Draft

Surprise, surprise!

Es gibt wohl kaum eine Sportart, die mehr von Überraschungen geprägt ist, als der College Basketball. Jahr um Jahr werden in vielen Previews Teams abgeschrieben und zu Geheimfavoriten erklärt. Doch spätestens seit der letzten March Madness sollten wir uns alle auf noch mehr Überraschungen vorbereiten, denn auch wenn (fast) alle Experten, wie auch wir, auf einen Durchmarsch der Favoriten setzen, haben sich einige Teams überraschend positiv gezeigt und bis hierhin konstant gute Leistungen abgerufen, die so nicht erwartet worden sind. Welche Teams haben uns am meisten überrascht und wem trauen wir auch wirklich einen bedeutenden Run im März zu?

Indiana Hoosiers

Wenn es in diesem Jahr um Überraschungsteams geht, kommen wir an den Indiana Hoosiers wohl nicht vorbei. Nach wenig Erfolgen in den letzten Jahren haben die Hoosiers die wohl besten Referenzen im Land vorzuweisen, einen Sieg gegen die #1 (damals noch Kentucky) und die #2 (Ohio State). Dies gelang noch nie in der gesamten Geschichte der Universität! Head Coach Tom Crean gehört berechtigterweise zu den Favoriten auf den Coach of the Year-Award, denn der 45-Jährige hatte maßgeblichen Einfluss auf die grundpositive Entwicklung.

Bei den Spielern sticht vor allem Freshman-Star Cody Zeller, jüngerer Bruder von UNC-Center Tyler, heraus. In seinem ersten Jahr am College spielt der Big Man enorm clever und zeigt, was den Hoosiers in den letzten Jahren gefehlt hat. Als Freshman sein Team sowohl bei den Punkten (14.5), als auch den Rebounds (6.5) anzuführen, ist beeindruckend.

Neben dem Pivoten konnten sich insbesondere Forward Christian Watford, der den Game-Winner gegen Kentucky traf, Point Guard Jordan Hulls und Shooting Guard Victor Oladipo verbessern. Gerade die Stärke im Scoring (9. Platz mit 82.0 PPG) hat es den Hoosiers ermöglicht, bis zur Niederlage gegen Michigan State ungeschlagen zu bleiben. Die Firepower von Außen ist durch Hulls, Watford und den von der Bank kommenden Will Sheehey gegeben. In der Zone spielt Zeller konstant auf einem hohen Niveau und vom Perimeter aus kann Victor Oladipo mit seiner Athletik aggressiv zum Korb ziehen und auf Ringniveau abschließen.

Die überzeugenden Siege gegen Kentucky und Ohio State wurden aber in der heimischen Assembly Hall errungen. Ob sie dies auch auswärts oder auf neutralem Boden geschafft hätten, ist nicht sicher. Dementsprechend sollte man Indiana noch lange nicht als Contender ansehen. Ein Top 10-Kandidat sind die Hoosiers aber auf jeden Fall und nach mehr Spielen in der eigenen Conference dürften auch genauere Prognosen für den März getroffen werden können.

Michigan State Spartans

Nur ein Team konnte Indiana in diesem Jahr bezwingen, die Michigan State Spartans. Nach einer desaströsen Saison 2010/11 wurde Tom Izzos Team praktisch nichts zugetraut und nun gelten die Spartans neben Ohio State und Indiana als Favorit auf den Titel in der Big Ten-Conference. Neben Forward Draymond Green, der das Team mit 15.6 Punkten und 9.8 Rebounds in beiden Kategorien anführt, ist Guard Keith Appling hauptverantwortlich für die Entwicklung. Der Sophomore konnte seine Ausbeute bei den Punkten (12.5) und Assists (3.6) fast verdoppeln. In engen Spielen wie gegen Wisconsin nimmt er am Ende des Spiels das Heft in die Hand und zeigt seine ganze Klasse. Neben den beiden Hauptakteuren dürfte vor allem die starke und dominante Big Man-Rotation, sowie das dadurch resultierende Rebound-Verhalten entscheidend für den Auftrieb sein.

Die Spartans holen zehn Rebounds pro Spiel mehr als ihre Gegner und sind auf dem neunten Platz in Rebounds pro Spiel in der gesamten Nation. Die Niederlagen gegen North Carolina und Duke kamen beide zu Beginn der Saison und haben längst keinen Einfluss mehr auf das Auftreten der Spartans. Sie sind nunmehr seit 14 Spielen ungeschlagen! Ob sich das Team auch im März berechtigte Hoffnungen auf einen tiefen Run machen darf, ist aber zu bezweifeln. Dazu fehlt gegenüber den absoluten Contendern einfach die Star-Power. Kämpferisch und physisch gehören die Spartans aber zur Elite und sollten nicht unterschätzt werden.

Georgetown Hoyas

Dass ein Top-Programm wie das der Hoyas vor der Saison auf Platz zwölf der Big East (!) gesehen wird, ist schockierend. Doch das Team von Erfolgscoach John Thompson III. hat sich neu formiert und bewiesen, dass mit ihm zu rechnen ist. Es ist schon leicht ironisch, dass die Hoyas mittlerweile an Nummer neun stehen. Aber nein, nicht in der Big East, sondern in der AP Top 25 der gesamten Nation!

Das anfängliche Misstrauen gegenüber diesem Team ist allerdings auch nur schwer nachzuvollziehen, denn obwohl mit Austin Freeman der Topscorer ging, blieben zum Beispiel Jason Clark und Hollis Thompson weiterhin im Team. Sie gehören beide zur absoluten Elite und haben in den vergangenen Wochen gezeigt, dass sie ihr Team zum Erfolg führen können. Clark führt das Team mit 15.5 Punkten pro Spiel an. Thompson ist mit 14.3 Zählern und 5.5 Brettern im Schnitt zweitbester Scorer und Rebounder im Team. Überraschend ist, dass Center Henry Sims (11.9 PPG) die meisten Assists (3.9) im Team verteilt. Mit 2 Assists folgt mit Nate Lubick sogar ein weiterer Big Man. Dies zeigt, dass sich die Guards bzw. Flügel auf das Scoring konzentrieren. Neben Clark und Thomspon ist mit Markel Starks noch ein weiterer gefährlicher Distanzschütze im Team.

Was das Team aber endgültig zu einem Favoriten in der Big East macht, ist Freshman Otto Porter. Mit 8.2 Punkten und 6.8 Rebounds legt der Forward gleich in seiner ersten Spielzeit enorm gute Zahlen auf und bringt Energie von der Bank. Vor allem bei dem wichtigen Sieg in Louisville überzeugte Porter mit einem Double-Double (14 Punkte und 14 Rebounds). Georgetown ist ein Team, das so gut wie jedes Team schlagen kann, weil sie durch die gefährlichen Schützen an guten Tagen nur sehr schwer zu stoppen sind. Auch die Tatsache, dass man auswärts in Louisville und bei den Crimson Tide aus Alabama gewinnt, deutet auf ein erhöhtes Potential für einen guten Auftritt im März hin.

Weitere Überraschungen

Nach diesen drei Teams, welche wirklich eine gute Chance haben, konstant im Bereich der Top 10 zu agieren, stechen noch einige andere Teams heraus. Da wären zum einen die UNLV Rebels zu nennen, die durch ihren Heimsieg gegen North Carlina Ende November auf sich aufmerksam machen konnten und nun an Nummer 17 gesetzt sind. Mit nur zwei Niederlagen steht man bis heute noch sehr gut da und kann sich berechtigte Hoffnungen auf den Gewinn der Mountain West Conference machen. Mit ihrem begeisternden Uptempo-Basketball versuchen die Jungs von Head Coach Dave Rice ihre Spitzenposition vor den Teams aus New Mexico und San Diego State zu behaupten, welche ebenfalls eine überzeugende Saison spielen und trotz des Abgangs von Kawhi Leonard an Nummer 25 gesetzt sind.

Außerdem sollten die Universitäten aus Harvard, die erst ein einziges Mal im März dabei waren, und von der Murray State, die mit 16 Siegen bei null Niederlagen noch immer ungeschlagen sind, genannt werden. Beide spielen eine hervorragende Saison, sollten im NCAA Tournament aber wohl keine größere Rolle spielen dürfen.

Fazit

Ob sich eines der erstgenannten Programme eventuell sogar Hoffnungen auf ein Final Four oder Elite Eight machen darf, ist fraglich. Dennoch sollte man bei den vermeintlichen Contendern wie Kentucky, North Carolina oder Ohio State gewarnt sein, dass hinter der zweiten Garde aus Florida, Baylor und Duke noch weitere potente Mannschaften warten und auf keinen Fall unterschätzt werden dürfen. Die letzten Jahre haben uns gezeigt, dass wir mit allem rechnen müssen und wieso können uns diese Teams nicht noch einmal überraschen?

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