BBL

Mission Playoffs für Fischerman’s Friends

Nur noch wenige Tage verbleiben bis zum Saisonstart. Am Rhein hat das Kribbeln in den Fingern schon lange begonnen. Der #BasketsSpirit soll auch in der neuen Spielzeit in den Hallen Deutschlands versprüht werden. Bevor es dann endlich losgeht, stand für die Bonner am Wochenende des 20. und 21. September ein letztes Vorbereitungsturnier auf dem Plan. Der Kameha Cup zeigte sich vor Saisonbeginn als absoluter Härtetest, ein hochklassig besetztes Turnier mit dem FC Bayern Basketball, dem französischem Meister BCM Gravelines und dem polnischen Pendant aus Zgorzelec, Polen. BBL News, gleich zweifach vor Ort vertreten, warf einen Blick auf die Mannschaft aus der ehemaligen Bundeshauptstadt:    

 

Erneut, erneut gegen Oldenburg. Erneut scheiterten die Baskets aus Bonn in der ersten Runde der Playoffs gegen die EWE Baskets und erneut im entscheidenden fünften Spiel. Ein Team, das von seinen Fans für den aufopferungsvollen Kampf gefeiert wurde, in dem die sportliche Leitung um Michael Wichterich am liebsten jeden Spieler mit einem neuen Vertrag ausgestattet hätte. Dass es einige Akteure nicht auf dem Hardtberg halten würde, war aber bereits zu ahnen. Trotzdem konnte ein Großteil des Kaders gehalten werden, dazu  einige vielversprechende Spieler nach Bonn geholt werden. Der Lenker und Denker im Bonner Spiel konnte der weilen auf dem Hardtberg gehalten werden. Eugene „Geno“ Lawrence, Kopf des Bonner Spiels, verlängerte im Sommer für ein weiteres Jahr, nachdem er in der letzten Saison den überragenden Jared Jordan ersetzte. Der Point Guard aus Brooklyn ist mit 105 kg auf 1,84m verteilt wohl der körperlich dominanteste Spielmacher der Liga. Mit zehn Punkten und sechs Vorlagen konnte er nach ersten Eingewöhnungsschwierigkeiten dem Team in entscheidenden Phasen weiterhelfen. Zum einen trifft er den Dreier mit 38%, was zwar nicht überragendend ist, die Verteidiger dennoch zwingt, ihn an der magischen Linie zu verteidigen. Das eröffnet ihm Zugang zu einer der eigentlichen Stärken, dem Zug zum Korb. Den mit seinem bulligen Körper kann er sich auch im Duell mit großen Spielern am Korb durchsetzen. Bereits im Rahmen der Vorbereitung ließ Lawrence verlauten, zu einem der besten Passgeber der Liga werden zu wollen. Das Potenzial dafür besitzt er sicherlich, denn ähnlich wie Jordan ist Lawrence ein Pass-first Point Guard, stets auf der Suche nach ungedeckten Mitspielern.  

 

Als Backup oder für die zwei Pointguard-Variante verpflichtete die Bonner Führungsetage Mickey McConnell, der zuletzt in der Summerleague für die Bobcats und in der NBA D-League für die Texas Legends(das Team der Dallas Mavericks) unterwegs war. McConnell, der auch eine Karriere im Baseball hätte hinlegen können(wurde im MLB Draft in der neunten Runde gezogen), zeichnete sich in den ersten Auftritten im Bonner Trikot besonders durch seine Spielintelligenz aus. Im Gegensatz zu Lawrence bringt er insgesamt 20kg weniger auf die Waage und ist dementsprechend besonders in der Verteidigung meist körperlich unterlegen. Verglichen mit allen anderen Neuverpflichtungen bringt er in der Offensive auf seiner Position wohl die stärkste Verbesserung im Vergleich zur letzten Saison.   Dass der Kapitän weiterhin an Bord bleibt, war schon vorher vertraglich abgesiegelt. Mit dem Litauer Benas Vaikalas kann das Coaches Team um Mathias Fischer und Carsten Pohl auf einen ausgezeichneten Schützen zugreifen. Der Shooting Guard und Small Forward schießt aus den Blöcken heraus, hat sich mittlerweile aber auch einen aggressiven Zug zum Korb und den Wurf aus dem Dribbling erarbeitet.

 

Für Trainer Mathias Fischer geht es der weilen in die zweite Saison. Unterstützt vom Bonner Urgestein Carsten Pohl kletterte das Team auf den fünften Platz der Abschlusstabelle-die beste Platzierung seit 2010.Das Konzept von Headcoach Fischer steht und fällt mit der Defensive. Besonders die körperlichen Guards Lawrence und Mangold sollen extremen Druck auf den Ball bringen. Das teilweise sehr aggressive verteidigen des Pick&Rolls kostet den Baskets dafür einige Switches. Zugegeben: Caloiaro kann Guards Verteidigen und Lawrence einem Big Men im Post Widerstand leisten, Mädrich kann allenfalls absinken und den Drive verhindern. Bereits in der letzten Saison ging Mathias Fischer dazu über,  das Pick&Roll gewollt zu switchen, was bei der kleinen Aufstellung aus dem letzten Jahr teilweise Erfolg hatte.   Die kleine Aufstellung fordert aber noch einen weiteren Preis: Ist der Center, wahlweise Klimavicius oder Mädrich, ins Pick&Roll verwickelt, bleibt unter dem Korb kein Verteidiger, der den Korb adäquat schützen kann, deshalb muss die Hilfe von der Weakside schon sehr früh kommen, um den zum Korb rollenden Spieler aufzunehmen. Außerdem bot eine aggressive Deny-Verteidigung der Offensive des polnischen Meisters viele Optionen über Backdoorcuts.   In einigen Passagen des Finalspiels machte sich Coach Fischer das europäische Regelwerk zu Nutze und packe die 2-3 Zone aus. Die Bayern stellten sich erst spät auf die Zone ein, nutzten dann aber besonders die Schwächen des Systems in den Ecken. Eine erfolgreiche Verteidigung ist natürlich nichts Wert ohne den anschließenden Rebound. Daran mangelte es in der letzten Spielzeit teilweise aber gewaltig und kostete den Rheinländern einige Siege. Besonders die Verpflichtung von Klimavicius, einem reboundstarken Litauer, soll dieses Problem beheben. Auch Caloiaro sammelte in der vergangenen Saison knapp sieben Bretter.

 

Oft lag das Problem aber weniger am Personal, sondern daran, dass man als Team schlampig ausboxte und so Fischer in den Pressekonferenzen zu leichten Wutreden brachte- besonders während der Serie an verlorenen Heimspielen zu Beginn des neuen Kalenderjahres. Doch das soll-laut Fischer- in der neuen Saison besser werden. Häufig verlor das Team in der Defensive dann die Konzentration, wenn man in der Offensive ohne Erfolg blieb. Spitzenwerte in den Reboundwerten sollten dennoch nicht erwartet werden, das ist eben der Preis einer vergleichsweise kleinen Aufstellung.  Erste Erfolge zeigten sich im Halbfinale, in dem das Team das Reboundduell knapp für sich entscheiden konnte. Sieben Rebounds weniger sammelte man hingegen im Finale gegen die deutsche Konkurrenz. Nachdem der Rebound in den eigenen Reihen gesichert ist, geht es im höchsten Gang nach vorne, obwohl der höchste Gang rein technisch gesehen, für die Beschleunigung nicht der beste ist. Die Zusammenstellung des neuen Kaders wurde in den Medien oft mit der Phrase „weniger Athletik, aber mehr Erfahrung“ kommentiert. Dies bestätigte auch Stretch Forward Steve Wachalski im Interview mit BBL News: „Ich glaube auch, dass die Athletik nicht mehr ganz so stark vertreten ist wie in der letzten Spielzeit, aber die Erfahrung ist definitiv dazu gekommen. Tadas hat bereits Euroleague gespielt und ist in Litauen zuletzt viermal in Serie Meister mit Kaunas geworden. Das spricht natürlich für sich.“ Center Jamel McLean(Alba Berlin) und Tony Gaffney(Hapoel Jerusalem) ließen ihre Gegenspieler im Fastbreak meist schleunigst hinter sich. Klimavicius und Mädrich wirken hingegen sehr behäbig auf dem Weg Richtung des anderen Ende des Parketts. In Angelo Caloiaro(25) konnte der Abgang Gaffney’s jedoch stark ersetzt werden. Der effektivste Spieler der vergangenen Saison zeigte in den bisherigen Tests u.a. gegen Hagen und Crailsheim seine Vielseitigkeit und scheint immer an der richtigen Stelle zu stehen. Ebenso wie sein Vorgänger befindet sich der Halb-Italiener im Fastbreak schnell in der gegnerischen Hälfte, wo er die Wahl zwischen dem Zug zum Korb oder dem Spotup am Perimter hat, seine Skills erlauben ihm beides. Der dünne Körperbau des 2,03 m großen Forwards machte ihm in der Defensive gegen die bulligen Spieler aus Zgorzelec zu schaffen, die den 102 kg Mann aus dem Weg drücken konnten.

 

Die Wurfauswahl von Angelo Caloiaro im Finale gegen den FC Bayern Basketball: Schwarz markierte Kreise zeigen die Treffer. Dazu sieben Rebounds und vier Vorlagen. Die übrige Besetzung des Frontcourts(Caloiaro, Wachalski) zieht im Fastbreak ein deutlich höheres Tempo an. Ist die erste Fastbreak Option genommen, dienen entweder Klimavicius(der auch auf Power Forward spielen kann) und Dirk Mädrich Trailer, die beide den offenen Dreier treffen können, als zweite Waffe. Der 30- Jährige deutsche Center ging in der letzten Saison für Rasta Vechta auf Punktejagd und wurde für seine Leistungen mit der Wahl zum Allstar entlohnt. Sowohl von der Dreierlinie(knapp 40% 3PFG), aber auch im Post kann der seinen 112 kg schweren Körper gewinnbringen einsetzten. In der Teamrotation wird er wohl als Backup von Klimavicius an den Start gehen. Bleibt der Fastbreak ohne Erfolg, zeigt sich ein zweites Konzept. Bei der Auswahl der Neuzugänge achtete die sportliche Leitung anscheinenden besonders auf eine Fähigkeit, den Wurf aus der Distanz.

„Ich weiß nicht was sie sich gedacht haben, als sie das Team zusammengestellt haben, aber wir haben in jeder Situation mindestens vier Spieler auf dem Feld, die aus der Distantz treffen können“ – Mickey McConnell

Das öffnet für die Spieler am Perimeter Räume unterm Korb, die mit einem schnellen Crossover attackiert werden können. Außerdem kann so genügen Platz für Tadas Klimavicius unter dem Korb geschaffen werden. Der 31- Jährige besitzt ein starkes Post-Spiel und kann sich unter dem Korb im eins gegen eins behaupten. Schon früh in der Vorbereitung zeigte sich, dass Team kann den Ball schnell und zielsicher bewegen. Auch dank des Spacings kann die Verteidigung schnell in tiefe Rotationen verwickelt werden. Erst wenige Wochen nachdem das Team komplett zusammen trainieren konnte, spielte das Team im Finale des Rhein-Main-Cups gegen die Crailsheim Merlins 26 Assists bei 27 erfolgreichen Abschlüssen.   Das Playbook blieb dabei zu großen Teilen bestehen, nur einige wenige Kapitel musste Coach Fischer für die Neuen umschreiben.   Besonders aus dem Horns Set heraus, möchte Coach Fischer für Caloiaro Abschlüsse kreieren. Die Stärken im Ballhandling und Distanzwurf, die ihn von vielen anderen Power Forwards der Liga abheben, sollen in dementsprechenden Sets zum eigenen Vorteil genutzt werden:

Die charakteristische Horns Aufstellung: Ein Guard mit dem Ball zentral im Backcourt, zwei Schützen in den Ecken und Coloiaro zusammen mit dem Center am Highpost. Der Ball wandert zu Coloiaro, der Aufbauspieler wandert auf die Weakside. Jetzt stellt der zweite Big Men am Highpost einen Block für den ballführenden Power Forward. In dieser Situation kann der Power Forward seine Wendigkeit und Ballhandling einsetzten. Der Zug zum Korb oder der Mitteldistanzwurf bieten sich als sinnvolle Möglichkeiten für ihn an. Wird dies von der Verteidigung erfolgreich genommen, bleibt der Handoff für den Guard in der Ecke die zweite Option.

 

Bereits im letzten Jahr sahen die Fans im Telekom Dome diese Variante, meist mit Steve Wachalski und Jamel McLean als Hauptdarsteller. Heute stehen Angelo Coloiaro und Tadas Klimavicius(oder sein Ersatz Dirk Mädrich) als Akteure auf dem Feld. Aus der klassischen Aufstellung geht es direkt ins doppelte Pick&Roll. Der Point Guard(Lawrence) sucht sich eine Seite aus, versucht aber weniger den Korb anzugreifen. Sein Blocksteller, hier Caloiaro, nutzt darauf einen Flare Screen des zweiten Big Men und positioniert sich an der Dreierlinie. Nimmt die Verteidigung diese Option , läuft Lawrence mit dem Center ein zweites Pick&Roll.

Für die neue Saison sieht man sich in Bonn also bestens gewappnet. Die Neuzugänge sind allesamt sichere Einkäufe, von denen man gute Leistungen erwarten kann. Einzig Center Klimavicius ist bisher die Unbekannte. Den Litauer zwang über weite Strecken der Vorbereitung eine Aduktorenverletzung zu nur leichten Laufeinheiten und vielen Ruhepausen, weshalb in diesem Artikel vermehrt sein Vertreter Dirk Mädrich in den Fokus gerückt wurde. Die bisherigen Leistungen haben bisher viele positive Eindrücke hinterlassen. Allen voran Angelo Caloiaro zeigte an beiden Turniertagen seine Scorerfähigkeiten und erzielte im Halbfinale gegen den polnischen Meister aus Zgorzelec(in der Nähe von Görlitz) 21 Punkte bei einer Trefferquote aus von 100% aus dem zwei-Punktebereich und zog 13 Freiwürfe. Zum besten Werfer im Halbfinale avancierte sich mit einem Punkt mehr Benas Vaikalas, der aus der Zwei- und Dreipunktedistanz jeweils 3/6 Würfe treffen konnte. Nichts desto trotz wirkte das Team im Angriff im ersten Viertel gegen die polnische Defensive teils sehr planlos und konnte sich nur durch Freiwürfe im Spiel halten.    

 

In das Finale startete Bonn mit einem Treffsicheren Angelo Caloiaro, der in sechs Minuten acht Punkte erzielte und den Baskets die 28:19 Viertelführung verschaffte. Das Momentum verschob sich zu Beginn des zweiten Viertel auf die Seite der Bayern. Erst sieben Minuten im Viertel gelang Steve Wachalski per Dreier die ersten Bonner Punkte. München suchte verstärkt ihre starken Inside-Spieler, die die ihre körperlichen Vorteile ausspielten. Die sechs Turnover im zweiten Viertel(im ersten nur einer) brachten den Bayern dann ihren beeindruckenden 23:0 Run ein. Häufig ging der Ball nach unüberlegten Pässen aus dem Sprung heraus verloren und mündete in Fastbreak. Nach einem ausgeglichenen dritten Viertel, ging es dann mit einer 12 Punkte Führung der Bayern ins letzte Viertel. In der Crunchtime stellte Fischer Lawrence, Mangold, Vaikalas, Coloiaro und Wachalski aufs Feld, auch weil Dirk Mädrich mit vier Fouls belastet war. In dieser entscheidenden Phase setzten besonders Benas Vaikalas, Eugene Lawrence und Angelo Caloiaro die Impulse auf Bonner Seite. Nichts desto trotz war es am Ende Bryce Taylor, der den Kameha Cup in die Höhe streckte, nachdem sein Team die Führung über die Zeit bringen konnte.        

  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  

Melde dich an, um einen Kommentar zu schreiben