden. Dies hängt dann wieder eng damit zusammen, ob ein direkter Ballgewinn (intensive Trap) oder nur die Forcierung des Balles in andere Hände und die damit verbundene Zeitverschleppung die Intention der Press-Defense ist.

Eine besondere Wichtigkeit besitzt bei den MHP Riesen somit der Spieler, der den einwerfen Spieler normalerweise decken würde. Dieser steht meistens mit dem Rücken zum Einwerfer, um die Spieler, die den Ball empfangen könnten, vor sich zu haben und sich entsprechend bewegen zu können. Somit hat dieser Akteur auch einen großen Einfluss darauf, wohin der Ball letztendlich gelangt, denn er kann, wie in der nächsten Szene zu sehen, die Passwege auf eine Seite sehr gut versperren und zudem den gegnerischen Spieler so noch tiefer in eine „Small Box“ drängen.

Der Hagener Brandon Jefferson muss aufgrund der Position des Ludwigsburgers unter dem Korb immer weiter Richtung Baseline, um noch irgendwie den Einwurf empfangen zu können. Dies spielt den Barockstädtern natürlich in die Karten, die in Person von Kerron Johnson dahinter noch mehr Druck auf Jefferson aufbauen und ihn sofort in eine Falle in der Ecke locken. Leichtes Spiel für die Männer von John Patrick.

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Die Press-Defense von Raoul Korner

Um die unterschiedlichen Intentionen und Spielweisen der Press-Defense zu verdeutlichen, soll zusätzlich das Beispiel der Basketball Löwen Braunschweig aus der letzten Saison dienen. Die Männer von Headcoach Raoul Korner spielten deutlich seltener eine Presse als die Ludwigsburger, hatten dabei aber klare Ziele, welche sich auch erkennbar in den Formationen widerspiegelten. Entsprechend hatte Korner auch unterschiedliche Signale, um seinen Spielern zu verdeutlichen, ob die Presse für den schnellen Ballgewinn oder für eine Tempoverschleppung gedacht war.

Double Crossed Fists

Bei dieser Presse, die mit zwei überkreuzten Fäusten angezeigt wurde, ging es Korner um die eigentliche Full-Court-Presse, wie sie die MHP Riesen Ludwigsburg konsequent spielt. Dabei war ebenfalls ein selbst erzielter Korb der Ausgangspunkt, um in die Presse überzugehen und so starteten die Braunschweiger auch direkt unter dem Korb, um den Druck so früh wie möglich aufzubauen. 

Bei den Löwen war unter Korner eindeutig die eingangs angesprochene klare Formation zu erkennen. Zwei Spieler bauten ganz vorne Druck auf, während zwei Akteure dahinter für das Abfangen von Pässen und das Auffangen von möglichen Fallen zuständig waren. Der Big Man, häufig der eher langsamere Kenny Frease, befand sich bereits in der eigenen Hälfte, um abzusichern.

In der folgenden Szene wird die Grundordnung nun deutlich. Nach dem Einwurf der Bremerhavener orientieren sich direkt zwei Braunschweiger zum Ball und setzen den besten Ballhandler der Eisbären, Jerry Smith, stark unter Druck. Dahinter lauern mit Lucas Gertz und Derek Needham (noch nicht im Bild) die beiden, die die Pässe nach vorne antizipieren und abfangen wollen. Wieder macht es der Gegner, die Bremerhavener in dem Fall, nicht gut und so hat Smith aufgrund der wenigen Anspielstationen direkt viel Druck.

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Dank dem flinken Kyle Fogg, der sich lösen kann, findet Smith einen brauchbaren Passempfänger, was gleichzeitig das Doppeln der Braunschweiger auflöst. Während drei Löwen nun hinter dem Ball sind und zurücksprinten müssen, greift Derek Needham ein und hilft seiner Mannschaft damit ungemein. Er stellt den nun ballführenden Spieler sofort, sodass dieser keine Möglichkeit besitzt den Schnellangriff einzuleiten.

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Hier kommt gleichzeitig die erste der Principles zum Tragen. Der Braunschweiger Guard erlaubt Fogg nicht zur Mitte zu ziehen, was gut an der Fußstellung und Körperhaltung von Needham erkannt werden kann. Viel eher forciert er den Bremerhavener in Richtung einer der „Chechpoints“, was Fogg zum Abstoppen bringt und den Braunschweigern hier sogar die Möglichkeit gibt eine Trap aufzubauen.

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Noch erfolgreicher lief die Press-Defense der Braunschweiger in diesem Beispiel aus dem Spiel gegen Würzburg. Nachdem Joshiko Saibou hier Probleme mit dem Ballhandling hat, stehen zwei Löwen bereit, um noch mehr Druck auf ihn auszuüben. Die Spieler dahinter machen die Passwege zu und bieten den Würzburgern damit noch weniger Raum zum Spielaufbau.

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Nun wird deutlich wie wichtig die Rollen dieser beiden „Interceptors“ ist. Nachdem der eine, in dem Fall Robin Amaize, die Probleme von Saibou erkennt sprintet er zu ihm hin, um ihn zu trappen. Da Saibou nun nur noch einen Passweg frei hat, muss der andere Interceptor, Jermaine Anderson, diesen nun mit einem Lauf schließen. Als ihm das gelingt, kann er den Pass abfangen und dank des Ballgewinns den einfachen Fastbreak einleiten.

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Double Fists

Während die erste Presse der Braunschweiger also stärker auf den Ballgewinn ausgelegt war, handelt es sich bei der von Korner lediglich mit zwei Fäusten angezeigten Form, die das Tempo reduzieren und eher Zeit von der Uhr nehmen soll. Diese Presse wird zwar auch nur bei eigenen erfolgreichen Würfen angewandt, beginnt aber dann nicht direkt unter dem Korb. Viel eher ziehen sich die Spieler etwas zurück, um dann in einem geordneten 2-2-1 Druck auf den Ball auszuüben. Dabei bewegen sich die beiden Zweierreihen immer horizontal und verschieben auf die Seite, wo sich der Ball befindet. Der Center agiert wieder als Absicherung und positioniert sich bereits unter dem eigenen Korb.

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Durch das frühe Ausüben des Drucks, wird der Gegner meist dazu gezwungen schon mehrere Pässe zu spielen bis er überhaupt über die Mittellinie kommt. Dies ermöglicht vor allem auch der ersten Zweierreihe, die meist aus schnellen Spielern besteht, auch mal zwischen die Passwege zu kommen und vielleicht sogar einen Ballverlust zu erzwingen. Allgemein erhöht sich das Risiko beim Spielaufbau für das gegnerische Team je mehr es passen muss. So ist diese leichte Form der Presse durchaus ein Mittel, um den Rhythmus des anderen Teams zu stören, welches es sonst gewohnt ist einfach den Ball in die andere Hälfte zu dribbeln.

Bei den Basketball Löwen Braunschweig führte diese Form der Press-Defense zusätzlich dazu, dass sie am Ende aus dieser 2-2-1-Aufstellung langsam in eine 2-3-Zone übergingen. Damit wurde nicht nur der Rhythmus gestört und der Spielaufbau verlangsamt, sondern der Gegner hatte mit der neuen Verteidigungsart auch in der Halfcourt-Offense ein neues Problem zu lösen.

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Raoul Korner war neben John Patrick einer der wenige Coaches, der dieses Mittel in der vergangenen Saison nutzte. Für Braunschweig war dies, wie hier auch schon ausführlich analysiert, einer der Gründe, warum sie trotz geringer Mittel so eine starke Saison spielen konnten. Allerdings wird für diese intensive Art der Verteidigung auch immer das passende Spielermaterial gebraucht, um es wirklich dauerhaft einsetzen und damit erfolgreich sein zu können. Während es bei John Patrick aufgrund der Verpflichtungen schon schon absehbar ist, dass wir in Ludwigsburg wieder eine starke Press-Defense sehen werden, bleibt abzuwarten, wie Korner dies bei medi Bayreuth umsetzen kann.

Fazit

Bei der Press-Defense handelt es sich um eine sehr interessante aber auch komplexe Art der Defense, die in so konsequenter Form wie bei den MHP Riesen Ludwigsburg sicherlich nicht häufig zu sehen ist. Es braucht viel Coaching-Erfahrung, um die Presse jedes Jahr auch mit neuen Spielern immer wieder einzustudieren und sie dann auch erfolgreich über eine Saison umzusetzen. Sicherlich birgt die Press-Defense auch einige Gefahren, die sich schnell auf die Motivation der Spieler, diese weiterhin zu auszuführen, niederschlägt. Allerdings muss auch beachtet werden, dass jederzeit in eine normale Verteidigungsform übergangen werden kann und die Presse somit nur eine zusätzliche Waffe im breitgefächerten Coaching-Arsenal ist. Dank des großen Verfechters John Patrick werden wir uns aber wohl auch zukünftig auf abwechslungsreiche Basketballspiele freuen und mit ansehen dürfen, wie der US-Amerikaner so manches Top-Team mit der „40-Minuten-Hölle“ zur Verzweiflung bringt.

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1 comment

  1. Coach K

    Sehr gut geschrieben, dazu gute Bilder.

    Ich hoffe es werden weiter so taktische Situationen Beleuchtet.


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