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Mario Hezonja

Datenblatt

hezo2Name: Mario Hezonja

Geburtsdatum: 25.02.1995

Größe: 6‘8‘‘

Gewicht: 200 lbs.

Position: Wing

Team: FC Barcelona

 

 

Überblick

Stärken/Schwächen | Scouting-Logbuch | Spielervergleich | Videos | Wichtige Spiele | Artikelempfehlungen | Statssektion | Trivia | Twitter

Stärken

Schwächen

 + Athletik & Physis

+ Selbstvertrauen

+ Suchen und Verwerten von Spot-Ups

+ Anpassungsfähigkeit

+ Positionelle Vielseitigkeit für den NBA-Perimeter

 – Defensiver Fokus & Technik

– Ballhandling

 

Scouting – Logbuch

Wenn Mario Hezonja das Spielfeld für den FC Barcelona betritt, stellen ihn die Kommentatoren regelmäßig als „die Perle Kroatiens“ vor. In der heutigen Zeit der sozialen Medien, in der Highlightszenen von Jedermann hochgeladen werden können, galt Hezonja schon seit jungen Teenagertagen als vielvesprechende NBA-Hoffnung. Wie schon Ricky Rubio, Jonas Valanciunas und Dario Saric dominierte Hezonja als klar bestes internationales Talent seiner Altersklasse Jugendturniere jeglichen Formates. Seine Entwicklung wurde Jahr für Jahr von NBA-Fans weltweit verfolgt, die sein Spiel mit dieser oder jener NBA-Legende verglichen.

Hezonjas ausgeprägtes Selbstbewusstsein zeigte sich in der Entscheidung, bereits als sehr junger Spieler bei einem europäischen Spitzenverein anzuheuern, wo er sehr wohl viel lernen konnte, aber auch Gefahr lief, aufgrund des hohen Erfolgsdruck verspätet in die erste Mannschaft vorzustoßen. Nach nur einem Jahr in der zweithöchsten spanischen Liga bei der Perspektivmannschaft der Katalanen gelang Hezonja dieser Sprung bereits für die Saison 2013-14. Die Befürchtungen bestätigten sich zunächst. Über 34 Spiele verteilt sah der 18-jährige „nur“ 330 Minuten Einsatzzeit und war darauf limitiert, auf der Bank zu hospitieren und in Trainingseinheiten Praxis zu sammeln. Wahre Wettbewerbspraxis blieb ihm in diesem Jahr verwehrt, auch weil er nicht mehr, wie im Jahre zuvor, als Teilzeitkraft in der zweiten Liga auflief. Dass Hezonja in seinem Debut bei einer ambitionierten Größe der Euroleague einen schweren Stand haben würde, sollte nicht überraschen. Dass er in einem Alter kaum Spielpraxis sammeln konnte, in dem nordamerikanische Talente am College in ihrer Entwicklung von viel Spielerfahrung enorm profitieren, ist für ihn persönlich natürlich ärgerlich.

Dieses Jahr beweist Hezonja jedoch, dass diese spielerische „Auszeit“ seine Entwicklung weder groß eingedämmt hat, noch dass die Beobachtungsstudien auf der Bank Zeitverschwendung waren. Hezonja hat gegenüber dem letzten Jahr auch aufgrund von Verletzungen diverser Teamkollegen seine Minutenanzahl fast verdoppeln können und ist über mehrere Wochen zu einem festen Rotationsspieler herangewachsen, der knapp unter Starterminuten spielte.

Körper

Die außergewöhnliche Athletik ist eine altbekannte Stärke des jungen Kroaten. Selbst in den wenigen Minuten des letzten Jahres konnte er vereinzelt sein körperliches Potential zur Schau stellen, ob als Athlet oder Scorer. Bei der begrenzten Einsatzzeit und einer sehr unauffälligen Rolle in der Offensive blieb eine Frage erhalten: Wie wird Hezonja diese Anlagen zu einem runden Spiel zusammentragen können und welche Art Spieler ist er eigentlich, wenn er aus dem Körper eines klassischen Guards herauswächst? Hezonjas Körper entwickelt sich zu dem eines großen Flügelspielers. Diesen weiß er bereits jetzt schon gut auszufüllen. Seine Athletik und Explosivität kommt in Dosen zum Vorschein, doch noch gelingt es ihm nicht, diese Attribute offensiv wie defensiv regelmäßig zu seinem Vorteil zu nutzen.

Seine offensive Rolle ist in diesem Jahr gut definiert und er weiß, sie effektiv auszufüllen. Hezonja ist in der Offensive involviert und bekommt die Möglichkeit, seine Stärken zur Schau zu stellen. Dabei ist er teamdienlich und bewegt den Ball gut, ist also zumindest in dieser Saison nicht der Ego-Gunner, für den er aufgrund seines als übermütig und egozentrisch geltenden Charakters gehalten wurde.

Shooting

Barcelona nutzt Hezonja im Abschluß fast ausschließlich als Spot-Up-Shooter. Derzeit kommen mehr als 50% seiner Würfe von hinter der Dreierlinie. Bei etwa drei Versuchen pro Spiel trifft Hezonja aus der langen Distanz vielversprechende 42%. Hezonjas Größe und Kraft verleihen ihm eine sehr gute Reichweite, weswegen er regelmäßig einige Schritte hinter der europäischen Dreipunktelinie ohne Anstrengung abdrücken kann.

Hezonja beweist seinen Wert nicht nur bei einfachen Spot-Ups aus dem Stand. Auch wenn er aus einem Screen kommend wenig Zeit hat, Pässe anzunehmen und besser verteidigte Würfe schnell in Richtung des Korbes zu leiten, besticht der Kroate größtenteils mit guter Technik und Präzision. Hezonja zeigt gute technische Anlagen in der Vorbereitung und Durchführung seiner Würfe. Die Wurfmechanik ist flüssig. Er hält seinen Rumpf über den gesamten Bewegungsablauf stabil, selbst wenn er bei Abschlüssen aus der Bewegung seitlich driftet. Beim Fangen von Pässen aus einem Screen heraus dreht er sich zügig zum Korb oder nutzt einen schnellen Hopp, um aus dem Catch direkt in die Wurfbewegung zu gehen.

Dass er derzeit hauptsächlich am Perimeter agiert, merkt man auch an seinen Freiwürfen. In 650 Minuten ging Hezonja bislang nur 25 mal an die Linie.

Hezonja als erweiterter Pick-&-Roll-Ballhandler

Ein reiner Camper, der in der Ecke auf seine Brocken wartet, ist er jedoch nicht. Barcelona nutz den Kroaten in einer Art und Weise, die bei jungen Spielern mit Potential zum Ballhandler, deren Fähigkeiten am Ball für ein hohes Spielniveau jedoch noch unterentwickelt sind, Sinn machen. Für Hezonja werden einige Screens gestellt, etwa von außen nach innen oder aus Zipper Cuts kommend, die nicht als reine Einbahnstraßen zu Spot-Up Würfen gedacht sind, sondern ihm mehrere Möglichkeiten geben. Es enden zwar viele dieser Aktionen in Spot-Ups, doch sie sind auch eine Art erweiterter Pick & Roll, bei dem Hezonja im Vorraus etwas Distanz zu seinem Gegenspieler gewinnen kann. Danach hat er auch die Möglichkeit, zum Korb zu ziehen, den abrollenden Big anspielen oder eben zu werfen:

extend

Hezonja nutzt Pick & Rolls, in die er sich reinbewegt, um zum Korb zu kommen, Anspielstationen zu finden oder für Würfe frei zu kommen (zum Vergrößern klicken).

Hezonjas Ansätze sind vielversprechend. Er beweist Übersicht, auch wenn sie noch eher selten aus diesen Aktionen kommen. Sobald er in die Zone eindringt, vertraut er noch weniger auf seine Physis und schließt öfter mit eher wilden Floatern ab, wenn er in eine Gruppe von Verteidigern zieht. Isolationen und Pick und Rolls, die aus dem Stand erfolgen, sehen bei Hezonja noch sehr ausbaufähig aus. Er zeigt wenig Vertrauen in seine Explosivität aus dem ersten Schritt heraus. Stattdessen zieht er sich oft erst zwei Schritte zurück, um das Dribbling zu initiieren und mit Fakes und Crossovern seinen Gegenspieler aus der Balance zu bekommen. Doch noch hat Hezonja Probleme, in diesen Szenen an seinen Gegenspielern vorbeizuziehen, da sein Körper beim Dribbling zu gerade ist und er bei seiner Größe inzwischen vielleicht auch einfach nicht mehr mit der Regelmäßigkeit an kleineren Spielern vorbeikommen kann, wie er es noch gegen schwächeren Wettbewerb gewohnt war.

Hezonja sollte  zumindest durch seine Bewegung abseits des Balles, ob als Shooter oder Cutter, einer Offensive helfen können. Und selbst wenn sein Ballhandling für eine primäre Offensivoption auf dem Flügel zu schwach bleibt, könnte es aufgrund seiner Größe und vorhandenen Fähigkeiten am Ball als erweiterter Spielmacher in dem weitläufigeren Spacing des NBA-Parketts bei richtiger Nutzung zu einer vielseitigen Waffe werden, von der man  als Verteidiger aufgrund der Kombination aus Wurf und Drive bei Platz nur schwer ablassen kann. Aufgrund seiner Größe und dem vielseitigen Skillset sollte er offensiv ohne größere Probleme mit verschiedenen Arten von Flügeln kombinierbar sein, sodass er sich neben einem 3&D-Flügel an gestalterischen Aufgaben probiert oder, wie bei Barcelona, mal mehr zum Spot-Up-Werfer wird.

Hezonjas Spiel geht noch etwas physische Power ab, was bei dem Alter verständlich ist, auch wenn er die Anlagen für ein körperbetonteres Spiel bereits besitzt. Ein relativ tiefer Körperschwerpunkt und starker Rumpf sollte ihn auch gegen kleinere Spieler als Post-Up Option interessant machen, da sein Passspiel vielversprechend ist. Bisher ist dieser Form der Attacke noch keine Option in seinem Arsenal.

Update – 17.05.2015

Verteidigung

Wer von einem Rookie auf Anhieb verlangt, ein passabler Verteidiger zu werden, wird meist enttäuscht. Gerade das Verteidigen auf dem NBA-Perimeter ist ein anspruchsvoller Job, da man als Hilfsverteidiger viele lange Wege bei dem hohen Spieltempo in der besten Basketballliga der Welt zurücklegen muss. Jedes Match-Up zwingt die Spieler zum Umdenken, da man auf dem Flügel eine Vielzahl an Spielertypen trifft – Ballhandler, stationäre sowie aktive Schützen, Post-Up-Spezialisten, offensive Allrounder und noch mehr. An Timing und Technik ist viel zu lernen. Einige Spieler scheinen dafür ganz gut gewappnet zu sein. In der Theorie ist Hezonja so ein Spieler. Sein Körper, der mehr und mehr in den eines großen Forwards wächst, gepaart mit seiner Schnelligkeit und Athletik auf NBA-Level lassen keinen Zweifel daran, dass in ihm ein dominanter Verteidiger schlummert. Daüber hinaus kann er gerade in der heutigen NBA, die verstärkt auf Small Ball setzt und in der einzelne Teams mit Verteidigern ähnlicher Größe von der 1 bis zur 4 als flexible Switcher experimentieren, ein vielseitiger Verteidiger sein.

Bisher konnte Hezonja diese Vielseitigkeit nicht andeuten. Rob Scott von euroleagueadventures.com wies bereits im Dezember darauf hin, dass der Kroate defensiv nicht gerade den Eindruck macht, sich reinzuhängen zu wollen. Dies war bereits im letzten Jahr zu beobachten, in denen der Kroate nur sehr wenige Minuten für die Katalanen auflief. Hezonja präsentierte sich als zaghafter Hilfsverteidiger, den  das Verteidigen an diesem Punkt seiner Karriere vielleicht nicht besonders interessiert. Als NBA-Versprechung besonderer Güteklasse hatte er vielleicht auch die Sorge, bei starkem defensiven rotieren seinem direkten Gegenspieler Scoringmöglichkeiten zu ermöglichen, die ein schlechtes Licht auf seine Eins-gegen-Eins-Defensivfähigkeiten werfen könnten. So schien sich Hezonja defensiv vor allem verstecken zu wollen. In diesem Jahr scheint Hezonja ein aktiverer Hilfsverteidiger zu sein, doch seine Bereitschaft, den nötigen Fokus auf defensive Routineaufgaben zu legen kommt und geht, manchmal scheinbar willkürlich.

Hezonja hat zum Beispiel Schwierigkeiten, Gegenspieler über Screens zu verfolgen. In diesen Situationen, wenn er schnelle Richtungswechsel um Screens schlagen muss, ist seine laterale Explosion nicht auf dem Level, die man von von einem Athleten seines Schlages erwarten würde. Trotz seiner doch beeindruckenden Physis nimmt er eher weite Wege über Screens anstatt sich eng und mit etwas Körperkontakt um die Screener zu drehen. Ähnliche Schwierigkeiten und eine verzögerte Reaktion bei schnellem Richtungswechsel zeigt Hezonja, wenn er durch Backdoor Cuts geschlagen wird, was in dem beobachteten Sample recht häufig passierte. Das alles könnten immer noch Nachwirkungen seines Wachstums sein. Doch es stellt sich die Frage, ob er in der Lage sein wird, auch defensiv die Rolle eines typischen Shooting Guards auszufüllen und flinkere Guards um den Perimeter zu jagen. Sind seine Anlagen vielleicht besser angelegt, wenn er sich auf größere Flügel und Combo Forwards spezialiasier? Hezonja könnte aufgrund seiner durchschnittlich langen Arme Probleme bekommen, über einen längeren Zeitraum wahre Power Forwards zu verteidigen, die innen agieren. Seine Masse, Athletik und Aktivität könnten einiges davon wettmachen, um ein echter defensiver All-Rounder zu werden, der durch Crossmatches sich das  eigene Leben einfacher macht, indem er langsamere und weniger athletische Tweener auf den Flügel zieht und dort attackiert.

Hezonjas Technik und Positionierung scheint in einigen Sitautionen nicht astrein, doch er ist jung genug um sich hier zu verbessern und wurde bis zu seinem Engagment bei Barcelona wahrscheinlich nie aufgefordert, echte Defense zu spielen. Dafür sind vereinzelte Szenen, vor allem in der Eins-gegen-Eins-Verteidigung, der defensiven Kommunikation und dem Stören von Post-Ups durch größere Veteranen vielversprechend. Technik und Einsatz sind Hezonjas größte Frgazeichen in mit kleineren Sorgen, begründet durch seine Probleme in der lateralen Bewgung beim Verteidigen off-the-ball und seiner durchschnittlichen Armspannweite. Sobald die Defensive in seinem Kopf eine Rolle spielt, sollte auch die Technik besser werden und seine Anlagen sollten reichen, um auch die kleineren Zweifel wegzuspülen und ein wahrer Two-Way-Flügel zu werden.

 

Spielervergleich

Da Hezonja ein großer, athletischer Flügel ist, dessen Ballhandling sich auch in der NBA auf ein überdurchschnittliches Niveau entwickeln kann, weist er Parallelen zu Spielern wie Chandler Parsons, Gordon Hayward, Khris Middleton, J.J. Redick, J.R. Smith, Klay Thompson oder Paul George auf, die je nach Anlagen mehr zum wahren Ballhandler tendieren oder Spot-Up Optionen mit der Tauglichkeit zum erweiterten Playmaker auf dem Flügel sind. Sollte Hezonja den NBA-Dreier nicht konstant treffen können, wäre eine weniger erfreuliche Entwicklung zu einem Spieler wie Jeff Green denkbar. Sollte er hingegen Schwierigkeiten haben, sein Ballhandling auf NBA-Niveau etwa aufgrund einer weniger idealen Offense nicht etablieren können, sollte er offensiv in einer ähnlichen Rolle wie Matt Barnes Erfolg finden. Es ist schwer einzuschätzen, wie sich seine Defensive in der NBA entwickeln kann. Die laterale Schnelligkeit scheint bei seiner Größe gerade so zu reichen, um kleine Flügelspieler vor sich zu halten, während sein Körperbau Mut macht, auch bulligeren Flügeln ebenbürtig zu sein. Die Fähigkeit, verschiedene Arten von Flügeln im Eins gegen Eins zu verteidigen wäre ein großes Plus bei seiner ohnehin schon offensiven Vielseitigkeit. Hezonja als positiver Verteidiger ist jedoch keine Selbstverständlichkeit, auch wenn er sich derzeit verständlicherweise als junger Spieler auf hohem Level selbst zurückhält und aufgrund von unglücklicher Technik und mangelndem Fokus nicht der Spieler ist, der er sein könnte.

 

Videos

 

Wichtige Spiele mit aufschlussreichem Matchup

28.11.2014 – vs. EA7 Emporio Armani – 13 Punkte, 2 Rebounds, 2 Assists

5.12.2014 – vs. Turow Zgorzelec – 15 Punkte, 3 Rebounds

11.12.2014 – vs. Fenerbahce Ulker – 12 Punkte, 4 Rebounds, 2 Assists

14.12.2015 –vs. CAI Zaragoza – 14 Punkte, 5 Rebounds, 4 Assists

30.1.2015 – vs. Zalgiris Kaunas – 12 Punkte, 2 Assists, 4 Steals

23.1.2015 – vs. KK Crvena Zvezda – 12 Punkte, 5 Rebounds, 2 Assists

05.2.2015 – vs. Real Madrid – 22 Punkte

15. 2. 2015 – vs. FIATC Joventut Badalona – 16 Punkte, 5 Rebounds, 2 Steals

21. 2.2015 – vs. Unicaja Malaga – 12 Punkte 

 

Artikelempfehlungen

Mario Hezonja: The Devil is in the defense

Upside & Motor: December 2014 Scouting Report

Pro Basketball Analysis: 2013-14 Scouting

 Statssektion

International: 

hezo

Awards:

U-16 European Championships MVP & All-Team 2011

U-17 World Championships All-Team 2012

Ciutat De L’Hospitalet All-Team

Statsvergleich innerhalb der Draftclass

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