Draft

Das große NCAA-Update – Part II

Big Ten, Big 12, Big East, SEC

Circa zwei Drittel der College Basketball-Saison sind vorbei. Teamstärken lassen sich immer besser einschätzen, das Tournamentfeld formt sich langsam und erste Titelfavoriten kristallisieren sich deutlich heraus. Zeit für uns einmal unsere im Sommer mit viel Arbeit erstellten Previews herauszukramen und zu überprüfen, inwiefern wir mit dort getätigten Aussagen richtig lagen. Einige interessante Schlagzeilen wurden besprochen, knackige Kurzeinschätzungen gegeben und spannende Geschichten erzählt. Schauen wir doch einmal Liga für Liga an, wie sich die aktuelle Lage gestaltet, während sich alle Colleges derzeit in der Mitte des Conference-Plays befinden.

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Big Ten

Liga-Update:

Die Big Ten gilt als die tougheste Liga des Landes. Auswärtsspiele können im Conference-Play auch für Topteams gegen nahezu jeden Gegner ein schwieriges Unterfangen werden. Genau dies bildet sich auch aktuell in den Standings ab. Wie von uns erwartet, zeigen sich die beiden Michigan-Teams als beste Mannschaften der Conference. Auch die dahinterliegenden Teams aus Wisconsin und Iowa hatten wir auf dem Zettel. Allerdings überraschten uns Ohio State und Minnesota. Die Buckeyes könnten mit noch weiteren Niederlagen in den NIT-Team-Status abrutschen. Dies hielten wir vor der Saison nicht für möglich. Gleichzeitig hatten wir Headcoach-Neuling Richard Pitino (Sohn von Hall-of-Famer Rick Pitino) in seinem ersten Jahr für die Golden Gophers noch keine derartig erfolgreiche Debut-Spielzeit zugetraut. (tb)

IN*:

Michigan State Spartans
Michigan Wolverines
Iowa Hawkeyes
Ohio State Buckeyes 

ON THE BUBBLE*:

Wisconsin Badgers
Minnesota Golden Gophers
Indiana Hoosiers
Illinois Fighting Illini

OUT*:

Northwestern Wildcats
Purdue Boilermakers
Nebraska Cornhuskers
Penn State Nittany Lions 

Und die Schlagzeilen?

MICHIGAN STATE – It feels like another Izzo Final Four

tomizzoDie Saison der Spartans startete mit einem Paukenschlag. Im Championship-Classic traf die Truppe von Coach Izzo schon in ihrem zweiten Spiel der Spielzeit auf das meistgehypteste Team des Landes, die Kentucky Wildcats. Getragen von talentierten Freshman wollten die jungen Spieler der Big Blue Nation gegen Michigan State ein Ausrufezeichen setzen und aufzeigen, wie gut ihre Recruitingclass würde sein können. Die erfahrenen Spartan ließen es allerdings gar nicht dazu kommen. Angeführt von ihren erfahrenen Seniors Payne und Appling, zeigte die Mannschaft von Tom Izzo den Star-Freshman ihre Grenzen auf und gewann das Spiel in souveräner Manier. Mit dieser Leistung untermauerten die Spartans recht schnell unsere Preview-Vermutung: Sie sind ein klarer Final Four Contender!

In einer Zeit, in der die gesamte College-Welt über Super-Freshman spricht, bilden sie einen interessanten Gegenentwurf. Mit einem Starting-Lineup aus zwei Seniors, einem Junior und zwei Sophomores setzen sie voll auf Erfahrung und Eingespieltheit. Mit Erfolg! Angeführt von Aufbauspieler Keith Appling, der übrigens auch ein Dauerbrenner in unserem College Studs Ranking ist, laufen die Spartans eine der passfreudigsten Offensiven der Liga (17,3 ApG, sechstbester Wert der NCAA). Als traditionell gutes Rebounding-Team lieben sie es in diesem Jahr ihre Gegner mit vielen forcierten Fastbreaks in die Knie zu zwingen, können die Spartans mit einer 10-Mann-Rotation doch über die gesamten 40 Minuten ein sehr hohes Tempo gehen. Auch in der Verteidigung macht sich die Tiefe des Teams positiv bemerkbar. Jeder trägt auch in der Defense seinen Teil dazu bei, um die Mannschaft in den Advanced Metrics zur Top 15 in dieser Kategorie gehören zu lassen. Warum die Spartans dennoch schon drei Niederlagen gesammelt haben, nicht an der Spitze der AP Polls stehen und damit etwas unter dem Radar schwimmen? Sie haben schon sehr lang nicht mehr in Bestbesetzung auflaufen können. Viele Schlüsselspieler wie Gary Harris, Adreian Payne und Branden Dawson hatten/haben mit Verletzungen zu kämpfen. Allerdings sollten im Hinblick auf den März alle wieder fit sein und könnten dann eine der interessantesten Izzo-Statistiken weiterführen: Jeden Spieler, der vier Jahre für ihn aufgelaufen ist, hat er in ein Final Four geführt. Die bisher Final Four-losen Seniors Payne und Appling bauen darauf. (tb)

OHIO STATE – Suche nach dem Go-to-Guy

Hinten “Hui”, vorne “Pfui”! Dass dies so kommen würde, war an der Kaderstruktur der Buckeyes vor der Saison abzulesen. Dass die Diskrepanz zwischen den beiden Teilen des Spiel allerdings so groß sein würde, hatten wir uns nicht ausmalen können. Wie schon in den Jahren zuvor ist die Defense der der Buckeyes absolute Elite. Das beste Perimeter-Verteidigungs-Trio des Landes Shannon Scott, Aaron Craft und Lenzelle Smith Jr. treibt gegnerische Backcourts in den Wahnsinn. Sie ersticken jegliches Aufbauspiel im Keim (0,59 Opp. Ast/TO – fünftbester Wert aller Teams), lassen gegnerische Schützen nicht in den Wurfrhythmus finden (26 Opp3P% – Ligabestwert) und foulen dabei, ganz nach dem Schema von Coach Matta, sehr wenig. Lediglich fünf Teams lassen weniger Freiwürfe gegen sich zu. Dementsprechend schwer fällt es den Gegnern gegen Ohio State mehr als 60 Punkte zu erzielen (58,9 Opp PpG). Doch eine Top 5-Defense reicht nicht aus, wenn die eigene Offensive gerade einmal die Top 100 der Advanced Metric knackt. Wie von uns in der Preview beschrieben, trifft die Mannschaft der Abgang von DeShaun Thomas (2012/13: 19,8 PpG) schwer. Wir machten LaQuinton Ross nach starken Tournamentspielen im letzten Jahr als potentiellen Nachfolger im Scoring-Bereich aus. Dieser nimmt aber diese Rolle nicht konstant an (14,1 PpG, 43 FG%). So sammelte das Team wegen Mangels an Punkten nach einem 15-0 Start im Big Ten-Play fünf Niederlagen aus zehn Spielen. Darunter waren peinliche Spiele, wie die Losses gegen Penn State und Nebraska. Von einem Top 5-Status in den AP Polls rutschte man in die NIT/ Bubble-Team-Konversationen ab. Doch seit dem letzten Wochenende scheint sich die Mannschaft wieder gefangen zu haben. Mit #14 Wisconsin und #17 Iowa schlugen die Buckeyes zwei gerankte Teams und scheinen damit ihre Saison im Hinblick auf das Tournament gerettet zu haben. Im März werden sie ein giftiges Team sein, gegen dessen Defense sich niemand vorbereiten möchte. Allerdings wird die weiterhin komplett instabile Offense einen Run über das zweite Wochenende hinaus verhindern. (tb)

MICHIGAN – Die Nachfolge von Trey Burke

In Michigan gab es in dieser Saison große Fußstapfen zu füllen. Player of the Year 2013 Trey Burke und NBA-Firstrounder Tim Hardaway Jr. hinterließen ein riesiges Loch im Wolverines-Backcourt. Gefüllt werden sollte dieses von den Freshman LeVert und Walton. Eine schwierige Aufgabe, die die beiden Underclassmen zu überfordern schien. Das Team startete mit vier Niederlagen aus den ersten zehn Spielen. Trauriger Höhepunkt dieser Phase war ein 61:63 Loss gegen Charlotte, ein eher mittelmäßiges Mid-Major-College. Zu allem Überfluss verlor Coach Beilein auch noch seinen Star-Center Mitch McGary, der vor der 2013er Draft als Lottery-Pick gehandelt wurde (Dieser dürfte seine Entscheidung an das College zurückzukehren so sehr bereuen, wie kein anderer Spieler!). Die Saison des Vize-Champs schien gelaufen. Doch dann machte es KLICK. Ohne einen angeschlagenen Center mit Rückenproblemen auf dem Parkett fanden die Wolverines, die zu ihnen passende Identität für dieses Jahr. Als sehr flexibles Offensivteam mit einer Vielzahl an gefährlichen Schützen (5 Rotationsspieler haben im Schnitt 1 3PM bei über  37 3P%) startete man kurz vor Weihnachten eine Siegesserie von zehn Spielen.

Angeführt vom starken Nik Stauskaus, der nach seinen diesjährigen Leistungen ein sicherer Firstrounder sein sollte (17,8 PpG, 3,7 ApG, 45 3P% bei 5,6 3PA), agiert die Offense in diesem Jahr gar noch besser als der im letzten Jahr durch Trey Burke geführte Angriff. Ob dies jetzt ein Kompliment  an den diesjährigen Kern der Truppe Stauskas/Walton/LeVert/Robinson Jr. und vor allem auch an Coach Beilein ist oder aber aufzeigt wie unwichtig Mitch McGary und Trey Burke vergleichsweise waren, muss jeder selbst für sich entscheiden. Fakt ist, dass die Wolverines (auch trotz der Niederlage gegen Indiana am Wochenende) aktuell eines der heißesten Teams  des Landes sind. Im März sollte man sie als Elite Eight-Team aufdem Zettel haben. (tb)

INDIANA – Wer ist Noah Vonleh und wie soll er Cody Zeller ersetzen?

Zwei Top 5 Picks zu verlieren, macht keinen Spaß. Ohne Oladipo und Zeller sind die Hoosiers von einem #1 Seed im letztjährigen Big Dance zu einem Borderline- Tournament-Team geworden. Dieser Abstieg war allerdings abzusehen. Über Noah Vonleh, als talentierten Nachfolger der beiden, kann sich Trainer Tom Crean hingegen nicht beschweren. Der Freshman spielt heimlich, still und leise eine sehr überzeugende erste College-Saison. Auch wenn der Bigman noch oft mit Foulproblemen zu kämpfen hat (25,3 MpG), beweist er Spiel für Spiel, dass er auch auf dem nächsten Level das Zeug zu einem hervorragenden Defender mit ordentlichen Offensivanlagen hat. Besonders als Rebounder (9,4 RpG) und Rimprotector (1,2 BpG) ist der junge Mann elementar für das defensivlastige System der diesjährigen Hoosiers. Ähnlich wie die Ohio State Buckeyes gewinnt Indiana Partien auch fast ausschließlich mit ihrer Top 15 Verteidigung. Dass sich eine solche mit ansonsten eher mäßigem Spielermaterial um Vonleh aufbauen lässt, spricht Bände über dessen Qualität. Nach Siegen über Michigan und Wisconsin sollten die Hoosiers ein Tournament-Ticket lgelöst haben. Performt Vonleh auf dieser großen Bühne ähnlich gut wie bisher, könnte der Lottery-Pick seinen Draftstock noch in Richtung Top 7 verbessern. Schon jetzt mögen ihn manche Scouts lieber als Julius Randle. (tb)

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