BBL

Wie die Crailsheim Merlins (erneut) (fast) den dritten Sieg in der Tasche haben

„Ich bin zufrieden mit der Entwicklung unserer Teams in den letzten Wochen. Trotz der Niederlage bin ich stolz auf meine Mannschaft“, so begann Crailsheim Merlins Coach Ingo Enskat die Pressekonferenz nach dem Auswärtsspiel in Bonn. Zuvor hatte seine Mannschaft in einer engen Schlussphase mit 79:76 gegen die Telekom Baskets Bonn verloren. Obwohl sich auf dem Papier einzig die nächste und damit die sechzehnte Pleite wiederfindet, zeigten die Merlins einige positive Aspekte auf.

Nachdem Jannik Freese in der vergangenen Woche gen Berlin abwanderte und Max Rockmann in die zweite Liga nach Hamburg wechselte, musste das Problem unter den Brettern teamintern gelöst werden. Dafür wechselte Team Kapitän und zeitweiliger Assistant-Coach Stevie Johnson den Anzug gegen Shooting-Shirt, ließ dieses jedoch aber bis zum Ende der Partie übergestreift. Am Ende waren es besonders Andriy Agafonov und Andreas Kronhardt, die von der Bank aus eine größere Rolle übernahmen. Agafonov (14 Punkte) avancierte zum Top-Scorer der Merlins.  Kronhardt beschützte den eigenen Korb veritabel, stellt in der Offensive kräftige Blöcke, ging teils jedoch auch in den Defensivrotationen verloren. Der Bonner Steve Wachalski bereitete ihm am Perimeter größere Probleme. 42 Punkte erzielten die Mannschaft von Headcoach Ingo Enskat in der Zone, Bonn 43. Auch das Reboundduell konnten die Gäste mit 32:36 für sich entscheiden.

Nichts desto trotz wäre es fahrlässig nun keinen Spieler zu verpflichten.

Doch auch die alten, nur zu gut bekannten Muster aus der bisherigen Spielzeit durften nicht fehlen.  18 Ballverluste lassen sich auf viele Unkonzentriertheiten bei Pässen und Drives zurückführen. Zu häufig sprang die herrschende Hektik auf das Spiel beider Mannschaften um, was in überstürzten Pässen, technischen Fouls und erzwungenen Drives endete. Der Einstieg in das eigene Set-Play erwies sich besonders in den letzten Minuten der Partie bei einer zunehmend aggressiven Verteidigung der Rheinländer als schwer und verwehrte den guten Wurf am Ende des Angriffs.  

In der Verteidigung lief es über große Parts des Spiels gut. Im zweiten Spielabschnitt kamen die Gastgeber einzig auf 15 Punkte. In den letzten 20 Minuten führten einzelne Fehler in den Defensivrotationen zum Kollaps der gesamten Defensivstruktur und den offenen Würfen der Bonner. Zogen die Bonner vom Flügel schnell in die Zone, verblieb der Passweg entlang der Baseline offen. Fanden die Spieler vom Hardtberg jenen, brauchte es maximal einen Extra-Pass für den freien „Jumper“.

Bonner Pick&Roll-Angriffe verteidigten die Magier häufig als „hard hedge and recover“, was zu vielen Mismatches zwischen einem der Bonner Flügelspieler und den Big-Men der Gäste führte. Auch in PnR Situationen ohne einen anschließenden Zug zum Korb, wählten sie die „faule“ Variante des „switchen“.

Der Verteidiger des ballführenden Spielers antizipierte teils zu schnell und stark, wanderte zu früh über den Screen und erlaubte so offene Driving-Lanes gen Korb. Das Blocken und Abrollen an den Seitenlinien öffnete der Mannschaft von Mathias Fischer viele Möglichkeiten zu attackieren, nachdem beide beteiligten Verteidiger falsch oder gar nicht miteinander kommuniziert hatten. Teils hatten die Süddeutschen an der Seite eine „Hedge&Recover“, teils eine ICE/Blue Verteidigung gespielt. Waren sich beide Spieler nicht über die Verteidigungsart einig, traten beide mit der Brust zur Seitenlinie am Block heraus, die Baseline verblieb „wide open“.

Am Ende, so Enskat, habe der Mannschaft die Kraft gefehlt. Ob das auf die dünne Personaldecke zurückzuführen sei, ließ er dabei offen. Erhalten die Crailsheim Merlins die aufsteigende Tendenz bei, so wird der dritte Erfolg der Saison nicht mehr lange auf sich warten lassen. Dennoch können die aufstrebenden Leistungen, mit Blick auf die durchwachsene Saison, schnell verfliegen. Unter die Räder gerieten sie erst vor zwei Wochen gegen die Skyliners aus Frankfurt als die Mannschaft „zwei Schritte nach hinten“ gemacht hatte, so Enskat. Doch viel Zeit verbleibt nicht mehr um genügen Schritte nach vorne zu machen. Der Vorletzte, Bremerhaven, hat bereits drei Siege mehr auf dem Konto.

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