BBL, Interview

Exit Interview: Steve Wachalski

Nach dem, aus Bonner Sicht, enttäuschendem Aus im fünften Spiel im Playoff-Viertelfinale gegen ratiopharm ulm spricht der Bonner Steve Wachalski über taktische Anpassungen, den Wurf von draußen und Veteranen…  

Saison in Zahlen für Steve Wachalski:

39 Spiele-6,3 Punkte pro Partie-40,9% 3P%-2,4 Rebounds- 18/30 Dreier vom linken Flügel und Ecke

Führt die Liga in Corner Threes aus der „left corner“ an (7/11)  

Viele haben sich im Nachhinein gewundert, dass ihr den Ulmer Center Ian Vougioukas im Post nicht gedoppelt habt. War das vorher festgelegt, dass ihr mehr Wert auf die gefährlichen Ulmer Schützen am Perimeter legt?

Stimmt, wir haben zu Beginn den Plan gehabt, den Dreier wegzunehmen. Ulm hat von dort immense Qualitäten. Wir hatten auch nicht auf der Rechnung, dass er uns so viele Punkte einschenken würde. In Spiel vier haben wir entschieden ihn nicht zu doppeln, weil sich sonst zu viele Möglichkeiten ergeben und die Rotationen nicht funktioniert haben. Dann wollten wir ihn im eins gegen eins stoppen.

„Das Problem ist, dass er größer als unsere Fünfer ist“

Eugene, Geno, Lawrence auf Nachfrage in der Pressekonferenz nach Spiel fünf

Gibt es nicht trotzdem, die Möglichkeit clever zu rotieren, also nicht einen Pass entfernt zu helfen, und die Hilfe von der Weakside zu bringen? Es gab eine, für mich symbolische Szene, als Lawrence nur wenig hilft, einen Pass entfernt, und Vougioukas in Klobucar seinen Gegenspieler bedient, der den Dreier versenkt.

In der Serie hatten wir zwischenzeitlich den Plan, dass der Vierer doppelt. Das haben wir zwei, drei Male im Training geübt. Im Spiel müssen dann die Rotationen stimmen. Bei uns hat das nicht geklappt, dass wir den Plan recht schnell wieder über den Haufen geworfen haben.

Besonders unter den Körben haben die Schiedsrichter häufig viel zugelassen. Einverstanden mit der Linie de „Refs“?

Es war ein Mix. Wir wollten von Beginn an mit Härte in der Verteidigung spielen. Unsere Big-Men haben dementsprechend auch viele Fouls bekommen. Ein wenig mehr musst du in den Playoffs dann schon erlauben. Es war häufig keine richtige Linie zu erkennen, manchmal wurden wir dann „gehackt“ und es folgte kein Pfiff.

Auf beiden Seiten haben mit Klimavicius und Vougioukas zwei Veteranen aus der Euroleague stellenweise die Serie dominiert…

Dass beide Euroleague gespielt haben, sagt schon sehr viel aus. Mit ihrer Erfahrung machen beide viel aus. Vougioukas hat in der regulären Saison acht, neun Punkte pro Spiel erzielt, jetzt in den Playoffs waren es ca. 15, 17 Zähler. In den wichtigen Momenten sind sie da und können Spiele entscheiden.

Ihr habt die Hauptrunde auf Platz vier beendet, seid jetzt trotzdem erneut wieder in der ersten Runde der Playoffs ausgeschieden. Wie fällt dein Saisonfazit aus?

Es ist natürlich frustrierend, auch weil wir gegen Ulm gute Chancen auf das Weiterkommen hatten. Wären wir gegen eine der großen Mannschaften rausgeflogen, wäre das so gewesen. Gegen Ulm konnten wir aber unser Potenzial aus der regulären Saison nicht abrufen. Da war mehr drin!

Vor den Playoffs geht in der Medienlandschaft der Begriff „adjustments“ fast inflationär umher. Im Nachhinein kannst du sicher verraten, was ihr geändert habt.

Wir wollten an unseren Stärken festhalten. Deshalb gab es bis auf ein, zwei neue Setplays und ein paar neue Variationen in der Verteidigung kaum Änderungen. Auf der anderen Seite hat Ulm unter anderem mit verschiedenen Startern mehr variiert. Im Nachhinein lässt sich vielleicht sagen, dass wir etwas mehr hätten tüfteln sollen, aber das wäre jetzt zu einfach gesagt. Offensiv haben wir gut funktioniert, in der Defensive lagen tendenziell eher die Probleme.  

Über die Saison hinweg kamen 55% deiner Würfe von jenseits der Drei-Punkte-Linie. Zu Beginn der Saison hast du grandiose 50% davon versenkt, mittlerweile sind die Quoten abgesunken auf 38% und auch in den Playoffs fand insgesamt nur einer von sechs Versuchen sein Ziel. Glück? Karma? Oder warum konntest du den Spalding nicht im Korb versenken?

Das stimmt. Ich hab in den Playoffs nie meinen Rhythmus gefunden. Ich hatte mir deutlich mehr als die sieben, acht Dreier erhofft. Wir wollten viel aus dem Pick&Roll heraus agieren und den Ball unter den Korb bringen. Oft hat dann aber der extra-Pass gefehlt, dass wir den ganz freien Schützen nicht gefunden haben. Wir konnten Ulm in der Verteidigung nur schwer stoppen, also brauchten wir einen guten Tag in der Offensive. Oft haben wir den Rhythmus aber nicht gefunden und sind zu sehr ins Eins-gegen-Eins abgedriftet. Obwohl wir gute Spieler für solche Situationen haben, sind wir zu oft mit diesem Muster in der Offensive zu Werke gegangen. Wenn wir dann merken, dass sie keinen guten Tag haben, müssen wir das als Kollektiv abfangen.

Als Beispiel fällt mir spontan das letzte Viertel im ersten Spiel ein: Ryan hat die letzten zehn Minuten durchgespielt, ihr habt viel aus dem Pick&Roll kreiert aber abseits des Balls gab es nur wenig Bewegung…

…auf jeden Fall. Ulm hat in der Verteidigung gut reagiert, wir haben uns zu sehr auf das Eins-gegen-Eins verlassen und mussten am Ende mit vielen schweren Würfen leben. Am Ende hätten wir das Spiel trotz des Ulmer Runs gewinnen müssen.  Auch der Dreier von Günther und der Ulmer Run hatten einen Anteil daran. Er ist ein Spieler, der immer so einen Wurf raushauen kann

Trotzdem hattet ihr Günther in den ersten Spielen recht gut unter Kontrolle, auch mit der Hedge-Verteidigung gegen ihn…

Wir hatten uns zu Beginn der Serie auf Per Günther und Clyburn konzentriert und wollten beide aus dem Spiel nehmen. Wir wollten Per im Pick&Roll mit der Hedge-Defense und einem ab und zu eingestreuten Doppeln unter Druck setzen. Dadurch haben wir aber auch einfache Pässe in den Low-Post zugelassen. Per ist kein schlechter Spieler, er findet meist den richtigen Pass und kann mit etwas Platz den Dreier setzen, das hat es schwer gemacht ihn zu verteidigen.    

Wir bedanken uns bei Steve Wachalski für das Interview und wünschen ihm einen erholsamen Sommer.

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