Golden State Warriors, Minnesota Timberwolves, Redaktions-Roundup

Golden State oder Minnesota: Die Zukunft welcher Franchise ist vielversprechender?

rroundupDie Golden State Warriors sind momentan das Überraschungsteam der Liga und liegen komfortabel auf einem Playoff-Platz. Das Team um Trainer Mark Jackson hatte viele Experten überrascht und mit einigen wichtigen Siegen auf sich aufmerksam gemacht.
Die Minnesota Timberwolves können trotz der Ausfälle von Kevin Love, Ricky Rubio und Brandon Roy mit den Westteams mithalten und kämpfen um die bestmögliche Position für die Playoffs. Welches Team ist für die Zukunft jedoch besser zusammengestellt?


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Jonathan Walker: Wäre Andrew Bogut nicht dauerverletzt, wäre die Frage einfach zu beantworten. Einem Team um Bogut – Lee – Barnes – Thompson – Curry könnte man problemlos eine goldene Zukunft als homogenes, vielseitiges und junges Team attestieren. Ohne einen fitten Bogut jedoch, klafft in der Mitte vor allem defensiv ein riesiges Loch, auch wenn die Warriors momentan auf dem 11. Platz im Defensiv-Rating vergleichsweise gut dastehen, was aber auch ihrem recht einfachem Schedule zu verdanken ist (SOS: Platz 23, einfachster Wert aller momentanen Playoffteams im Westen). Curry hat das Verletzungspech diese Saison anscheinend vom Knöchel geschüttelt, was für die Zukunft Golden States von grundlegender Bedeutung ist. Allerdings ist Bogut der einzige Spieler der Starting Five, der 2014/2015 nicht mehr unter Vertrag stehen wird. Sollte er nie mehr fit werden, kann man sich 2015 nach einem Ersatz umsehen.

Verletzungen spielen auch für das Team der Timberwolves eine große Rolle: Point Guard-Hoffnung Ricky Rubio kam kürzlich vom Kreuzbandriss zurück. Auch Franchiseplayer (ohne Franchiseplayer-Vertragslaufzeit) Kevin Love fiel mit gebrochener Hand einige Wochen aus. Jedoch war Rubios Spiel nie von Athletik abhängig und Loves Verletzung dürfte ebenfalls ohne weitere Folgen bleiben. Hoffnungen, dass Roy je wieder halbwegs fit wird, darf man spätestens jetzt jedoch begraben. Auch Budinger und Lee fallen den Rest der Saison mit schweren Verletzungen aus, was für die Zukunft des Teams jedoch von untergeordneter Rolle ist. Der (junge) Kern der Franchise, Pekovic – Love – Williams – Shved – Rubio (Kirilenko ist fast 32), ist schwächer als der Golden States, in erster Linie weil Williams bisher auf ganzer Linie enttäuscht. Pekovic muss nach Ablauf der nächsten Saison verlängert werden, damit kein Loch auf Center entsteht. Zu guter Letzt sind da noch Kevin Loves regelmäßige öffentliche Beschwerden über den bisherigen Mangel an kompetenten Mitspielern und Playoffteilnahmen, was in Kombination mit der erwähnten Ausstiegsoption in zwei Jahren gefährlich für Minnesotas Zukunft sein könnte. Diese Ungewissheit und der leicht schlechtere Kern der Wolves, lässt mich den Warriors den Zuschlag für die vielversprechendere Zukunft geben.

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Danial Haschem: Die NBA ist seit jeher eine Liga, die von ihren Stars angetrieben wird. Zumeist hängt der Ausgang eines Spieles oder einer Serie von der Leistung der jeweiligen Leistungsträger ab. Je besser diese sind, desto stärker und konkurrenzfähiger ist die Mannschaft. Und so würde ich bei Zukunftsszenarien normalerweise immer dem Team ein vielversprechenderes Potential attestieren, das auch den nominell besten Spieler in seiner Reihe hat.

Bei den Timberwolves spielt mit Kevin Love, wenn gesund und in Bestform, einer der 15 besten Spieler der Liga. Seine Leistung in den letzten beiden Jahren ist trotz Mängel in der Verteidigung aller Ehren wert. Die Wolves haben damit zwar bereits ihren designierten Franchise Player, aber auch der wird ohne kräftige Mithilfe starker Mitspieler nicht nach den Sternen greifen können. In den letzten Jahren hat das Team aus Minnesota einen Supporting Cast assembliert, der sich inzwischen wirklich sehen lassen kann: Aufbautalent Ricky Rubio, Postpräsenz Nikola Pekovic und die beiden Russenimporte Andrei Kirilenko und Alexey Shved. Vor allem von Rubio erhofft sich die Franchise einen geeigneten Starspieler an der Seite von Kevin Love gefunden zu haben. In dieser Saison belegen sie im Moment einen Playoffplatz und das obwohl sich der im Formtief befindliche Kevin Love, der unmittelbar vor der Saison einen Bruch an seiner Wurfhand erleiden musste, beängstigend schlecht aus dem Feld wirft und Ricky Rubio nach seiner Knieverletzung im März erst 5 Spiele absolvieren konnte. Wenn diese beiden Spieler wieder zu ihrer Höchstform aus der vergangenen Saison finden können, dann wird mit den Wolves auch in Zukunft zu rechnen sein.

Die Golden State Warriors auf der anderen Seite sind bisher die absolute Überraschung der Saison. Angeführt von Stephen Curry, der sein immenses Potential endlich umsetzen kann indem er bisher tatsächlich alle 31 Spiele seiner Warriors absolvierte und David Lee, der eindrucksvoll unter Beweis stellt, dass er große Zahlen auch in einem konkurrenzfähigem Team auflegen kann, befinden sich die Warriors souverän auf dem 5. Platz der Western Confrence mit einer Siegesquote jenseits der 65%. Ein beachtlicher Erfolg für eine Mannschaft, die ohne ihre Big Men Hoffnung Andrew Bogut auskommen muss. Dieser wird bisher mehr als solide von Carl Landry ersetzt, der sehr effizient agiert und sein Team mit seinem Willen und seiner Energie immer wieder mitreißt.

Wie ich anfangs bereits erwähnte, machen die Starspieler den Unterschied aus. Ich persönlich bin der Meinung, dass Kevin Love im Vergleich beider Kader der beste Spieler ist. Somit halte ich auf lange Sicht hin die Timberwolves für die erfolgsversprechendere Mannschaft. Der Unterschied zwischen beiden Mannschaften ist diesbezüglich aber wirklich gering, zumal sich Stephen Curry durchaus noch weiterentwickeln und vom reinen Impact her an Kevin Love heranreichen kann. Was die unmittelbare Zukunft betrifft, sind die Warriors aber definitiv mindestens ebenbürtig, wenn nicht sogar besser.

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Jan Karon: Die Golden State Warriors, aber mit dem Zusatz, dass sie die in der Kaderstruktur befindlichen Vorteile auch nutzen. Stephan Curry und seine Gesundheit sind der Schlüssel zu einer glorreichen Zukunft. Bleibt er fit, und entwickelt/integriert man nebenher Klay Thompson, Harrison Barnes und David Lee, hat man ein hervorragendes Fundament, das mit Rollenspielern wie Jarret Jack oder Carl Landry sinnvoll ergänzt wird. Zudem laufen Verträge von Andris Biedrins und Richard Jefferson aus, wandelt man diese sinnvoll in weiteres Talent um, können die Warriors auf Dauer ein Playoffteam und unangenehmer Gegner für jedes Team werden.

Julian Lage: Neben talentierten Jungstars verbindet die beiden Teams diese Saison auch eine ähnliche Verletzungsmisere: Bei den Wolves sind Kevin Love und Ricky Rubio noch nicht in der Saison angekommen, bei den Warriors verpassten Andrew Bogut und Brandon Rush bisher praktisch jedes Spiel. Letzterer wird vermutlich die komplette Saison fehlen, bei Bogut wirkt die Verletzungsanfälligkeit immer mehr wie ein chronisches Problem.

Zusammen mit dem bisher weitestgehend beschwerdefreien, aber grundsätzlich ebenfalls den Dauerpatienten zuzurechnenden Stephen Curry gibt dieser Faktor für mich auch den Ausschlag zugunsten der Timberwolves. Ein Team auf zwei Spieler zu bauen, die ständig mit einer zumindest die Saison beendenden Verletzung rechnen müssen, wirkt nur bedingt erfolgsversprechend. Einen Guard als Franchise-Player, einen potentiellen Top-Center sowie viele weitere talentierte Spieler gab es vor nicht allzu langer Zeit schon einige hundert Meilen weiter nördlich…

Pierre Magazin: Diese Frage lässt sich in meinen Augen relativ leicht beantworten. Die Golden State Warriors zeigen in dieser Saison auch ohne ihren designierten Defensivanker Andrew Bogut, dass sie durchaus ein ernstznehmendes Team mit dark-horse Potential in der starken Western Conference seien können. Auf vier von fünf Position der ersten Fünf ist man bereits für die nächsten Jahre besetzt. Klay Thompson, Stephen Curry und Harrison Barnes besitzen als Trio sehr großes Entwicklungspotential. Können Leistungsträger wie Jarrett Jack oder Carl Landry auf Dauer gehalten und der Kader klug ergänzt werden, so kann man sich in den kommenden Jahren als eines der Top-5-Teams der Conference etablieren. Dazu kommen im kommenden Jahr zwei große auslaufende Verträge von Richard Jefferson und Andris Biedrins hinzu, die für weiteren Spielraum bei potentiellen Trades sorgen dürften. In Minnesota hingegen wird vermehrt die Kritik von Kevin Love am Management laut, der darüber hinweg nur noch 2 1/2 Jahre Vertrag hat, bevor er Minnesota als Free Agent verlassen kann. Mit Ausnahme von Ricky Rubio befindet sich kein Spieler mit großartigem Entwicklungspotential im Kader. Mit der anstehenden Vertragsverlängerung von Nikola Pekovic wird dem Team höchstwascheinlich auch letzter finanzieller Spielraum genommen. Dies sind viele Gründe, weshalb für mich die Golden State Warriors mit Abstand eine vielversprechendere Zukunft besitzt.


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3 comments

  1. Anonymous

    Grundsätzlich gute Einschätzungen, nur die Tatsache, dass Biedrins und Jefferson im Sommer als werdende Free Agents bezeichnet werden, ist nicht korrekt. Jefferson kann seinen Vertrag um ein Jahr verlängern (Player Option) und bei Biedrins wird der Vertrag automatisch verlängert, wenn er nicht aussteigt (Early Termination Option). Da diese Verträge sowohl für Jefferson (ca. 11 Mio USD) und Biedrins (9 MIO USD) finanziell sehr lukrativ sind, glaube ich nicht, dass die beiden Spieler nächsten Sommer Free Agent werden. Von daher sind diese Vertäge weder in Trades lukrativ, noch können sie für Cap-Space im Sommer sorgen.

  2. Alexander Aust

    […]Jefferson kann seinen Vertrag um ein Jahr verlängern (Player Option) und bei Biedrins wird der Vertrag automatisch verlängert, wenn er nicht aussteigt (Early Termination Option). Da diese Verträge sowohl für Jefferson (ca. 11 Mio USD) und Biedrins (9 MIO USD) finanziell sehr lukrativ sind, glaube ich nicht, dass die beiden Spieler nächsten Sommer Free Agent werden. Von daher sind diese Vertäge weder in Trades lukrativ, noch können sie für Cap-Space im Sommer sorgen.

    Das ist doch aber auch gar nicht weiter tragisch (Außer für den Besitzer). Das Team wird in der nächsten Saison nahezu in der selben Formation weiter spielen. Mit etwas Glück sogar mit einem gesunden Bogut. Für das Jahr 2014/15 sind die von dir angesprochenen Spieler auf jeden Fall Free Agents und man hat trotzdem noch den Kern der Mannschaft zusammen. Talente wie Thompson und Barnes haben zu dem Zeitpunkt immer noch ihre Rookie Verträge und Lee mit Curry sind langfristig gebunden. Das heisst es gibt für diese Saison sehr viel Capspace. Gute Möglichkeiten also mit Bogut zu verlängern (falls fit), oder andere Free Agents anzuwerben.
    Das Gute an der Sache ist, dass man den Franchise Spieler schon im Team hat (Ja, ich meine Curry) und ein sehr gutes Mannschaftsgefüge besitzt. Dem Talent nach ist man auf jeder Position sehr gut besetzt. Bei Lee kann man von mir aus streiten, aber sonst find ich den Kader klasse. Wenn Thompson und Barnes sich weiterhin gut entwickeln muss man eigentlich nicht großartig was verändern, sondern “nur” geeignete Rollenspieler finden. Wenn Bogut wirklich fit wird, dann sehe ich die bessere Zukunft bei Golden State.

  3. Julian Lage

    Dass Jefferson und Bierdrins ihr Gehalt nicht mitnehmen ist wohl auszuschließen, das stimmt… Aber zwei tradebare, auslaufende Verträge sind spätestens zur dann kommenden Trade Deadline nicht schlecht zu gebrauchen. Jetzt spielt GSW sowieso noch nicht um mehr als eine gute Ausgangsposition für die nächsten Jahre. Es ist aber für die Warriors zu befürchten, dass zusätzlich diejenigen ihre Option nicht wahrnehmen, bei denen es wohl wünschenswert wäre (Landry und Rush).

    Außerdem bin ich mir mit meiner Aussage, dass die Wolves wegen der geringeren Verletzungsanfälligkeit vorzuziehen sind, auch nicht mehr so sicher. Love wieder die Hand gebrochen, Rubio und Pekovic auch halb im Anzug… So viel besser als bei Bogut, Curry und co. sieht das nicht aus.


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