Draft

Die unergründlichen Wege eines Ausnahmetalents

Dieser Artikel soll dem amerikanischen Basketballtalent Andre Drummond gewidmet sein. Der junge und extrem talentierte Big Man wurde im August 1993 in Mount Vernon, NY geboren. Er ist einer dieser Athleten, die man am Reißbrett nicht hätte besser entwerfen können. Mit seinen nur 17 Lebensjahren kann Drummond eine Größe von 209cm mit einem Gewicht von etwa 120kg in sich vereinen und hat damit optimale Maße für seinen Sport.
Schon 24 Monate nach seiner Geburt beschäftigte sich Drummond regelmäßig mit dem orangefarbenen Leder und gilt seitdem als besonderer Spieler und startete einen nicht mehr abklingenden Hype. Bereits als High School Freshman verteilte er erste Autogramme.

Mit 15 kam das erste landesweit ausgestrahlte Fernsehfeature zu seiner Person, welches durch den Sender NBC verbreitet wurde. Den Sommer 2010 verbrachte der dann noch 16 Jahre alte Drummond in Deutschland, um bei der dort stattfindenden U17 WM für sein Heimatland USA aufzulaufen. Zurückkehrte der Bigman mit einer Goldmedaille und den Statistiken von durchschnittlich 8,6 Punkten, 6,8 Rebounds und 1,6 Blocks im Gepäck. Zahlen, die er sich in nur rund 13 Minuten Spielzeit im Schnitt über 8 Spiele in einem tief besetzten amerikanischen Team erarbeitete. Aber auch an seiner High School, dem Privatinternat St. Thomas More, ließ sich Drummond nicht lumpen. In diesem Jahr 2011 wurde er mit seiner Mannschaft National Prep Champ und als bester High School Basketballer des Staates Connecticut ausgezeichnet. Folgerichtig listen ihn die großen Recruitingwebsites (Rivals.com, Scouts.com, ESPNU 100) alle als eines der beiden besten Prospects seines Jahrgangs.

Skills

Wie anfangs schon beschrieben, ist Drummond mit einem unglaublichen Körper gesegnet. Seine Kombination aus Länge und Masse ist nicht oft anzutreffen. Führt man sich dann noch vor Augen, dass er auch über eine Armspannweite von annähernd 220cm verfügt und sich mit seinen jungen Jahren noch im Wachstum befindet, wird es furchteinflößend. Der Big Man könnte durchaus zu einem legitimen Sevenfooter heranwachsen. Drummond ist eine wahre Naturgewalt. Er ist für sein Alter körperlich ungewöhnlich austrainiert und spielt deswegen an der High School wie ein „man among boys“. Seine überragende Athletik und gute Geschwindigkeit sowie Explosivität entwickelten sich über die Jahre zu seinem Markenzeichen.

In der Offensive nutzt der agile Drummond seine Werkzeuge, um im Fastbreak hochprozentig abzuschließen und Putbacks oder Alley-Oops mit Leichtigkeit zu verwerten. Er zeichnet sich durch den Willen aus, Bälle stopfen zu wollen, die andere Spieler nur per Leger in Richtung Korb befördern würden. Der Drive ist die gefährlichste Waffe des jungen Big Mans. Drummond kann durch seine Masse und sein, für einen Spieler seiner Größe, klasse Ballhandling jederzeit den Weg zum Korb finden und dort selbst krachend abschließen oder aber, sein gutes Passing nutzend, die über ihm kollabierende Helpdefense bestrafen, indem er den Ball auf einen freien Mitspieler ablegt. Ein Absinken der Verteidiger ist allerdings auch keine gute Option gegen ihn, trifft er doch seine Würfe bis zur Mitteldistanz zumindest solide. Einzig das Back-to-the-Basket-Spiel muss noch erheblich verbessert werden. Aber dies wurde von dem jungen Talent schon erkannt und deswegen ganz oben auf die To-Do-Liste gesetzt. Dies sollte ihn in naher Zukunft von seinem zeitweiligen Hang zum Face-Up-Game bekehren. Noch probiert er zu oft, sein Spiel am Perimeter aufzuziehen anstatt einfach unter dem Korb den Gegner zu dominieren.

In der Defensive stellt Drummond eine wahre Präsenz unter dem eigenen Korb dar. Gute Instinkte in Sachen Timing und Positioning sowie viel Sprungkraft machen ihn zu einem klasse Shotblocker und netten Helpdefender. Mann-gegen-Mann-Duelle und defensive Rotationen bereiten Drummond allerdings noch etwas Probleme. Mangelnde Erfahrung, zur Zeit nicht wirklich ausgeprägter Basketball–IQ und die (noch) unterentwickelte Fußarbeit lassen ihn in dieser Hinsicht manchmal unglücklich aussehen. Aber natürlich hat der Big Man alle Tools, um auch diesen Teilaspekt des Spiels auf Profiebene erfolgreich zu meistern. Sein Rebounding ist jetzt schon auf einem hohen Level, da er sowohl am offensiven als auch am defensiven Brett ein gutes Gefühl für Abpraller zu besitzen scheint.

Charakter

Charakterlich wird Drummond als höflicher und respektvoller Typ mit guter Arbeitseinstellung beschrieben. Spiele und Trainingsmöglichkeiten gegen ältere und erfahrenere Konkurrenz, wie bei der U17 WM in Deutschland, nutzt er wohl gern dazu, die Schwächen im eigenen Spiel aufzudecken und sich dann auf das Eliminieren dieser zu konzentrieren.
So besuchte er in der Vergangenheit ein NBA Camp und hatte in der Offensive arge Probleme. In den ersten Spielen erzielte er insgesamt nur 6 Punkte. Lernwillig wie Drummond allerdings ist, schaffte er es sich zu steigern und in den folgenden Spielen seine Fähigkeiten zu justieren. Es gelang ihm durch gute Folgepartien seinen Punkteschnitt zu Ende des Camps auf 8 Zähler zu schrauben und sogar mit einem persönlichem Hoch von 16 Punkten abzuschließen. Allerdings zeigt Drummond auf dem Feld zu wenig Feuer, um später zu einem echten Vocal-Leader reifen zu können. Größere Gefühlsausbrüche nach Dunks oder Blocks sucht man bei ihm vergebens, was allerdings nicht heißen soll, dass Drummond nicht mit vollem Einsatz spielt. Dennoch sprechen ihm Scouts oft den Willen zur absoluten Dominanz ab. Angespielt auf seinen derzeitig noch vorhandenen Hang zum Spiel aus der Mitteldistanz, werfen sie ihm vor, zu sehr Vlade Divac anstelle von Dwight Howard zu sein.

Abschließend bleibt zu sagen, dass Drummond nicht immer vollkommener Herr über die eigenen Gliedmaßen zu sein scheint. Man hat manchmal das Gefühl, dass der 17 Jährige erst noch in seinen außergewöhnlichen Körper hineinwachsen muss. Dies ist aber eine „Kinderkrankheit“, die den meisten heute erfolgreichen Big Man vor der Profikarriere ausgetrieben werden musste. Bei seinem Talent und Arbeitseifer sollte dies ohne Probleme gelingen. Vom Potential her ist Drummond einer der aussichtsreichsten Spieler der nächsten Jahre. Zerschellt er nicht an dem schon seit Jahren anhaltenden Hype um seine Person, dann könnte er sich sogar dazu aufschwingen, ein Franchise Player in der NBA zu werden.

Der weitere Werdegang

Andre Drummond ist ein besonderer Spieler. Interessanterweise gilt dies auch für seinen Recruitingprozess und sein Verhalten, das er im selbigen an den Tag legt. Topprospects wie er tendieren meistens dazu, möglichst viele Interviews zu geben und Statements loszuwerden. Dadurch möchte man Aufmerksamkeit erheischen, ein wenig mit den interessierten Colleges spielen und sicher auch sich selbst darstellen. Drummond geht diesen Sachverhalt etwas anders an:

„I don’t want to make everything hectic, I want it to be smooth.“

Schon seit Monaten meidet er so viele Interviews, wie er kann. Kommt es doch einmal zum Gespräch zwischen ihm und einem Journalisten, so sind diese nicht wirklich ergiebig. Zu bestimmten Themen äußert er sich in solchen Situationen gar nicht. So spricht er noch nicht einmal über etwaige Lieblingsteams, um keine Spekulationen über seine Präferenzen aufkommen zu lassen. Auf andere Fragen bringt er nur vorgefertigte und von ihm auswendig gelernte Antwortphrasen und hält sich somit sehr bedeckt, was seinen Entscheidungsprozess über seine Zukunft angeht. Der Recruit Drummond scheint für die Medien mehr oder minder ein Mysterium zu sein. Noch hängt der gesamte Prozess in der Schwebe. Man kann sich zu diesem Zeitpunkt nur an gegebene Fakten und Äußerungen von ihm nahe stehenden Personen halten und auf Basis dieser Spekulationen anstellen.

Drummond hat in diesem Sommer 2011 offiziell die High School beendet. Der nächste, logische Schritt wäre für einen jungen Amerikaner normalerweise der, an ein College seiner Wahl zu gehen. Nur hat sich der Big Man bisher noch für keine Schule entschieden. An mangelnden Angeboten lag dies allerdings nicht. Besonders zwei renommierte Colleges sollen aktuell ziemlich stark um die Gunst des Toptalents buhlen. Dies wäre zum einen das ehemalige Team der Neubobcat Kemba Walker und diesjähriger NCAA-Champ Connecticut, die den NBA-Spieler unbedingt durch einen Freshman mit Starpotential aus den eigenen Staatsgrenzen ersetzen wollten. Das andere College, welches sich ähnlich stark bemüht haben soll, ist die University of Kentucky. Das ist nicht verwunderlich, hat der Final Four Teilnehmer mit seinem Starcoach und -recruiter John Calipari doch in den letzten Jahren immer ein heißes Eisen im Feuer gehabt, wenn es um das Verpflichten von Topprospects aus der High School ging. Außerdem sollen wohl auch die Louisville Cardinals und die North Carolina Tarheels näheren Kontakt zu Drummond gehabt haben. Für eine dieser Schulen entschieden hat sich der Big Man dennoch nicht. Laut CBS sei es aber noch im Bereich des Möglichen, sogar noch in dieser Collegesaison 2011/12, sich in einer dieser Schulen einzuschreiben und spielberechtigt zu sein.

Hat Drummond denn noch andere Optionen als diesen traditionellen Weg? Nun, seine High School gäbe ihm als sogenannte Prep School (eine private, speziell auf das College vorbereitende Schule) die Chance auf einen Vorgang, der sich „reclassify“ nennt. Man könnte nach dem Abschluss noch ein Jahr länger bleiben und ein fünftes, sogenanntes „Post Graduate Year“ einlegen. Normalerweise wird diese Option von High School Absolventen genutzt, um sich vor dem College noch einmal genau zu orientieren und der neuen Herausforderung Universität besser gewachsen zu sein oder aber, um sich auf einen speziellen Karriereweg genau vorzubereiten. Es könnte sein, dass Drummond dieses Übergangsjahr nutzt und sich nächstes Jahr für die Saison 2012/13 an einer Uni einschreibt.
Allerdings ist es auch möglich, dass er es versucht, direkt von der High School über die Draft 2012 in das Profilager der NBA zu wechseln. Dies dürfte Commissioner David Stern wohl sauer aufstoßen lassen, aber Drummond hätte alle Voraussetzungen der derzeitigen Draftregularien erfüllt. Er hätte zum Zeitpunkt der Draft seinen High School Abschluss schon seit einem Jahr in der Tasche und wird im August 2012 außerdem seinen 19ten Geburtstag feiern. Sofern sich diese Regeln durch die ausstehenden CBA-Verhandlungen nicht ändern, könnte man eventuell einen neuen, individuellen Weg in die NBA bestaunen dürfen. Dieser Werdegang wäre nämlich bisher ein Novum. Gründe für ein Fernbleiben vom College könnten in diesem Fall nur persönliche Gründe und eventuell ein Umgehen der dort herrschenden Trainingsbeschränkungen sein. Ein Jahr bei einem europäischen Team zu verbringen, wie es ein Brandon Jennings vor seiner Rookiesaison getan hat, würde auch im Raum stehen. Allerdings scheint dies eher unrealistisch zu sein.

Wie wird es also mit Drummond weitergehen? Hört man auf seinen High School Coach Quinn, dann scheint es wohl wahrscheinlich zu sein, dass wir das Talent in naher Zukunft in einem College Jersey sehen werden. Aus Gesprächen mit Drummonds Mutter will dieser wissen, dass diese viel Wert auf die akademische und soziale Weiterentwicklung ihres Sohnes legt und ihn mindestens ein Jahr an einer Universität wissen möchte. Die andere Seite sieht Drummond ziemlich sicher in der Draft 2012. So wird er zum Beispiel aktuell von NBADraft.net schon als #1 Pick für die nächstjährige Rookieauswahlnacht geführt. Es bleibt also abzuwarten, was passiert. Eine Entscheidung des Big Mans steht laut Quellen wohl im August diesen Jahres ins Haus. Drummond zerbricht sich deswegen noch nicht den Kopf, sondern probiert aktuell in Workouts in Indianapolis, New England, Las Vegas und Orlando weiter an seinem Spiel zu arbeiten. Man darf gespannt sein.

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2 comments

  1. Tobias Berger

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    Kleines Update zum Artikel:

    Gestern äußerte sich Drummond zu seinem Recruitingprozess. Es steht jetzt fest, dass der Bigman wirklich ein fünftes Jahr an der High School bleiben wird. Er wird also diese Saison definitiv nicht an ein College wechseln. Was allerdings nächstes Jahr passieren wird, ist weiter im Unklaren. Drummond hat die Liste potentieller Collegedestinationen auf Connecticut, Kentucky, Louisville, Georgetown und West Virginia eingegrenzt. Allerdings lässt er sich weiter die Option offen sich 2012 für die NBA Draft anzumelden.

    Er sagte dazu: “It’s definitely an option but far from a done deal. I’m open, but I’m not going to be making any decisions before spring 2012 either way. I don’t think I’ll have too much to say about it until then. Most people have been really great about respecting my privacy throughout this process and I really appreciate that.”

    http://espn.go.com/college-sports/recruiting/basketball/mens/story/_/id/6850552/andre-drummond-narrows-five

  2. Tobias Berger

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    Update #2:

    Vor 12 Stunden überraschte Drummond die gesamte Basketballwelt mit folgendem Tweet:

    “It’s official I’m heading to the university of connecticut to be a husky this year! Do I hear repeat?”

    Drummond wird also schon diese Saison für den amtierenden College Champ auflaufen und nicht wie bisher angenommen ein weiteres Jahr an seiner Prep School verbringen. Damit haben sich auch die Chancen erhöht das Ausnahmetalent in der Draft 2012 wiederzufinden. Bobcatsrookie Kemba Walker gratulierte dem Freshman postwendend zu seiner Entscheidung.

    Interessant wird es nur wie Coach Calhoun seinen Schützling mit einem Stipendium versorgen will. UConn wurden in den letzten Jahren 3 der sonst 13 verfügbaren Scholarships wegen diversen Regelverstößen und schlechtem Abschneiden im APR (Academic Performance Rating) aberkannt.

    Bleibt es allerdings bei diesen Nachrichten, wird Drummond in der kommenden Spielzeit mit Lamb und Oriakhi ein schlagkräftiges Trio bilden.

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