3-on-1 Fastbreak, Cleveland Cavaliers, Golden State Warriors, NBA, Playoffs 2016

Finals-Lineups

3-on-1 Fastbreak #13

Schon im letzten Spiel gegen die Thunder nahm Steve Kerr eine Veränderung der Starting Five vor, in den Finals deuten sich weitere Anpassungen der Rotation an. Auch mit Rückblick auf die letzten Finals stellen sich einige Fragen: Wie reagieren die Cavs auf die ‚Death Lineup‘? Welche Cross-Matchups sind notwendig? Aber auch für Golden State entstehen komplizierte Entscheidungen, etwa, ob Iguodala weiter starten sollte. Wir betrachten mögliche Maßnahmen und Reaktionen.

Julian Lage: Die Suche nach der bestmöglichen Rotation für beide Teams fängt vermutlich bei der Frage an, wer überhaupt zuerst zu einer Veränderung gezwungen ist. Beide Head Coaches haben in den Playoffs gewisse Anpassungen vorgenommen, beispielsweise Iguodalas Beförderung zum Starter sowie die wachsende Rolle von Channing Frye. Auch Small Ball-Variationen standen schon für beide Teams über längere Spielabschnitte auf dem Parkett, bei den Cavs mit Love oder Frye als einzigem echten Big, bei den Warriors ohnehin mit Fokus auf Draymond Green. Dieser Punkt ist besonders spannend, weil er in der letzten Saison entscheidend zur Meisterschaft der Warriors beitrug: Auch aufgrund ihrer Verletzungsprobleme gaben David Blatts Cavs Tristan Thompson und Timofey Mozgov ungeplant große Spielanteile – konnten so aber nicht mit der in dieser Serie etablierten ‚Death Lineup‘ mit Green als größtem Spieler mithalten. Dagegen kann Tyronn Lue dieses Jahr auf seinen gesamten Kader zurückgreifen, der zudem einige interessante Verstärkungen erhielt. Die Schlüsselrolle sollten aber – aus Cavs-Perspektive in positiver Hinsicht – die genesenen Stars Kevin Love und Kyrie Irving spielen.

Daraus entstehen jedoch nicht nur Vorteile, denn defensiv kann sich keiner der beiden in die Ligaspitze einreihen. Zudem reduziert Love die Flexibilität Lues für kleinere Aufstellungen – es fällt schwer, einen Spieler seines Kalibers aus strategischen Überlegungen vom Feld zu nehmen. Damit beantwortet sich die Eingangsfrage größtenteils: Lue ist gefordert, eine Lösung für Love und die Big-Rotation generell zu finden. Es scheint kaum tragbar, dass Love Green verteidigt und dadurch ständig in Pick and Roll-Situationen verwickelt wird. Das entspräche praktisch dem optimalen Gameplan der Warriors, egal ob neben Green ein weiterer Big auf dem Feld steht oder nicht. Die einfachste Lösung wäre es, Love gegen den jeweiligen Center der Dubs zu stellen, egal ob Bogut, Ezeli, Varejao oder Speights. Thompson und auch Frye schlagen sich gegen Curry-Green-Spielzüge vermutlich besser, so dass die Cavs mit dieser Variante wohl defensiv notfalls leben könnten.

 

Allerdings ist Thompson offensiv tendenziell eine Belastung für die Cavs, ohne defensiv die Lösung aller Probleme darzustellen. Sowohl als Rim Protector als auch im 1 gegen 1 mit den GSW-Guards dürfte er sich immer wieder überfordert zeigen. Wie etwa Russell Westbrook schon etwas provokativ feststellte: Die Warriors haben (auch) gewonnen, weil sie immer wieder aus der Distanz über die Bigs der Thunder hinweg trafen. Warum sollte Lue die Schwächen Thompsons  Kauf nehmen, nur um die Reboundüberlegenheit zu wahren, die den Thunder letztendlich nicht half? Frye (und natürlich auch je nach Szenario auch Love selbst) könnte immerhin offensiv für Spacing sorgen, weist aber rein größenbedingt ähnliche Defensivprobleme auf – und das, ohne dass Golden State zwingend Bogut und Co. vom Parkett nehmen und klein spielen müsste. Allein für das Switchen von Green-Picks scheint daher aus der Perspektive Clevelands Small Ball überlegenswert. In Matthew Dellavedova, Iman Shumpert und Richard Jefferson steht dafür auch tendenziell das richtige Personal zur Verfügung, jeder mit seinen eigenen Vorzügen.

Meine Vermutung für die kommenden Finals ist daher: Vielleicht in der Starting Five, aller Wahrscheinlichkeit nach zumindest in der Minutenverteilung wird Thompson zugunsten der Backup-Wings an Minuten verlieren. Auch wenn Love defensiv das größere Problem darstellt – die Cavs können schlicht nicht auf seine offensiven Qualitäten verzichten. Frye als in der Offense-Defense-Balance ausgewogenster Big könnte ebenfalls profitieren, aber gerade gegen relativ kleine Warriors-Lineups weist er gegenüber den angesprochenen Flügelspielern keine echten Vorteile auf. Die defensive Zuordnung der Cavs ergäbe sich damit größtenteils von selbst: Love erhält den offensiv harmlosesten Gegner zugewiesen, also einen der Center, Livingston, Iguodala oder notfalls Barnes. James – oder vielleicht auch Jefferson? – wird Green übernehmen müssen und entsprechend oft auf Curry oder Thompson switchen. Als Bonus der kleinen Aufstellung könnte Kyrie Irving so von der Verteidigung Currys entbunden werden, für die dann Dellavedova oder Shumpert zuständig wäre. Irving verteidigt stattdessen den übrigen Wing in Iguodala oder Barnes; einer von beiden bliebe in kleinen und großen GSW-Lineups übrig. Durch die Cross-Matchups und einige seltsame Kombinationen vor allem mit Love weist auch dieses Szenario logischerweise Schwächen auf, von der praktischen Umsetzung erst gar nicht zu reden. Allerdings: Angesichts der zu erwartenden defensiven Probleme der Cavs und der offensiven Stärke der Warriors wird es die optimale Lösung ohnehin nicht geben.

Rainer Ludwig:

Die Cavs verfügen über eine der schlechteren Verteidigungen bezüglich des Pick and Rolls, was hauptsächlich an Kyrie Irving und Kevin Love liegt. Gegen Curry und Thompson muss also ein Weg gefunden werden, wie man den Schaden bei diesem Spielzug in Grenzen halten kann. Dabei stellen mehrere Verteidigungs-Varianten wohl keine ernsthaften Alternativen dar. Das Absinken des verteidigenden Big Man werden die beiden Schützen wohl knallhart bestrafen, zumal Irving/Smith nicht dafür bekannt sind, gut über die Blöcke der Angreifer zu gelangen.

Die “Switch-Everything” Variante konnten so wohl nur die Thunder mit ihren agilen und langen Verteidigern spielen. Man mag sich nicht vorstellen, wie Kevin Love am Perimeter Stephen Curry verteidigt oder Kyrie Irving im Low-Post gegen den kräftigen Draymond Green agiert. Selbst Tristan Thompson hatte zum Ende der letztjährigen Finals gegen Curry am Perimeter keine Chance, und zu diesem Zeitpunkt war der zweimalige MVP wohl noch ein leicht schlechterer Spieler mit weniger Waffen im Arsenal.

Eine Zonen-Verteidigung, die fußlahmen Spielern wie Love helfen würde, stellt gegen die Warriors aufgrund der historisch starken Schützen im Backcourt wohl auch keine Alternative dar. Die Rebounding-Überlegenheit würde damit ebenfalls geopfert, da es mit einer Zonen-Defensive schwerer auszuboxen ist.

Das Doppeln des Ballführenden dagegen bringt diverse Vorteile mit sich: Man würde den Ball aus den Händen von Stephan Curry bringen, was fast immer ein Gewinn ist. Außerdem würde man so Love und Irving helfen, ihre Schwächen zu kaschieren. da sie so ihren Gegenspieler nicht vor sich halten müssen. Man würde somit andere Warriors-Akteure dazu zwingen, die Entscheidungen zu treffen. Allerdings sind die Nachteile nicht zu unterschätzen. Es wäre immer ein Spieler der Warriors frei, was ihr starkes Ball-Movement initiieren könnte. Die Cavs müssten schnell, smart und intuitiv rotieren. In der Hitze des Gefechts könnten sich Curry/Thompson, die sich abseits des Balles gut bewegen, in Lücken vorstoßen. Aber es ist wohl erfolgsversprechender, wenn die Warriors den Ball mehrmals bewegen müssen, ehe sie den freien Wurf kreiert bekommen, als wenn sie nur ein simples Pick and Roll laufen müssen. Der Raum für Fehler ist deutlich größer.

Es gibt allerdings zwei potentielle Akteure, bei denen diese Verteidigungs-Variante nicht funktionieren sollte. Wenn Draymond Green den Block stellt und man Curry doppelt, ist Green mittlerweile ein zu fertiger und guter Spieler, als das er eine Vier-Gegen-Drei Situation nicht zu bestrafen weiß. Deshalb sollte ihn LeBron James verteidigen, der im Notfall auch die Agilität besitzt, um Curry zu übernehmen, falls man switchen muss. James muss in diesen Finals nicht die offensive Last übernehmen wie letztes Jahr, was ein defensives Schonen rechtfertigen würde. Der viermalige MVP sollte aufgrund der Match-Ups und des eigenen Supporting-Casts dieses Jahr mehr defensive Verantwortung übernehmen. Kevin Love kann dann Andrew Bogut verteidigen, während Thompson genügend Agilität besitzt, um Barnes/Iguodala vor sich zu halten.

Es bleibt noch eine Kombination des Blocken und Abrollen. Wenn Klay Thompson den Block für Curry stellt, muss man nach dem Doppeln wohl noch einen Verteidiger schicken, um den freien Schützen zu stellen. Sprich, man könnte dann unter Umständen diese Variante mit drei Verteidigern versuchen zu unterbinden.

 

Marc Petri: Ähnlich wie Julian sehe auch ich Tristan Thompson als den Starter der Cavs, der sich am ehesten auf erhebliche Abweichungen seiner bisherigen Spielzeit einstellen muss. Stand er bisher in den Playoffs für 28.3 Minuten auf dem Court, ist in den Finals durchaus mit nur noch etwa 20 Minuten zu rechnen. Zum einem weil die einzigen Bigmen der Warriors, die ein mehr oder minder passendes Matchup darstellen würden, in den Playoffs nur sehr wenig Spielzeit sehen (Andrew Bogut 17.9 MPG, Festus Ezeli 8.9 MPG), vor allem jedoch, weil Channing Frye in Kombination aus Offensive und Defensive gegen alle möglichen Varianten der Warriors die bessere Alternative darstellen sollte.

Channing Frye könnte in dieser Serie somit so etwas wie der X-Factor der Cavs werden. Defensiv wird man vor allem wegen der defensiven Schwächen von Irving beim Pick and Roll der Warriors den Bigman auf den Ballhandler switchen und obwohl diese Variante (gerade wenn Curry der Ballhandler ist) ohnehin kaum zu verteidigen ist, sehe ich hier bei Channing Frye leichte Vorteile im Vergleich zu Tristian Thompson und Kevin Love. Nicht, weil er die Möglichkeit hat Curry am Dreier zu hindern, sondern weil er – wegen seiner hohen Spielintelligenz – es dem MVP der laufenden Saison schwerer machen wird zu improvisieren, um den noch besseren Wurf zu finden.

Zwar ist nicht davon auszugehen, dass Channing Frye weiterhin so effizient trifft wie bisher (True Shooting 82.1 Prozent, Dreierquote 57.8 Prozent bei fast zwei Versuchen pro Spiel – entspricht 7.9 Versuche pro 36 Minuten), trotzdem könnte er auch offensiv ein Schlüssel zum Erfolg darstellen. Andrew Bogut und vor allem Draymond Green gehören zur Elite der NBA, wenn es um Helpdefense geht. Vor allem Draymond Green versteht es wie kein anderer Spieler der Liga, seine Mitspieler zu unterstützen, ohne dabei seinen eigenen Gegenspieler komplett zu vernachlässigen. Durch Varianten mit Channing Frye als einzigen Bigman oder neben Kevin Love könnte man es ihm aber erschweren, diese Rolle über einen großen Zeitraum effizient auszufüllen und es entstehen zusätzlich Räume für LeBron James und Kyrie Irving, welche diese im Drive nutzen könnten.

 

Es würde mich daher wenig verwundern, wenn die Spielzeit von Channing Frye von den 15.7 Minuten, die er bisher im Schnitt sah, auf über 20 Minuten ansteigen wird. Wie schon erwähnt sollte ein großer Teil dieser Minuten von Tristian Thompson abfallen.

Bei den Warriors dagegen erwarte ich zu Beginn der Serie keine Adjustments in der Lineup, Harrison Barnes wird somit ziemlich wahrscheinlich wieder in die Starting Five rücken. Zu wichtig sehe ich die (vor allem offensive) Rolle eines frischen Andre Iguodalas von der Bank, wenn Klay Thompson oder Stephen Curry ihre erste Verschnaufpause bekommen. Ob sich dies im Laufe der Serie ändern wird, hängt primär vom Ausgang der ersten beiden Spiele und den Leistungen von LeBron James ab.  Fakt ist: Kein Spieler der Warriors wird es LeBron James schwerer machen die Offensive der Cavaliers zu tragen als Iggy.

Eine Veränderung der Minutenverteilung auf den großen Positionen erwarte ich ebenfalls nicht. Um das direkte Duell von Kevin Love und Draymond Green (Julian sprach diese Problematik aus Sicht der Cavs bereits an) zu provozieren, werden Ezeli, Bogut, Varejao und Speights nicht bedeutend mehr Minuten sehen als zuletzt. Einzig, wenn es die Cavaliers schaffen Channing Frye effizient einzusetzen, wird man hier reagieren müssen.

 

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