Draft, Interview

„Der #1 Seed war auf jeden Fall verdient“

Nick Wiggins im Interview
Foto. Wichita State TV https://www.flickr.com/photos/wichitastatetv/

Nick Wiggins wechselte zur neuen Spielzeit aus den Staaten nach Tübingen, nachdem er zuvor  zwei Jahre für die Wichita StateShockers in der NCAA auf Punktejagd ging. Go-to-Guys sprach mit dem 23-jährigen Kanadier über die beiden Spielzeiten in der NCAA, Unterschiede zur deutschen Liga und die 35-Spiele-Siegesserie.

Ihr hattet in der letzten NCAA-Saison eine unglaubliche Siegesserie von 35 Spielen. Wie schwer war es für euch, stets fokussiert zu bleiben?

Es war schwer. Alle Mannschaften haben immer ihr Bestes gegeben und wollten das erste Team sein, das unsere „Streak“ bricht. Deshalb mussten wir an jedem Abend aus der Kabine treten, völlig fokussiert und unseren besten Basketball spielen.

Wie würdest du es mit eurer Niederlagenserie in der Bundesliga vergleichen?

Das ist sehr unterschiedlich. Ich war bisher nie in der Situation, fünf Spiele hintereinander zu verlieren. In einer solchen Lage musst du kämpfen und einen Weg zum Sieg finden, den wir anscheinend bisher noch nicht gefunden haben. In einer Siegesserie hingegen versuchst du so nah wie möglich an das perfekte Spiel ranzukommen. Vieles läuft leichter, wenn du eine gute Bilanz im Rücken hast.

Am Ende wurdet ihr mit einem #1 Seed im NCAA-Turnier belohnt. War das aus deiner Perspektive verdient, auch weil ihr nicht gegen die besten Teams gespielt habt?

Es war auf jeden Fall verdient. Wir haben mit unserer Serie den NCAA-Rekord gebrochen und eine außergewöhnliche Saison gespielt. Außerdem schätze ich unser Team definitiv als ein Nummer-1-Team ein. Wir haben gegen viele High Major-Teams gespielt, in jedem Spiel gekämpft und am Ende den Sieg nach Hause gebracht.

Wie würdest du diese Saison mit der vorherigen vergleichen, in der ihr bis in das Final Four vorgedrungen seid?

Es waren zwei sehr erfolgreiche Jahre. In der letzten Spielzeit hat uns (im Tournament) vielleicht etwas das Glück gefehlt und das brauchst du, um weit zu kommen. Wir haben in beiden Jahren füreinander gekämpft und  haben als Team zusammengestanden, das hat uns erfolgreich gemacht.

Du hast jetzt bereits Erfahrungen im FIBA und NCAA-Verband gesammelt. Wie unterschiedlich ist das Niveau zwischen NCAA und BBL aus deiner Sicht?

Das Spiel am College ist strukturierter. Die Quantität an athletischen Spielern ist höher, dort spielen einige der besten Athleten aus Amerika. In der BBL spielen mehr smarte, ältere Spieler, die das Spiel gut verstehen. Insgesamt herrscht aber in beiden Ligen ein hoher Wettbewerbslevel.

Was hat dich aus deiner College-Zeit am meisten auf die Stationen im Ausland vorbereitet?

Sich in einem guten Team durchzusetzen und immer versuchen, das nächste Spiel zu gewinnen. Wir haben sehr hart trainiert und hatten alle das gleiche Ziel vor Augen. Das brauchst du nicht nur im Basketball, sondern in deinem ganzen Leben.

Woran musstest du dein Spiel besonders anpassen, als du nach Europa gekommen bist?

Die Regeln der FIBA und der NCAA sind unterschiedlich. Ich habe erst am College gespielt, dann im Sommer in der Summer-League und jetzt in Deutschland, das war schon schwer, mich wieder an neue Regeln zu gewöhnen. Am College wurde meist ein physischeres Spiel gespielt. Es war zwar nicht richtiges Hand-checking, aber es ging teilweise wirklich sehr zur Sache mit nur wenigen Foulpfiffen. Auch die Regeln beim Rebound, den Ball also vom Korb schlagen zu können, wenn er noch auf dem Ring springt, waren anfangs neu für mich. Ich muss versuchen, mich jetzt schnell an die Liga und den Coaching-Style zu gewöhnen.

Mit Fred van Vleet hast du bei Wichita State einen der besten Spielmacher des Landes in deinen Reihen gehabt. Manche bezeichnen ihn sogar als besten College-Aufbauspieler der Nation. Würdest du dem zustimmen?

Ganz bestimmt, er ist der Beste. Er kann ein Spiel ausgezeichnet lenken, er weiß, wann er das Tempo verschärfen oder es beruhigen muss. Das macht ihn zu einem sehr cleveren Spieler. Nicht viele Point Guards können sagen, dass sie ihr Team durch eine so lange Siegesserie geleitet haben. Das hat bisher noch niemand geschafft. Er versucht sich stetig zu verbessern und arbeitet hart an seinem Spiel. Dazu ist er ein guter Verteidiger und ein großartiger Athlet.

Saison

Team

Minuten

Punkte

FG%

Rebounds

Assists

Turnover

2012/13

Wichita

15,2

5,1

36%

2,3

0,6

0,8

2013/14

Wichita

12,8

4,9

43,7%

1,8

0,3

0,6

 

Zur Person:

Mit Nick Wiggins wechselte ein Vertreter der jungen, aufstrebenden Kanadier-Generation über den Sommer zu den WALTER Tigers Tübingen. Der athletische Flügelspieler kommt vom Mid Major-College Wichita State, mit denen er für zwei Jahre die NCAA aufmischte. Bis ins Final Four konnten die „Shockers“ in seinem Junior-Jahr gelangen. Im letzten Jahr mussten die Titelhoffnungen in der dritten Runde gegen Kentucky in einem hochspektakulären Spiel begraben werden. Wiggins selbst kam gegen die Wildcats in 15 Minuten auf fünf Punkte. Den Sommer des jungen Kanadiers prägten viele Trainingseinheiten. Da die Sacramento Kings für ihren Summerleague-Kader noch einige Plätze offen hatten, wurde der Bruder des Nummer Eins-Picks unter anderem an die Seite von DeMarcus „Boogie“ Cousins gestellt. Seine persönliche Ausbeute fiel jedoch ziemlich rar aus: Zwei Spiele mit jeweils fünf Minuten Einsatzzeit und keinen nennenswerten Aktionen. Mit seinem neuen Arbeitgeber wartet er weiterhin auf ein erstes Erfolgserlebnis. Nach fünf Spieltagen stehen die Raubkatzen ohne Sieg auf dem letzten Tabellenplatz.

Auch individuell ist Wiggins nicht zufrieden mit seinen Leistungen „Ich habe bisher nicht mein volles Potenzial ausschöpfen können. Ich musste mich erst mal an die Liga und unser System gewöhnen“.

  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  

Melde dich an, um einen Kommentar zu schreiben