BBL, EWE Baskets Oldenburg

Wenn die Zone zum Verhängnis wird

Wie man eine Zonenverteidigung aushebelt

Dieser Artikel ist auch Teil unseres BBL Go-to-Guides, der etwas anderen Saisonvorschau auf die Beko BBL 2015/16.


Wenn ein Team in der Beko Basketball Bundesliga anfängt mit einer Zone zu verteidigen, hört man die Kommentatoren häufig sagen, dass der Dreipunktwurf dagegen das Allheilmittel wäre. Die EWE Baskets Oldenburg haben in der letzten Saison allerdings eindrucksvoll bewiesen, dass dies ganz und gar nicht der Fall ist. Denn genau mit dieser Taktik begann für die Donnervögel eine Talfahrt, die in der Entlassung von Sebastian Machowski gipfelte…

Die Oldenburger kamen gerade frisch erholt aus der All-Star-Pause, als das wichtige Spiel gegen die Basketball Löwen Braunschweig auf dem Plan stand. Nach einer ausgeglichenen Anfangsphase, glitt den Baskets das Spiel immer mehr aus der Hand und der Konkurrent aus Braunschweig feierte letztendlich einen ungefährdeten 80:71-Sieg. Der Hauptgrund für die steigende Führung der Löwen war deren Zonenverteidigung, auf die die Oldenburger nie eine Antwort fanden.

Nur eine Woche später traten die Männer von Sebastian Machowski zuhause beim Derby gegen die überraschend starke BG Göttingen an. Wieder agierte der Gegner über weite Strecken mit einer 2-3-Zone, wieder versagte die Machowski-Offense kläglich und man ging mit 69:88 gegen den Aufsteiger unter.

Auch im weiteren Verlauf der Saison ließ Johan Roijakkers seine Göttinger vergleichsweise erfolgreich eine Zonenverteidigung spielen. Stärkere Gegner wie die Telekom Baskets Bonn offenbarten dem Holländer aber eben auch die Schwächen dieser Verteidigungsart, welche nämlich immer da sind, aber von den Oldenburgern nie erkannt wurden.

Spacing in der Offense

Dass Dreipunktwürfe ein probates Mittel gegen eine Zonendefense sind, ist ja nicht frei erfunden, sondern bewiesen. Höchste Priorität muss aber weniger die Nutzung dieses Wurfs, als die Entstehung von Spacing sein. Bei einer 2-3-Zone verteidigen immer zwei Spieler am Perimeter, während die drei anderen unter den Korb absinken. Nun muss es für die Offense das Ziel sein Bewegung in dieses Schema zu bekommen, um Lücken entstehen zu lassen.

Dafür ist ein weiter Abstand zwischen den einzelnen Mitspieler zwar wichtig, allerdings muss er auch clever nutzbar sein. So half es den Oldenburgern in der vergangenen Saison wenig, dass die fünf Akteure auf dem Feld den größtmöglichen Abstand haben. Diese Offensivsequenzen endeten in Passstaffeten am Perimeter, wo sich lediglich die zwei Verteidiger oben von links nach rechts bewegen mussten.

(www.telekombasketball.de, BRA-OLD)

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Es befand sich keinerlei Bewegung in der Offensive, sodass jeder Oldenburger seine Position beibehielt und scheinbar hoffte, dass man irgendwie einen offenen Dreipunktwurf finden würde. Dies reicht niemals aus, um eine gut gestaffelte Zonen-Defense in Verlegenheit zu bekommen.

Um Spacing in Vollendung zu nutzen, braucht es zum einen Bewegung des Balls und zum anderen Bewegung der Spieler. Dies kann so aussehen, dass die Perimter-Spieler immer wieder ihre Positionen tauschen oder zwischen den Ecken wechseln. Des Weiteren sollte es versucht werden den Ball in das Herz der Zone zu bringen, also zwischen die Zweier- und die Dreierreihe. Wenn ein Oldenburger Guard nun zum Drive ansetzt und in diesen Bereich gelangt, muss sich die Verteidigung zwangsläufig zusammenziehen und ein Pass nach Außen ist wieder möglich.

Passiert dies nicht direkt, werden zumindest die gegnerischen Big Man zur Hilfe eilen und ein Pass zum Brettspieler wird möglich. Sollte sich dieser nun auch noch in Bedrängnis befinden, eignet sich ein weiterer Pass nach Außen, um einen weit offenen Wurf zu kreieren.

Hier hat Maurice Stuckey nach einem Drive sogar beide Möglichkeiten und bedient letztendlich Philip Zwiener unter dem Korb, der die einfachen Punkte erzielt.

(www.telekombasketball.de, BRA-OLD)

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Allerdings ist auch beim Zug zum Korb Vorsicht geboten. Da Oldenburg offensiv konstant zwei Big Men unter den Körben platziert hatte, war der Weg zur Reuse häufig versperrt. Hier möchte Chris Kramer über die Baseline kommen, allerdings steht sein eigener Mitspieler im Weg bzw. zieht seinen Mann genau dahin, wo Kramer gerne scoren würde.

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Ein weiteres Merkmal dieser Szene und des Drives allgemein ist, dass Zwiener sich auf der Weakside sofort in die Ecke bewegen muss, damit Kramer im Notfall noch eine Anspielstation hat. Außerdem zieht dieser Move die Zone noch weiter auseinander und im besten Fall bekommt die Nummer Sieben der Donnervögel hier einen offenen Look von jenseits der 6,75m-Linie.

Die Rolle der Big Man

Die wichtigste Rolle bei dem Bespielen einer 2-3-Zone kommt jedoch den beiden Big Man zu. Bei den EWE Baskets Oldenburg konnte man erkennen, dass beide Großen konstant unter dem Korb blieben. Sie boten sich beispielsweise für Post-Ups aus der Motion Offense an oder versuchten die Reboundnachteile des Gegners, die die Verteidigung als Zone oft zur Folge haben, auszunutzen.

Diese Art der Positionierung der Big Man lag vor allem an ihren Fähigkeiten. Immerhin können Adam Chubb, Philipp Neumann und Robin Smeulders allesamt nicht von weiterer Entfernung abschließen und bieten somit kein zusätzliches Spacing. Lediglich Nemanja Aleksandrov schob es immer wieder an den Perimeter, wodurch unter dem Korb mehr Platz geschafft wurde.

Einer der wichtigsten Bestandteile der Offense gegen eine 2-3-Zone war aber so gut wie gar nicht in das Spiel der Donnervögel integriert. Denn auch die Big Man können Lücken reißen, in dem sie sich in das Herz der Zone bewegen. Für sie heißt dies auf Höhe der Freiwurflinie, wo sie dann meist ohne Gegenspieler agieren können. Man bezeichnet den Großen auf Freiwurflinienhöhe dann „High post-player“ und den Spieler, der unter den Brettern bleibt als „slot player“. Diese Positionen können aber sehr regelmäßig getauscht werden, sodass es für die drei tiefen Spieler des Gegners schwer wird, sich auf die Beiden einzustellen.

In Perfektion läuft es dann darauf hinaus, dass es auch zu sogenannten „High-Low“ oder „Low-High“-Anspielen kommt. Das bedeutet, dass die Big Man sich nach Erhalt des Spaldings den Ball nochmal zupassen, um einen noch offenereren Wurf zu schaffen. Am besten klappt dies, wenn der „High post-player“ den Ball vom Flügelspieler auf Höhe der Freiwurflinie erhält und dann zum Korb penetriert. Dann muss zwangsläufig ein Big Man des Gegners herauskommen, um die einfachen Punkte zu verhindern. Wenn sich der „slot player“ nun richtig positioniert hat, kann er angespielt werden und selbst abschließen. Eine wichtige Regel ist dabei, dass der „slot player“ nur ein Schritt vom Korb entfernt ist und somit immer sofort abdrücken kann. Ansonsten würde dir Offense nämlich wieder ins Stocken geraten und es wäre kein Fortschritt entstanden.

Auch die EWE Baskets haben diese Variante mal angedeutet, als Neumann hoch kam, um den Ball zu erhalten. In dieser Version verwandelte er sofort den einfachen Mitteldistanzwurf, wäre er zum Korb gezogen, hätte er mit Aleksandrov als „slot player“ aber noch eine Anspielstation gehabt.

(www.telekombasketball.de, BRA-OLD)

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Hier ist auch nochmal gut zu erkennen, wie wenig Neumann verteidigt wird. Aufgrund der defensiven 2-3-Grundordnung möchte kein Braunschweiger seine Position verlassen und der Neu-Ulmer kommt völlig frei zum Wurf. Wenn hier einer der beiden Perimeter-Verteidiger zu Neumann absinkt, hätten die Oldenburger sofort einen offenen Wurf von „Downtown“ von Rickey Paulding bzw. Casper Ware.

Auch wenn es für Neumann in dieser Szenen keinen freien Abschluss gegeben hätte, so wäre wenigstens die Offensive in Bewegung gebracht worden. Dafür sind Pässe von Außen nach Innen und umgekehrt sehr wichtig. Denn bei einer Zonen-Defense gibt es keine festen Zuteilungen wie bei der Man-to-Man-Defense, sodass immer mehr Rotationen entstehen und bei genug Geduld auch freie Würfe gefunden werden können. Den Gefallen, den die Donnervögel ihren Kontrahenten gemacht haben, war, dass sie den Ball lediglich über die drei oberen Anspielstationen haben laufen lassen. Die Würfe, die dabei entstehen sehen dann wie folgt aus und können den Coach alles andere als glücklich machen.

(www.telekombasketball.de, BRA-OLD)

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Screens aus der Motion Offense

Doch auch all die Pässe helfen nicht viel, wenn dadurch kein Raum entsteht, wo Würfe genommen werden können. Ein weiteres gutes Mittel, welches Oldenburg versäumte anzuwenden, sind einfache Blöcke. Bei der Offense gegen die Mann-Mann-Verteidigung sind sie alltäglich, gegen die Zone werden sie nur seltener genutzt, obwohl sie dort genauso effektiv sind. Denn die Schwäche der 2-3-Zone ist auch, dass die angreifende Mannschaft am Perimeter eine 3-2-Überzahl hat. Mit diesem Mann mehr, können die zwei oberen Verteidiger ausgeschaltet werden. Sollten die drei tiefen Defender nicht schnell genug rotieren, können offene Würfe oder Überzahlsituationen auf dem Weg zum Korb entstehen.

Die Männer von der Hunte schienen sich aber komplett gegen jegliche Screens zu wehren. So war es mehrfach zu erkennen, dass Robin Smeulders auf Höhe der Dreipunktlinie Blöcke stellen wollte, um seinen Guards den Raum zum Penetrieren zu geben. Doch ähnlich wie hier verweigerten diese den Screen und passten den Ball wieder quer über das Feld ohne auch nur einen Zentimeter an Raum zu gewinnen.

(www.telekombasketball.de, BRA-OLD)

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Es lässt sich in dieser Sequenz schon erahnen, wie viel Aufmerksamkeit dieses angedeutet Pick&Roll bekommen hätte, da gleich vier Verteidiger auf die Ballside kommen. Zwiener wäre zwar jetzt frei, allerdings dauert der Wechsel des Balls auf die andere Seite zu lang, als das die Oldenburger da hätten Kapital raus schlagen können.

Auch in der folgenden Szene will Smeulders einen Block stellen, um Kramer in die Mittel vordringen lassen zu können. Allerdings lehnt er diese Option auch diesmal ab und die Offensive stagniert wieder komplett.

(www.telekombasketball.de, BRA-OLD)

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Ein weiteres Opfer der Zonenverteidigung des Gegners war Aufbauspieler Casper Ware. Er konnte zu keinem Zeitpunkt eine clevere Offense einleiten und so endeten viele Possessions mit wilden Dreiern des Ex-NBA-Spielers. Auch als Kramer hier mal eine interessante Guard-to-Guard-Screen-Variante ausprobierte, um somit die zwei oberen Verteidiger auf sich zu ziehen, drückte Ware lieber einen schwierigen Dreier ab.

(www.telekombasketball.de, BRA-OLD)

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Wie ein Block auf Höhe des Perimters hingegen richtig genutzt wird, zeigt Julius Jenkins in dieser Szene.  Neumann stellt den Screen für einen der oberen beiden Defender und so kann Jenkins locker an diesem vorbei ziehen. Da “JJ” ein starker Schütze ist, nutzt er den Platz direkt für einen komplett offenen Dreipunktwurf. Die drei unteren Verteidiger sind viel zu tief, als das sie diesen Wurf noch hätten verhindern können. Splash.

(www.telekombasketball.de, OLD-GOT)

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Eine der effektivsten Screen-Arten für einen Angriff gegen eine 2-3-Zone ist der „Flare-Screen.“ Dabei stellt man den Block im Rücken des Verteidigers und kann ganz einfach Würfe von außen frei spielen. Immerhin ist die Zuteilung bei der Zonen-Defense frei und man kann mit dieser Methode einzelnen Defender aus dem Spiel nehmen und seinen Shootern somit noch mehr Raum lassen. Die EWE Baskets nutzen aber auch diese gute Variante nicht und so blieben die Dreipunktwürfe am Ende schlicht zu gut verteidigt und zu selten wie oben aufgezeigt.

Fazit

Es wird somit recht schnell klar, warum die EWE Baskets Oldenburg, die eigentlich gute Schützen besitzen und deshalb eh schon dreier-lastig spielen, solch große Probleme mit der Zonenverteidigung verschiedener Gegner hatte. Ex-Headcoach Sebastian Machowski gelang es zu keinem Zeitpunkt eine Veränderung in der Offense einzustellen und so stagnierte diese nach einigen Pässen auf Höhe der Dreipunktlinie. Hinzu kamen die Big Man, die zu häufig in Korbnähe agierten und der Raum zwischen den beiden Reihen zwar groß aber unbenutzt blieb. So kam es nie zu einer echten Ballbewegung in der Offense und das Zusammenspiel zwischen inside und outside funktionierte nicht. Was dann bleibt, sind lange Dreipunktwürfe, die bei zusätzlicher Reboundunterlegenheit zwangsläufig zu keinem Erfolg führen.

Es wird spannend zu sehen sein, ob Oldenburg auch in der kommenden Saison noch regelmäßig von einer Zone gefordert sein wird. Immerhin hat sich das Spielerpersonal nur teilweise verändert und Shooter wie Paulding oder Aleksandrov sind geblieben. Genauso wird zu beobachten sein, welche Lösungen andere Coaches gegen eine unangenehme 2-3-Zone finden und wie erfolgsversprechend diese Verteidigungsart dann noch ist.


Vielen Dank für die freundliche Genehmigung von telekombasketball.de für das Bildmaterial.

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2 comments

  1. Coach K

    Ein sehr guter Bericht, der alles gut und leichtverständlich zum Thema Zone vermittelt. :!: :tup:

    Ich finde es leider immer noch sehr schade, das bei uns zu wenig über die Verteidigungsart Zone gesprochen wird im Allgemeinen, sowie mit den Dingen wie Knacke ich eine Zonenverteidigung.

    Viele Coaches versuchen wenn Zone gegen Sie gespielt wird mit dem “Allheilmittel” Distanzwurf, wie in dem beschriebenen Artikel bringt dies ziemlich wenig, wenn ich keinen Playermovement habe auf dem Feld. Denn in der Zone verteidigt man den Raum und nicht direkt den Mann, das bedeutet hier ist die Chance höher sich im Rücken der Verteidigung weg zu schleichen als auch durch kluges Blockstellen einen Mann frei zu bekommen.

    Wichtig ist hier zu einem das der Highpost versucht wird zu besetzten durch einen BigMan mit guten Passingskills bzw. Wurfskills oder auch durch einen Spieler der in die Zone zieht und somit die Verteidigung zum zusammenziehen zwingt bzw. aushelfen der Big Man das eröffnet zum Bsp. durch einen Kickout eine mögliche offene Wurfoption als auch einen Durchstecker auf einen Spieler am Lowpost.

    Ich hoffe das ihr mehr Verteidigungsarten bzw. Offensivarten untersucht. Und man sich im Nachhinein mit Meinungen austauschen kann.

  2. ChrisSchmidt

    |Author

    Kann ich dir, wie im Artikel bereits ausführlich dargelegt, nur zustimmen.

    Wir werden versuchen weiterhin über diese und weitere Verteidigungsarten zu schreiben, genauso werden auch Offensivsysteme eine Rolle in unseren BBL-Artikel finden. Einfach immer mal wieder reinschauen, wenn dich diese Themen interessieren, bist du ja hier genau richtig ;)


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