All Eyes On, BBL, Scouting

All Eyes On – Jonathan Maier

Der junge deutsche Big Man im Scouting Report

JONATHAN MAIER

Foto: MBC/Kuch

Geboren: 9. Dezember 1992 in Schramberg

Größe: 2.10 m Gewicht: 106 kg

Position: Center

Verein: Mitteldeutscher BC, im Verein seit 2015

 

Offseason-Eintrag

Letzte Saison

Die vergangene Spielzeit war für Jonathan Maier die letzte als Doppellizenzler. Bei ratiopharm Ulm kam er hauptsächlich in der Garbage Time zum Einsatz, während er in der ProB für den Kooperationspartner Weißenhorn Youngstars eine wichtige Stütze war. Für die Ulmer hingegen kam der 22-Jährige in durchschnittlich fünf Minuten pro Partie auf 1.9 Punkte (52.2% Field Goals, 20% Freiwürfe) und 1.2 Rebounds pro Spiel. Für Weißenhorn legte der Center in durchschnittlich 25 Minuten 11 Punkte (46.5% Field Goals, 25% 3pt, 64.3% Freiwürfe), 6.5 Rebounds und 1.3 Blocks pro Spiel auf.
Maier ist ein klassischer Fünfer, der eher in der Zone seine Stärken hat. Er besitzt ein für einen Center tolles Offensiv-Skillset. 73.3% seiner Abschlüsse waren in der Zone, 63.6% derer konnte er erfolgreich abschließen. Zusätzlich kann man sagen, dass der 22-Jährige in seiner begrenzten Spielzeit ordentlich reboundet. Der 23-Jährige sollte allerdings noch ein bisschen Muskelmasse draufpacken, damit er gegen die Center in der BBL bestehen kann. Auch an seiner Defense muss er arbeiten, da er zwar vorne für die ein oder andere Aktion sorgen, aber am eigenen Korb als Ringbeschützer nicht wirklich überzeugen konnte. Zudem sollte Maier auch an seinem Sprungwurf arbeiten, damit er vielseitiger wird und seiner Mannschaft mit ein wenig Spacing helfen könnte.

In dieser Saison sind die Zeiten als dritter Center erst einmal vorbei. Nun muss Jonathan Maier beim MBC als Backup von Chris Otule zeigen, dass er ein erstligatauglicher Center ist. Unter Coach Silvano Poropat dürfte er viele Einsatzminuten bekommen, um sich zu beweisen.

Update: bis Spieltag 11

Der MBC ist bisher trotz vergleichsweise geringem Etat eine der negativen Überraschungen dieser Saison. Zwar erwartete niemand einen ähnlich herausragenden Start wie in der vergangenen Spielzeit, doch nur zwei Siege aus den ersten 17 Partien sind definitiv zu wenig für das junge Team von Headcoach Predrag Krunic. Vor allem die Tatsache, dass die Weißenfelser nur in wenigen Fällen am Ende des Spiels eine reelle Chance besaßen, das Parkett als Gewinner zu verlassen, drückte die Stimmung im Lager des Tabellenletzten.

Auch bei unserem “All Eyes On”-Prospect Jonathan Maier gibt es noch viele Baustellen. Wir haben die Saison des jungen Big Man auch aus diesem Grund in zwei Parts eingeteilt. Zum einen steht der Teil vom ersten bis elften Spieltag, in der zweiten Hälfte finden sich die restlichen sechs Spiele der Hinrunde wieder.

Positiv anzumerken ist im Vorhinein auf jeden Fall schon mal, dass der Center absolut und durchschnittlich mehr Minuten als in der Vorsaison spielt und bisher lediglich zwei Saisonspiele verpasst hat. Trotzdem hätte bei seiner doch enorm vergrößerten Rolle erwartet werden können, dass er mehr Spielzeit sieht, als bisher. Immerhin kam er in der Hinrunde nur vier Mal über die zehn Minuten Einsatzzeit. Diese Spiele finden sich, wie eingangs erwähnt, unter den ersten elf Partien der Saison. Denn bereits seit einigen Wochen kommt Maier kaum mehr über die fünf Minuten hinaus und auch als Krunic die Mannschaft übernahm, steigerte sich seine Spielzeit nicht. Sein offensiv sowieso schon geringer Impact ging damit tendenziell immer weiter zurück und durch die zwischenzeitliche Verpflichtung von Nikola Dragovic hatte sich diese Lage für den gebürtigen Schramberger nochmals verschlechtert.

Offense

Der MBC nimmt in dieser Spielzeit bislang die zweitmeisten Würfe von jenseits der Dreipunktelinie (26,1) und verlagert das Spiel zumeist nur nach innen, wenn Chris Otule auf dem Parkett steht. Braucht der Fünfer, welcher eine der wenigen Konstanten im Team darstellt, allerdings eine Pause, verändert sich das Spiel der Weißenfelser noch weiter heraus aus der Zone. Gerade weil Maier die nötige Masse fehlt, um im Low-Post seinen Mann zu stehen, suchen die Guards um Frantz Massenat und Marcus Hatten nach dem Pick ‘n’ Roll immer wieder den eigenen Abschluss und geben den Spalding nur in den seltensten Fällen aus der Hand. Hier kommt Maier aus dem Pick and Roll mit Frantz Massenat. Danach schafft Maier es aber nicht sich gegen Mädrich in Position zu bringen:

Quelle: Telekom Basketball

Quelle: Telekom Basketball

Quelle: Telekom Basketball

Quelle: Telekom Basketball

Quelle: Telekom Basketball

Quelle: Telekom Basketball

Darunter leidet wiederum die offensive Produktion des 2,10m großen Ex-Ulmers. Mit 1,6 FGA per Game rangiert Maier an letzter Stelle der Spieler, die regelmäßig Minuten unter Poropat, respektive Krunic sehen.

Quelle: Telekom Basketball

Gelingt es Maier allerdings doch einmal, sich eine passable Position in der Nähe des Korbes zu erarbeiten, kann er mit beiden Händen abschließen und präferiert dabei den Hookshot.
Da er seine Würfe allerdings ohne Fakes vorbereitet, gelang es Shotblockern wie Daniel Theis in der Vergangenheit den Ball erst gar nicht in unmittelbare Nähe zum Ring kommen zu lassen. In dieser Szene ist wiederum der körperliche und athletische Nachteil Maiers gegenüber einem gestandenen Spieler wie Theis zu sehen: Maier setzt zum Hakenwurf mit seiner starken linken Hand an, lässt sich allerdings aus der Balance bringen und muss letztendlich im  Rückwärtsfallen abschließen, was ihm nicht gelingt.

Eine weitere Scoringquelle des Centers stellt die Mitteldistanz dar. Zwar rollt der Big Man regelmäßig hart zum Korb ab und wartet dabei oftmals vergeblich auf den Durchstecker, doch kann er durchaus auch aus dem “Pick and Pop” agieren und infolgedessen den Midrangejumper einnetzen. Dies gelingt ihm bislang am besten aus der linken Ecke (4/7 FGs), wenn auch die Sample Size sehr gering ist. Aus ähnlicher Position – von der Freiwurflinie – fällt der Wurf allerdings noch nicht konstant (nur 55,6%). Eine weitere große Schwäche im Spiel von Maier ist das effektive Screening. Obwohl er von den Ballhandlern immer wieder als Blocksteller gesucht wird, schafft der schlaksige Center dabei meistens nur wenig Raum. Da das Timing zwischen Blocksteller und Ballführer zudem nicht immer wirklich optimal wirkt, gehören Moving-Screen-Calls nicht zur Seltenheit.

Insgesamt bleibt festzuhalten, dass es Jonathan Maier offensiv noch deutlich an Masse fehlt, um ein ganz wichtiges Puzzleteil im Spiel des Mitteldeutschen BCs darzustellen. Chris Otule stellt insbesondere in diesem Faktor einen kompletten Gegensatz zu dem Deutschen, der mit der Backup-Center-Rolle schlicht noch überfordert scheint. Es war ein großer Schritt für ihn, wo er doch in Ulm offensiv so gut wie gar nicht in Erscheinung trat. Nun versucht er seinem Team aus dem Pick ‘n’ Roll und im Low-Post zu helfen. Dass die Wölfe offensiv dringend mehr Kreativität brauchen, steht außer Frage. Allerdings ist es offensichtlich, dass Maier dazu, trotz seines vorbildlichen Einsatzes, noch nichts beitragen kann. Die unterschiedliche Minutenverteilung von Spiel zu Spiel scheint ihm zusätzlich noch jegliches Vertrauen zu nehmen, um konsequenter seine Aktionen zu suchen.

Defense

Ex-Trainer Silvano Poropat beschrieb nach der zehnten Niederlage im elften Spiel die Situation seiner Mannschaft in der Defensive wie folgt: „Braunschweig hat das Spiel verdient gewonnen, weil wir eine Verteidigung spielen, die nicht BBL-würdig ist.“

Harte Worte, die sich allerdings auch im Defensive-Rating der Weißenfelser wiederfinden: Dort rangiert der MBC auf Rang 16 (117,68) und lässt damit lediglich die ebenfalls abstiegsbedrohten Göttinger und Crailsheimer hinter sich.

Auch Jonathan Maier, der mit Otule einen guten Verteidiger vor sich hat, konnte an diesem Ende des Feldes noch nicht überzeugen. Der junge Center hat trotz seiner Körpergröße von 2,10 Meter körperlich zu große Defizite und kann mit seinen 100 Kilogramm nur selten gegen die vielen physischen und vor allem athletischen Bigs der Liga bestehen. Dort hat Starter Otule allein schon mit seinen 125 Kilogramm mehr entgegen zu setzen. Noch dazu spiegelt sich Maiers Unerfahrenheit immer wieder in Defensivaktionen wider und so weiß er oft nicht, wie er in der Kürze der Zeit entscheiden und agieren soll.

Gegen große Spieler, die auch für Spacing sorgen können, wie Dusko Savanovic oder Daniel Theis, hat der 23-Jährige noch Probleme zu entscheiden, wie er diese Spieler verteidigen soll. Zu oft lässt er dort freie Dreier zu, weil er zu weit absinkt und damit eigentlich zu sicher spielt. Vor allem auf der Weakside passiert es sehr oft, dass Maier absinkt, wenn dann der Pass trotzdem kommt, ist er regelmäßig zu spät beim Werfer. Damit versucht er natürlich den Fehler zu vermeiden den Ring ungeschützt zu lassen. Sein großes Problem ist auch hier wieder, dass er mit anderen körperlichen Vorausetzungen arbeitet als die Big Man-Elite der Liga. Sein geringes Tempo verhindert es, dass sich Maier weiter an den Perimeter hinaustraut und somit die Würfe entscheidend stören kann. Seine Close Outs sind somit meist zu spät und beeinflussen kann er den gegnerischen Wurf so nur gering.

Ein weiterer Fall, wo er noch nicht weiß, wie er in diesen Szenen richtig zu agieren hat, ist beim Rebound. Oft hat er ein falsches Timing oder schätzt die Würfe falsch ein, sodass er schlichtweg keine Zeit mehr hat, einen möglichen Fehlwurf überhaupt zu rebounden. Ein weiteres Problem beim Kampf um den Rebound ist, dass Maier noch zu oft die falsche Position beim Ausboxen hat und so den Kampf um den abprallenden Ball verliert. Die meisten Rebounds holt Jonathan Maier dann, wenn sein direkter Gegenspieler auf der Weakside steht und Maier Richtung Korb absinken kann. Im Schnitt holt Maier diese Saison 1,27 Rebounds, was wiederum mit Vorsicht zu genießen ist, da er eben bislang so wenig Spielzeit erhalten hat.

Mit Training und Erfahrung sollte er die Probleme im Rebounding allerdings wettmachen können. Ein weiteres Zeichen seiner Unerfahrenheit zeigt sich defensiv allerdings im Aushelfen. Maier besitzt noch nicht das richtige Gefühl dafür, wann es an der Zeit ist, Help-Defense zu spielen und wann nicht. So lässt er seinen Gegenspieler gerne mal einen Pass entfernt komplett freistehen und hilft stattdessen seinem Mitspieler. Hier muss er insbesondere als Big Man noch das richtige Timing finden, weil dies sonst der kompletten Defense enorm schaden kann. Auf lange Sicht würde diese Fähigkeit ihn auch zu einem besseren Ringbeschützer machen, weil er dann gezielte Blocks einstreuen könnte, wenn er sich sicherer fühlt und somit konsequenter zur Help-Defense geht.

Update: bis Spieltag 17

Die letzten sieben Wochen und auch die Zeit nach dem Trainerwechsel beim MBC lief für Jonathan Maier alles andere als zufriedenstellend. Der Center kam kaum mehr über die Fünf-Minuten-Marke hinaus und spielte meist nur zwei bis vier unbedeutende Minuten. Gerade mal vier Würfe brachte er dementsprechend auf den Korb des Gegners und konnte dabei fünf Punkte erzielen. Natürlich lässt sich daraus keine Analyse formen und so bleibt beim jungen Deutschen nur die Hoffnung, in der Rückrunde wieder häufiger eingesetzt zu werden.

Wie in diesem Scouting-Report bereits angeschnitten, lieferte der 23-Jährige nicht unbedingt die Argumente dafür, wieder mehr Einsatzzeit zu erhalten. Er agiert noch zu unsicher und vor allem unerfahren in vielen Aktionen, ganz egal ob offensiv oder defensiv. Sicherlich ging man beim Mitteldeutschen BC nicht davon aus, in Maier einen kompletten Spieler zu erhalten, allerdings schienen die Erwartungen doch etwas höher gewesen zu sein, sonst wäre er nicht als Backup auf einer wichtigen Position eingeplant gewesen. Somit muss sich Maier zurzeit mit seinen Garbage-Time-Minuten zufrieden geben. Unter Krunic sieht die Aussicht auf Besserung allerdings auch nicht besonders gut aus. Das einzige Ziel des MBCs ist es, schnellstmöglich irgendwie die nötigen Spiele zu gewinnen, um nicht abzusteigen. Dabei rückt die Entwicklung von Talenten in den Hintergrund, was auch beispielsweise Stephan Haukohl oder Robert Zinn zu spüren bekommen.

Somit bleibt letztendlich die Erkenntnis, dass Jonathan Maier zum jetzigen Zeitpunkt kein BBL-Backup-Center ist. Dafür fehlen ihm noch in zu vielen Bereichen Facetten, die ihn zu einem würdigen Vertreter dieser Rolle machen würden. Da er auch nur einen Ein-Jahres-Vertrag unterschrieben hat, bleibt auch seine Zukunft im Sommer noch völlig offen.

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