Atlanta Hawks, Indiana Pacers, Utah Jazz

Point Guard-Shuffle

Die Trades um Jazz, Hawks und Pacers

Teams in einer vergleichbaren Situation und ähnlichen Zielen sind meistens nicht die besten Tradepartner. Bei einem Contender und einem Lottery-Team lässt sich öfter eine für beide Seiten sinnvolle Transaktion abschließen als bei drei Teams, die alle um eine gute Playoff-Position kämpfen. Trotzdem wirkt der Teague-Hill-Trade auf den ersten Blick sehr logisch: Die Jazz unterstreichen – wie hier gefordert – ihre Playoffambitionen. Die Hawks lösen wie schon länger geplant ihre Überbesetzung bei den Spielmachern. Die Pacers setzten die Umgestaltung ihres Teams fort; mit dem Thad Young-Trade beschleunigte Larry Bird diesen Weg zusätzlich.

So einfach ist es jedoch nicht, sich ein Bild des Trades zu machen: Die Konstruktion des Trades erzwingt praktisch einige Fragen in Bezug auf die Beweggründe der Teams. Es wären beispielsweise auch andere Konstruktionen denkbar gewesen, die entweder Pacers oder Hawks außen vor gelassen hätten. Zudem müssen sich alle Franchises fragen, wie es in Free Agency und kommender Saison weitergeht.

Hill vs. Teague (vs. Schröder)

Der Vergleich der drei Spielmacher drängt sich geradezu auf, weil durch die einfache Struktur alle Beteiligten die Chance zu einer Variation des Trades gehabt hätten. Es wäre an sich kein Problem gewesen, einen der Akteure auszuschließen und stattdessen dessen Paket zu erhalten. Daraus lässt sich ablesen: Offensichtlich zogen die Jazz Hill Teague vor, während die Pacers genau entgegengesetzt denken. Gleichzeitig hatten die Hawks anscheinend kein Interesse, einfach Hill aufzunehmen. Auch die Frage nach dem Wert des 12. Picks gehört damit in diesen Zusammenhang.

Für den Vergleich der Playmaker spielt der Pick vorerst keine so große Rolle. Auch ist Schröder etwas außen vor, weil er deutlich jünger und mit einem teamfreundlicheren Vertrag ausgestattet ist. Gerade Teague und Hill lassen sich jedoch hervorragend vergleichen. Beide stehen mit Ende 20 an sich auf dem Zenit, verdienen noch ein Jahr lang etwa 8 Millionen Dollar und sind anschließend unrestricted Free Agents. Auch die Rollen wurden in allen Debatten um den Trade klar verteilt: Teague ist der offensiv bessere Spieler mit einem guten Allround-Game und klaren Spielmacherfähigkeiten. Hill gilt teilweise nur als Notlösung in Sachen Playmaking und wird oft als relativ limitierter 3&D-Spieler dargestellt.

Auch die Zahlen scheinen diese Einschätzung zu unterstützen: Hill erzielte gerade 12,1 Punkte pro Spiel, fast vier weniger als Teague. Auf 36 Minuten hochgerechnet wird der Unterschied noch gravierender: Teague und auch Schröder stehen bei fast 20, Hill immer noch nur bei 12,8. Ähnlich sieht es bei den Assists aus: Die beiden bisherigen Hawks-Spieler stehen bei über 7 pro 36, Hill bei bescheidenen 3,7. Soweit man individuellen Defensivstatistiken traut, kann Hill hier jedoch mit einem besseren DRPM und DBPM ausgleichen. Zudem weist Hill auch seine offensiven Vorteile auf: In der letzten Saison war er sowohl aus der Distanz als auch generell effizienter. Im ORtg sieht es mit 112 zu 97 (Schröder) bzw. 105 (Teague) sogar relativ deutlich aus. Zusätzlich demonstrierte er während Paul Georges Verletzungsausfall in der vorletzten Saison, dass er auch eine größere Rolle ausfüllen kann. Für Schröder lässt sich gegen diese Argumente seine Jugend anführen, aber gerade für ein Team mit vielen offensivstarken Spielern sind Argumente für Teague zumindest im vergangenen Jahr nicht so einfach zu finden.

Der Pacers-Retool

Aus diesem Grund wirkt der Trade für die Pacers etwas zweifelhaft: Was macht Teague gerade neben Monta Ellis oder Rodney Stuckey besser als George Hill? Zudem konnten die beiden und insbesondere Paul George Ballhandling-Aufgaben von Hill übernehmen, was tendenziell für alle Beteiligten kein Nachteil sein sollte. Es kann jedenfalls nicht im Interesse der Hawks sein, Spieler mit 30, 9 (Ellis) bzw. 24,1% (Stuckey) aus der Distanz in größerem Maßstab abseits des Balls einzusetzen. Umgekehrt scheint Teague als Off-Ball Spieler trotz seiner guten Quoten von der Dreipunktline (40%) nicht seinem Skillset entsprechend eingesetzt. In diesem Zusammenhang wäre also ein weiterer Trade wünschenswert, der die Guard-Situation der Pacers etwas ordnet.

Tatsächlich folgte jedoch eine Transaktion auf einer anderen Position: Die Pacers holten Thad Young für den 20. Pick und einen zukünftigen Secondrounder. Die wenig überzeugende Big-Rotation in der abgelaufenen Saison lässt die Entscheidung logisch erscheinen, in der Summe steht die Franchise somit jedoch gleich zwei Erstrundenpicks hinter dem geduldigen Szenario – schließlich hätten die Pacers für Hill auch direkt den 12. Pick bekommen können. Dafür stehen jetzt zwei ziemlich durchschnittliche Veteranen im Team, die zwar brauchbare Verträge aufweisen, aber nicht gerade die gefragtesten Skillsets. Young bietet beispielsweise weder in Bezug auf Spacing noch auf die Defensive wirklich Abhilfe.

Aus diesem Grund stellt sich die Frage, wie sich der Wert der Picks im Vergleich zu den Spielern darstellt. Es ist noch gar nicht so lange her, dass Teams praktisch nicht bereit waren, für Durchschnittsstarter Erstrundenpicks abzugeben. Der Wert von Draftrechten sollte an sich aufgrund des steigenden Salary Caps weiter wachsen, so dass der doppelte Verzicht erstaunen muss. Zudem sind die Pacers nicht wirklich nah am Contender-Niveau und haben außer Paul George kaum Argumente in diese Richtung. Allenfalls Miles Turner kann als vielversprechend gelten, erreicht aber erst seine Sophomore-Saison. Die Pacers geben also in einer nicht gerade einladenden Situation Assets auf, die einem Top 10-Pick entsprechen (wie am Suns-Kings-Trade zu sehen).

Die Jazz auf dem Weg nach oben

Dieser Vorwurf trifft einerseits gleichzeitig die Jazz, die ja eigentlich den 12. Pick besaßen. Allerdings stellt sich hier trotz des fehlenden Franchise-Players die Situation anders dar: Das Team ist gespickt mit Talenten und weiteren Assets, sodass der abgegebene Pick verschmerzbar ist. Genaugenommen hätte sogar der sinnvolle Platz für den Draftee gefehlt – mit Trey Burke, Alec Burks, Dante Exum, Rodney Hood, Gordon Hayward, Trey Liles, Derrick Favors und Rudy Gobert ist jede Position durch Spieler mit 1990er-Jahrgang besetzt. Allerdings fehlte den drei Guards Burks, Burke und Exum bisher sowohl Gesundheit als auch Erfahrung, um den Rest des Teams sinnvoll zu unterstützen. Ein Rookie-Playmaker hätte an dieser Stelle nicht weitergeholfen.

Anders als den Pacers haben die Jazz auch einen echten Grund zur Eile: Hayward kann im Sommer 2017 seine Player Option nutzen und Free Agent werden. Auch fehlen, anders als bei beiden Tradepartnern, die Erfolge der letzten Jahre. Wer also die Verschwendung des Picks beklagt, fordert indirekt den Weg zurück in den vollen Rebuild ohne auch nur einen Playoff-Seriensieg. Der Preis für Hill ist auch deshalb akzeptabel, weil der Trade die Chancen auf einen neuen Vertrag mit Hayward verbessern sollte.

Dabei ist noch gar nicht miteinbezogen, dass Hill die genau richtigen Fähigkeiten für die Position Eins in Utah mitbringt. Die Bezeichnung Spielmacher ist hier ausdrücklich vermieden, denn diese Rolle wird tendenziell Hayward übernehmen. Während Hills Schwächen also ausgeglichen werden können, brauchen die Jazz sein Spacing in ihren großen Lineups mit Favors und Gobert auf jeden Fall. Zudem passt er in die defensive Identität des Teams. Die Jazz sollten daher gute Chancen haben, nächste Saison den Schritt in die Playoffs zu machen. Der einzige Schönheitsfehler ist, dass die Chance auf die noch größere Lösung – dem wohl perfekten Fit Mike Conley – somit aufgegeben wurde.

Wohin mit den Hawks?

Statt einem Schritt in die Playoffs ist in Atlanta das Gegenteil möglich: Mit dem Verlust von Teague und den möglichen Abgängen von Al Horford und Kent Bazemore würde dem Team vermutlich die Qualität für die Postseason fehlen. Trotz Paul Millsap, denn außer ihm hätten die Hawks keine der verlässlichen Säulen der Vergangenheit mehr. Neu-Starter Schröder wird erst in seine Rolle, Kyle Korver und Thiago Splitter zu alter Stärke finden müssen. Auch wenn Draftee Taurean Prince als 22-jähriger College-Senior möglicherweise sofort helfen kann, dürfte er kaum eine Konstante in einem Playoffteam darstellen. Aus diesem Grund weist der Trade aus Perspektive der Hawks seine Fragezeichen auf: Reduzieren sich so die Chancen auf einen Verbleib von Horford? Oder verbessern sich die langfristige Aussichten, weil Horford ohnehin gegangen wäre? Der Optimalfall wäre natürlich, dass sich die Hawks in diesem Sommer mit Horford neu aufstellen können, wofür der Abschied von Teague immerhin den finanziellen Spielraum vergrößert hat.

In jedem Fall scheinen die Hawks den Wert von Draftrechten höher einzuschätzen als ihre beiden Tradepartner: Es wäre schließlich auch möglich gewesen, den Pick sofort weiterzuschicken oder, wie oben angedeutet, Hill als Off Ball-Spieler neben Schröder einzuplanen. Unabhängig von der Situation des Teams scheint der Gegenwert auch recht brauchbar: Der auslaufende Vertrag eines Durchschnittstarters auf der tiefsten Position hätte nicht unbedingt auf einen Lottery-Pick als Gegenwert schließen lassen.

Fazit

Für die drei Teams sind die Ergebnisse trotz des grundsätzlich passenden Tradewerts und der nachvollziehbaren Grundidee recht gegensätzlich. Für die Hawks hängt alles von der Free Agency ab – wie entscheidet sich Horford? Eine weiterführende Einschätzung kann also frühestens in wenigen Wochen erfolgen. Bei den Jazz sind Aussichten relativ klar: Das Team hat nächste Saison hervorragenden Playoffchancen und gleichzeitig die mittelfristigen Perspektiven verbessert, wenn durch Hill Hayward zum Bleiben überzeugt wird. Bei den Pacers fällt es momentan schwer, einen konkreten Plan auszumachen, wozu der Young-Trade zusätzlich beiträgt. Die verschiedenen Bausteine des Teams scheinen nicht zusammenzupassen, und außer Paul George fehlt es etwas an echter Qualität. Die Nets als vierter Beteiligter konnten etwas Talent einsammeln, was sicher kein Fehler ist – aber angesichts ihrer desaströsen Situation vorerst keinen echten Unterschied machen dürfte.

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