Boston Celtics, Redaktions-Roundup

Können die Boston Celtics zum Saisonende die zweite Kraft im Osten werden?

rroundupMomentan nur Sechster im Osten, aber mit gehörig Aufwind und einer Siegesserie im Rücken stehen die Boston Celtics momentan da. Unsere Redakteure überlegen, ob die Siegesserie auf Dauer halten kann und die Celtics hinter den Miami Heat die zweite Kraft im Osten einnehmen können.


 

Jan Karon: Ja, können sie, denn ich persönlich fand die Personalentscheidung Danny Ainges  im Sommer sinnvoll. Sicherlich werden Paul Pierce und Kevin Garnett nicht jünger, aber in Person von Rajon Rondo besitzt man einen der drei besten Aufbauspieler der Welt. Auch Courtney Lee, Jason Terry, Jared Sullinger, Jeff Green, Brandon Bass oder Avery Bradley kennen ihre Rollen und werden sie finden. Ich sehe zudem das Team von Boston als “Grower”, der mit zunehmender Länge der Saison immer besser wird und sich steigern kann. Und im Ernst: Wer, wenn nicht die Celtics, sollen den Heat gefährlich werden? Klar, New York rollt gerade auf einer Erfolgswelle, aber ich halte es für alles andere als ausgeschlossen, dass im Zweifelsfall die Playoffserie zwischen New York und Boston ein heißer Schlagabtausch wird, bei dem sich beide Teams durchsetzen könnten. Von daher würde ich die Frage bejahen, ohne zu garantieren, dass das auch so passieren wird. Wie gesagt: Boston hat ein Kadergerüst, das funktionieren kann und zudem für Miami ein unangenehmes Match-Up darstellt, und ich gehe davon aus, dass der relativ neue Roster Zeit braucht, sich zu finden.

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Jonathan Walker: Nein, in der regulären Saison nicht. Die Celtics sind mittlerweile bekannt dafür, die reguläre Saison langsam angehen zu lassen. Die Playoffs sind natürlich Pflicht, Heimrecht wäre schön, aber höhere Ambitionen haben die Grünen dann kaum noch vor Beginn der Postseason. Man schont lieber die Altstars Pierce und Garnett und probiert Rollenspieler aus. Zu den Playoffs verfügt Doc Rivers dann meist über eine funktionierende Rotation und die Kelten fangen an, wirklich Basketball zu spielen. Auch diese Saison scheint jene Strategie angesagt und Boston sollte trotz des enttäuschenden Records von 14-16 nicht unterschätzt werden. Mit Avery Bradley fehlt der Edelverteidiger und designierte Starter auf der Zwei. Für die zweite Kraft (hinter Miami) im Osten wird es jedoch trotzdem knapp. Die Offensive ist erneut im unteren Ligadrittel (Offensivrating Platz 22), was man spätestens in dieser Saison endlich auch Rajon Rondo anlasten muss. Der Aufbau legt zwar nette Assistzahlen auf, doch wenn das Team offensiv trotzdem dermaßen schlecht ist, sollte die Frage erlaubt sein, inwiefern das dem Team wirklich hilft, und ob 13 Punkte pro Spiel als nunmehr erklärter bester Spieler des Teams ausreichend sind. Zudem ist die Defense lang nicht auf dem Niveau vergangener Tage (Defensivrating Platz 13). Bevor Boston als Kandidat für das Ostfinale gelten können, müssen sie entweder die Offense auf Playoffniveau oder die Defense auf ihr gewohntes Toplevel bringen. Momentan sind die Knicks und Hawks deutlich sowie die Pacers, Bulls, Bucks und Nets noch vor den Celtics einzuordnen.

Pierre Magazin: Geht man bei der Fragestellung davon aus, dass sich der Kader der Celtics nicht mehr verändern wird, so muss ich diese Frage mit Nein beantworten. Boston sieht sich momentan viel zu vielen Problemen gegenüber, welche schon in der Verteidigung beginnen und sich über das Rebounding zur Spielzeit von Kevin Garnett überstrecken. Boston fehlt ein zweiter Big Man, welcher in der Abstinenz von Kevin Garnett den Korb beschützen kann. Eine Aufgabe, die bisher weder von Jared Sullinger noch von Chris Wilcox oder Brandon Bass erfüllt wurden konnte. Hinzu kommt das mittlerweile etwas zu passive Auftreten von Rajon Rondo, welcher nun das Team anführen muss. Auf der Position des Shooting Guards bekam Boston bisher nur wenige produktive Minuten, egal ob dort Leandro Barbosa, Jason Terry oder Courtney Lee spielten. Die baldige Rückkehr von Avery Bradley wird dem Team helfen, das größte Problem mit dem Rebounding allerdings auch nicht beheben. Betrachtet man die gewachsene Konkurrenz im Osten (vor allem durch die New York Knicks) kann man nur schwer Boston im derzeitigen Zustand als zweite Option der Conference ansehen. Ein Trade für die in den Medien spekulierten Center wie Varejao, Gortat oder Cousins könnte allerdings Wunder bewirken.

Danial Haschem: Es ist zwar gerade erst knapp ein Drittel dieser Saison absolviert worden, aber die Celtics sahen seit der aufsehenerregenden Zusammenkunft der Big Three um Kevin Garnett, Paul Pierce und Ray Allen im Jahre 2007 noch nie so schlecht aus. Ray Allen hat es im Sommer zwar nach Miami verschlagen, aber die Celtics hofften seinen Verlust mit der Verpflichtung von Jason Terry egalisieren zu können. Rajon Rondo sollte mit dem fortschreitendem Alter seiner Teamkollegen so langsam in die Rolle des Franchise-Players hineinwachsen und diese Saison sollte der Zeitpunkt gekommen sein, an dem Rondo endgültig als Anführer der Celtics den Weg für weitere Erfolge der prestigereichen Franchise ebnet. Aber auch dieses Jahr sind es eher Kevin Garnett und Paul Pierce, deren Leistung über das Wohl der Mannschaft entscheidet.

Bemerkenswert ist hierbei, wieviel Einfluss Garnett in seinem Alter noch auf die Verteidgung seines Teams hat. Mit ihm auf dem Feld lassen die Celtics den gegnerischen Mannschaften im Durchschnitt nur ein ORtg (Offensive Rating – errechnete Anzahl an Punkten bei 100 Angriffen) von 99 zu. Ohne ihn steigt diese Zahl auf 114 an. Unglaublich, wie abhängig die Celtics hier von Garnett sind. Und genau hier liegt das Problem. Während die Offense schon seit Jahren unterdurschnittlich ist, war es die starke Verteidigung, die die Celtics auszeichnete und zu jeder Zeit zu einem ernstzunehmendem Gegner machte. In dieser Saison aber ist selbst die Verteidigung nur noch Durchschnitt.
Die Gründe dafür könnten in dem verletzungsbedingtem Ausfall von Avery Bradley und dem Fehlen eines geeigneten Big Man an der Seite von Garnett liegen. Das Management der Celtics wird sich also spätestens zur Trade Deadline überlegen müssen, ob sie nicht doch einen Trade anstreben wollen, der ihnen einen soliden Big Man-Starter einbringt. Sonst sehe ich trotz der bevorstehenden Genesung von Avery Bradley aufgrund elementarer Probleme nicht, wie die Boston Celtics in diesem Jahr noch großartig erfolgreich sein wollen.

Julian Lage: Vor der Saison hatte ich die Celtics angesichts erfolgreicher Playoffs und interessanter Neuverpflichtungen auch als sehr wahrscheinlichen ersten Miami-Verfolger eingeschätzt. Auch wenn nach etwa einem Drittel der Saison ist davon wenig übrig ist, rechne ich damit, dass sich Boston noch fängt – ähnlich wie letztes Jahr, als das zum Allstar-Break ebenfalls nur auf den hinteren Playoff-Plätzen zu findende Team nur einen Sieg von den Finals entfernt war.

Bis zum ersten Miami-Herausforderer im Osten wird es aber meiner Meinung nach nicht reichen: Auch wenn die Rückkehr von Amar’e Stoudemire in New York noch zu einigen Problemen führen kann, fehlt Boston auf die Knicks momentan einfach zu viel. Mein eigentlicher Favorit in dieser Hinsicht sind aber die Chicago Bulls: Ohne Derrick Rose hat es für das Team von Tom Thibodeau – wenn auch um den Preis, dass Luol Deng und Joakim Noah Erster beziehungsweise Dritter in gespielten Minuten sind – bislang zu einem der besseren Plätze im Playoffrennen gereicht. Mit der Rückkehr des Point Guards, dem in der Regular Season noch genug Zeit bleibt, um wieder in Form zu kommen, dürfte es für die Bulls nur weiter nach oben gehen.


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