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Das große NCAA-Update – Part I

AAC, ACC, PAC-12

Circa zwei Drittel der College Basketball-Saison sind vorbei. Teamstärken lassen sich immer besser einschätzen, das Tournamentfeld formt sich langsam und erste Titelfavoriten kristallisieren sich deutlich heraus. Zeit für uns einmal unsere im Sommer mit viel Arbeit erstellten Previews herauszukramen und zu überprüfen, inwiefern wir mit dort getätigten Aussagen richtig lagen. Einige interessante Schlagzeilen wurden besprochen, knackige Kurzeinschätzungen gegeben und spannende Geschichten erzählt. Schauen wir doch einmal Liga für Liga an, wie sich die aktuelle Lage gestaltet, während sich alle Colleges derzeit in der Mitte des Conference-Plays befinden.

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AAC

Liga-Update:

Die aktuelle Lage unterscheidet sich kaum von unserer Einschätzung vor Saisonbeginn. Lediglich die Top 4-Teams haben eine etwas andere Reihenfolge eingenommen als vorher gedacht. Während Louisville und Connecticut mit einigen Problemen zu kämpfen haben, packten es Memphis und Cincinnati alles Vorgenommene umzusetzen. Tigers-Coach Josh Pastner schaffte es, seine ersten Top 25-Partien zu gewinnen, da er es endlich einmal hinbekam mehr Pferdestärken seiner talentierten Mannschaft wirklich auf das Parkett zu bringen. Cincinnati ist die erwartete One-Man-Show von Sean Kilpatrick, der klarer Favorit auf den Titel des Spieler des Jahres in der American ist. Allerdings hat Bearcats-Trainer zusätzlich eine der besten Verteidigungen des Landes aufgebaut. Diese sorgte bisher dafür, dass eine einzelne starke offensive Option reicht, um Spiele zu gewinnen.

IN*:

Cincinnati Bearcats
Louisville Cardinals
Memphis Tigers
Connecticut Huskies 

ON THE BUBBLE*:

Southern Methodist Mustangs

OUT*:

Houston Cougars
South Florida Bulls
Rutgers Scarlet Knights
Central Florida Knights
Temple Owls 

Und die Schlagzeilen?

LOUISVILLE – Können die Louisville Cardinals der erste Back-to-back-Champ seit den Florida Gators 2007 werden?

Die Frage wirkt auf den ersten Blick lächerlich. Rick Pitino ist derzeit von seinem zweiten Championship-Tattoo so weit entfernt wie seine Celtics-Team zwischen 1998 und 2001 von dem Gewinn einer Playoffrunde. Warum ist dies so?
Viele Spieler, auf die wir in unserer Preview bauten, verabschiedeten sich während dieser Saison. Kevin Ware, der nach seiner Verletzung als Rotationsspieler zurückkehren sollte, musste sich nach 9 Spielen eingestehen, dass er doch noch nicht wieder bereit ist, Basketball auf höchstem Level zu spielen. Der heimliche MVP des Champioship-Games 2013 Chane Behanan (15P/12Rb im Spiel gegen Michigan) sollte als Junior zu einem der Anführer des diesjährigen Cardinals-Teams werden und damit den Nachfolger Gorgui Diengs geben. Leider hatte der Bigman erhebliche Off-Court-Probleme. Diese führten zu Saisonbeginn zu einer internen Sperre, die ihn verspätet in die Spielzeit startet ließ und schließlich nach 12 Spielen gar zum Ende seiner persönlichen Saison. Aktuell befindet sich Behanan in einer Entzugsklinik und hat schon seine Transferpapiere eingereicht. In der kommenden Saison möchte er in dem eher ruhigeren Umfeld der Rocky Mountains für Colorado State sein Comeback feiern. Dies bedeutet natürlich eine erhebliche Schwächung für Louisville. Diese stehen nun ohne echte Post-Up-Option mehr da. Zusätzlich hat sich der neue Aufbauspieler Chris Jones seit den Conference-Games „leistungstechnisch verabschiedet“. Im AAC-Play sank der Punkteschnitt des Guards um 7 Punkte (von 11 auf 4 PpG) und seine Wurfquote um 10 Prozent (von 41 auf 31 FG%). Der Wechsel vom Junior-College in die Division I scheint doch schwieriger als gedacht zu sein. Schmerzhaft für ein Cardinals-Team, das auf ihn als Führungsspieler angewiesen wäre. Dementsprechend schlecht präsentierte man sich bisher gegen gute Teams. Alle Spiele gegen gerankte Mannschaften (Memphis, UNC, Kentucky, Cincinnati) verlor Louisville. In unserem Conference-Play Podcast mussten wir deshalb schon Anfang Januar von unserer Einschätzung Louisvilles als Titelkandidat zurückrudern.

Dennoch ist nicht alles schlecht. Die Cardinals sind trotzdem noch eines der besseren Teams der Collegewelt. So schlecht man bisher gegen gute Teams auftrat, so überzeugend spielte man bisher gegen schlechte Competition. Mit dem Bodensatz der NCAA wischten die Cardinals geradezu den Boden auf. Deswegen gewinnt Louisville seine Spiele im Durchschnitt derzeit mit rund 20 Punkten. Ligabestwert! Russ Smith hat durch den schwachen Auftritt von Chris Jones erkannt, dass sein Team ihn auch als Spielgestalter und nicht nur als reinen Scorer braucht. Der eigentlich als recht eigensinnig angesehene Senior hat seine Assistszahlen ordentlich aufpoliert (von 2,9 auf 4,8 ApG) und übernimmt neuerdings über weite Strecken des Spiels die Rolle des Aufbaus. Dahinter hat Forward Montrezl Harrell, wie von uns erwartet, den Sprung zum Star und potentiellen NBA-Firstrounder geschafft. Das Energiebündel dominiert unter den Brettern (12,4 PpG, 8,4 RpG). Zudem funktioniert das Verteidigungssystem von Coach Pitino noch immer. Man stellt laut den Advanced Metrics die zwölftbeste Verteidigung des Landes. Es gibt also auch etwas Licht neben vielen Schatten. Die Cardinals werden trotz ihrer erheblichen Schwächungen und Probleme das Tournament erreichen und auch ein, zwei Spiele im März gewinnen. Nur ein Champioship-Game wird Rick Pitino in diesem Jahr mit seinem Team nicht erreichen. (tb)

CONNECTICUT – Die Huskies nach der Postseason-Sperre

shabazznapierWir sahen die Huskies in diesem Jahr mit ihrem extrem potenten Backcourt als sehr gefährliches Team. Das waren sie bis zum Conference-Play auch. Teilweise sogar in der Top 10 gerankt, startete die Mannschaft von Coach Kevin Ollie mit neun Siegen in Serie in die Spielzeit und zeigte, dass man nach der Tournament-Pause im letzten Jahr 2014 eine gute Rolle im diesjährigen Big Dance einnehmen wollen würde. Auch wenn viele Siege während dieser Phase knapp ausfielen, konnte man dennoch gute Wins sammeln. Florida und Indiana schlagen sich in keinem Jahr selbst.

Allerdings scheint sich in der zweiten Saisonhälfte unsere mit unserer Einschätzung einhergehende Befürchtung immer stärker zum Vorschein zu kommen: Connecticut besitzt keinerlei Tiefe im Backcourt und krankt daran, dass Ryan Boatright weit unter seinen Möglichkeiten performt. Sollte er mit Napier wie im Vorjahr ein co-geniales Tandem bilden, so scheint der Guard sich nicht weiterentwickelt zu haben, sondern eher auf das Level seines Freshmanjahres zurück gefallen sein. Dies lässt die meisten Spiele der Huskies offensiv zu einer One-Man-Show von Shabazz Napier verkommen. Dieser geht mit dieser neuen Verantwortung zwar extrem gut um (17,9 PpG, 6 RpG, 5,6 PpG), aber lässt das Team ohne weitere Unterstützung zu einem eindimensionalen und damit leicht zu verteidigenden College werden. Noch schwerer wiegt die fehlede Länge und Qualität im Frontcourt. Senior Tyler Olander ist in Ollie’s Doghouse gelandet. Ohne ihn steht für UConn zu nahezu keiner Zeit des Spiels ein Spieler mit einer Körpergröße über 6‘10‘ auf dem Parkett. Dies schlägt sich vor allem im Rebounding nieder, welches derzeit unterirdisch ist.

Das Tournament-Ticket sollte sicher sein. Ein Erfolg, nach der Sperre aus dem Vorjahr, da es auch die erste Teilnahme für Calhoun-Nachfolger Kevin Ollie sein wird . Ein Spiel kann Starspieler Napier im März im Alleingang gewinnen. Für einen zweiten Sieg braucht er Unterstützung von Boatright oder den anderen Schützen. Mehr Siege sind ohne Bigman nicht zu erwarten. (tb)

SMU – Auf dem Weg nach oben

larrybrownWir haben Trainer-Fuchs Larry Brown etwas unterschätzt. Für uns sollte der Siegeszug der Mustangs erst im nächsten Jahr mit der Ankunft des Fünf-Sterne-Recruits Emmanuel Mudiay losgehen. Doch Brown schafft es schon in diesem Jahr mit eher durchschnittlichem Spielermaterial mehr als eine weitere Übergangssaison für SMU auf die Beine zu stellen. In alter Pistons-Manier hat er eine sehr ausgeglichene Offensive um Sophomore Guard Nic Moore (13,9 PpG, 4,4 ApG) installiert und vor allem die defensive Identität geschaffen, die seine Teams in der NBA immer auszeichnete. Auf diese wird er in den kommenden Jahren weiter aufbauen wollen. Aktuell sehen gleich zehn Spieler mehr als zwölf Minuten im Schnitt, um zu jeder Zeitfür hohen Druck in der Verteidigung sorgen zu können. Bisher geht diese Taktik auf. Gegnerische Teams treffen nur 37%FG gegen die Mustangs. Diese Leistung und noch einige Faktoren geben SMU eine Top 25 Defense, die sie in nahezu allen Spielen zunächst einmal eine Chance auf den Sieg gibt. Bisher steht man sehr ordentlich dar und konnte gar UConn und Memphis schon einmal schlagen. Es fehlen allerdings weitere Signature-Wins, um sicher im Tournament zu stehen. Gewinnt man noch ein Spiel gegen Louisville, Memphis, UConn oder Cincinnati kann man den Bubble-Status ablegen. Gelingt das nicht, wird am Selection Sunday gezittert werden müssen. Aber auch ein NIT wäre ein toller nächster Schritt fürr Browns‘ Projekt in Texas. (tb)

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