ratiopharm Ulm, Telekom Baskets Bonn

Tactic Takeaways: Bonn & Ulm beim Gezeiten Haus Cup

Analyse zu den Vorbereitungsspielen in Bad Honnef

Wie im letzten Jahr nahmen die beiden Bundesligisten Telekom Baskets Bonn und ratiopharm Ulm beim Vorbereitungsturnier in Bad Honnef, dem sogegannten „Gezeiten Haus Cup“, teil. In ihrer ersten Partie trafen sie sogar direkt aufeinander, während danach jeweils ein Spiel gegen eine unterklassige Mannschaft anstand. Wir waren vor Ort und haben die wichtigsten Eindrücke, Analysen und Plays für euch gesammelt.

Telekom Baskets Bonn – Unscheinbar gut?

Die Telekom Baskets kamen runderneuert aus der Sommerpause zurück, nachdem gerade einmal Florian Koch aus der vergangenen Saison im Rheinland blieb. Im Turnierverlauf in Bad Honnef war davon allerdings reichlich wenig zu merken. Headcoach Silvano Poropat schien die Vorbereitung bereits gut genutzt zu haben, um aus den vielen Neuzugängen ein Team zu formen.

Direkt im ersten Spiel gegen Ligakonkurrent ratiopharm Ulm überzeugte Bonn dank einer starken ersten Hälfte. Während die Ulmer etwas müde wirkten, kamen die Bonner gut in ihre Plays und verwandelten die daraus entstandenen Würfe. Zusätzlich trafen sie in dieser Phase extrem schwere Dreier, die zur Sicherheit und dem Rhythmus der ersten Halbzeit beitrugen. Ganz besonders stach dabei der neue Big Man Julian Gamble heraus, den Poropat aus Belgien an den Rhein lotste. Der US-Amerikaner bringt eine unheimliche Physis und Athletik unter den Brettern mit, die man letztes Jahr bei den Baskets vergeblich suchte. Im Matchup gegen Raymar Morgan und auch den deutlich größeren Philipp Neumann stellte Gamble unter Beweis mit welcher Wucht er unter dem Korb beziehungsweise im Post-Up agieren kann. Auch wenn noch nicht jeder Nahdistanzwurf am Ende den Weg durch die Reuse fand, waren dies vielversprechende Ansätze am Bonner Brett. Hinzu kommt, dass Gamble sich zudem sicher im Passing, insbesondere aus dem Low-Post, zeigte, was den Bonnern noch mehr Möglichkeiten in der Offensive eröffnete. Immer wieder konnten daraus die kleineren Spieler Würfe kreieren oder in ein einfaches Pick&Roll kommen.

In dieser Szene bekommen die Telekom Baskets aus ihrem „5 Down“-Set (siehe am Ende des Artikels) den US-Amerikaner in eine gute Low-Post-Position. Nachdem er von Konstantin Klein angespielt wurde, kann er entweder den Korb attackieren oder einen Schützen an der Dreierlinie finden. Denn gleichzeitig stellen die Baskets noch einen Downscreen auf Höhe der Freiwurflinie, hier Kenneth Horton, damit ein Schütze nach oben schneiden und angespielt werden kann.

www.sportdeutschland.tv

www.sportdeutschland.tv

Großes Manko dieses Plays mit vielen Optionen ist allerdings das Spacing. Wie hier gut erkannt werden kann, stehen Gamble, Horton und Ryan Thompson in einer Linie, sodass die Passoptionen für den aufpostenden Bonner schon geringer werden. Dies schlägt sich auch auf der Courtbalance nieder, sodass vier Bonner innerhalb eines kleinen Raums stehen und nur einer auf der Weakside postiert ist.

www.sportdeutschland.tv

www.sportdeutschland.tv

Genauso hatten solche Spacingprobleme auch Auswirkungen auf die Möglichkeiten von Drives für die kleineren Spieler. Nach mehreren Blöcken abseits des Balls kommt Gamble hier nun für einen Ballscreen zu Josh Mayo. Allerdings macht sich Horton auch schon für einen Block auf Höhe der Freiwurflinie bereit, was zur Folge hat, dass sein Gegenspieler den Zug zum Korb von Mayo sofort unterbinden könnte. Für den Bonner Point Guard bleibt letztendlich nur der Swingpass auf die andere Seite und die Offense gerät ins Stocken.

www.sportdeutschland.tv

www.sportdeutschland.tv

Hier müssen die Männer von Silvano Poropat die richtige Feinabstimmung finden, um Gamble so noch effektiver nutzen zu können. Genauso wird der Wurf von Gamble ein Faktor. Immerhin ist der US-Amerikaner nur in direkter Korbnähe gefährlich und kann daher schon in Mitteldistanzposition außer Acht gelassen werden. An diesem Wochenende in Bad Honnef nahm der Neuzugang der Bonner zwei Würfe von außerhalb des bemalten Bereichs und keiner der beiden Versuche berührte auch nur den Ring.  

Dies wird vor allem in einer Lineup mit Johannes Richter kompliziert, da auch der deutsche Forward in der BBL noch nicht einen konstanten Distanzwurf vorweisen konnte. So wurde es unter dem Korb extrem eng und gipfelte in einer Situation, in der Richter zum Korb ziehen wollte, wo allerdings schon Gamble versuchte sich Platz zu verschaffen. Letztendlich standen sie sich gegenseitig im Weg und die Possession endete in einem Ballverlust.

www.sportdeutschland.tv

www.sportdeutschland.tv

Hier wird es definitiv von Wichtigkeit sein, dass Richter sich zutraut auch die Würfe von weiter außen zu nehmen, um Gamble den Raum im Post zu geben. Ein ganz anderes Bild ergab sich nämlich dann, wenn Kenneth Horton für die Bonner das Parkett betrat. Der Ex-Bayreuther zeigte sich beim Gezeiten Haus Cup extrem sicher aus der Distanz und half somit auch seinem Frontcourt-Partner, der so den entstandenen Platz nutzen konnte. Dabei war es auffällig, dass Poropat konstant Horton mit Filip Barovic auf das Parkett schickte und somit Gamble eher mit Richter. Es wird interessant zu sehen sein, in wie fern der Bonner Headcoach diese Formationen im Verlaufe der nächsten Wochen ändern muss, falls weiterhin Spacingprobleme aufgrund der Big Man-Paarungen entstehen.

Barovic jedenfalls nutzte Hortons „Gravity“, um seine Post-Moves anzubringen und bewies dabei neben Physis auch ein weiches Handgelenk in Korbnähe. Insbesondere die körperlich unterlegenen Rhöndorfer ließen den Serben immer wieder zu einfachen Punkten kommen oder wollten diese mit einem Doppeln verhindern, was wiederum dazu führte, dass Horton schnell drei einfache Dreipunktwürfe verwandeln konnte.

Auch auf den kleinen Positionen veränderte sich das Gesicht der Telekom Baskets in diesem Sommer. Während letzte Saison noch Eugene Lawrence extrem viel Verantwortung im Spielaufbau übernahm, wurden diese Aufgaben für die kommende Spielzeit auf mehrere Schultern verteilt. Auf den ersten Blick wurden zwar “nur” Konstantin Klein und Josh Mayo als Aufbauspieler verpflichtet, allerdings zeigt sich, das wie im Artikel über Würzburg bereits erwähnt, die Anzahl der Ballhandler im Bonner Kader deutlich höher ist. Neben Klein und Mayo, die anders als vielleicht vermutet nicht nur gegeneinander ausgewechselt wurden, sondern auch gleichzeitig auf dem Feld agierten, übernahmen auch Spieler wie T.J. DiLeo oder Yorman Polas Bartolo den Ballvortrag. Genauso kann Ryan Thompson, der nur eine Partie an diesem Wochenende bestritt, sehr gut mit dem Ball umgehen und eine Option für die Initiierung eines Plays sein. Somit sollte man sich auch hier davon lösen den Blick zu sehr auf Klein und Mayo zu richten, da Bonn in der nächsten Spielzeit deutlich variabler aufgestellt sein wird als noch in der vergangenen.

Positiv vermerkt werden kann auf jeden Fall bereits das harmonische Zusammenspiel der beiden Neuzugängen Mayo und Klein. Wenn sie gleichzeitig auf dem Parkett standen fanden sie eine gute Mischung, um sich gegenseitig zu entlasten und sich zudem so noch besser selbst in Szene setzen zu können. Weiterhin wurde deutlich, dass die Rheinländer sich mit dem 1,82m kleinen Mayo einen richtig starken Shooter an Land gezogen haben, der abseits des Balls extrem respektiert werden muss und somit für ordentlich Spacing sorgen kann. Klein hatte bei diesem Turnier nicht so viel Wurfglück, setzte dafür aber einige defensive Akzente. Silvano Poropat gab immer mal wieder das Zeichen, dass bei unsicherereren Ballführern angepresst werden sollte, um möglicherweise einen Ballgewinn zu erzielen. Klein fungiert dabei meist an der Spitze und nutzte seine Beweglichkeit und Aggressivität, um enormen Druck aufzubauen. Gleiches kann auch von T.J. DiLeo behauptet werden, der viele Minuten bekam und dabei nicht nur als reiner Schütze fungierte, sondern wichtige Verantwortung in der Bonner Offense trug. 

Dies machte das Bonner Spiel allgemein sehr ausgeglichen, was sich dann später auch in den Punkten niederschlug. Insgesamt wirkten sie für den frühen Punkt der Vorbereitung bereits eingespielt, wenn auch, wie oben angesprochen, Feinheiten in den Plays oder Principles zu klären sind. Sollte Poropat diese Unklarheiten bereinigen können und eine gute Mischung im Inside-Outside-Game finden, könnte es eine äußerst spannende Saison für die Rheinländer werden. Immerhin wurden nach dem schwachen letzten Jahr in diesem Sommer große Verpflichtungen von den Baskets erwartet. Dies blieben von den Namen her, bis auf Ryan Thompson, aus. Viel eher könnte diese extreme Ausgeglichenheit ohne wirklichen Star das große Plus für die Bonner werden. Weiterhin sind die meisten Akteure bereits mit einer enormen Erfahrung ausgestattet, was sie zu einer noch clevereren Mannschaft macht. 

Im Endeffekt bleibt somit also ein eher unspektakulärer Sommer in Bonn, welcher ein vermeintlich unspektakuläres Team hervorgebracht hat. Doch genau dies scheint exakt nach dem Geschmack von Coach Silvano Poropat zu sein, der mit einem Team in Bonn agieren kann, welches sich, anders als im letzten Jahr, nicht auf Leistungen von Einzelspielern verlassen muss. Ein Team, welches unscheinbar daherkommt und von den Namen her nicht mit den Top-Teams der Liga mithalten kann. Vielleicht unscheinbar gut?

Player(s) to watch 

JULIAN GAMBLE. JULIAN GAMBLE. JULIAN GAMBLE.

 

Wichtigste Plays

“5 Down”

Das bereits oben angesprochene Play ist hauptsächlich für Big Man Julian Gamble konstruiert, der innerhalb des Sets zwei Mal die Möglichkeit erhält aufzuposten und den Ball zu bekommen. Weiterhin wird daraus ein Screen-the-Screener-Play, sodass der unterm Korb postierte Blocksteller danach einen Screen erhält, um den Ball oben zu erhalten.

Bonn_5DownBonn_5Down1

 

 

 

 

 

 

Bonn_5Down2Bonn_5Down3

 

 

 

 

 

 

 

Zusätzlich waren auch zwei simple Plays häufig zu sehen, die auch mit etwas weniger Zeit auf der Wurfuhr noch einiges an Bewegung liefern und immer wieder gute Würfe hervorbringen können. Natürlich wird hier auch einiges an Eigeninitiative von den Spielern erfordert, die dann aus dem laufenden Spiel selbst kreieren sollen.

“Horns Side” 

Bonn_HORNSSideBonn_HORNSSide1

 

 

 

 

 

 

Bonn_HORNSSide2

 “Fist Down”

Bonn_FistDownBonn_FistDown1

 

 

 

 

 

 

 

ratiopharm Ulm – Sinnvoll verstärkt?

Nach der Vizemeisterschaft in der letzten Saison verlief der Sommer in Ulm äußerst ruhig. Lediglich Defensivspezialist Pierria Henry und der länger verletzte David Brembly verließen die Donaustadt. Dafür wechselten Braydon Hobbs und Karsten Tadda von den Giessen 46ers nach Ulm. Als der Kader dann eigentlich schon komplett schien, schloss sich plötzlich auch der Ex-Ulmer Tim Ohlbrecht wieder den Schwaben an, was der Mannschaft, die in den Playoffs aufgrund Verletzungen häufig äußerst dezimiert auftreten musste, noch mehr Tiefe verleiht.

Beim Gezeiten Haus Cup am letzten Wochenende waren direkt auch alle drei Neuzugänge bereits in Action. Dafür musste Headcoach Thorsten Leibenath allerdings auf Taylor Braun und Augustine Rubit verzichten, die kürzlich erst operiert wurden. 

Somit konnte die spannende Frage, wie Ohlbrecht sich in die beiden eingespielten Big Men integrieren könne, nur zu Teilen beantwortet werden. Immerhin war der deutsche Forward vor zwei Jahren noch der Anker in der Ulmer Offensive. Das Pick&Roll mit Per Günther war die wichtigste Waffe, ehe dann später auch Ian Vougioukas dem Ulmer Spiel seinen Stempel aufdrücken konnte. In der vergangenen Saison änderte sich da, da mit Raymar Morgan und Augustine Rubit zwei variablere Bigs bei Ulm starteten, die immer besser zusammenfanden und in den Playoffs der wohl wichtigste Grund waren, warum die Donaustädter später in der Finalserie standen. Nun kommt also ein weiterer Großer hinzu, der Platz für sich beansprucht und die Spielweise von Morgan und Rubit möglicherweise etwas ändert.

Während Morgan in der letzten Spielzeit die meiste Zeit auf der Fünf verbrachte, wurde er in Lineups mit Ohlbrecht nominell sofort zum Power Forward. Ohlbrecht übernahm den Center des Gegners in der Defensive, weshalb Morgan sich nun etwas kleineren und möglicherweise beweglichereren Spielern gegenübersehen wird. Aufgrund seiner eigenen Schnelligkeit sollte dies für den US-Amerikaner wohl keine Probleme darstellen. Jedenfalls wird Ulm durch diese Athletik in der kommenden Saison in Sachen Rim-Protection noch besser aufgestellt sein und besonders gegen Teams, die, wie beispielsweise der FC Bayern Basketball, auf größere Big Men setzen, haben die Spatzen mehr Möglichkeiten. 

In der Offense stellte Ohlbrecht unter Beweis, dass auch er den Dreier treffen kann, wenn auch seine Wurfbewegung weiterhin nicht komplett flüssig aussieht. Mit ihm als weiteren Big, der werfen kann, wird sich die Balance zwischen Inside- und Outside-Game somit zur nächsten Saison kaum verschieben. Um sich gegenseitig Platz unter dem Korb zu lassen, zeigte Ulm einige clevere Plays, die die Big Men beinhalteten.

In dieser Szene läuft ratiopharm Ulm das normale HORNS-Set, allerdings starten nicht die beiden großen Spieler an den “Elbows”, sondern Karstan Tadda gesellt sich zu Tim Ohlbrecht. Dies hat zur Folge, dass Morgan sich in einer der Ecken platziert. Nun bekommt Tadda einen Block von Ohlbrecht, wonach er den Ball erhalten könnte.

www.sportdeutschland.tv

www.sportdeutschland.tv

Hier wird Ohlbrecht selbst dann aber noch einen Ballscreen stellen und das normale Blocken und Abrollen mit Hobbs laufen. Ganz simpel gespielt, durch die Fähigkeit von Morgan auch in der Ecke Gefahr auszustrahlen, wird aber erst so viel Platz für Ohlbrecht frei.

www.sportdeutschland.tv

www.sportdeutschland.tv

Dies wird definitiv ein Mittel sein, mit dem ratiopharm Ulm über die Saison hinweg agieren wird, wenn es darum geht Morgan und Ohlbrecht in der Offense sinnvoll zu nutzen. Es ist der Beginn der Vorbereitung, weswegen die beiden auch noch nicht viel miteinander gespielt haben. So wird es interessant zu sehen sein, ob Leibenath sie kontinuierlich zusammen auf das Parkett schickt oder ob es aufgrund von entstehenden Spacingproblemen mehr ein Wechselspiel zwischen Morgan und Ohlbrecht wird. Dies wiederum hätte dann Auswirkungen auf die Spielzeit von Philipp Neumann, der ja trotz der Verpflichtung von Ohlbrecht an der Donau blieb und auch an diesem Wochenende einige Minuten erhielt. Aufgrund der Länge der Saison und den zusätzlichen Eurocup-Spielen unter der Woche könnte der Verbleib von Neumann natürlich auch nochmals um einiges wichtiger werden. 

Die beiden Neuzugänge auf den Guard-Positionen, Karsten Tadda und Braydon Hobbs, bekamen beim Gezeiten Haus Cup viel Spielzeit, um sich weiter an das Spiel der Ulmer zu gewöhnen. Es war offensichtlich, dass beide noch nicht lange im Team sind, so gab es auch immer wieder deutliche Anweisungen von der Seitenlinie in Richtung der beiden. Dabei sind die Schwachstellen der Ex-Gießener komplett unterschiedlich. Tadda bewies defensiv wieder ein mal, wie aggressiv er am Ball sein kann und welche Wichtigkeit dies auch für die Ulmer haben kann. Dagegen fiel ihm die Integration in die Offensive noch schwerer, weshalb er immer mal wieder einen Cut verpasste oder letztendlich einen schwächeren Wurf nehmen musste. Bei Hobbs ist eher das Gegenteil der Fall. Der US-Amerikaner zeigte tolle Ansätze seiner Spielübersicht und hatte einige starke Pässe auf Lager, die immer wieder zu einfachen Punkten führten. Allerdings offenbarte er defensiv klare Schwächen, die die Ulmer noch vor Probleme stellen könnte. 

Bereits vergangene Saison stach Hobbs in Gießen nicht als Defensivspezialist hervor, allerdings war man in Ulm durch Pierria Henry zuletzt ein anderes Niveau gewöhnt. Hier wird entscheidend sein, in wie fern diese Schwachstellen ausgemerzt werden können, denn auch Per Günther ist kein ausgewiesener Defender. Erst mit der Rückkehr von Taylor Braun wird sich defensiv die Lage auf den Guard-Positionen wieder etwas entspannen. Am Wochenende war nämlich insbesondere in der Pick&Roll-Defense zu merken, dass Hobbs noch einige Zeit benötigt. Immer mal wieder gab es Abstimmungsprobleme beim Ausrufen der Verteidigungsart, weshalb die Big Men manchmal falsch positioniert waren. 

In der folgenden Sequenz kommt Hobbs schlicht viel zu langsam um den Block herum, um irgendeine Chance zu haben noch in das Play eingreifen zu können. Zusätzlich kommt Ohlbrecht hier ungewöhnlich hoch, weshalb der Hanauer Guard nun eine 4-gegen-3-Situation vorfindet und daraus locker Kapital schlagen kann.

GHCUlm2

Diese Feinabstimmungen sollten natürlich innerhalb der nächsten Wochen noch zu klären sein. Trotzdem wird die Defense von Hobbs ein wichtiger Faktor, sollte er auch nach der Rückkehr von Braun so viele Minuten erhalten. Hier wird es somit ganz interessant zu sehen sein, ob er regelmäßig mit Günther auf dem Parkett steht oder ob zur defensiven Absicherung eher ein Spieler wie Braun, Tadda oder Chris Babb an Hobbs Seite aufläuft. Beim Gezeiten Haus Cup wählte Leibenath sogar häufig eine Lineup mit drei Guards, sodass Günther, Tadda und Hobbs gleichzeitig auf dem Parkett zu finden waren. In der Offense macht sie das nochmals um einiges schneller und gibt ihnen viele Möglichkeiten im Austauschen der Positionen und im Ballhandling. Um die Frage letztendlich auch für die Defense beantworten zu können, müssen noch mehr Spiele gegen erstklassige Teams bestritten werden. 

Allgemein war auf jeden Fall wie in der vergangenen Saison zu erkennen, dass die Ulmer in der Defensive weiterhin jederzeit switchen können. Im Blocken und Abrollen verteidigen sie an der Seite genauso wie die Bonner in der ICE-Defense (in Ulm: BLUE), um Drives durch die Mitte zu verhindern. Dies klappte, wie oben am Beispiel von Hobbs dargestellt, auch noch nicht in Gänze, allerdings werden auch dort die drei Neuzugänge in den kommenden Wochen und Spielen schnell zu integrieren sein. 

Letztendlich kann gesagt werden, dass ratiopharm Ulm am Wochenende zwar zwei mal den Start in die Partien verschlief, sich aber immer noch gut aus der Affäre zog. Es war offensichtlich, dass sie zwar noch nicht so weit wie die Telekom Baskets waren, aber schon einige Ansätze zeigten, wohin es mit den Neuzugängen in der neuen Spielzeit gehen könnte. Es ist nach einer solch erfolgreichen Saison wie die letzte, natürlich niemals einfach immer den genau passenden Ersatz zu finden. Deswegen bleiben nach den ersten Eindrücken auch noch einige Fragezeichen hinter den neuen Spielern und wie sie in das Konstrukt passen. Trotzdem ist auch klar, dass eben nur zwei Akteure das Team verließen, sodass eigentlich schon damit gerechnet werden kann, dass Ulm wieder oben mitspielt. Ob die Neuverpflichtungen dann so sinnvoll waren, dass man sogar noch einen Schritt weiter gehen kann, als in der letzten Spielzeit, wird erst die Zukunft zeigen. 

Player(s) to watch

Joschka Ferner. Vom Erfolg bei der U20-EM scheinbar beflügelt, legte der 20-Jährige ein starkes Wochenende hin. Er erhielt viel Vertrauen und somit Spielzeit, um sein Können zu zeigen. Anders als noch häufig in den BBL-Partien, zeigte sich Ferner offensiv aktiver, traute sich einiges zu und glänzte vor allem mit tollen Cuts, die immer wieder zu Punkten führten. Ganz egal ob er dabei selbst am Ende als Abnehmer stand oder er nur Freiräume für seine Mitspieler schaffte. 

So wie in dieser Situation, die wohl auf keinem Spielberichtsbogen zu finden sein wird. Nachdem Babb und Ohlbrecht versuchen ein Pick&Roll aufzuziehen, bemerkt Ferner, dass er zusammen mit Da’Sean Butler ebenfalls auf der gleichen Seite steht. Da das schlechte Spacing der Offensive schadet, schneidet Ferner sofort an der Baseline entlang zur andere Seite. Diese kurze Verwirrung reicht, damit Butler nun frei in der Ecke angespielt werden kann und den Dreier einnetzt. 

www.sportdeutschland.tv

www.sportdeutschland.tv

Ferner spielte mit Selbstvertrauen auf, agierte mehr mit dem Ball, wenn auch sein Ballhandling weiterhin noch nicht so sicher ist, und bewies Spielwitz. Mit solchen Leistungen dürfte er auf den Flügelpositionen in der kommenden Saison eine echte Alternative sein. 

Wichtigste Plays

Da wir in der vergangenen Spielzeit bereits viele Set-Plays der Ulmer erläuteren, konzentrieren wir hier nur noch auf ein interessante Variante, die Leibenath am Wochenende aus der HORNS-Formation laufen ließ. Dabei erhält der Ballhandler zuerst einen Screen eines Großen, der dann zur Dreierlinie hochkommt, um dort den Ball zu erhalten. Die zwei Spieler auf der Weakside starten nun ein Two-Man-Game, indem erst der Big für den kleinen einen Block stellt, damit dieser cutten kann.

Dies ist allerdings nur eine Verwirrung, sodass der Cutter abrupt stoppt, um einen Block für den anderen Spieler zu stellen. Dieser kommt nun an die 6,75-Linie heraus und bekommt den Spalding sofort zugepasst. Insbesondere Da’Sean Butler erhielt aus diesem Play immer wieder gute Wurfmöglichkeiten, weil das gegnerische Team sich zu stark an dem cuttenden Spieler (am Wochenende: Karsten Tadda) orientierte und den folgenden Screen zu spät erkannte.

Ulm_HeadUlm_Head1

 

 

 

 

 

 

 

Ulm_Head2

Fazit

Der Gezeiten Haus Cup am letzten Wochenende in Bad Honnef gab definitiv schon tiefe Einblicke in die Identität der beiden Bundesligisten. Während Ulm nach nur wenig Veränderungen im Sommer noch etwas Zeit und die Rückkehr von zwei wichtigen Spielern benötigt, zeigten sich die runderneuerten Telekom Baskets  schon relativ weit. Das von Silvano Poropat geformte Team wird dies nun in den kommenden Wochen, beispielsweise beim hochklassig besetzten Kranz Parkhotel Cup in Bonn, beweisen müssen. Für die Ulmer geht es vor allem darum, die Verletzungen zu kompensieren, um nicht wie im letzten Jahr den Saisonstart zu verschlafen. Wenn beiden Teams dies gelingt, haben wir am Wochenende mit hoher Wahrscheinlichkeit zwei BBL-Playoff-Teams in Bad Honnef gesehen. 

  •  
  • 7
  •  
  •  
  •  
  •  

Melde dich an, um einen Kommentar zu schreiben