Draft, Off-Court

Von der Big East zur ACC

Ein Wechsel zweier Universitäten in eine andere Conference. Auf den ersten Blick keine große Sache, sollte man meinen. Doch wenn diese Universitäten die Namen Syracuse und Pittsburgh tragen, wird über ganz andere Kollateralschäden geredet. Nicht, dass dies die ersten Wechsel im Jahr 2011 wären, doch nun holt uns die Debatte über die Hintergründe, Vergangenheit und Zukunft dieser Entwicklung ein und den richtigen Durchblick haben dabei nur die wenigsten. Go-to-Guys versuchte bereits, die Geschehnisse zu erklären und einen genaueren Einblick in die Hintergründe des Universitätssports in den Staaten zu geben. Nun soll ein ausführlicherer Blick auf das Verhältnis zwischen ACC und Big East folgen.

Die Anfänge

Um die Hintergründe genauer zu verstehen, müssen wir zurück in die frühen 50er Jahre. 1953 wurde in Greensboro, North Carolina die Atlantic Coast Conference gegründet. College Football stand zu Beginn im Fokus, trotz alledem starteten die acht Universitäten insgesamt in 25 verschiedenen Sportarten. Mit der Zeit wuchs die Conference dann noch um fünf weitere Programme während South Carolina 1971 austrat, um unabhängig fungieren zu können. Sportlich entwickelte sich die Conference prächtig und 1957 gewann North Carolina dann auch die erste nationale Meisterschaft im Basketball. In den folgenden Jahren entwickelte sich eine homogene Basketballkultur, die neben dem Football eine mehr als herausragende Rolle spielte. Bis heute gewannen die Teams der ACC 12 NCAA Championships, fünf davon alleine gingen an die Tar Heels aus Raleigh.

1979, deutlich nach Gründung der ACC, trafen sich Verantwortliche einiger Universitäten, darunter Georgetown und Syracuse, um eine neue Conference ins Leben zu rufen, die Big East Conference. In den folgenden Jahren traten noch weitere Colleges ein, darunter die University of Pittsburgh. Entgegen der Dominanz des Footballs sollte es hier primär um Basketball gehen. Ab 1990 sollte dann der Weg zu einer Power Conference eingeschlagen werden, wobei der Weg nicht am NCAA Football vorbeiführte.

Der Beginn einer neuen Ära

13 Jahre später sollten die ersten relevanten Veränderungen die Welt des College Basketballs verändern. Boston College, Miami und Virginia Tech, Football-orientierte Schulen, kehrten der Big East den Rücken gen Football-Powerhouse Atlantic Coast Conference. Im Gegenzug gelangten fünf Conference USA-Unis in die Big East und unterstützten den Fortschritt zur besten Basketball-Conference der Division-I. Es gelang die perfekte Kombination aus Football und Basketball. In beiden Sportarten dominierend begann die Blütezeit der vermeintlich jungen Conference.
Doch nachdem vergangenes Jahr immer wieder betont wurde, wie stark diese Liga doch sei, scheinen diese Tage gezählt. Mit Pittsburgh und Syracuse treten zwei absolute Zugpferde den Wechsel in die ACC an und das Ende ist noch lange nicht erreicht. Der amtierende NCAA Champion Connecticut, Rutgers und Notre Dame gelten ebenfalls als Schulen mit Abwanderungsgedanken. Des Weiteren unterhält man sich über einen Transfer der Texas Longhorns. Eine Entwicklung, die sämtliche Hierarchien und Strukturen des College-Sports verändert. Duke Blue Devils Head Coach Mike Krzyzewski formulierte es gegenüber ESPN sehr passend:

“The NBA had the ABA. The NFL had the AFL. There was once no BCS. The NIT was once better than the NCAA (tournament). When it happens while you’re doing it, it seems like it shouldn’t happen, but it is.“

Dabei kommen einige Fragen auf, die auf den ersten Blick nur schwer beantwortet werden können. Warum finden diese Transfers gerade jetzt statt? Inwiefern profitieren die Colleges und die Conferences davon? Welchen Einfluss hat Football darauf? Alles Fragen, auf die Antworten gefunden werden müssen.

Auch wenn es schwer fällt, ist wohl allen klar, dass der sportliche Aspekt nicht im Fokus steht. Obwohl es vermeintlich NUR Universitätssport ist, fließen jedes Jahr etliche Millionen aufgrund von TV-Verträgen. Um die Größenordnungen genauer darzustellen, in denen wir uns hier befinden, gilt es den 2010 abgeschlossenen Vertrag zwischen der NCAA und CBS/Turner Sports für die March Madness zu begutachten: Der Vertrag läuft über 14 Jahre und die Sender zahlen satte 11 Milliarden Dollar, um das Produkt senden zu dürfen. Eine unvorstellbare Summe. Nun ist es aber viel wichtiger, die Verträge der einzelnen Conferences zu vergleichen. Im Mai 2010 verkündete die ACC, dass mit dem neuen, abgeschlossenen Vertrag ein Meilenstein errungen wurde. Die Rechte an 12 Jahren ACC-Basketball und -Football wurden für 1.86 Milliarden Dollar verkauft. Das macht einen Schnitt von 155 Millionen pro Jahr. Wenn man bedenkt, dass zuvor nur 67 Millionen pro Jahr eingenommen wurden, kann die Freude darüber besser nachvollzogen werden. Nach diesem Vorbild agierte daraufhin auch die Big East und sicherte sich einen Deal über mehrere Jahre im Wert von 460 Millionen Dollar. Doch im Vergleich fällt auf, dass man noch immer nicht zufrieden sein konnte. Nicht umsonst hieß es auf der Seite pittblather.com „Big East money improves, but still bad.“ Der rein wirtschaftliche Faktor spricht somit Bände und zeigt mit mehr als nur einem Finger auf die ACC.

Is it all about the money?

Syracuse Head Coach Jim Boeheim sagte gegenüber ESPN, dass es natürlich um Football geht und somit auch um eine Menge Geld. Doch geht es hier wirklich nur um Geld? Ein Transfer in die ACC verspricht eine Menge Tradition. Die Geschichte der einzelnen Colleges ist, wie bereits genannt, tief in der Conference verankert. Allerdings wird die Struktur, mit zwei unangefochtenen Top-Teams und einigen von Jahr zu Jahr verschieden starken Programmen, komplett über den Haufen geworfen. Die Orange und Panthers gehören zur absoluten Elite im Land und sollten sich zumindestens in Schlagweite zu Duke und UNC befinden. Sportlich gesehen bedeutet diese Entwicklung in gewisser Art und Weise eine neue Ära für die ACC.

Letztendlich muss einem trotz aller historisch traditionell wertvollen Aspekte klar werden, dass die monetären Hintergründe dominieren. Alleine der sich maximierende Transferaufwand bei Auswärtsspielen wird für die Studenten eine ganz neue Herausforderung darstellen und ist nur durch nicht-sportliche Faktoren zu erklären. Dieser Prozess sollte in Zukunft aber noch des Öfteren und viel extremer in anderen Conferences zu sehen sein.

Insbesondere für die Spieler – oder viel mehr: die Studenten – ist es jedoch wichtig, dass sie noch immer genug Zeit haben, sich ihrem laufenden Studium zu widmen. Die NCAA hat immer wieder beteuert, dass dieses über dem Sport stehen sollte, doch es scheint nun so, als ob der individuelle Akteur Opfer für das große Ganze bringen muss.

Die Verhandlungen sind allerdings noch nicht abgeschlossen. Theoretisch hat die Big East Conference noch die Chance, Pittsburgh und Syracuse vertraglich 27 Monate an sich zu binden, ein Schritt, der dieser Entwicklung noch mehr Brisanz verleihen würde. Damit ist aber nicht zu rechnen. Die Verantwortlichen um Commissioner John Marinatto werden sich in der näheren Zukunft viel mehr darauf konzentrieren, die Conference mit neuen Colleges zu füllen, was für eine bessere und stabilere Lage sorgen sollte. Als Druckmittel für die Abschlussverhandlungen sollte diese Möglichkeit aber noch nützlich sein, um noch etwas Geld herauszuschlagen.

 Fazit

Es ist offensichtlich, dass dieser Werdegang nicht reibungsfrei von statten gehen wird. Boeheim hat schon seinen Unmut über die Situation verlauten lassen und er wird sicherlich nicht der einzige bleiben. Noch ist alles in geregelten Maße zu akzeptieren, die Grenze wird jedoch bald erreicht, wenn nicht sogar überschritten sein. Dass die Wirtschaft den Sport dominiert, ist keine Momentaufnahme mehr, sondern ein Dauerzustand, den niemand jemals mehr verändern wird, doch die Menschen und der Sport dahinter können nicht einfach ignoriert werden. Jahr für Jahr den Fans, für den Sport wichtige, Rivalitäten zu entreißen und die Menschen, die uns diesen tollen Sport präsentieren, immer mehr Belastung aufzubürden, kann und darf nicht das Ziel sein.

Wir werden sehen, wie weit die Expansion der Super-Conferences noch vorangetrieben wird. Es ist sicher, dass noch lange kein Ende in Sicht ist. Was in den Köpfen der Verantwortlichen vor sich geht, wird sich erst herausstellen, wenn die nächsten weitreichenden Verkündungen anstehen. Go-to-Guys wird euch bis dahin natürlich auf dem Laufenden halten. Falls Fragen zu dem Thema aufkommen, könnt ihr diese unter dem Artikel posten oder ihr schreibt uns bei Facebook.

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