Draft, NCAA Previews 14/15

Die besten Defensiv- und Frontcourtteams

NCAA Previews 14/15

Auch wenn viele Coaches den Ausspruch „Play the right way!“ geprägt haben, gibt nach wie vor keinen korrekten Weg, wie Basketball gespielt werden muss. Siege können auf die verschiedensten Arten errungen werden. Dass die Sportart und besonders dabei auch der Collegebasketball in so vielen verschiedenen Facetten daherkommt, macht ihn erst so unglaublich interessant und spannend. Soll ein Team den Gegner durch Kontrolle der Bretter und harte Defense in die Knie zwingen oder ihn durch Spacing und athletische Offensivpower überrennen? All dies hängt von der Mentalität des Coaches und dem Spielerpersonal ab.

Wir haben uns bei den Colleges mit ernsthaften Tournament-Ambitionen umgesehen und jeweils die besten Teams für die verschiedenen Bereiche des Spiels herausgesucht, um aufzuzeigen, welche Uni in der kommenden Saison auf welche Art und Weise seine Partien dominieren wird. So kann jeder College-Neuling ein Team für die eigenen Vorlieben finden. Heute kommen alle Verteidigungs-Fans und Frontcourt-Fanatiker auf ihre Kosten.

Defense

Frontrunner – Arizona Wildcats

Langjährige Beobachter des Collegebasketballs könnten die Platzierung der Arizona Wildcats in dieser Kategorie nicht verstehen. Aus alter Gewohnheit heraus, hätten sie das College wohl eher in einer Shooting-Bestenliste erwartet. Seit Lute Olson das Programm Mitte der 80er übernahm und mit seinen Coaching-Leistungen zu einem Powerhouse-Status führte (Titel ’97; 4 Final Fours), galt die Mannschaft aus Tucson immer als mit herausragenden Talenten gespicktes Team mit einer stark ausgeprägten Offensividentität. Das College brachte vor allen wurfstarke Guards wie Steve Kerr, Damon Stoudemire, Mike Bibby, Gilbert Arenas oder Jason Terry hervor. Aber auch auf den anderen Positionen produzierte Olson eher Spieler mit Stärken im Angriff (Luke Walton, Channing Frye, Richard Jefferson). Nur ganz vereinzelt gab es Ausnahmen zu dieser Regel (Andre Iguodala). Allerdings scheinen sich die Zeiten geändert zu haben. Nachdem Olson 2007 nach 34 Jahren Coaching verdient in Rente ging, übernahm nach zwei Jahren Übergangszeit ein neuer Coach in den Westen des Landes und brachte eine komplett neue Philosophie mit in die Wüste Arizonas.

Sean Milller lernte sein Trainer-Handwerk bei den Xavier Musketeers. Als kleines Mid Major im Arbeiterstaat Ohio nicht Jahr für Jahr mit NBA-Prospects gesegnet, musste sich Miller etwas einfallen lassen, um das College trotz des Mangels an Top-Talent zu Siegen zu führen. Er entschied sich für einen Coaching-Stil mit einem eher defensiv-geprägten System und hatte großen Erfolg damit. Schon in seinem zweiten Jahr erreichte er das Tournament. 2006/07 brachte er die später um den Titel spielenden Oden/Conley- Ohio State Buckeyes in der zweiten Runde an den Rand einer Niederlage, ehe er sich mit einem Sweet Sixteen und einem Elite Eight in den darauf folgenden Spielzeiten für einen größeren Job empfahl. Arizona griff 2009/10, nach dem Olson-Abgang in einer Identitätskrise steckend, dankend zu und landete mit dem Coaching-Talent aus Xavier, der mittlerweile auch Assistent Coach der amerikanischen U18-Auswahl ist, einen wahren Glücksgriff. Unbeeindruckt vom offensiven Ruf der Uni, installierte Miller auch bei den Wildcats eine eher defensiv geprägte Kultur und hat sichtlich Spaß daran, die eigene Vorstellung von Basketball auch mit den besten Talenten des Landes auf einem ganz neuen Niveau umzusetzen.

Komplett umgekrempelt, schafften es die von Miller geführten Wildcats zuletzt dreimal in Folge ihre Gegner über die gesamte Saison im Schnitt unter 65 Punkten zu halten. Dies gelang dem Team aus Arizona zuletzt in der Spielzeit 1987/88, als noch ein gewisser Sean Elliott den amtierenden PAC-12 Champ trug. Besonders in der vergangenen Spielzeit lieferte man eine der besten Teamverteidigungs-Leistungen der letzten Jahre ab, als man gar durchschnittlich nur 58,6 Zähler zuließ und die Gegner zu einer Feldwurfquote von 39,5 Prozent zwang. Dies erreichten die Wildcats über ehrliche Mann-zu-Mann-Verteidigung mit überdurchschnittlichen Defendern auf jeder Position. Mit variablen Leuten auf dem Flügel (McConnell, N. Johnson), viel Size unter dem Korb (Tarczewski, Ashley) und zwei Premium-Defendern mit den Voraussetzungen sowohl am Brett als auch am Perimeter gute Stopper zu sein (Gordon, Hollis-Jefferson) bot man auf keiner Position einen wirklichen Angriffspunkt für gegnerischen Offensiven. Im Gegenteil, Miller konnte gar Offenses sehr gut den eigenen Willen aufzwingen und nur ineffiziente Würfe erlauben, indem er sowohl die Zone zustellen als auch konstant gute Close-Outs an der Dreierlinie spielen ließ (durchschnittliche Wurfverteilung der Arizona-Gegner 13/14: 25% am Korb, 50% Zwei-Punkte-Jumper, 25% Drei-Punkte-Würfe). Auch im kommenden Jahr ist davon auszugehen, dass Arizona wieder eine Elite-Verteidigung stellen wird. Es verließen mit Nick Johnson und Aaron Gordon nur zwei wichtige Rotationsspieler das Team. Diese sollten adequat ersetzt werden können. Den Johnson-Nachfolger hatte man mit Gabe York schon letztes Jahr im Team. Dieser sollte mit seinen zusätzlichen Minuten gut umgehen können, da er das System der Mannschaft verinnerlicht hat. Freshman-Sensation Gordon wird vom gefeierten Top-Recruit Stanley Johnson (Julian stellte ihn hier vor) ersetzt. Der bullige Flügelspieler passt gerade mit seinen defensiven Anlagen sehr gut in die Lücke, die Magic-Rookie Gordon hinterlassen hat. Zudem wird Arizona davon profitieren, dass mit Rodney Hollis-Jefferson ein Edel-Stopper nun gezwungen ist mehr Spielanteile zu sehen. Mit einer guten Mischung aus Erfahrung, Länge, Coaching und etwas frischem Wind, ist wieder von einer Top 5-Defense in Arizona auszugehen, die das Team endlich einmal weiter als nur in das Elite Eight tragen soll.

Runner-Up Louisville Cardinals

Rick Pitino ist einer der erfolgreichsten Trainer des Collegebasketballs. Dies gilt sogar, wenn man einmal den Coolness-Bonus, den er sich nach dem Championship-Tattoo 2013 verdient hat, und seine Leistungen von vor dem kurzen NBA-Aufenthalt bei den Boston Celtics einmal ausklammert. (Dies waren immerhin drei Final Fours mit Providence und Kentucky sowie ein Titel mit den Wildcats.) Seit 2001 für die Louisville an der Seitenlinie stehend, hat Pitino seine Cardinals schon in drei verschiedenen Conferences als Headcoach angeführt. In jeder der Ligen (CUSA, Big East, AAC) konnte er bisher einen Conference-Titel einheimsen und danach mit seiner Mannschaft mindestens einmal die Liga in einem Sweet Sixteen vertreten. In diesem Jahr wird der Erfolgstrainer mit seinem Team ein viertes Mal die Liga wechseln. Als Neuling in der ACC, die traditionell, mit Mannschaften wie Duke, North Carolina oder seit kurzem auch Syracuse, als stärkste Basketball-Conference des Landes gilt, brauchen sich Louisville-Fans trotz des Rookie-Status innerhalb der neuen Spielumgebung keine Sorgen machen. Die Mannschaft aus dem Staat Kentucky wird auch gegen die Blue Devils oder die Tar Heels weiterhin extrem erfolgreich sein, da sie auf die eigene grandiose Verteidigung vertrauen kann.

Was die Cardinals in den vergangenen vier Jahren defensiv geleistet haben, kann nur mit dem Wort „dominant“ beschrieben werden. In jeder Saison seit 2010/11 stellten die Pitino-Teams gemessen am Kenpom-Defensivrating eine Top 5-Verteidigung. Dieses doch recht abstrakte Ranking lässt sich im Falle vom letzten Jahr (#4-Defense in 13/14) auch schön mit besser verständlichen Zahlen illustrieren. Das berühmte Pitino-System um Matchup-Zones und verschiedene Press-Verteidigungen griff wieder hervorragend. Die Taktik baut darauf auf, den Gegner möglichst schon in der eigenen Hälfte unter Druck zu setzen und so zu leichten Ballgewinnen (14,5 STL%) bzw. forcierten Turnover (21,6 OTOV%) zu kommen. Schafft es das angreifende Team doch in den Halbfeldangriff, wissen die Cardinals-Spieler, wie sie die andere Mannschaft über kluge Rotationen und hybride Man-to-Man/Zonen-Prinzipien zu schlechten Würfen aus der Distanz zwingen (48 OTS%) oder sie bei Drives den ballführenden Spieler zu den eigenen Shotblockern „funneln“ (12 BLK%). Dabei ist es interessant, dass dieses System nur drei Punkte im Schnitt mehr zuließ (61 OPpG), als die Arizona-Taktik (58 OPpG), obwohl Louisville das Spiel nicht wie Arizona das Spiel extrem verlangsamt (Pace 13/14: Cardinals #70, Arizona #290). Im Gegenteil, durch das viele Pressen und auch Trappen, wenn sich die Gelegenheit bietet, beschleunigt Pitino mit seiner Defensive eher den Fluss seiner Partien und versucht zumeist seine Mannen die Fehler der Gegner mit einfachen Punkten bestrafen zu lassen. Was vor zwei Jahren zur Meisterschaft führte, funktionierte auch im vergangenen Jahr also wieder extrem gut. Selbst Gelegenheits-Fans sollte die 92:31!-Demontage gegen Rutgers von Mitte März noch im Kopf sein. Dass dies kein positiver Ausreißer in Hinblick auf absolute Dominanz der Gegner war, beweist ein Blick auf die Statistik „margin of victory“. Durchschnittlich gewannen die Cardinals ihre 37 Spiele in 13/14 mit 19,9 Punkten.

Auch wenn die durchschnittliche Sieghöhe im kommenden Jahr in der neuen, stärkeren Conference geringer ausfallen wird, sollte die Louisville-Verteidigung dennoch weiterhin eine der besten des Landes sein. Das Team verliert mit seinem Star Russ „Russdicilous“ Smith zwar den Kopf seiner starken Presse (2,0 SpG), muss aber ansonsten auf keinen überdurchschnittlichen Defender verzichten. MOP-2013 Luke Hancock, der nach vier Jahren College seinen Abschluss erhielt, wird zwar in der Offensive eine Lücke hinterlassen. Ihn in der Verteidigung zu ersetzen, sollte für Pitino kein Problem darstellen. Mit dem verbleibenden Talent kann der Coach wieder eine sehr gefährliche Defense aufstellen. Senior Chris Jones (2,2 SPG) und Sophomore-Breakout-Kandidat Terry Rozier (1,0 SpG in 19 MpG) werden als extreme dynamisches Guard-Duo eine kompetente Front der Presse stellen. Dahinter können die langen Flügelspieler, wie Junior Wayne Blackshear oder die Freshmen-Riege um Shaqquan Aaron und Jaylen Johnson, die forcierten, unglücklichen Pässe des gegnerischen Spielaufbaus abfangen. Kommen die Angreifer doch bis zum Korb von Louisville durch, wartet dort mit Mangok Mathiang (10.0 BLK%) ein extrem potenter Shotblocker, der vor seinem großen Coming-Out als Gorgui Dieng-Nachfolger steht. Dazu hilft es mit Montrezl Harrell (Philipp stellt den Forward hier vor) einen der elektrisierensten Athleten des gesamten Landes seinen Star nennen zu können. Louisville scheint bereit, auch die neue ACC aufzumischen.

Frontcourt

Frontrunner – Texas Longhorns

Football ist in Texas Religion – das werden nicht nur alle Fans der Serie „Friday Night Lights“ wissen. Haben es die Universitäten aus rund 30 Staaten noch nicht einmal für nötig gehalten, Stadien zu bauen, die 70.000 Menschen fassen, stehen im Heimatstaat von George Bush gleich zwei Mega-Football-Tempel auf Uni-Campussen, die mehr als 100.000 Fans Platz bieten, um ihrem Lieblingssport mit dem eiförmigen Ball zu frönen. Eine dieser Arenen gehört der University of Texas und gibt einen Hinweis darauf, wie stolz die Longhorn-Fans auf ihr Football-Team sind. Für die Basketballer ist es deswegen Jahr für Jahr ungemein schwer in der Wahrnehmung der eigenen Anhänger überhaupt anzukommen. Es bedarf schon wirklich außergewöhnlicher Spieler, wie LaMarcus Aldridge 05/06 und Kevin Durant 06/07, oder außergewöhnlicher Teamleistungen, wie beim Final Four-Run 02/03 mit Starspieler TJ Ford, um die eingefleischten Football-Anhänger des Colleges auch vollends vom Basketball-Programm der Schule zu überzeugen. Das letzte Mal klappte dies 2010/11, als eine Texas-Truppe angeführt von den jetzigen NBA-Spielern Tristan Thompson, Cory Joseph und Jordan Hamilton 28 Reular-Season-Siege einfuhr, über die Saison als Top 10-Team galt und im Tournament nur einen getroffenen Feldwurf vom Sweet Sixteen entfernt war. Es folgte eine lange Durststrecke. Coach Rick Barnes schien nach 15 Jahren in Austin kurz vor dem Rauswurf zu stehen, ehe ihm in der vergangenen Saison sein starker Frontcourt den Job rettete. Diese starke Ansammlung von großen Spielern (und die grottigen Leistungen des Football-Teams) werden in dieser Spielzeit dafür sorgen, dass 2014/15 Basketball an der University of Texas mal wieder den Status der Sportart #1B erobern kann.

„Control the boards, control the game“ – so oder so ähnlich wird das Motto der Longhorn in der aktuellen Spielzeit lauten. Zwar besitzt man mit dem Trio Isiah Taylor, Javan Felix und Demarcus Holland eine überdurchschnittliche Rotation auf den kleinen Positionen, aber die große Stärke des diesjährigen Texas-Teams ist ganz klar im Frontcourt zu verorten. Kein Team (mit Ausnahme von Kentucky vielleicht) kann auf einen ähnlichen Mix aus Erfahrung, Vielseitigkeit, Power und Tiefe auf den Bigmen-Positionen zurückgreifen. Alles beginnt dabei mit dem ehemaligen Star-Recruit Cameron Ridley. 2012 als #8 Prospect des Landes angesehen, brauchte der etwas untersetzt daherkommende Post-Spieler bis zu seiner Sophomore-Spielzeit im vergangenen Jahr, um sein Potential auch auf NCAA-Ebene voll auf das Parkett zu bringen. Allerdings lief es dann nach der kurzen Eingewöhnungszeit und viel Konditionstraining hervorrangend. Kaum ein Big 12-Bigman konnte das 6‘10‘‘/285 Pfund-Monster stoppen (11,2 PpG, 8,2 RpG, 2,2 BpG in 25 MpG). Er stellte bspw. auch Sixers-Rookie Joel Embiid vor ernste Probleme. Zusammen mit seinem noch sehr rohen, aber athletisch und defensiv talentierten 6‘10‘‘ Back-Up Prince Ibeh (13,8 Blk%) bildete Ridley für Coach Barnes einen grandioses Center-Tandem. Allein deren noch zu erwartende spielerischen Sprünge in ihrer jeweiligen Junior-Saison wären für viele Conference-Gegner schon furchterregend. Allerdings konnten die Longhorns zusätzlich mit Myles Turner den nach Jahlil Okafor vielleicht besten Bigman des Highschool-Jahrgangs zu dieser Postplayer-Rotation hinzufügen. (Kollege Julian Barsch stellte Freshman Turner bereits vor.)

Ridley-Running-Mate Jonathan Holmes könnte schon länger von der Ankunft Turners gewusst zu haben. Der Topscorer des letztjährigen Teams (12,8 PpG in 24 MpG) war 13/14 noch Starter auf der Vier, arbeitete allerdings schon länger an der Erweiterung seines Perimeter-Games (2,6 3PA bei 33 3P% in 13/14). Der 6‘8‘‘ Forward scheint, nachdem er über die Offseason 15Pfund verloren hat, bereit für Minuten auf dem Flügel, die Bigball-Lineups mit Ridley, Turner und Holmes neben zwei regulären Guard ermöglichen würden. Was in der NBA gerade auf Pick’n’Roll-Defense wohl schwer zu verstecken wäre, ist am College gut über eine vermehrt eingestreute 2-3 Zone auszugleichen. Für dieses System ist es außerdem spannend, dass auch der Holmes-Backup, 6‘9‘‘ Tweener Connor Lambert, den College-Dreier im Gepäck hat und auch mit den Spielern der zweiten Reihe extrem große Aufstellungen ermöglichen könnte, ohne offensiv gar kein Spacing zu haben. Es ist also angerichtet, das Spiel in der Nähe der Bretter auf beiden Seiten des Parketts vollends zu dominieren. Schon im vergangenen Jahr war man im Rebounding (39,6 ORB% war #7 im Land, 54 TRB% war #15), Shotblocking (5,8 BpG war #11) und Abschlüssen direkt am Korb (59,5 FG%@Rim als Team bei 35% aller Würfe dort) elitär. Ohne den Verlust eines einzigen Spielers, mehr Erfahrung bei den Gebliebenen und den Hinzugewinn eines Toptalents, wird das Team sich in all diesen Kategorien sogar noch steigern können und für alle Zuschauer ein „großer Spaß“ werden.

Runner-Up – Kansas Jayhawks

Wie (fast) jede Kansas-Preview, wird auch diese mit zwei unausweichlichen Hardfacts beginnen:

  1. Die Jayhawks haben mit Andrew Wiggins und Joel Embiid gleich zwei Top 3-Picks der vergangenen Draft verloren, aber müssen sich dennoch um ihre kurzfristige Zukunft in 2014/15 keine Sorgen machen.
  2. Das Team von Bill Self hat im vergangenen Jahrzehnt jedes Jahr (lies: zehnmal in Folge!!!) die eigene Conference Big 12 gewonnen. Ein Ende dieser Streak ist auch in diesem Jahr nicht in Sicht, denn nach einer Dekade Dominanz wettet man einfach nicht gegen die Mannschaft aus Lawrence, wenn es um den Ligatitel geht.

Interessant wird es jetzt, wenn man sich anschaut, warum die ehemals gar einmal von James Naismith gecoachten Jayhawks unter Bill Self so erfolgreich sind/waren: In der jüngeren Vergangenheit waren es nicht etwa die üblichen Verdächtigen aus Lexington, Kentucky, die die meisten Toppicks produziert haben. Seit 2006 führt Kansas die NCAA in produzierten Lotterypicks an. Mit zehn Top 14-Prospects schickte man über die vergangenen acht Jahre ebensoviele Elite-Talente in die NBA, wie UCLA (4) und Duke (6) über diesen Zeitraum zusammengerechnet. Auffällig ist dabei, dass die Jayhawks und ihr Coach Bill Self besonders ein Händchen für das Ausbilden von Bigmen zu haben scheinen. Aktuell haben 17 Alumni der Universität einen Platz in einem NBA-Roster. 60 Prozent dieser Spieler sind auf der Bigman-Position zuhause. Dementsprechend konnte man über die Jahre immer eine formidable Frontline ins Feld schicken. Es ist schon spannend zu sehen, welche Bigs sich unter Self die Klinke in die Hand gaben, während andere Colleges nach dem Abgang eines Top-Bigs teilweise mehrere Jahre auf einen guten Nachfolger warten müssen. Anfang der 00er waren es Wayne Simien und Sasha Kaun, die für die Jayhawks unter den Körben kämpften. Am Ende der Dekade (und zu Zeiten des Titels 2008) waren es Darrell Arthur, Cole Aldrich und die Morris-Twins, die auf Groß aufliefen. Und auch in näherer Vergangenheit konnten sich die Fans mit Inside-Optionen wie Jeff Withey, Thomas Robinson und Joel Embiid nicht beschweren. Bei einem solchen Run mit nicht abreißenwollendem Talent unter dem Korb ist es schwierig von Glück und reinen Recruiting-Vorteilen zu sprechen. Self und sein Staff scheinen nicht nur ein gutes Auge für Bigman-Talent zu haben, sondern schaffen durch gezielte Spielerentwicklung auch den meisten großen Spielern dabei zu helfen ihr Potential auch nahezu komplett umzusetzen – egal ob es sich um ein Megatalent wie Embiid oder einen dann später einfach gut ausgebildeten Vier-Jahres-Spieler wie Withey handelt.

Die Stärken im Scouting und der Talententwicklung haben Kansas natürlich auch in ihrer taktischen Herangehensweise an das Spiel geprägt. Auch wenn Star-Playmaker und –flügel, wie Brandon Rush, Mario Chalmers, Ben McLemore oder auch Andrew Wiggins natürlich immer eingebunden werden, ist das Hauptmantra der Jayhawks unter Self immer ein funktionierendes System über die großen Jungs im Kader. Rebounding und Punkte nah am Korb sind die Kategorien, die das Team unter dem aktuellen Regime traditionell dominiert. Seit das System-Self vollständig installiert wurde (05/06) waren die Jayhawks immer unter den Top 25-Teams in Sachen Rebounding. Siebenmal reichte es gar für eine Top 10 Platzierung. Zudem gelang es Kansas unter dem aktuellen Trainergespann nur einmal in zehn Jahren nicht einen Postscorer mit zweistelligem Punkteschnitt zu stellen.

Auch im kommenden Jahr wird der Big-12-Krösus nicht vom bewehrten Rezept abweichen, denn man hat wie immer eine starke Gruppe an Frontcourt-Spielern beisammen. Die hochgerankten Freshmen Cliff Alexander und Kelly Oubre (hier schon einmal von Julian in der Freshmen-Preview besprochen) bringen sich gut ergänzende Skills mit. Während Alexander eher der kantige Power-Big ist, der als reiner Post-Spieler am College trotz seiner geringen Größe von 6‘8‘‘ als Center gesehen werden muss, könnte Flügel Oubre mit seiner Beweglichkeit und Schnelligkeit bei tollem Wingspan auch mal als Face-Up-Vierer in kleinen Lineups ausprobiert werden. Die beiden komplettieren einen gut Frontcourt-Core aus Upperclassmen. Drittjahres-Spieler Perry Ellis, als sehr variantenreicher Bigman-Scorer mit Moves am Korb und Midrange-Game, wäre in einem Team ohne Wiggins und Embiid 13/14 wohl ein All-American-Kandidat gewesen (13,7 PpG, 6,7 RpG als dritte Angriffsoption). Aber auch für die Minuten dahinter, stehen mit den Juniors Hunter Mickelson (10.8 Blk%) und Jamari Traylor (18,5 DRB%) überdurchschnittliche Rollenspieler zur Verfügung, die Self Erfahrung, Tiefe und viele Zentimeter bringen. Eingesetzt von dem vor dem Breakout stehenden Recruitingclass-Kollegen von Embiid und Wiggins, Sophomore-Flügel Wayne Selden (Philipp stellt ihn hier vor), wird die Frontline der Jayhawks jeden Gegner vor ein hartes Matchup stellen.

  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  

Melde dich an, um einen Kommentar zu schreiben