Draft, NCAA Previews 14/15

Die besten Freshmen (Part I)

NCAA Previews 14/15

Mit dem Saisonstart im College Basketball gibt es, wie in jedem Jahr, eine Menge neue Gesichter in der NCAA. Underclassmen wechseln immer häufiger zu den Profis und fördern damit den Umbruch im Alltag des College Basketball. Spieler bleiben kürzer an der Uni und bekommen somit auch früher Verantwortung. Erstsemester (im Normalfall) waren noch nie so wichtig für den Uni-Sport wie jetzt. Top-Programme wie Syracuse starten im zweiten, aufeinander folgenden Jahr einen Freshman-Point Guard. Duke greift den Titel mit einem Freshman-Center und Point Guard an. Die beiden wichtigsten Positionen sind für Coach K also mit komplett unerfahrenen Teenagern besetzt. Doch genau das ist eben der Punkt: Kentucky & Co. beweisen es Jahr für Jahr, dass wenig Erfahrung nicht gleich für wenig Erfolg steht. Genau aus diesem Grund gibt es auch in diesem Jahr wieder sehr viele spannende Akteure, die Top-Teams zum Titel verhelfen möchten und vom Talent her auch in der Lage dazu sind.

Keine Neuigkeiten

John Calipari hat den vielleicht spannendsten Job im College Basketball. Seine Kentucky Wildcats standen mal wieder mit einem der jüngsten Teams der Nation im Finale, wo man gegen UConn den Kürzeren zog. Doch nach der so gehypten „besten Recruiting-Class aller Zeiten“ geht es sehr überzeugend weiter.

Dank einer weiteren starken Recruiting-Class sollte die Big Blue Nation noch stärker zurückkommen. Es ist sehr schwierig vor der Saison zu erkennen, welcher Freshman sich als erstes beweisen kann. Die besten Bewertungen bekamen die beiden Big Men Karl Anthony Towns und Trey Lyles. Towns wird von vielen Experten als talentiertester Spieler in diesem Team gesehen und hat dementsprechend auch gute Chancen auf angemessene Spielzeit von Beginn an.

Der 18jährige Karl Towns kombiniert einige Eigenschaften, die ihn schon jetzt zu einem der besten Pro-Prospects des Landes machen, ohne das er überhaupt ein Spiel auf dem College-Level absolviert hat. Man stelle sich einen 6’11” großen Big Man mit guter Agilität und solider Athletik vor. Dann fügt man noch einen guten Wurf aus der (Mittel-) Distanz hinzu und macht ihn zu einem sehr potenten Passer aus dem High Post. Es klingt, als ob man sich den perfekten Big Man basteln würde, wenn man bedenkt, dass Towns auch im Low Post nicht verloren ist. Der Dominikaner zeigt durchaus Ansätze von einem sich entwickelnden Post-Game. Mit der Unterstützung des Coaching Staffs der Wildcats sollte sich dies noch weiter verbessern und Towns ist auf dem Weg ein dominanter Big zu werden. Abzusehen war das schon im Alter von 16 Jahren, als er für die Dominikanische Republik auf dem Parkett stand und gegen das Team USA antrat. Seitdem geht es stets bergauf für ihn. Defensiv muss er sich noch steigern. Durch seine langen Arme in Kombination mit der Größe wird er am College aber fast alle Würfe am Ring beeinflussen können – ein wichtiges Asset für einen Freshman.

Trey Lyles hat zu Beginn den schwereren Stand. Den Exhibition-Trip auf die Bahamas musste der Kanadier verletzungsbedingt aussetzen und hatte dementsprechend einen klaren Rückstand. Er soll aber bereits wieder bei 70 Prozent sein und sehr gut aussehen. Sein Head Coach John Calipari sagte über ihn, dass er noch besser sei, als er ursprünglich gedacht hat. Wenn solch eine Aussage über die Nummer sechs der letzten ESPN Recruiting-Class getroffen wird, dann muss den Kontrahenten schon Angst und Bange werden. Denn der 19-Jährige verspricht ein erstklassiger College Akteur zu werden.

Wie fast alle Kentucky-Spieler hat er eine sehr ordentliche Athletik. Seine Stärken liegen aber in anderen Bereichen. Eine hervorragende Fußarbeit macht ihn zu einem sehr gefährlichen Spieler im Post. Dort kann er mit dem Rücken zum Korb auf verschiedenste Art und Weisen scoren, jedoch auch per Face-up überzeugen. Der Mitteldistanzwurf macht einen sicheren Eindruck, was ihn zu einer Waffe im Pick & Pop werden lassen könnte. Körperlich kann er sich noch verbessern, durch die Zone sollte er aber nicht geschoben werden. 6’10” Körpergröße sind auf dem College Level mehr als ausreichend für die Vier. Gute Outletpässe und eine gute Geschwindigkeit für Bigs macht ihn an mehreren Stationen des Fast Breaks wertvoll. Schwierigkeiten könnte Lyles bekommen, wenn er auf seiner Position gegen kleinere, schnellere Spieler antreten muss. An diesem Punkt hat er noch Defizite. Abgesehen davon kann er aber zu einem großartigen Spieler für die Wildcats werden.

Die beiden Guards Devin Booker und Tyler Ulis werden vorerst eine untergeordnete Rolle in der Rotation haben. Die Harrison-Twins haben sich etabliert und bis zu ihrem Wechsel in die NBA wird der Backcourt ihnen gehören. Trotz alledem haben sich Booker und Ulis bereits bewiesen und aufgezeigt, dass sie beide mit ihren respektiven Stärken eine Alternative auf dem Flügel und im Aufbau darstellen.

Tyler Ulis ist nicht der größte Point Guard, doch kann eine Menge Sachen sehr gut. Seine Agilität und Geschwindigkeit sind auffällig. Er ist höchstwahrscheinlich der beste Passgeber im Backcourt der Wildcats, eine Komponente, die ihm noch helfen wird. Der 18-Jährige überzeugt mit gedankenschnellen Dribblings, gutem Ballhandling und einem gewissen Flair bei seinen Drives. Vom Spielertyp passt er nicht zu den athletischen Calipari-Guards wie Derrick Rose, Tyreke Evans, John Wall & Co. Doch gerade das macht ihn an dieser Stelle so interessant. Als Guard von der Bank kann er seine Mitspieler gekonnt in Szene setzen und den Wildcats ein sehr flüssiges Spiel ermöglichen.

Devin Booker ist einer der Akteure, der dann genau davon profitieren sollte. In aller ersten Linie wird er mit seinem Distanzwurf begeistern. Diesen trifft er hochprozentig, was ihn bei all der Athletik in dem Roster der Wildcats zu einer selteneren Art macht. Doch auch er hat eine gute Sprungkraft. Im Antritt gehört er nicht zur Elite, schaden tut es seinem Spiel aber nicht. Beim Drive und im Fast Break scheut er sich nicht vor Körperkontakt und schließt überlegt ab. Er tritt selten durch spektakuläre Korbleger auf, dies ist in den meisten Fällen aber auch nicht negativ zu bewerten. Körperlich wird er noch einige Kilos auf die Rippen bekommen müssen, wenn er nicht ständig im physischen Nachteil sein möchte. Dazu hat der fast 18-Jährige aber auch noch Zeit. Mit knapp 6’6” sind die Grundvoraussetzungen auf jeden Fall vorhanden.

Nur im Doppelpack

Duke steht erneut vor einer starken Saison und wieder hat man einige der stärksten Prospects rekrutieren können. Nachdem Jabari Parker unter Coach K gelernt hat, werden von nun an Jahlil Okafor, Tyus Jones und Justise Winslow von einem der besten Trainer der Welt profitieren. Mit Okafor und Jones hat man damit wohl den Jackpot der diesjährigen Recruiting Class gezogen.

Die beiden sind befreundet seitdem sie in der dritten Klasse gegeneinander gespielt haben und haben sich entschlossen, ihre College-Entscheidung zusammen zu treffen. Die Blue Devils waren die glücklichen Gewinner der Lottery und sollten damit wohl die beste Combo-Zusage seit Greg Oden und Mike Conley (Ohio State) bekommen. Im Rennen um das talentierte Duo waren noch Baylor, Kansas und Kentucky.

Dabei steht und fällt bei Duke im kommenden Jahr alles mit Jahlil Okafor. Der Center gilt schon jetzt als bester Spieler auf seiner Position. Okafor bringt die notwendige Athletik mit, überzeugt jedoch mit seinen herausragenden Fundamentals. Nur selten finden sich Big Men in seinem Alter mit diesen Voraussetzungen und dem Skillset. Der aus Chicago stammende Center hat das Auge für den Nebenmann, einen guten Hookshot und ein weiches Händchen aus der Mitteldistanz. Sein Post-up-Spiel ist sehr variantenreich und wird unter Coach K noch weiter reifen. Nicht umsosnt gilt er schon jetzt als potentieller Nummer Eins-Pick der NBA Draft 2015. Sein Körper ist ausgereift und hat die richtige Mischung aus Beweglichkeit und Physis. Diese Faktoren in Kombination mit dem IQ sind schon jetzt auf NBA-Niveau. Er ist sich sehr bewusst über seine Rolle innerhalb des Teams. Nur selten kommen Jungstars in die NCAA und haben ein solch gutes, aber auch realistisches Verständnis von ihrem Talent. Das wird ihm von Beginn an zu einem absoluten Superstar machen. Auch die Ernennung von CBS zum Preseason-Player of the Year ist durchaus berechtigt.

Auch sein Kumpel Tyus Jones bringt das volle Paket auf der Guard-Position mit. Gutes Ballhandling und das Auge für den Mitspieler ist durchaus vorhanden. Er ist kein typischer Scoring-Guard. Die Wurfform sieht sauber aus und sollte ihn zu einem soliden Schützen machen. Mit seinen 6’1” hat die Nummer Fünf der Blue Devils eine ordentliche Größe und athletisch muss sich Jones auch vor niemanden verstecken. Okafor und Winslow werden bei ihrer Ankunft sehr von Jones profitieren. Mit den Mitspielern trifft man zwar des öfteren die richtigen Entscheidungen, doch auch ohne diesen Faktor ist es eine Stärke von Jones. Sowohl im Halbfeld, als auch im Break hat er immer die Kontrolle und die notwendige Ruhe. Um die recht Hand des Head Coachs auf dem Feld zu sein, müssen Aufbauspieler die Matchups und Spielsituation verstehen. All das gehört zum Spielstil von Jones. So vielversprechend das auch klingt, auch für ihn ist die Basketballwelt am College neu und es wird etwas brauchen bis er die perfekte Mischung in seinem Spiel gefunden hat.

Erwähnen sollte man die Nummer 15 aller High School Talente Justise Winslow aber auch noch. Der Flügelspieler wird variabel einsetzbar sein und hat ein Talent für Highlight-Plays. Der Linkshänder wird im Kampf um einen Platz als Starter große Konkurrenz haben. Ausgeschlossen ist es aber nicht, dass er gegen Presbyterian am 14. November in der Starting Five steht. Als 96er Jahrgang muss er sich darum aber auch nicht so große Sorgen machen, da ihm noch einiges an Entwicklungszeit zur Verfügung steht. Seine Spannweite von 6’10” ist hervorragend und wird mit seiner Athletik zusammen auch am defensiven Ende des Spielfelds für Überraschungen sorgen.

Der nächste Schritt

Arizona komplettiert wohl die Top-Mannschaften der nächsten Saison mit den besten Recruiting-Klassen (einige Teams werden auch ohne diese oben angreifen können). Sean Miller hat ein absolutes Elite-Programm geformt und vielleicht den besten Job im College Basketball der letzten Jahre gemacht.

Dabei gilt es insbesondere den Abgang von Freshman-Superstar Aaron Gordon aufzufangen. An sich nicht die leichteste Aufgabe, hätte Miller nicht wieder einen Geniestreich vollzogen. Mit Stanley Johnson kommt die Nummer Sieben des Jahrgangs nach Tucson. Mit seinem Talent wird der Flügelspieler, wie auch Gordon, wahrscheinlich nur ein Jahr bleiben.

Johnson ist der erste High School Spieler aus Kalifornien, der in all seinen vier High School Jahren die State Championship gewinnen konnte. Niemand zuvor hat dies je erreicht! Alleine das sollte schon genug über ihn aussagen. Johnson ist offensiv deutlich versierter als sein Vorgänger Gordon. Er besitzt in der Offense ein sehr variables Skillset mit dem er auf verschiedene Art und Weisen scoren kann. Im Gegensatz zum prototypischen High School Athleten – nicht falsch verstehen, er ist durchaus athletisch – bringt er auch einen soliden Wurf aus der Distanz mit. Sein Auge für den Mitspieler sorgt für den einen oder anderen spektakulären Assist. Auffällig ist jedoch, wie komplett sein Spiel jetzt schon ist. Neben einer guten On-Ball Defense, macht er auch abseits des Balls eine gute Figur. Körperlich ist er gut ausgebildet und hat damit ein gutes Fundament, um sich gegen physische Flügelspieler beweisen zu können. Es wird zwar weniger seine Rolle sein, doch durch seinen guten Basketball-IQ und das notwendige Ballhandling kann er auch den Point Guard entlasten und seine Aufgaben übernehmen. Johnson trifft gute Entscheidungen, versteht das Spiel.

Diese sehr komplette Basketballausbildung kommt nicht von ungefähr. Seine Mutter, ehemalige Profispielerin, hat ihn trainiert seitdem er fünf Jahre alt ist und schon früh die Grundlagen des Basketballs beigebracht. Dies ist sicherlich ein Hauptgrund, warum ihn viele für den besten Spieler des Jahrgangs halten. Der Ehrgeiz und Einsatz den er im Spiel und beim Training zeigt, ist eine Rarität und sollte ihm zu einer hervorragenden Freshman-Saison verhelfen. Selbst wenn sich Schwächen während der Zeit in Tucson herausstellen sollten, kann man davon ausgehen, dass er all seine Zeit dafür opfert, um diese abzustellen.

  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  

2 comments

  1. Smido83

    Sehr toller Artikel Julian. Ich danke dir dafür. Deine Berichterstattung zum Thema NCAA ist wieder mal top..

    Ich sehe es diese Saison so:
    Arizona hat die stärkste Starting 5 der NCAA.
    Kentucky das tiefste und talentierteste Team der NCAA.
    Duke die besten neuen Einzelspieler. (Okafor/Jones).
    Wisconsin ist das erfahrendste Topteam der NCAA.

    Und diese 4 Teams stehen für mich nur knapp vor vielen weiteren Teams die im März um den Titel spielen können. North Carolina, Kansas, Gonzaga, Florida… um nur mal ein paar zu nennen die jedes der oben genannten 4 Teams schlagen können.

    Diese Saison wird unglaublich spannend. Und ne Platoon-Rotation wie Sie Coach Cal angesagt hat sieht man heutzutage auch nicht mehr so häufig… ;)

  2. Julian Barsch

    |Author

    Das sehe ich ganz ähnlich! Deine Einschätzung zu den Teams passt gut. Das ist sehr schön an diesem Jahr. Auch wenn es vermeintliche Top Teams gibt, ist eine große Range an sehr gefährlichen Programmen vorhanden.


Melde dich an, um einen Kommentar zu schreiben