BBL, Interview

“Fast jeder konnte den Wurf aus der Ecke treffen”

Simonas Serapinas im Interview

Simonas Serapinas greift seit dieser Saison aktiv für den MBC ins Geschehen ein, nachdem er bereits ein Jahr zuvor mit einem Stand-by-Vertrag ausgestattet wurde. Im Interview mit BBL News spricht der 32-jährige Small Forward über den guten Start mit den Wölfen, die Jugendzeit in Litauen und die vergangenen Jahre in Deutschland.  

Lass uns über euren Saisonstart sprechen: Ihr steht mit einer Bilanz von 5 Siegen und zwei Niederlagen weit oben in der Tabelle. Trotzdem hatten euch viele Experten im Abstiegskampf gesehen. Was macht euch als Team in dieser frühen Phase der Saison bereits so stark?  

Wir hatten bisher einen Spielplan, der uns sehr gelegen hat. Wir haben vermehrt gegen Mannschaften gespielt, die in der letzten Saison die Hauptrunde hinter uns abgeschlossen haben (Trier, Tübingen Braunschweig, Hagen, Quakenbrück d.Red), wir sollten den Start also nicht überbewerten.  

Die Artland Dragons, gegen die ihr am vorletzten Wochenende den Sieg einfahren konnten, standen aber zum Beispiel in der letzten Saison vor euch…  

Wenn du bis zu diesem Spiel vier Partien in Folge gewonnen hast, dann vertraust du dir als Team sehr gut. Wir denken von Spiel zu Spiel, wir sehen nicht zu weit in die Zukunft und müssen stets auf den nächsten Gegner konzentriert sein und auf ihn bestens vorbereitet sein, jede Woche haben wir ein neues Ziel. Wir haben bisher als Team eine gute Offensiv- und Defensivleistung gezeigt, das macht uns erfolgreich.  

Du hattest in der Vergangenheit einige Probleme mit dem Knie und musstest die letzte Saison deswegen aussetzten. Wie fühlt sich dein Knie jetzt an?  

Es war eine ziemlich harte Zeit für mich. Ich kann weiterhin manche Bewegungen nicht gut ausführen, die ich vorher gemacht habe. Es besteht dazu auch ein psychologischer Aspekt: In manchen Szenen habe ich Angst verschiedene Bewegungen auszuführen, die vorher leicht von der Hand gingen.  

Wie wichtig ist ein gesundes Knie für deinen Distanzwurf? Was ist für dich am wichtigsten für den Wurf hinter der Linie?  

Ich habe keinen wirklichen Schlüssel zum Erfolg. Während des Wurfes denke ich nicht über viel nach. Natürlich ist eine gute Vorbereitung wichtig. Deshalb arbeite ich mit meinem Trainer über den Sommer hinweg viel an meinem Wurf. Im Spiel musst du dann versuchen einen möglichst guten Wurf zu erspielen, dafür musst du als Team aber auch funktionieren.  

Über die Spieler aus deiner Heimat gibt es in der ganzen Basketballwelt ein ganz großes Vorurteil: Alle können aus der Distanz werfen. Wie viele Spieler konnten in deiner Jugendzeit dort keinen „Corner-three“ verwandeln?  

Fast jeder von uns konnte den Distanzwurf vollstrecken – vielleicht ausgenommen der ausländischen Center. Als ich klein war, hat unser Trainer auch die Kleinsten auf die Center Position gestellt und ihnen gesagt, sie sollen von draußen werfen.  

Würdest du sagen, dass das „Shooting“ der am stärksten betonte Aspekt in deiner Jugendzeit war und andere Elemente des Spiels wie „Ballhandling“ oder „Defense“ vernachlässigt wurden?  

Der Fokus lag vielleicht schon doch auf dem Werfen. Vieles hing jedoch vom Coach ab, jeder hatte unterschiedliche Arten zu trainieren. Ein Freund, der als Trainer in Litauen arbeitet, bringt zum Training Brillen mit, durch die du nicht durchschauen kannst und lässt seine Spieler damit am Ballhandling arbeiten. Mein früherer Coach hat hingegen sehr viel Wert auf „Shooting“ gelegt und damit den Großteil seines Trainings bestückt.  

Gab es eine spezielle Wurftechnik oder waren die Coaches zufrieden, solange der Ball den Weg durchs Netz fand?  

Es gab bestimmte Grundvorstellungen, nach denen wir uns gerichtet haben. Aber jeder hat ab einem gewissen Zeitpunkt eine eigene Struktur entwickelt.  

Vor einem Jahr hast du den Vertrag beim MBC unterschrieben, wie lief das ganze damals ab?  

Als ich den Vertrag unterschrieben habe, war geplant, dass  ich in einem Monat wieder spielen könne. Beim MBC wurde dann mein Knie untersucht und herausgefunden, dass in der Reha etwas falsch gelaufen ist. Ich konnte es nicht glauben und habe meinen Doktor in der Heimat aufgesucht, der ebenfalls zu demselben Ergebnis kam. Da klar war, dass eine weitere Operation nötig ist. Der MBC  hat mir daraufhin einen Vertrag angeboten. Ich sollte bei ihnen operiert werde, dort meine Reha verbringen und in der nächsten Spielzeit mit neuer Kraft auflaufen.  

Wie sah deine tägliche Routine in der Zeit aus? Hast du viel mit dem Team trainiert oder mit dem Physio gearbeitet?  

Ich habe meist zusammen mit dem Team in der Halle trainiert. Die Jungs haben ihr Zeug gemacht und ich ging mit unserem Physio viele verschieden Übungen durch.  

Welchen Einfluss hatte die Saison bei den Telekom Baskets Bonn auf deine Unterschrift beim MBC?  

Ich hatte die Liga aus meiner Zeit in Bonn sehr gut und angenehm in Erinnerung. Ich kam gut mit der deutschen Kultur zurecht, hatte viele neue Freunde in Bonn gefunden und musste über die Vertragsunterschrift nicht viel nachdenken.  

Gibt es bestimmte Momente an die du dich noch erinnerst?  

Ja, einige Spiele habe ich noch in guter Erinnerung. Besonders der Sieg in der ersten Playoff-Runde in Bamberg oder die Spiele im internationalen Wettbewerb gegen wirklich gute Mannschaften. Und ich bin weiterhin noch im Kontakt mit ein paar Jungs aus Bonner Zeiten.  

Gab es zur Bonner Zeiten eine spezielle Verbindung zwischen dir und Benas Vaikalas (beide stammen aus Litauen d.Red)?

Ich kannte Benas vor der Saison in Bonn nicht. Über die Zeit sind wir gute Freunde geworden. Wir haben uns auf Auswärtsfahrten das Zimmer geteilt und ich stehe weiterhin in engem Kontakt mit ihm. Wenn Benas zurück in die Heimat kommt, besucht er mich und wir veranstalten ein großes Grillen, unsere Familien kennen sich dadurch natürlich auch.      

Danke für das Interview und weiterhin viel Erfolg.                                    

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