Draft

Trey Burke oder Michael Carter-Williams?

Zu Beginn dieser NCAA-Saison galten Trey Burke und Michael Carter-Williams als große Kandidaten für eine Breakout-Saison. Kurz vor der Halbzeit sind sie beide sowohl für den Naismith Award als auch für den Bob Cousy-Award Kandidaten. Bei Burke ist dies keine Überraschung, nachdem er schon in seiner Freshman-Saison überzeugen konnte, doch Carter-Williams bekam in seinem ersten Jahr kaum Spielzeit. Nun führen sie beide ihre äußerst erfolgreichen Teams als Point Guard an, doch wer hinterließ bis jetzt den besseren Eindruck? Wer spielt eine größere Rolle für sein Team und hat dementsprechend die Bezeichnung als bester Spielmacher der Nation verdient?

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Trey Burke

treyburkeBurke führt die Michigan Wolverines in Minuten, Punkten und Assists an. Seine Feldwurfquote von 53.8 Prozent ist hervorragend für einen Guard und auch die anderen Quoten, sowohl von Downtown (40.9) als auch von der Freiwurflinie (74.4), sind solide. Burke ist der Mittelpunkt im Spiel der Wolverines, was auch sein PER-Wert zeigt. Mit 30.1 hat er diesen nämlich fast verdoppeln können (19.4 in 2011-12). In den ersten Spielen schien es noch so, als ob sich die Probleme bei den Ballverlusten nicht wirklich verbessern konnten, doch auch diese wurden in den vergangenen Partien beseitigt. Zwei Turnover in drei Partien vor Weihnachten machen Hoffnung. Der Sieg gegen West Virginia war das mit Abstand beste Spiel des 20-Jährigen: 27 Punkte, 8 Assists, 5 Rebounds und kein einziger Ballverlust. 

Durch seine Vielseitigkeit kann Burke immer genau das bringen, was Coach Beilein von ihm benötigt. Das Ballhandling ist vorhanden, um in jeder Situation reagieren zu können. Der Drive zum Korb ist effektiv und er ist geduldig genug, um den freien Mann zu finden. Das Pick & Roll gehört zu seinen Stärken, doch es ist auch das Selbstvertrauen vorhanden, um bei Gelegenheit den Distanzwurf zu nehmen. 

In der Vorbereitung zur Saison suspendierte Head Coach Beilein Burke für ein Spiel aufgrund von disziplinarischen Problemen. Dieser entschuldigte sich daraufhin aber beim Coaching Staff und seinen Kommilitonen. In der Folge gab es keinerlei negativen Ereignisse mehr, was zeigt, dass der Leistungsträger seinen Fokus auf die richtigen Dinge ausgerichtet hat. 

Michael Carter-Williams

mcwNach einer enttäuschenden ersten Spielzeit scheint es, als ob Michael Carter-Williams den Abgang von Scoop Jardine schnell vergessen machen kann. MCW führt nicht nur die Big East bei den Assists an, sondern die gesamte Division I. Mit 10.1 Assists hat er sich um mehr als acht Vorbereitungen pro Partie verbessert. Seine Assist-Percentage von 51 Prozent ist enorm und auch dieser Wert ist der beste im College Basketball. Als eher klassischer Point Guard leitet er das Spiel und schafft es immer wieder mit klugen Pässen die Defense auseinanderzuziehen. Seine Größe ist unnatürlich für einen Point Guard (6’6”), hilft dem 21-Jährigen jedoch, einen besseren Überblick über das Spielfeld zu haben. 

In der Defense bewies MCW immer wieder seine flinken Hände, was zu dem fünftbesten Steal-Wert landesweit geführt hat (3.0). Dies macht ihn außerdem zu einem sehr gefährlichen Transitionspieler, da er den Angriff selber einleitet und in mehreren Varianten zu Ende bringen kann. Ein weiterer Effekt seiner Größe ist das überdurchschnittliche Rebounding (4.6). 

Schwierigkeiten hat der Guard jedoch beim Abschluss. Obwohl er eigentlich nicht als Spieler mit Problemen in diesem Bereich galt, fällt es ihm schwer, gute Quoten zu fabrizieren. Vor allem die 39.7 Prozent aus dem Feld und die 27.7 Prozent aus der Distanz sind nicht akzeptabel. Ein gehöriges Manko, was ihm das Leben nicht gerade erleichtert. In einigen Spielen bewies MCW aber auch schon, dass er es besser kann. Mit 12.2 Punkten ist er einer von vier Spielern im Team der Syracuse Orange, die zweistellig scoren. Des Weiteren ist es mehr als beeindruckend, dass ihm in sieben von 14 Spielen ein Double-Double gelang. In zwei weiteren Partien verteilte er mehr als zehn Assists. 

Die 3.9 Ballverluste pro Partie sind zwar ein Verweis auf eine nicht gerade sichere Spielweise, doch nach nur 269 Spielminuten in seiner ersten Saison muss man ihm etwas Zeit geben, sich zu entwickeln. 

Teamerfolg

Sowohl die Wolverines als auch die Orange gehören zur Elite der diesjährigen NCAA. Während Michigan zu Beginn noch als überbewertet galt, zeigten sie all ihren Kritikern bis hierhin, dass mit ihnen zu rechnen ist. Die Bilanz von 14-0 lügt nicht und in den Polls sind sie mittlerweile sogar schon an Nummer zwei gelistet. Neben Tim Hardaway Jr. und Glenn Robinson III bekam Burke unerwartete Hilfe vom Freshman-Scharfschützen Nik Stauskas, der mit 13.4 Punkten und 55.7 Prozent aus der Distanz überzeugt. Der bisherige Schedule war nicht einfach und sie konnten schon sehr solide Mannschaften schlagen (Pittsburgh, Kansas State und NC State). Zwar wurden all diese Siege im heimischen Crisler Center verbucht, doch die Kontrahenten waren zu gut, um ignoriert zu werden. Trotz alledem wird es interessant zu sehen sein, wie sie sich in der sehr starken Big Ten schlagen werden. 

Bis zur Niederlage gegen Temple lagen Syracuse und Michigan fast gleichauf. Doch dieses unerwartete Ergebnis warf die Orange zurück. Bis dahin haben sie aber gezeigt, dass sie sich vor niemanden verstecken müssen. Als Team liegt man bei den Punkten, Rebounds und Assist in der Top 10. Herausragen tut insbesondere der Sieg gegen San Diego State im Eröffnungsspiel. Neben MCW ist James Southerland die Überraschung. Von der Bank kommend, führt er das Team mit 15 Punkten an. Seine Fähigkeit, das Spiel auseinanderzuziehen, hilft enorm. Brandon Triche und C. J. Fair gehören zum Besten, was die Big East zu bieten hat. Die Starting Five komplettiert Center Rakeem Christmas. Obwohl in der eigenen Conference mehrere schwere Aufgaben warten, ist dieses Team zu gut, um nicht mit den meisten Siegen die Saison zu beenden.

Fazit

Doch wer hat nun die Nase vorne? Wer ist bis jetzt der beste Point Guard der NCAA? Wenn man nach dem Gesamteindruck und dem Teamerfolg geht, kann es nur Burke sein. Gegen die besseren Gegner spielte er einfach zu dominant und vielseitig. Allerdings ist es vor allem das Scoring, was ihm den Vorsprung verschafft. Wenn MCW seine Quoten aus dem Feld verbessern kann, muss dieses Thema ein weiteres Mal diskutiert werden; denn als Spielmacher und Passgeber bekommt er den Vorzug.

Doch trotz alledem wird es sehr eng werden. Zwei talentierte, junge Guards in hervorragenden Mannschaften. Beide haben sich schon jetzt als absolute Leistungsträger etabliert, doch Burke hat bis jetzt das komplettere Gesamtpaket. Ein direktes Duell dieser beiden wäre ein Traum, wird dies aber wahrscheinlich auch bleiben. Einzig und allein im März könnten sie aufeinander treffen. Obwohl noch lange nichts entschieden ist, kann im Endeffekt wahrscheinlich nur ein direktes Duell zeigen, wer der bessere Akteur ist.

Wenn die Entwicklung von MCW weiterhin so vorangetrieben wird und nicht stagniert, sollte sein Draft Stock jedoch höher anzusiedeln sein, als der von Burke. Vor allem die Kombi aus Position und Länge macht aus ihm das interessantere NBA-Prospect. Dies ist aber insbesondere auf die NBA Draft und die dazugehörigen Aspekte bezogen. Burke hat bewiesen, dass er die Toughness besitzt, um gegen starke Konkurrenz zu bestehen. Eine solide Draftposition im Bereich der Lottery ist für beide relativ wahrscheinlich.

 
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