Gedanken, Sacramento Kings

Moody Rudy?

Wie lässt sich die plötzliche Verbesserung von Rudy Gay erklären?

Im ersten Monat der aktuellen Saison war es in den Basketballforen und -blogs ein Running-Gag über Rudy Gay und seine unterirdische Leistung bei den Toronto Raptors herzuziehen. Dass Gay im Locker-Room der Raptors die Stats-Sheets verbieten wollte, sorgte für viel Schmunzeln, ebenso die Häme, die er sich von LeBron James gefallen lassen musste, als dieser – nachdem Gay in einem Spiel trotz 37 Würfen nur 29 Punkte erzielt – proklamiert, mit derselben Anzahl an Würfen locker 60-70 Punkte zu erzielen. Zwei Monate später macht keiner mehr Witze.

Kürzlich ist bei Go-to-Guys ein Artikel zu den Grenzen der Zahlen erschienen: Beyond the Figures. In einem Abschnitt ging es um “Ability vs. Opportunity” – der Abwägung zwischen den Fähigkeiten des Spielers und der richtigen Situation mit dem Hintergrund, dass man bei Zahlen diese nicht nur deskriptiv wiedergeben sollte, sondern sich stets auch die Frage stellen sollte, warum die Zahlen so sind, wie sie sind. Das interessanteste Beispiel hierfür in dieser Saison dürfte eben dieser Rudy Gay sein. Zum Zeitpunkt des Trades von Gay nach Sacramento hatte Zach Lowe noch von einem nicht genannten General Manager berichtet, der sich nach eigener Aussage Gay nicht einmal für die Mid-Level-Exception ins Team holen würde. Möglicherweise war dies eine Übertreibung als Stilmittel, aber die Zahlen des Small Forwards zu Beginn dieser Saison waren einfach toxisch und hätten mit einem “Do not touch”-Warnschild versehen werden müssen: Er konnte zwar an der 20-Punkte-Marke kratzen (19.4 Punkte pro Spiel), allerdings waren fast ebenso viele Versuche aus dem Feld notwendig (18.6 Field Goal Attempts pro Spiel).  Dass die Effizienzzahlen fürchterlich waren, lässt sich anhand der Zahlen auch ohne Taschenrechner erkennen. Aus Gründen der Vollständigkeit: eine True Shooting Percentage von 46.8 und ein Offensive Rating von 91. Ein hochgradig effizienter Spieler war Gay in seiner gesamten Karriere nicht, aber diese Werte sind in seiner Vita konkurrenzlos – insbesondere wenn man berücksichtigt, dass er auf dem Weg zu seinem Karriere-Höchstwert in beanspruchten Possessions war.

Beim Trade scheint in Toronto ein ineffizienter Chucker in den Flieger ein- und ein effizienter Scorer in der kalifornischen Hauptstadt wieder ausgestiegen zu sein. Seine Zahlen bewegen sich derzeit in Sphären, die sie bisher nicht kannten. Der Punkteschnitt ist angestiegen, obwohl die USG% von 30.6 auf 25.7 gesunken ist. Die TS% konnte sich um fast 15 Prozentpunkte auf 61.6 verbessern, ebenso das ORtg um 23 Punkte auf 114. Neben Sacramento-Gay können einzig Kevin Durant, LeBron James und Brook Lopez diese Saison die 20-Punkte-Marke mit solchen Effizienzzahlen knacken. Dass sich die technischen Fähigkeiten von Gay über nach Nacht dermaßen verbessert haben, kann man ohne schlechtes Gewissen direkt ausschließen. Ist es vielleicht einfach ein Fluke? Eine Glückssträhne, in der aus unerklärlichen Gründen mehr Würfe fallen als gewohnt. Oder haben Mike Malone und die Sacramento Kings Zugang zum Connecticut-Alumnus gefunden und ihm vermittelt, dass Anpassungen in seinem Spiel notwendig sind, um sein Talent und seine physischen Möglichkeiten zu optimieren?

We don’t want it to be just dribble, dribble, dribble, no ball movement, easy to guard and shoot. Rudy’s going to buy in. He’s a high-character kid.

– Coach Mike Malone nach Bekanntgabe des Trades

Ein Blick auf die detaillierten Zahlen könnte helfen, um herauszufinden, ob Gay sein Spiel tatsächlich angepasst hat. In dem Fall könnten die Anhänger der Kings optimistischer hinsichtlich der Nachhaltigkeit der aktuellen Form sein. Nehmen wir seine letzte volle Saison bei den Grizzlies (2011-2012), den Saisonstart bei den Raptors (18 Spiele; 2013-14) und seine Leistungen bei den Kings (23 Spiele; 2013-14) für den Vergleich:

Rudy Gay Stats

Die meisten Statistiken sollten bekannt bzw. selbsterklärend sein. FTr und 3PAr beschreiben die Anzahl an Freiwürfen bzw. Dreiern pro Feldwurfversuch. Für die Zeit in Memphis sind leider keine StatsVU-Daten verfügbar.

Welche Zahlen sind besonders interessant? Die erste und wichtigste Entscheidung von den Kings war es, die Rolle von Gay zu verringern und die Possessions besser zu verteilen statt ihn mit der Rolle des Franchise Players, der sein Team wirklich komplett auf die Schultern nehmen kann, zu überfordern. Als nächstes sieht man, dass er die Anzahl an Freiwürfen, die er pro Wurf zieht, wesentlich verbessert hat. In Kombination mit seinem Karriere-Bestwert von der Linie (86.0%) hat dies natürlich einen positiven Einfluss auf seine Effizienz. Ein Spieler mit seiner Physis muss auch dafür Sorge tragen können, dass sich seine Verteidiger öfter mit einem Foul behelfen müssen. In Sacramento profitiert er noch mehr von seinen Mitspielern als in Toronto, allerdings sind nicht so viele seine Treffer vorgelegt wie noch in Memphis – stattdessen bindet er seine Mitspieler besser als je zuvor ein.

rudygayinterviewAuch für den Wurf lässt sich Einiges ablesen. Es eilt Gay der Ruf voraus, dass er statt seine Athletik zu nutzen, lieber den langen Jumper über den Gegenspieler nimmt. Nun ist jedoch eine Verlagerung Richtung Korb zu den Würfen mit höherer Trefferwahrscheinlichkeit zu erkennen. Ein höherer Anteil seiner Würfe sind direkt am Ring oder in der Zone, weniger Pull-Up-Jumper kommen aus der Mitteldistanz. Die höheren Anteile und Quoten sind auch durch die Anpassung der Art der Possessions (siehe Statistiken von Synergy Sports) begründet. Gay bekommt mehr Post-Up-Plays, ist somit näher am Korb positioniert und kann seinen körperlichen Vorteil gegenüber anderen Flügelspieler besser ausspielen statt einfach auf einem Flügel isoliert zu werden, was ermüdend ist und zu langen Würfen verleitet. Zudem wird er aus ähnlichen Gründen verstärkt in Pick and Rolls genutzt. Er kann somit aus dem Pass heraus – gegen eine Verteidigung, die in Bewegung und nicht wie bei der Isolation auf ihn fokussiert ist – agieren und sich bessere Möglichkeiten erarbeiten. Die höhere Spielgeschwindigkeit unter Coach Malone, das athletische Team und das Mehr an Transition-Möglichkeiten kommen ihm auch zu Gute. Mit einem ‘Points per Possession’-Wert von 1,47 rangiert er in dieser Kategorie auf Platz 8 in der NBA. Es sind einige Punkte erkennbar, die die Fluke-Gefahr verringern.

Moody Rudy

Ob Rudy Gay das Niveau halten kann, bleibt abzuwarten, aber die Tendenz und die Schritte zeigen in die richtige Richtung. Er macht mehr von den Dingen, die er kann, und weniger vom Rest. Das Ganze muss von Coach Malone weiter forciert werden: Die Offense noch weiter über DeMarcus Cousins und Isaiah Thomas initiieren und Gay als Vollstrecker nutzen. Reine Isolationen sollten vielleicht weiter verringert und Gay noch stärker im Post oder über das Pick and Roll gesucht werden . Wenn man sich zudem die Verteidigung der Sacramento Kings anschaut und feststellt, dass sie im Defensive Rating auf dem letzten Platz stehen, könnte ein bessere Verteidigung für mehr Transition-Möglichkeiten suchen – in denen Gay wie beschrieben bislang ziemlich glänzt.

An diesem positiven Trend müssen Gay und die Kings festhalten. Dann wäre ihm zumindest die Mid-Level-Exception von jedem General Manager sicher.

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