Detroit Pistons

Warum Van-Gundy-Ball nicht funktioniert

Die Probleme der Detroit Pistons

Mike D’Antonis Seven-Seconds-or-Less in Phoenix. Tom Thibodeaus Ice-Defense in Chicago. Gregg Popovichs Motion-Offense in San Antonio. Früher Jerry Sloans Flex Offense in Utah. Während manche Coaches eher allgemeine Prinzipien verwenden, haben andere eine klare Handschrift, ein System, das untrennbar mit ihrem Namen verbunden bleibt. Ein weiterer Vertreter dieser Gattung ist Stan Van Gundy. In Orlando stellte er von 2008 bis 2012 ein Spitzenteam um Dwight Howard auf die Beine, das durch seinen charakteristischen Spielstil auffiel: die Kombination eines dominanten Big Man mit hochprozentigen Schützen. Howard gab den Anker der Defense und Fixpunkt in der Mitte, ihn umgaben hochprozentige Schützen.

Mittlerweile ist Van Gundy Coach und General Manager der Detroit Pistons. Schon diese Doppelfunktion verrät, dass die Owner ihn mit einer klaren Agenda einstellten: Van Gundy sollte die Spieler holen, die er für sein System brauchte und es gleichzeitig auf den Platz übertragen. Die Parallelen sind auf den ersten Blick zu offenkundig, um in der öffentlichen Diskussion nicht genannt zu werden. Andre Drummond, das athletische Reboundmonster, wird dadurch zum Nachfolger Howards stilisiert. Kentavious Caldwell-Pope, Reggie Jackson, Marcus Morris und Tobias Harris geben die variablen Außenspieler an seiner Seite.

Der Haken an der Sache: Zum Erfolg führt das (bislang noch) nicht. Mit einer Bilanz von knapp 44% gewonnener Spiele stehen die Pistons momentan nicht auf einem Playoff-Platz im Osten. Seit Van Gundys Amtsantritt sprangen mittelprächtige Bilanzen von 32-50, 44-38 und ein 4-0 Erstrundenaus gegen die Cleveland Cavaliers heraus. Woran hakt die Umsetzung in der Motor City? Und was ist wirklich dran an dem Vergleich mit den Orlando Magic?

Vier Problemfelder lassen sich dabei identifizieren: der Spielstil; die Stretch-Vierer; die Außenspieler; und, der vielleicht gewichtigste von allen, Howards Erbe.

Howards Erbe?

Beginnen wir mit dem Letzten, Andre Drummond. Ihm kommt im Van Gundy-System eine herausragende Rolle zu. Offensiv ist er meist der einzige Spieler, der sich konstant in der Zone postiert oder das High-Pick-and-Roll läuft. Der Rest des Teams positioniert sich außerhalb der Dreierlinie, es entsteht eine klassische 4-Out Aufstellung. Drummond kommt daher die Aufgabe zu, für Punkte und Präsenz am Brett zu sorgen – sonst geht die in der heutigen NBA vielversprechende Formel Dreier + Korbleger nicht auf. Defensiv ist er als Anker der Verteidigung gefragt. Neben „Power Forwards“ wie Tobias Harris, Marcus Morris oder Jon Leuer muss er den gegnerischen Center verteidigen und gleichzeitig den Ring beschützen. Wie schlägt Drummond sich bei diesen hohen Anforderungen? Bisher leider enttäuschend! Auch wenn ihn wahrscheinlich niemand in einer Riege mit Dwight Howard in seiner Prime sieht, ist Drummonds guter Ruf in Teilen der NBA-Gemeinde kaum zu rechtfertigen.

Defensiv ist Drummond ein überdurchschnittlicher Spieler, der sowohl am Mann ordentlich verteidigt als auch den Ring beschützen kann – zur absoluten Rim-Protector Elite gehört er aber nicht. Am Ring erschwert er 7,2  gegnerischen Würfe/Spiel (ligaweit Platz 15) und lässt dabei eine Wurfquote von 53,6% zu. Das sind solide Werte, aber natürlich weit entfernt von der defensiven Dominanz eines Dwight Howard. Auch die 1,2 Blocks/Spiel nehmen sich bescheiden aus, verglichen mit den 2,9, die Howard 2008/09 auflegte.

Noch gravierender ist der Unterschied in der offensiven Produktion, wo Drummond auf ganzer Linie enttäuscht. Gerade einmal 14,6 Punkte erzielt der Big Man pro Spiel, bei einer Wurfquote von 53,4%. Ein riesengroßes Problem dabei sind seine Freiwürfe, die er mit 43,4% historisch schlecht trifft, aber auch nur selten zieht: Für einen Spieler mit seiner Athletik und Statur sind 4,5 FTA/Spiel viel zu wenig. Auf den ersten Blick ist das überraschend, da gegnerische Teams um seine Freiwurfschwäche wissen und ihn so oft wie möglich an die Linie schicken wollen. Drummond entgeht dieser Taktik jedoch auf eine Weise, die sein eigenes Spiel extrem in seiner Effektivität beschneidet: Er nimmt seine Abschlüsse nicht mehr direkt am Brett, sondern oft per Hookshot und vermeidet häufig den Kontakt zum Verteidiger.

Noch 2015/16 nahm er 59,2% seiner Abschlüsse in weniger als 3 ft Entfernung zum Korb, diese Saison sind es nur noch 48,6%. In der Zone zwischen 3-6 ft stieg der Wert parallel von 35,8% auf 42,2%. Seine Average-Field-Goal-Distance stieg seit seiner Rookie Saison von 2,8 (2014/15) über 3,1 (2015/16) auf 4,5 (2016/17). Zum Vergleich: Howard nahm 2008/09 54% seiner Abschlüsse näher als 3 ft, traf dort 70% und garnierte das mit einer Average-Field-Goal-Distance von 3,4.

Diese Thematik ist ein riesengroßes Problem für die Pistons. Drummond schafft es einfach nicht, die dringend benötigte Präsenz in der offensiven Zone zu sein. Auf andere Weise beitragen kann er ebenfalls nicht: Weder besitzt er einen brauchbaren Wurf noch wirklich ausgereifte Post-Moves. 0,71 PPP aus dem Post-up sind ein verheerender Wert! Auch sein Passspiel (1,10 Assists/Spiel – Career High!) bleibt quasi nicht existent.

Alles in Allem spielt Drummond dieses Jahr die Saison eines Rollenspieler. Im Angriff spielt er durchaus effizient (105 ORtg) in limitierter Rolle, defensiv ist er solide, ohne herauszuragen. Seine Per-36-Minuten Stats ähneln denen von Clint Capela, beziehungsweise liegen sogar noch leicht darunter! Einzig sein starkes Rebounding sticht heraus; dass gerade dieser Skill einen Spieler in der NBA aber nicht zum Star macht, haben wir an anderer Stelle gezeigt. Das alles macht Andre Drummond nicht zu einem schlechten Spieler – aber eben auch nicht zu dem Fixpunkt, den Van-Gundy-Ball scheinbar benötigt.

Der moderne Power Forward

Widmen wir uns nun also den Spielern an Drummonds Seite. Der Power Forward ist hierbei vielleicht die wichtigste Position auf dem Feld, da sie maßgeblich dafür verantwortlich ist, Platz in der Zone zu schaffen. Mit Rashard Lewis bemannte 2008/09 einer der ersten wirklichen Volume-Shooter (7,0 Dreier/Spiel, 39,3%) auf der Vier diesen Platz. Bei den Pistons teilen sich Marcus Morris und Jon Leuer diese Position, vereinzelt hilft Small Forward Tobias Harris aus. Hier zeigt sich ein weiteres dreckiges Geheimnis der Pistons: elitäre Stretch-Vierer sind Morris , Harris und Leuer nicht. Alle treffen den Dreier leicht unterdurchschnittlich (Morris: 32,6%, Leuer: 33,3%, Harris: 33,8%) und haben nicht das Schussvolumen eines Rashard Lewis – oder Ryan Anderson als aktuelleres Beispiel, der auch schon damals neben Howard in Orlando auflief. Lewis nahm seinerzeit noch 50,9% seiner Abschlüsse hinter der Dreierlinie, bei Morris sind es nur 36,8%, bei Harris 30,4%, bei Leuer gar nur 28,7%.

Anstatt sich auf den Dreier zu konzentrieren, tendieren die drei oft dazu, Abschlüsse in der Mitteldistanz zu suchen. Auch fehlt Leuer und Morris die Dynamik, um Gefahr per Drive auszustrahlen. Zudem hat die NBA sich gewandelt: Immer mehr Teams spielen selbst mit einem mobilen Stretch-Vierer. Wurf- und Mobilitäts-Vorteile haben die Pistons von ihren Vierern also nicht zwangsläufig zu erwarten. Vor die Wahl gestellt, einen Wurf der beiden Power Forwards zuzulassen, Drummond in die Zone rollen zu lassen oder einen Reggie-Jackson-Drive zu ermöglichen, wird sich eine Defense immer für ersteres entscheiden. Gut zu sehen ist das in folgender Spielszene gegen die Charlotte Hornets:

Reggie Jackson und Tobias Harris laufen das Pick-and-Roll. Harris Verteidiger hedget dabei extrem weit, um Jacksons Drive zu verhindern. Die Verteidiger von Andre Drummond und Marcus Morris orientieren sich auf die Helpside. In der Theorie wird so ein freier Dreier für Harris herausgespielt. Der Pass erfolgt auch, Harris nimmt jedoch nicht den Wurf sondern ein Dribbling in die Mitteldistanz. Williams hat so genug Zeit, um zurückzurotieren und zwingt Harris zu einem schwierigen Fadeaway aus der Mitteldistanz.

Hierbei werden die Spacing-Probleme der Pistons deutlich. Weder Harris noch Morris Dreier werden genug respektiert, um Verteidiger konstant aus der Zone zu ziehen. Andre Drummond sorgt zusätzlich dafür, dass der gegnerische Center ungestraft unter dem Korb verteidigen kann. Insgesamt ist das Dreigestirn um Leuer, Morris und Harris gerade noch solide, aber weit entfernt von dem, was Detroit an dieser Stelle benötigen würde.

Die Außenspieler

Auf den Außenpositionen tummeln sich bei den Pistons eine Menge solider Spieler. Nur ist das eben nicht genug, denn ein Star findet sich auch hier nicht. Designiert für diese Rolle ist seit seinem Trade aus Oklahoma City und der anschließen Vertragsverlängerung Reggie Jackson. In der Theorie passt er perfekt in das System. Er ist einer der aggressivsten Driver der NBA (Top 20 bei Drives/Spiel und bei Punkten nach Drives), stark im Pick-and-Roll (58,5% seiner Abschlüsse (!), 0,9 PPP) und verfügt zudem über einen soliden Dreier (38,1%). Seine Werte sind dabei sogar schwächer als in der vergangenen Saison, da er fast 20 Spiele aufgrund einer Verletzung verpasste: Der Prozentsatz seiner Abschlüsse direkt am Korb ging von 28,0% auf 22,9% zurück, die langen Zweier stiegen dagegen von 10,9% auf 16,8%.

Trotzdem scheinen die Pistons nicht wirklich zufrieden mit ihrem Aufbau, dessen Name sogar immer wieder in Trade-Gerüchten auftaucht. Jackson fehlt einfach das gewisse Etwas, das ihn wirklich in die Riege der besten Point Guards der NBA katapultiert. Sein ORtg (104), seine eFG% (49,0), gezogene Freiwürfe (3,2/Spiel) bleiben solide, aber ausbaufähig – auch defensiv ist er solide, aber nicht auf Top-Niveau.

All die Rollenspieler der Pistons würden extrem von einem Star an ihrer Seite profitieren, der ihnen frei und gute Würfe verschafft. Tobias Harris und Kentavious Caldwell-Pope bilden ein starkes Flügelduo: Beide punkten verlässlich (16,7 bzw. 14,4 Punkte/Spiel), treffen den Dreier (33,8% bzw. 38,8%) und spielen effizient (112 Ortg bzw. 110 Ortg). Für andere kreieren oder als Playmaker auftreten können die beiden jedoch nicht (1,7 bzw. 2,9 Assists/Spiel). Die Rolle des Backup-Playmakers fällt daher Ish Smith zu, der  ohne verlässlichen Dreier (23,7%) jedoch wiederum nicht ideal in Van Gundys System passt. Das gleiche Schicksal teilt auch Reggie Bullock (28,6%) und Stanley Johnson (31,6%), die dem Team-Spacing ebenfalls schaden. Zu sehen ist das hier bei einer Tobias-Harris-Isolation gegen die Washington Wizards:

Tobias Harris spielt 1-gg-1 von der Birne. Sämtliche Wizards-Verteidiger orientieren sich dabei in die Zone, um seinen Drive zu stoppen. Ish Smith in der Ecke wird von John Wall nicht respektiert. Marcus Morris verengt das Spiel zusätzlich mit einem Cut, der von Otto Porter und Kelly Oubre verteidigt wird. Reggie Bullock bewegt sich zwar gut, muss jedoch von Oubre ebenfalls nicht zwingend beachtet werden. Jon Leuer steht im Aus.

Auch hier werden wieder die Spacing-Probleme des Teams eklatant: Entweder stehen die Spieler auf den falschen Spots (Leuer & Morris) oder strahlen auf den richtigen Spots keine Gefahr aus (Smith & Bullock).

Das Team

Die individuellen Probleme der Pistons-Spieler schlagen sich in gewisser Weise auch auf das Team nieder. Wagen wir zunächst einmal einen erneuten Blick in die Vergangenheit, zu den Orlando Magic 2008/09. Diese spielten einen aus heutiger Sicht überaus modernen Stil: Eckpunkte waren das schnelle Spiel (Pace: Platz 12), Freiwürfe (Platz: 4), der Dreier (3FGA: 2., 3FG%: 7.) und eine beinharte Defense (DRtg: 1.). Die Detroit Pistons 2015/16 spielen anders. Zum einen deutlich langsamer (Pace: Platz 25), was ein Stück weit unverständlich ist. Das Team verfügt eigentlich über genug Athleten und junge Spieler, um einen deutlich schnelleren Stil zu spielen. Denn offensiv drückt der Schuh bei den Pistons – die Zahlen sprechen nicht gerade für eine moderne NBA-Offensive.

Detroit zieht etwa kaum Freiwürfe (Platz 29) und nutzt den Dreier kaum (3FGA: Platz 24, 3FG%: Platz 27), nimmt dafür aber die viertmeisten Zweier der Liga. Geblieben ist das starke Rebounding und die gute Defense (DRtg: Platz 11), die jedoch in keiner statistischen Kategorie herausragt.

Auch die Playtype-Statistics werfen kein gutes Licht auf die Detroit Pistons: Bei Isolations, Abschlüssen in Transition und Spot-ups liegt man eher im Mittelfeld der Liga. Auffallend sind jedoch das Pick-and-Roll und das Post-up. Gerade diese Abschlüsse werden häufig gesucht (PnR-Ballhandler: Platz 5, PnR-Abroller: Platz 18, Post-up: Platz 6), weisen jedoch allesamt schlechtere Effizienz-Werte auf ((PnR-Ballhandler: Platz 13, PnR-Abroller: Platz 25, Post-up: Platz 25). Besonders beim Post-up ist diese Diskrepanz gravierend! Warum das 6.-schlechteste Post-Team der Liga aus diesen Situationen die 6.-meisten Abschlüsse nimmt, ist eigentlich nicht zu erklären! Stan Van Gundy sollte schnellstens erkennen, dass Andre Drummond im Post eben kein gewinnbringender Ansatz ist. Generell zeigt sich hierbei, dass die Pistons immer noch auf der Suche nach ihrer Identität sind: Wo Van-Gundy-Ball drauf steht, steckt eben nicht immer auch Van-Gundy Ball drin – zumindest nicht in Reinform.

Fazit

Was bringt also die Zukunft für die Detroit Pistons? Kurzfristig wohl eine zweite Saison-Hälfte im Mittelmaß. Dass die Playoffs noch erreicht werden, ist nicht ausgeschlossen, ein tiefer Run jedoch ebenso utopisch wie ein Absturz in der Tabelle. Im Sommer wird die Franchise neu evaluieren müssen. Optionen hat Van Gundy dabei einige: In den nächsten Jahren behält die Franchise alle ihre Firstround-Picks, alle Leistungsträger sind vertraglich langfristig gebunden. Einzig Caldwell-Pope wird im Sommer Restricted Free Agent; er wird mit Sicherheit lukrative Angebote bekommen, die Pistons sind jedoch in der komfortablen Situation, jedes Angebot matchen zu können.

Langfristig wird die Franchise das brauchen, was alle Teams im Neuaufbau brauchen: Stars! Reggie Jackson und Andre Drummond sind das, Stand heute, nicht. Per Free Agency werden diese ebenfalls nicht zu bekommen sein. Damit verbleiben zwei Optionen: Entweder man setzt auf das interne Wachstum des Teams plus einige Verstärkungen oder reißt das Team ein und setzt auf einen Neuanfang per Draft – der zweite Weg scheint aber unwahrscheinlich. Assets, die man auf dem Trade-Markt einsetzen kann, hat das Team einige: etwa Reggie Jackson, Picks oder auch Stanley Johnson, der in seiner Sophomore-Saison kaum zum Zug kommt.

Der kommende Sommer könnte daher interessant werden. Den Pistons droht im schlimmsten Fall die Mittelmaß-Falle.

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14 comments

  1. Sebastian Hansen

    Ich würde ein 105 ORtg, nachdem der Ligaschnitt bei ca. 108 liegt, nicht als effizient bezeichnen.

    Ansonsten guter Artikel.

  2. Jonathan Walker

    Das dachte ich mir auch, hätte es aber wohl nicht unbedingt angemerkt, da sonst direkt wieder meine Twitter-Spezis aus ihren Löchern kriechen und sich bestätigt fühlen :mrgreen:

    Ich weiß auch nicht, ob Reggie Jacksons Defense als solide bezeichnet werden kann. Mir ist er nie positiv aufgefallen, was man so hört und ließt ist er unterdurchschnittlich und auch die Tatsache, dass KCP immer den besseren Guard verteidigt, spricht auch nicht für ihn, da Crossmatching sich nur lohnt, wenn der Unterschied zwischen den Verteidigern so groß ist, dass man die Nachteile dessen in Kauf nimmt (schwierigere Orientierung in Transition/Early Offense etc.).

    Ansonsten starker Artikel, der die Situation der Pistons gut zusammenfasst! :tup:

  3. Julian Wolf

    |Author

    Mal kurz zu den zwei Punkten: vielleicht habe ich eine zu nette Definition von solide… :mrgreen:

    Also wenn ein Spieler nicht gerade ein krasser Minus-Verteidiger ala Kanter etc. ist, würde ich ihn immer noch als “gerade noch solide” bezeichnen. Jackson z.B. ist mir jetzt nie wirklich explizit negativ aufgefallen. Ein Plus-Verteidiger ist er sicher nicht, aber schon einer, den man in einer Team-Verteidigung verstecken kann, glaube ich.
    EDIT: Ok, die On-off-Zahlen sind eigentlich schon deutlich: gegnerisches Ortg -> on court: 113,6 , off court: 104,6. Aber er kommt ja auch von einer Verletzung zurück…

    Das gleiche gilt für Drummond. Ich wusste gar nicht, dass das League-Average beim Ortg 108 ist :stupid: . Macht seine Leistungen natürlich nicht besser, trotzdem ist er offensiv halt auch kein Minus-Spieler…

  4. Simon

    Danke für den Artikel :tup: Die Pistons sind wirklich ein interessanter und irgendwie frustrierender Fall. Gerade die Pace und die Post-Up-Zahlen, die du am Ende nennst, sind völlig unverständlich.

    Ich war noch nie der größte Drummond-Fan und sehe ihn inzwischen extrem kritisch. Auch bei den Diskussionen hier zu Wiggins/Talent/physischen Tools musste ich an ihn denken. Und auch schon bei dem Artikel zu Superstar-Skills/Rebounding, den du auch erwähnt hast.

    Ich denke, dass die fehlende offensive Dominanz von Drummond auch den Zahlen der Power Forwards schadet, gerade im Vergleich zu den Magic mit Howard. Dadurch, dass Drummond im Low Post nicht unbedingt gedoppelt werden muss, bleibt den ohnehin schon nicht überragenden Schützen oft ein kleines bisschen zu wenig Platz.

    Und wie du schon sagst: es gibt inzwischen viel mehr mobilere PF, die die Dreierlinie verteidigen können, als zu Howards Zeiten. Damit will ich Leuer, Harris und Morris aber gar nicht zu sehr in Schutz nehmen, sie treffen trotzdem einfach ein bisschen zu schlecht (und nehmen auch einfach noch nicht genug Dreier), um Drummond/Jackson/Smith den nötigen Platz zu verschaffen.

    Naja, jedenfalls sehen auch Drummonds On/Off-Zahlen nicht gut aus.

    Mit Drummond (1474 Minuten): 106,3 ORtg, 111,5 DRtg (Net -5,2)
    Ohne Drummond (888 Minuten): 109,2 ORtg, 102,6 DRtg (Net +6,6)

    Um das ganze besser einschätzen zu können, habe ich mir dazu noch KCP angeschaut, der wohl der beste Distanzschütze und auch der beste Flügelverteidiger im Team ist.

    Mit KCP (1487 Minuten): 110,2 ORtg, 108,7 DRtg (Net +1,5)
    Ohne KCP (874 Minuten): 102,6 ORtg, 107,2 DRtg (Net -4,6)

    Drummond mit KCP (1150 Minuten): 108,9 ORtg, 112,5 DRtg (Net -3,6)
    Drummond ohne KCP (324 Minuten): 97,4 ORtg, 108,2 DRtg (Net -10,8)

    KCP ohne Drummond (337 Minuten): 114,5 ORtg, 96,4 DRtg (Net +18,1)

    Besonders bitter ist, dass Drummond oft keine 30 Minuten auf dem Platz steht und häufig in der Crunchtime auf der Bank sitzt. Und er ist eben auch, abgesehen von seinem Rebounding, kein dominanter Verteidiger. Da war ihm Howard in seiner Prime meilenweit voraus und ist es wahrscheinlich selbst heute, im Herbst seiner Karriere, immer noch.

    Mit Jackson müsste ich mich noch einmal genauer auseinandersetzen. Es ist jedenfalls bedenklich, dass er offensiv so ineffizient ist, obwohl er den Dreier ordentlich trifft. 3PAr und auch TS% sind ja exakt auf dem Niveau der letzten Saison. Aber er kommt einfach deutlich seltener zum Korb und dadurch auch weniger an die Freiwurflinie. Vielleicht ist er körperlich einfach noch nicht wieder bei 100%, da kann man evtl. noch auf eine leichte Steigerung hoffen.

    Seine Verteidigung würde ich aber wie Jonathan zur Zeit eher nicht als solide bezeichnen, das erinnert inzwischen doch häufiger an Harden :roll: Und um Screens kommt er sowieso nicht. Ach ja, dazu fällt mir ein: :mrgreen:

    Puh, insgesamt eine schwierige Situation.

    Ja, der zweite Weg scheint unwahrscheinlich und ist eigtl. bei einem noch so jungen Team auch nicht wirklich sinnvoll. Andererseits sind Drummond und Jackson für mich nicht nur Stand heute keine Stars, sondern werden wohl auch keine mehr. Man müsste also, selbst um dauerhaft um die zweite PO-Runde mitzuspielen, zunächst KCPs mögliche Max-Angebote mitgehen, womit man mit dem aktuellen Team bis 2019 mehr als 20 Millionen über dem Cap wäre. Um also Geld für einen guten Free Agent zu haben, müsste man schon 3 Spieler aus dem Quartett Jackson/Harris/Leuer/Marjanovic loswerden.

    Wenn man KCP aber gehen lässt, kann man fast schon alles einreißen. Wenn Baynes im Sommer seine PO zieht, ist man auch ohne KCP am Cap und hat ein Team, dass wieder höchstens um Platz 8 kämpft. Wie schon gesagt, irgendwie frustrierend…

  5. D41

    Ich sehe ganz ehrlich keinen Grund warum man nicht Drummond abgibt.
    Vllt. wird er von einem GM völlig überschätzt und man kann so einen Trade gewinnen.

  6. Julian Wolf

    |Author

    Ja, Drummond abgeben würde aus unserer Sicht denke ich Sinn machen, gerade weil er glaube ich einen noch recht guten Ruf in der Liga hat. ABER: Er ist eben der angedachte Cornerstone von Van-Gundy-Ball und SVG müsste ihn ja selbst abgeben. D.H. ein Trade wäre das Eingeständnis, das seine Art Basketball mit diesem Personal nicht funktioniert.
    Daher kann ich mir das nicht wirklich vorstellen…

  7. Simon

    Aber das Eingeständnis wäre ja einfach, dass Drummond nicht der erhofft starke Spieler (geworden) ist, und nicht, dass SvGs Konzept/Plan/System falsch war. Grund für Kritik am GM van Gundy liefern für mich eher Spieler wie Jackson oder Harris, weil man bei denen schon vermuten/wissen konnte, dass sie nicht perfekt passen bzw. zu viele Schwächen haben. Wobei Harris so günstig geholt wurde, dass der Deal trotzdem super war.

    Zurück zu Drummond: ich glaube nicht, dass sein Wert noch ähnlich hoch ist wie vor 1 oder 2 Jahren. Er stagniert mehr oder weniger seit seiner dritten Saison. Da er weder ein überragender Ringbeschützer ist noch besonders gut auf kleinere Spieler switchen kann, gehört er auch nicht zu den stark gefragten Defensiv-Bigs wie Jordan, Gobert, Noel, Embiid, Green, Thompson.

    Damit ist er in meinen Augen schon fast überbezahlt und trotz seines Alters und des langen Vertrages evtl. kein besonders gutes Asset. Welche Teams könnten denn Interesse an ihm haben und auch die finanziellen Möglichkeiten, ihn aufzunehmen?

    Die Sixers natürlich nicht, ebensowenig die Heat, Magic, Knicks, Wolves, Nuggets, Kings und Pelicans.

    Bleiben noch…

    Phoenix: Die Suns würden aber sicherlich weder Booker noch Chriss oder Bender für ihn abgeben und auch nicht ihren 2017er Pick.

    Dallas: da bestünde sicher Interesse, aber Barnes oder den 2017er Erstrundenpick würden sie wohl auch nicht abgeben wollen.

    Die Lakers: wenn sie ihren Pick behalten (um damit einen neuen PG zu draften), könnten sie bestimmt ein Paket mit Russel, Clarkson, Mozgov und irgendeinem zukünftigen Pick schnüren.

    Brooklyn: 1 zu 1 gegen Lopez würden die Nets das bestimmt machen, aber sonst?

    Das war’s dann schon mehr oder weniger, und nichts davon bringt die Pistons wirklich weiter. Oder irre ich mich da komplett und ihr seht Drummonds Wert und Markt völlig anders?

  8. Arne Cas

    Denkst du echt die Lakers sind so dumm und geben Russel, Clarkson und einen Pick her? Das wäre viel zu sehr für einen unterdurchschnittlichen Startingcenter…

  9. Simon

    Ich persönlich würde einen solchen Deal nicht machen. Aber zum einen sind die Lakers immer mal für eine dumme Aktion gut ;) Zum anderen hätte das zumindest nicht nur Nachteile: man wäre Mozgovs Vertrag los. Man hätte einen PG mit deutlich mehr Potenzial als Russell, wodurch er entbehrlich wäre. Außerdem halte ich persönlich nicht übermäßig viel von Russell. Und auch Clarkson ist in einem sehr guten Team maximal ein 6. Mann.

    Trotzdem wäre das kein guter Deal. Aber wie siehst du ihn, wenn es z.B. nur einer der beiden Guards wäre? Plus ein Pick 2019, wenn die Lakers vielleicht hoffen, langsam wieder die Playoffs anzugreifen.

    Edit: Ich versuche doch nur verzweifelt, die Pistons irgendwie aus ihrer Sackgasse zu holen :lol:

  10. Arne Cas

    Wer ist denn der deutlich bessere Pointguard als Russel im Kader? So wie ich dich verstehe willst du doch nur Drummond gegen Russel, Mozgov und Clarkson + Pick (Welcher Pick? Bis 2019 sind die 1st Rounder schon weg) traden? Ich denke Russel ist zurzeit nur für einen Star tradebar. Wir hatten das jetzt ja schon oft genug im Forum: Rookies und Sophmores, vor allem hohe Picks, werden sehr selten getradet. Die Gefahr ist einfach zu groß, dass er sich woanders zu einem Star entwickelt und der GM im nachhinein den Trade deutlich verliert. Das Risiko geht Kupchak nicht ein.

    Mein Trade: Drummond, Udrih und Smith gegen Mozgov, Clarkson & Young/Williams + 2 2nd Rounder
    Es wäre sinnvoller statt ihm einen der Guardveteranen abzugeben (Young oder Williams). Beide treffen den Dreier sehr gut und sollten somit gut mit Jackson harmonieren bzw. eine Portion Instantoffense von der Bank. Russel neben Jackson kann ich mir nur schlecht vorstellen.

    http://www.espn.com/nba/tradeMachine?tradeId=hkmag3v

    Richtig weiterhelfen tut dieser Trade den Pistons aber auch nicht… Auf Guard hat man dann eine vernüftige Bank und genug Scoring aber auf Big sieht es immer noch dünn aus…

  11. Julian Lage

    Ich glaube, ihr seht den Mozgov-Vertrag viel zu gut bzw. besser: viel zu wenig schlecht. Klar ist Drummond auch teuer und bringt nicht das, was man sich von ihm erhofft hat. Aber: Anders als Mozgov hat er noch Upside. Das ist auch denke ich gernerell der Vorteil der Pistons, dass man von den meisten Spielern noch ein bisschen mehr erwarten darf. Wenn man Drummonds Potential für so ein Paket aufgibt, ist das endgültig Sackgasse.

  12. Simon

    Das sehe ich auch so. Deswegen müssten die Lakers in einem solchen Szenario nicht nur Gegenwert für Drummond anbieten, sondern auch noch für Mozgov draufzahlen. Da würden mir Clarkson, Young/Williams und Zweitrundenpicks nicht annähernd reichen.

    Der 2017er Top3-Pick.

    Wenn die Lakers den 2017er Pick behalten, geben sie auch 2019 keinen ab.

    Steht auch alles in meinen beiden Posts drin ;)

  13. Simon

    Kein Problem! Hätte ja auch sein können, dass ich einfach nur ein großer Calderón- oder Huertas-Fan bin ;)


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