BBL, Scouting

Bonn vs. Göttingen: How to attack a zone

In der Pressekonferenz nach dem Spiel der Bonner gegen Göttingen (14. Februar) kündigte Telekom Baskets-Headcoach Mathias Fischer an: „wir werden eine schöne Video-Session machen: wie attackieren wir eine Zone und wie nicht“. Denn nur zehn Tage später sollten die Rheinländer wieder auf die Veilchen treffen, die das BekoBBL-Spiel der beiden Teams dank einer starken Zonenverteidigung sehr eng gestalten konnten. Doch die Video-Session zeigte Wirkung: die Bonner konnten Göttingen im Do-or-Die-Spiel deutlich bezwingen und fahren somit nach Oldenburg zum Top4. Grund genug für uns, anhand des BBL-Spiels zwischen den Telekom Baskets und Göttingen (66:65), zu analysieren, wie man am Besten eine Zone attackiert. Grundregel: Ballbewegung und intelligente Cuts führen gegen eine Zone zu offenen Würfen. 36 Dreipunktwürfe waren es nach 40 Minuten, zehn erfolgreich, 28%. Bereits zur Pause hatten die Bonner 17 mal aus dem Drei-Punkte-Bereich geschossen. Über die gesamte Saison hinweg waren es pro Spiel im Durchschnitt 23. Dementsprechend standen für die Bonner auch 14 offensiv Rebounds auf der Anzeigetafel. Obwohl die Quote es nicht vermuten lässt, war ein Großteil der Distanzwürfe von hoher Qualität, also offene Würfe. Die Zonenverteidigung der Göttinger lässt sich auch in der Wurfverteilung der Bonner wiederfinden, die kaum Dreier im Bereich der Korb-Korb-Achse nehmen und mehr auf die “Ray-Allen-Spots” an den Seiten ausweichen. Die im Text folgenden Beispiele sollten diese Verteilung und die Gründe dafür weiterhin verdeutlichen. Allen voran Andrej Mangold profitierte. Der Deutsche konnte seine ersten drei Versuche aus der rechten Ecke verwandeln, konnte in der Folgezeit aber nur einen weiteren Dreier durch das Netz jagen. Nichts desto trotz stand am Ende ein neues Karriere-Hoch für den Guard auf dem Scoreboard, 14 Punkte. „Wir wussten das mit dem Ausfall von Benas Veikalas Würfe für anderen Spieler frei werden würden, die habe ich genutzt“, sagte er anschließend selbst in der PK. Bereits angedeutet, der Ausfall von Kapitän Benas Veikalas, der mit einer Fußverletzung jedoch bereits in der nächsten Woche wieder in das Training einsteigen wird. Dementsprechend änderte Fischer auch die  Rotation und holte Ryan Brooks in die erste Fünf. Ob die insgesamt 18 Ballverluste auch damit zusammenhängen, sei vorerst dahingestellt. Das 22 Assists die Zahl der Turnover dennoch überragen, sei hervorzuheben. 75% aller erfolgreichen Würfe gingen am Ende eine Vorlage voraus. Bonn  bewegt den Ball am Perimeter gut und meist auch recht intelligent, kombiniert in den Passstafetten einige Pick&Roll Situationen, nach denen jedoch häufig gar nicht erst der Weg gen Zone gesucht wird, sondern der Pass auf den nebenstehenden Mitspieler folgt.  Dieser erhält ebenfalls einen Block, doch, so geschieht dies alles rasch und ohne gröbere Schnitzer, eröffnet sich entweder ein offener Dreier oder eine gute Post-up-Position meist für Tadas Klimavicius. Hier läuft Ryan Brooks das erste Pick&Roll mit Tadas Klimavicius. Beide Ecken sind vorerst besetzt. Parallel mit Klimavicius, sprintet Steve Wachalski auf die gegenüberliegende Seite um sich in Position für den zweiten On-ball-screen zu bringen. Brooks weiß bereits vor dem Block, „ich werde den Spalding direkt zu Geno weiterleiten“.

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Nun kommt Steve Wachalski zu seinem Einsatz: er stellt den Block für Point Guard Eugene Lawrence und springt danach, typisch für ihn, an die Dreierlinie heraus, Pick&Pop. Im Hintergrund läuft Klimavicius im Rücken aller Verteidiger durch die Zone und etabliert eine tiefe Position unter dem Korb. Lawrence zieht zum Korb, wird von der Göttinger Verteidigung gut abgedeckt, findet anschließend aber den ungedeckten Klimavicius unter dem Korb.

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.     Bereits im ersten Viertel findet sich diese Variante wieder. Hier nutzt Point Guard Mickey McConnell die Bewegung in der Verteidigung und findet den freigelassenen Shooter auf der Weakside.

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            Dieses Muster spielten die Bonner immer wieder, um sich offene Würfe zu erspielen. In der Ausgangsstellung lauern Mangold, Caloiaro und Brooks oberhalb der Dreierlinie, Lawrence in der linken Ecke und Klimavicius unter dem Korb. Mangold, zu Beginn mit dem Spalding in der Hand, gibt diesen rasch an den zentral positionierten Caloiaro ab. Erst schneidet Lawrence durch die Zone erst in die Ecke und dann weiter hoch auf den Flügel. Mangold folgt ihm mit dem selben Laufweg, besetzt aber die Ecke.

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      Die nun freie linke „Corner“ besetzt Angelo Caloiaro, der den Ball zuvor weiter an Brooks passte. Brooks bewegt sich mit dem Ball nun gen Korb-Korb-Achse. Das Feld ist nun extrem weit und die Verteidigung ordentlich in Bewegung versetzt.  

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Brooks testet die erste Option aus: über Lawrence soll der Spalding zu Mangold in die Ecke gelangen. Der ist aber gedeckt.

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  Zweite Option: wieder zurück auf Lawrence, weiter zu Caloiaro in die gegenüberliegende Ecke. Der könnte den Dreier nehmen, zögert aber und zieht in die Zone. Dieses Muster lässt sich immer wieder über das Spiel verteilt erkennen. Gut zu erkennen, an den zwei direkt hintereinander „cuttenden“ Spielern. In dieser Situation kommt der Angriff ein wenig zu stocken, Klimavicius erhält den Ball an der Freiwurflinie, nimmt aber jegliche Geschwindigkeit aus dem Play heraus, alle Anspielstationen sind gedeckt.

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Dass auch viel simpler sein kann, offene Würfe gegen eine Zone zu erspielen, zeigt diese Szene. Brooks versucht den unter dem Korb aufpostenden Klimavicius mit dem Ball zu versorgen. Caloiaro steht hier aber recht ungeeignet und verengt den Raum für den großen Litauer. Bereits jetzt hat sich Florian Koch (neun Minuten Einsatzzeit) auf der Weakside positioniert. Nun genügen zwei einfache, schnelle Pässe um den Ball entlang der Drei-Punkte-Linie zu Koch zu bringen. Der offene Dreier fällt leider nicht.

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Mit Verlauf des Spiel fand die Mannschaft vom Hardtberg eine gute Mischung zwischen dem Spiel unter dem Korb, Tadas Klimavicius sei hier hervorzuheben, und dem Wurf von draußen. Im Post konnte der Big-Men entweder selbst punkten (Klimavicius blieb bei 100% aus dem Feld) oder die Lücken per Pass in der Zone suchen. Seine Größenvorteile gegen die klein spielendenden Veilchen versuchten seine Mitspieler immer wieder auszunutzen.   Zwei Wochen später mussten die Bonner dann auch im Pokal über eine sehr lange Zeit gegen eine Zonenverteidigung spielen. Dies klappte noch besser und so Jungs von Mathias Fischer schon früh auf der Siegerstraße. Veilchen-Coach Johan Roijakkers musste sich danach sogar die Frage gefallen lassen, ob er nicht zulange hat seiner Zonen-Defense festgehalten habe. Denn wenn ein gut gecoachtes Team wie Bonn den Schlüssel gegen eine Zone gefunden hat, wird diese schnell ineffektiv.    

Alle Rechte an den Bildern liegen bei der Telekom.

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