Redaktions-Roundup

Redaktions-Roundup #1

Go-to-Guys präsentiert ab dem heutigen Tage eine neue Rubrik auf ihrer Webseite, die sich Redaktions-Roundup nennt. Diese Artikelreihe wird sich immer wieder mit aktuellen Themen rund um die NBA und NCAA beschäftigen, die keinen ganzen Artikel wert sind, aber Erwähnung finden sollten. Unsere Redakteure kommentieren das zeitnahe Geschehen kritisch und geben mitunter einen Ausblick, was sie von dem behandelten Thema erwarten.

Ihr habt selbst auch eine Frage zum aktuellen Geschehen in der NBA oder NCAA? Euch interessiert unsere Meinung zu einem Thema oder ihr wollt etwas erläutert haben? Dann fragt einfach nach. Unsere Redakteure werden versuchen, jede Frage – so sie denn ernstgemeint ist – zu beantworten. Ihr werdet namentlich in einer der nächsten Ausgaben des Redaktions-Roundups erwähnt. Ihr erreicht uns über die „Fragen und Vorschläge“-Funktion, sowie auf den Pinnwänden  von Facebook oder studiVZ.

“Lockout zu 99% sicher”?

Wie Go-to-Guys berichtete, steht der NBA nach der Saison 2010/11 möglicherweise ein Lockout bevor. Billy Hunter, Präsident der Spielergewerkschaft, kommentierte dazu unlängst, dass er zu 99 Prozent sicher sei, dass es einen Lockout geben werde. Hunter will nicht auf die Forderungen der Teambesitzer eingehen und signalisiert, dass er zu allem bereit ist. „Wenn sie einen Lockout über uns verhängen wollen, […]hey, dann sei es so,“ wird Hunter zitiert. Roger Mason jr. erklärte, dass die Entwicklung der NBA in Ordnung und der vorgeschlagene neue Vertrag unfair seien.

Dennis Spillmann: Die Spielergewerkschaft (NBPA) positioniert sich nun langsam für die weiteren Verhandlungsrunden. Laut Aussagen von David Stern und Billy Hunter wurden in den Zusammentreffen keine Fortschritte gemacht. Die Liga fordert weiter eine Ersparnis von 700-800 Millionen Dollar an Spielergehältern. Dies klingt nach einer wahnsinnigen Summe – und das ist sie auch. Allerdings kann man an der Haltung der Spielergewerkschaft auch weiterhin ablesen, dass es ihnen gut, ja eigentlich zu gut geht. Die Aussagen Masons sprechen Bände. Mehr als ein Drittel der NBA-Franchises müssen Verluste beklagen, doch Mason versichert, dass alles in Ordnung sei und man das jetzige CBA einfach verlängern will. Dies unterstreicht letztlich die Unausgewogenheit, die das jetzige CBA herbeigeführt hat. Die Spieler verdienen prozentual gesehen zu viel, 57% der basketballrelevanten Einnahmen für Spielergehälter zu verwenden, sind für das Gesamt-Unternehmen NBA nicht tragbar.
Da verwundert es auch nicht, dass Billy Hunter nun schon die ersten Attacken reitet, in der Hoffnung, Eindruck bei den Teambesitzern zu schinden. Für Hunter hat der Wahlkampf begonnen. Er muss den Teambesitzern und auch den NBA-Spielern beweisen, dass er ein zu fürchtender Verhandlungspartner ist. Es wird auch nicht die letzte versuchte Demonstration von Stärke gewesen sein, denn auch Billy Hunter ist klar: Die Teambesitzer sitzen am weit längeren Hebel und die NBPA kämpft nur noch um Schadensbegrenzung.  Die 700-800 Millionen Dollar Kürzung werden sie abwenden können. Den status quo erhalten sie wohl keinesfalls.

Der Start der New York Knicks

Obwohl die Niederlage gegen die Atlanta Hawks die Serie von fünf Siegen in Folge beendet hat, sind die New York Knicks zurück. Nach einem schlechten Start (Bilanz: 3:8) konnten die zuvor gezeigten Schwächen abgestellt werden, was sichtlichen Erfolg brachte. Besonders auffällig waren dabei Amaré Stoudemire, der auch prompt zum Spieler der Woche im Osten gewählt wurde, Danilo Gallinari und Raymond Felton. Alle drei konnten ihre Statistiken deutlich verbessern, was vor allem aufgrund für ihre Rollen in der Hierarchie des Teams sehr wichtig war. Ein weiterer Faktor ist Rookie-Überraschung Landry Fields, der als zweitbester Rebounder der Knicks zu überzeugen weiß.

Julian Barsch: Dabei stellt sich mir die Frage, in welche Richtung sich die Knicks zur Zeit bewegen bzw. ob die Playoffs diese Saison wirklich möglich sind? Nach den bisherigen Ergebnissen der Ost-Mannschaften besteht große Hoffnung, dass das Hauptziel erreicht werden kann. Ich pflichte diesem Gedanken bei, da es für mich eine große Enttäuschung und Überraschung wäre, wenn die Playoffs nicht erreicht werden könnten. Einige Statistiken, die den Fortschritt bestätigen: Es war zu erwarten, aber Platz vier bei den Punkten pro Spiel (106.69 PPG) ist doch sehr beachtlich. Dass man aber mit 7.4 Blocks pro Spiel Spitzenreiter der Liga ist, beweist, dass sich die Knicks auch in bisher schwächeren Bereichen verbessern. Bestes Beispiel in diesem Fall ist STAT, da er seine BPG fast verdoppeln konnte (2.1). Nur Mittelmaß sind dagegen die Wurfquoten aus dem Feld (45.7 FG%, Platz 17) und von Downtown (35.5 3PT%, Platz 16). Trotz alledem wird deutlich, dass es bergauf geht. Dazu ermöglichen es Spieler, wie der bereits genannte Fields oder auch ein Toney Douglas, dass sich die Fans wieder mit ihrem Team identifizieren können. Abgesehen davon, ob Carmelo Anthony seinen Weg in den Big Apple finden wird oder nicht, steht es für mich außer Frage, dass wir in den nächsten Jahren auf jeden Fall New York Knicks erleben werden, die zumindest dauerhaft die Playoffs erreichen werden.

Paul oder Williams?

Beim Spiel der New Orleans Hornets und der Utah Jazz gab es zwei symbolische Situationen zu beobachten: In der ersten stiehlt Chris Paul Deron Williams im ersten Viertel den Ball, will im Folgenden den Fastbreak einleiten, doch muss letztendlich zusehen, wie sein Pass abgefangen wird. Anschließend ist der Ball außer Kontrolle, Deron Williams schmeißt sich danach, schafft es nicht, ihn vor der Berührung der Auslinie zu retten und verbucht letzten Endes einen Turnover, während für Paul ein Steal in der Statistik verbucht wird.
In der zweiten Szene ist das Spiel bereits vorbei – die Utah Jazz besiegen am 25. November die Hornets 105 zu 87. Deron Williams triumphiert in der Debatte, wer der bessere Aufbauspieler sei, über Chris Paul. Dennoch – oder gerade deswegen – kommt es nach dem Spiel zum Handschlag. Paul, selbst sehr guter Freund von Williams, gratuliert ihm. Kein Neid, keine Egomanie, keine unschönen Szenen.

Jan Karon: Chris Paul galt lange Zeit als unangefochten bester Point Guard der Liga. Mit seiner verletzungsgeplagten Vorjahressaison, dem Mangel an Team-Erfolg und starkem Aufspielen von Deron Williams wurde dieser unantastbare Status angekratzt. Zwar gilt Paul unter den meisten immer noch als besserer Spieler, aber dieser Status steht plötzlich zur Diskussion. Es sind auf einmal Zweifel und Meinungsunterschiede vorhanden.
Und wie Deron Williams stets dranblieb und dranbleibt (Szene 1), ebenso beharrt Paul nicht auf Teufel komm raus auf seine Stellung als bester Point Guard (Szene 2). Derzeit haben sowohl die New Orleans Hornets als auch die Utah Jazz gute Spiele hingelegt; die Namen ihrer beiden Point Guards tauchen in MVP-Rankings immer weiter oben auf. In vergangener Woche debattierten ESPN-Gurus Chris Broussard und Ric Bucher, wer denn der bessere von beiden sei – und schlugen einander allerhand Argumente von Treffsicherheit, Körpergröße und Physis über Playmaking sowie Athletik bis zum Allround-Game hin um den Kopf. Am Ende gab es keine Konklusion, sondern zwei fest auf ihrem Standpunkt beharrende Meinungen.

Aber vielleicht gibt es kein glasklares „richtig“ und „falsch“, kein allgemeingültiges „Paul > Williams“ oder „Williams > Paul“. Ebenso wie beide Spieler sich hart umkämpfte Duelle liefern, aber dennoch kein böses Blut fließt, ebenso sollte man Diskussionen mit ein wenig mehr Toleranz und Weitsicht begegnen. Anstelle darüber zu sinnieren, wer von zwei großartigen Aufbauspieler der nun wirklich beste ist, sollte man sie vielleicht einfach beide auf ihre Art und Weise co-existieren lassen. Will ein Team den kräftigeren, physisch spielenderen Point Guard mit Drive zum Korb, dann nimmt es Deron Williams; legt man seine Präferenzen auf Schnelligkeit, Mitteldistanzwurf oder dem Finden vom freien Mann, so hat Paul die Nase vorne. Anstatt sich in ewigen Debatten zu verzetteln, wer jetzt um Haaresbreite vorne liegt, sollte man solche Nuancen ignorieren. Denn dass man 2010 mit Chris Paul und Deron Williams zwei Speerspitzen in potentiellen Point Guard-Rankings hat, ist nicht selbstverständlich; und schaut man sich die Konkurrenz um Rajon Rondo, Derrick Rose oder John Wall an – um nur drei weitere Namen zu nennen –, dann erscheint jegliche Debatte, die nur einen Standpunkt zulässt oder auf der Suche nach der einzig wahren Wahrheit ist, völlig fehl am Platz.

Das Dampier-Signing

Nach einem, wie erwartet, guten Start, bei dem acht Siege bei nur vier Niederlagen erreicht werden konnten, ging alles ganz schnell. Drei Niederlagen in Folge, Probleme unter dem Korb und die Verletzung von Udonis Haslem, der vermutlich bis zum Ende der Regular Season ausfallen wird, zwangen die Heat zu handeln. Für das Veteranen Minimum von 1,4 Millionen Dollar wurde Erick Dampier gesigned. Pat Riley äußerte sich zuvor zu einem neuen Signing auf folgende Weise: “We need more rebounding, and we need obviously somebody that is going to have a big body in the paint that can make a difference and have an impact“.

Daniel Glowania: Es ist nicht zu bestreiten, dass Dampier eine super Verpflichtung darstellt, schließlich kann man durch das Vergeben eines Minimalvertrags nicht viel falsch machen. Wie groß der Impact, den Pat Riley sich erhofft, vom besten verbliebenen Free Agent Center sein wird, ist abzuwarten. Der 35-jährige Center startet ohne Vorbereitung in die Saison, hatte letztes Jahr mit Verletzungsproblemen zu kämpfen und gilt ohnehin als limitiert. Doch zumindest das Anforderungsprofil erfüllt er ausgezeichnet. Sowohl bei Golden State als auch bei Dallas bewies sich Dampier als guter Verteidiger, der Würfe blockt und auch gegen die besten Center seinen Mann stehen kann. Sein Offensivtalent beschränkt sich aufs Blockstellen, Verwerten von Ablegern und Offensivrebounds, genau das Anforderungsprofil, das sich als Rollenspieler ergibt, wenn man mit drei balldominanten Spielern im Team steht. Wo kann er konkret helfen?
Unter den aktiven Spielern ist Dampier derjenige mit der zweithöchsten ORB%, Miami ist bislang das Team mit der niedrigsten Offensivrebound-Rate. Die Möglichkeit nach Fehlwürfen weitere Chancen zum Punkten zu bekommen, ist ein Schlüssel zur offensiven Effizienz. Defensiv sah man bisher gegen Spieler wie Okafor, Chandler und Howard nicht gut aus, auch hier wird sowohl der Verteidiger als auch der Defensivrebounder Dampier helfen können. Allein durch diese Aspekte stellt Dampier eine Verstärkung zum restlichen Center-Material von Miami dar.
Keiner der bisherigen Heat Spieler konnte das Spiel in diesen Aspekten positiv mitprägen. Dampier wird sich wohl die Spielzeit hauptsächlich mit Ilgauskas teilen und je nach Situation auch durch Anthony ersetzt werden. In um die 15-20 Minuten Spielzeit pro Spiel wird der neue Center hauptsächlich das Defensivspiel der Heat verbessern und für etwas mehr Toughness sorgen. Sollte er fit bleiben, ist er der fähigste Big Man, den man in den Playoffs gegen Horford, O’Neal oder Howard stellen kann.

  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  

7 comments

  1. Hassan Mohamed

    Dennis Spillmann
    Die Teambesitzer sitzen am weit längeren Hebel und die NBPA kämpft nur noch um Schadensbegrenzung.

    Es stellt sich die Frage, wie lang dieser Hebel ist. Er müsste schon über eine beachtliche Länge verfügen, um bspw. bestimmte “Exceptions” aus der CBA zu nehmen.

  2. Hassan Mohamed schrieb:
    Es stellt sich die Frage, wie lang dieser Hebel ist. Er müsste schon über eine beachtliche Länge verfügen, um bspw. bestimmte “Exceptions” aus der CBA zu nehmen.

    Die Frage ist dabei, wie verzweifelt einige Teambesitzer sind, die wirklich zweistellige Millionensummen pro Jahr verlieren (Mark Cuban mal ausgenommen, der macht das ja absichtlich). Es soll Forderungen gegeben haben, sodass es garantierte Gewinne für alle Franchises geben soll. Um dies zu realisieren, müssen die Spieler weniger verdienen. Das einzige, was die Teambesitzer aufhalten kann, ist der drohende Imageverlust, wenn es einen monatelangen Lockout gibt. Die NBPA wird es eher nicht sein.

  3. Hassan Mohamed

    Vor dem Lockout 1998 war die Situation Berichten zufolge ähnlich. Von Seiten der NBA / der Besitzer hieß es, dass ein großer Teil der Teams Verluste macht. Das Durchsetzen eines Hardcaps oder die Abschaffung der Larry Bird Exception ist den Besitzern – trotz eingetretenen Lockouts – nicht gelungen. Die Besitzer bekamen “nur” die Begrenzung der maximalen Vertragslänge/-höhe und den Rookie-Scale, mussten aber die Einführung der MLE akzeptieren. Eine Reduzierung der Gehälter um 40% ist da schon eine deutlich größere Hausnummer.

  4. Das stimmt so keinesfalls. 1998 war die Situation eigentlich genau umgedreht: Die Spieler wollten mehr von den Gewinnen der Liga bekommen. Ich betrachte hierbei alle NBA-Spieler, nicht die Regelegungen zum Rookie-Scale oder den Max-Verträgen. Die NBA-Spieler in ihrer Gesamtheit haben noch nie so viel vom BRI bekommen wie in der heutigen Saison. 1998 wollten die Spieler mehr und die Besitzer wollten weniger abgeben, 2011 ist das Bild ein komplett anderes und damit nicht zu vergleichen.
    Letztlich läuft es auf folgendes Szenario hinaus: Wer gibt eher auf? Die Teambesitzer, die massive Schulden machen, oder die NBA-Spieler, die auf ihren Lohn angewiesen sind? Die Mehrheit in der Liga hat für ihr Leben sicherlich nicht ausgesorgt (oder das Geld schon wieder verprasst) und ist irgendwann auf Einnahmen angewiesen. Da die NBPA basisdemokratisch abstimmt, kann es sehr gut sei, dass Anfang Januar 2012 die Mehrheit der Spieler unter deutlich geringeren Konditionen wieder spielen will, um ein gesichertes Einkommen zu erhalten. Ein NBA-Spieler kann nicht jahrzehntelang von seinem Talent leben und muss schauen, dass er in jedem NBA-Jahr bezahlt wird. Da kann der Verlust eines Jahres durchaus bedeutsam sein.

  5. Hassan Mohamed

    Dennis Spillmann schrieb:
    Das stimmt so keinesfalls. 1998 war die Situation eigentlich genau umgedreht:

    Ich meinte, die Verlustsituation der Besitzer.

    “The league insists that when a the precincts report in, 15 teams will have lost money in 1997-98.” – Sporting News

  6. Wir reden weiter schön aneinander vorbei. 🙂 1998 war die NBPA die Partei, die eine ganze Latte von Forderungen vorgetragen hat, um an die Fleischtöpfe der EInnahmen zu kommen. 2011 wollen die Spieler den status quo erhalten. Die Voraussetzungen sind ganz andere, deswegen kann man das einfach nicht miteinander vergleichen.

  7. Jonathan Walker

    Julian Barsch schrieb:
    Abgesehen davon, ob Carmelo Anthony seinen Weg in den Big Apple finden wird oder nicht, steht es für mich außer Frage, dass wir in den nächsten Jahren auf jeden Fall New York Knicks erleben werden, die zumindest dauerhaft die Playoffs erreichen werden.

    Schauen wir uns einmal die Gegner an, gegen welche die Knicks die fünf Spiele in Folge gewonnen haben:

    Sacramento Kings
    Golden State Warriors
    Los Angeles Clippers
    Charlotte Bobcats (2x)

    Dazu kommen vor der Streak noch die Raptors, Bulls und Wizards sowie die Pistons und Nets in den letzten Tagen. Gegen diese Teams MÜSSEN die Knicks gewinnen, wenn sie die Playoffs im Osten erreichen wollen (vielleicht ausgenommen: die Bulls – aber denen fehlt noch Boozer).

    Ich finde deine Schlussfolgerung aus Siegen gegen diese Teams, dass die Knicks auf Jahre hinweg Playoffmaterial sein sollen, sehr gewagt. Selbst wenn sie gegen die Celtics, Nuggets und/oder Hawks gewonnen hätten (und das waren wirklich die einzigen schwereren Gegner), würde ich da noch nicht all zu viel hineininterpretieren wollen. 😉

Schreibe einen Kommentar