Gedanken, Houston Rockets

Es hat nicht sollen sein.

Nach acht Jahren NBA, durchschnittlich 19 Punkten pro Spiel, mehrfachen Fuß- und Knöchelverletzungen und folgerichtig dem Verpassen von mehr als 160 Spielen in den letzten fünf Jahren, hat es nicht sollen sein.

Yao Mings verkündetes Karriereende ist der in letzter Konsequenz vom Körper geforderte Tribut. 229 Zentimeter beugen sich den Belastungen der NBA. Er wollte stets zurückkommen – hat es aber nie geschafft, komplett von seinem Leidensweg abzukommen.

Was bleibt, ist die Erinnerung: Die Erinnerung an eine Ära der Houston Rockets, in der das Team zu Recht Contender-Ansprüche stellte und mit Yao Ming und Tracy McGrady das beste Inside-Outside-Duo seit Shaquille O’Neal und Kobe Bryant der damaligen Lakers vorweisen konnte. Zwei großartige Talente, denen der Griff zu den Sternen leider stets verwehrt blieb. Heute ist Yao Ming in Rente und Tracy McGrady ein körperliches Wrack, das sich mit der Rolle als Ergänzungsspieler zufrieden geben muss.

Auch die Erinnerung an einen Sportler, der stets die Willenskraft und das Durchhaltevermögen besaß, um zurückzukommen, oder besser gesagt: zurückkommen zu wollen. Nach jeder seiner Fuß- und Knöchelverletzung zeigte sich Yao zuversichtlich, versuchte sich zu rehabitilitieren und wollte bis zum Ende im großen Stile zurückkommen. Sein Comeback in der Playoff-Serie 2009 gegen die Lakers steht dabei symptomatisch für den Verlauf seiner Karriere: obwohl er stets von Verletzungen geplagt war, kam er zurück oder versuchte es zumindest. Gelingen sollte es ihm aber nicht.

Die Erinnerung an einen unfassbar talentierten Center, mit hervorragender Fußarbeit, bemerkenswertem Feingefühl, einem (für einen Center) erstaunlichen Touch und einer Vielzahl an Bewegungen im Lowpost gesegnet. Vielleicht um daran zurückzuerinnern: 2006-2007 konnte Yao 25 Punkte und fast zehn Rebounds pro Spiel erzielen, 33% (!) aller Houston Rockets-Angriffe endeten bei Yao. Unvergessen seine 41 Punkte-Performance gegen die Atlanta Hawks.

Die Erinnerung an einen Spieler, dem es, gerade in Deutschland, stets als Selbstläufer ausgelegt wurde, dass er so verdammt groß sei. In Wirklichkeit war eher das Gegenteil der Fall: Die Größe Yao Mings stellte diesen selbst vor viele Probleme, und war im Endeffekt auch sicherlich ein Mitgrund für dessen Verletzungsseuche. Dass Yao Ming seiner Größe wegen oftmals mit Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, blieb zu oft unbeachtet.

Die Erinnerung an einen Menschen mit Profil, einen „global ambassador of the NBA“, der den Basketball in China populär machte und trotzdem stets bescheiden blieb. Der darüber hinaus unzählige charitative Aufgaben übernahm, „Basketball Without Borders“ etablierte, Spendenmarathons veranstaltete, für die Bekämpfung von Krankheitsseuchen und Kinderarmut spendete, aber auch nach Erdbebenkatastrophen seines Heimatlandes kurzerhand zwei Millionen Dollar für Rettungs- und Wiederaufbaustiftungen springen ließ.

In Erinnerung an Yao Ming, wünscht ihm die gesamte Go-to-Guys-Redaktion für die Zukunft alles erdenklich Gute. Es hat nicht sollen sein.

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