BBL

Ein Viertel mit … Jared Newson

Nach über fünf Jahren Abwesenheit kehrt Jared Newson zurück in die Beko BBL und schloss sich dem Liga-Neuling Crailsheim Merlins an. Im Interview spricht er über die SummerLeague, aber auch über seine Erfahrungen im Ausland.

 

Zuerst einmal herzlichen Glückwunsch nachträglich zum Geburtstag Jared (Anm. d. R.: Jared hatte am 26.9 Geburtstag)
 
Vielen lieben Dank!
 
Du bist nun 30 Jahre alt geworden. Man kann also sagen, du bist im besten Basketball-Alter. Was würdest du rückblickend sagen, was war deine schlimmste Erfahrung?
 
(überlegt lange) Eine Sportverletzung während meines Junior-Jahres auf dem College. Es hat mich sehr verhindert beim Spielen und meine optimale Leistung abzurufen. Im anschließenden Sommer hatte ich auch deswegen zwei Behandlungen. Also wenn ich etwas raus suchen müsste, dann wären es auf jeden Fall wäre es eine Verletzung oder Behandlung.
 
Nun das Gegenteil. Was war deine beste Erfahrung?
 
Selbstverständlich meine Pre-Season Erfahrung mit den Mavericks. Ich war bei denen über drei Monate – also ungefähr 8 Spiele. Eine Erfahrung, welche ich niemals vermissen möchte in meinem Leben.
 
Nun mal mein Gedankenspiel: Ich hätte gedacht, dass einer deiner schlimmsten Erfahrungen wäre deine vorzeitige Vertragsauflösung in Bamberg gewesen.
 
Oh nein, dass war keine schlimme Erfahrung für mich. So etwas passiert fast tagtäglich in unserem Geschäft. Es geschah quasi im gegenseitigen Einvernehmen. Es waren einige Unstimmigkeiten innerhalb des Teams aus meiner Seite. Aber ich würde nicht sagen, dass es die schlimmste Erfahrung in meiner Karriere war. Es ist viel mehr eine Verletzung.
 
Hinsichtlich deiner besten Erfahrung hätte ich den Gewinn des Dunk-Contest 2007 ausgewählt.
 
Absolut. Das war auch eine großartige Sache in meiner Karriere, besonders weil es in meiner ersten Profistation geschah.
 
Reden wir mal über deine Karriere. 2006 nahmen einige Spieler an der SummerLeague teil, welche hinterher in der BBL gelandet sind. Hast du mit den Jungs geredet?
 
Ehrlich gesagt, nein hab ich nicht. Als ich nach Leverkusen kam, wusste ich nicht was mich erwartet. Wusste nur, dass sie paar Rookies im Team hatten und ein paar Veteranen wie Nate Fox oder Eric Taylor. Die beiden zeigten uns den Weg innerhalb der BBL und dadurch wurde der Prozess deutlich vereinfacht für mich und den anderen Rookies.
 
Erkläre uns doch mal kurz den Weg von der SummerLeague zu einem – nehmen wir an – BBL-Verein.
 
Während der SummerLeague versucht du deinen Namen auf den Block der Scouts oder Trainer zu bekommen. Also in meinem Fall waren Achim Kuczmann und Hansi Gnad damals in Las Vegas und haben mich dort spielen sehen. Sie dachten die beiden, dass sie mich gerne in ihrem Team haben wollen. Also kannst du schon sagen, dass die Trainer auf die Spieler zu gehen. Wenn nicht, dann kommt die Agentur ins Spiel. Sie zeigen dem Trainer diverse Filme über einen Spieler.
 
Hab dich deswegen gefragt, da insbesondere dieses Jahr waren viele junge deutsche Spieler in der SummerLeague und konnten deswegen nicht für die Nationalmannschaft trainieren. Daher entstand eine Art Kritik. Du hast nun dreimal in deiner Karriere teilgenommen. Würdest du sagen, dass die Kritik berechtigt ist und die SummerLeague ist kein gutes Format?
 
Ich sage es mal so: Es ist der Ort, wo alle Trainer hingehen um sich ein Gesicht von einem Spieler zu machen. Manchmal ist es sehr schwer sich durchzusetzen, insbesondere wenn eine Mannschaft 17 oder 18 Spieler in ihrem Roster hat. Das bedeutet für dich oft kaum Spielzeit. Also zusammenfassend kann man schon sagen: Spielst du gut, dann ist es gut. Spielst du schlecht, dann ist schlecht.
 
Zusammenfassend kann also gesagt werden: Du musst der richtige Spielertyp im richtigen Team sein.
 
Genauso ist es.
 
Kehren wir nun zurück zu Leverkusen. Du hattest bereits die beiden Veteranen Nate Fox und Eric Taylor angesprochen. Welche andere Erinnerungen hast du so Leverkusen?
 
John Goldsberry kam damals mit mir, ebenso Beckham Wyrick. Dann noch die Veteranen Derrick Allen oder Brandney Woundstra. Ansonsten war es eine großartige Erfahrung für mich. Leverkusen gilt als eine Basketball-Stadt und das hat merkt man. Es war unglaublich, denn niemand hatte große Erwartungen an uns als Mannschaft und auf einmal erreichten wir die Playoffs. Jeder in der Stadt unterstütze uns. Dann kam die finanziellen Einbußen und sie mussten die Liga verlassen. Aber bis heute hab ich noch eine Menge Kontakt mit den Leuten in Leverkusen. Selbst als ich Deutschland verlassen hatte, haben sie mich ständig kontaktiert über die letzten Jahre.
 
Nachdem du ja leider keinen Platz im Roster der Mavs bekommen hattest, hatte es dich nach Australien verschlagen. Erzähl uns etwas über die Australien und der NBL.
 
Australien ist großartig. Du kannst es vergleichen mit Urlaub. Ich war ja damals im Norden also war es immer schön warm. Zur Liga, die ist echt besser als jeder denkt. Sie hat ein paar gute Spieler. Ich würde es lieben zurück nach Australien zurück zukehren um zu spielen.
 
 
Also ist es keine große Überraschung deiner Meinung nach, dass ein ehemaliger NBA Akteur wie Josh Childress in Australien landet?
 
Nein, es sind einige ehemalige NBA Spieler in Australien. Oftmals spielen sie dort 1-2 Jahre und kehren dann wieder zurück. Aber ansonsten hat die australische Liga eine Menge Talent vorzuweisen.
 
Nach Australien bist du zurück gekehrt nach Europa. Welche Erfahrungen hast du in Polen gesammelt?
 
In Polen war ich nur zwei Wochen. Es war eine schlimme Situation dort. Ich war untergebracht wie früher die Plattenbauten in der DDR. Die Wände in dem Gebäude waren bemalt mit Grafiti, vor meiner Tür hingen einfach Leute, komische Gestalten, ab. Zum Glück wurde ich zu den Spielen und Trainingseinheiten immer abgeholt. Aber insgesamt war es eine schlimme Situation für mich.
 
Du hast eine enge Verbindung mit dem Joesuun Kataja. Nimm uns doch mal mit auf eine Reise nach Finnland. 
 
Nur so viel: Finnland ist kalt! Im Winter kann es -25 Grad oder bis zu -35 Grad kalt werden, es ist einfach nur dunkel draußen. Während meiner Zeit in Finnland hab ich nie den Sommer dort erlebt. In Finnland ist viel abhängig in welcher Stadt du bist. Bist du in einer großen Stadt, dann passt alles. Also ich hatte insgesamt Glück mit der Stadt und mit der Mannschaft. Aber manche Städte sind der wahre Horror kann ich dir sagen. Es schneit permanent, du kannst nicht raus. Ich habe eine Menge schlechte Sachen von meinen amerikanischen Kollegen gehört in anderen Städten. Aber nochmals: Ich hatte Glück mit allem und kann damit nur gute Sachen über Finnland sagen.
 
Die Halle, wo du gespielt hattest, hat Platz für über 7000 Zuschauer. Nur einige Hallen in Deutschland haben eine ähnliche oder größere Kapazität. Ist es nicht ungerecht?
 
Nein absolut nicht. Jeder verbindet mit Finnland mit Eishockey oder andere Wintersportarten. Aber für die Leute Basketball zu unterstützen ist ebenfalls großartig.
 
Willst du also sagen, dass Finnland eine Basketball-Nation ist?
 
Also wo ich war, haben sie uns unterstützt. Hinzu kommt der Aufschwung der finnischen Nationalmannschaft. Also haben sie nun einen Aufschwung auch hinsichtlich einer Fan-Base.
 
Eine großartige Reise. Deine geht ebenfalls weiter und zwar nach Frankreich. Bedauerst du den Schritt nach Frankreich, wenn du den europäischen Erfolg von Kataja im Nachhinein betrachtest?
 
Nein natürlich nicht. Ich bin sogar glücklich darüber, weil ich habe ihnen geholfen habe mit meiner Leistung, dass sie europäisch spielen durften. Und das gibt mir ein gutes Gefühl.
 
Dann erzähl mal nun über Frankreich bisschen.
 
Frankreich ist großartig. In meinem ersten Jahr war ich an der französischen Küste. Schöner Strand und immer schönes Wetter. Es war auf jeden Fall eine gute Erfahrung für mich.
 
Wir überspringen mal deine zweite Station in Frankreich und steigen wieder bei deiner Rückkehr in Finnland ein. 
 
Ich wollte zurück zu meiner alten Mannschaft aufgrund meiner Situation in Frankreich. Zufälligerweise verletzte sich einer der Spieler in Finnland und ich fragte den Trainer, ob ich zurück kommen kann. Und der Trainer war damit einverstanden. Und ich erhielt ebenfalls die Freigabe von meinem ehemaligen französischen Team.
 
Nur zum Verständnis: Du hattest damals den Trainer kontaktiert und es ging nicht über deine Agentur.
 
Nein, weil der Trainer und ich sind gute Freunde und wir hatten häufiger Kontakt während meiner Zeit bei Saint Vallier Basket. Zudem sahen wir den gemeinsam Erfolg, welchen wir die zwei Jahre davor miteinander hatten.
 
Nun bist du in Crailsheim gelandet. Ein dritter Anlauf in der BBL. Würdest du sagen, dass alle guten Dinge drei sind. 
 
Ja vielleicht. Aber ich habe schon immer mit einer Rückkehr in die BBL geliebäugelt. Also ist es nun eine großartige Gelegenheit für mich zurück zukehren und ich bin glücklich wieder da zu sein. Denn seitdem ich 2009 die BBL verlassen habe, haben mich viele Fans aus Deutschland kontaktiert.
 
Nicht nur du bist in der BBL gelandet sondern dein Mitspieler Mike Morrison. Hast du schon mit ihm darüber geredet?
 
Klar hab ich mit Mike geredet. Er und seine Frankfurter haben bislang ja ein recht gute Pre-Season hinter sich. Und selbstverständlich freue ich mich für ihn.
 
Du hattest vorhin gemeint, dass dich viele Fans kontaktiert haben. Aber welche Erfahrungen oder Erinnerungen hast du noch zur BBL?
 
(überlegt kurz) Hatte vor meiner Ankunft noch Kontakt mit diversen Trainer in der BBL, aber auch kenne ich noch ein paar Spieler. Aber insgesamt auch das Land Deutschland, denn Deutschland ist ein sehr schönes Land.
 
 
Würdest du nun sagen, dass Crailsheim für dich der nächste Schritt ist?
 
Ich habe noch keine Ahnung ehrlich gesagt. Ich denke im Moment von Tag zu Tag. Ich bin nun älter geworden und ich habe keine Probleme mich an Systeme am Anfang der Saison zu gewöhnen wie als ich noch jünger war. Ich versuche viel mehr mit meiner Leistung meiner Mannschaft jeden Tag zu helfen.
 
Was können wir nun von Jared Newson diese Saison erwarten?
 
Natürlich noch den gleichen Spieler, aber geerdeter. Aber auch Spielintelligenter, aber primär ein Sprachführer. Ich analysiere gern meine Mitspieler und sage ihnen auch gerne meine Meinung zum Spiel. Also in Summe werden die Leute mich in einer neuen Rolle sehen.
 
Also keine spektakulären Dunks mehr?
 
(lacht) Nein, natürlich wird es die weiterhin geben. Aber ich habe mein Spiel weiterentwickelt.
 
Deine Unterschrift kam ja recht spät. Woran lag das primär?
 
Eigentlich hatte ich erwartet, dass ich in die Hall-of-Fame von meiner Universität aufgenommen werde (am 25. Oktober) und habe da ständig darauf gewartet. Einige Mannschaften wollten mir diese Chance nicht gewähren, dass ich da hinfliege oder das ich erst nachdem 25. Oktober ins Mannschaftstraining einsteige und hatte deswegen auch einige Vertragsangebote abgelehnt. Aber danach hatte beschlossen, dass ich nicht bis nach Oktober warten wollte als das Angebot von Crailsheim kam, denn es hat für mich bedeutet eine einmalige Chance in die BBL zurück zukehren.
 
Crailsheim war also der einzige BBL Verein, welcher dich kontaktiert hatte aus der BBL?
 
So ist es.
 
Wo hätten Jared Newson alternativ gesehen?
 
Frankreich, Griechenland, Israel oder Argentinien. Aber ich bin froh wieder zurück in der BBL zu sein.
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