Atlanta Hawks, Redaktions-Roundup

Wo spielt Josh Smith in der nächsten Saison?

rroundupDie Nachrichten aller NBA-Seiten wurden in den letzten Tagen davon geprägt, dass die Atlanta Hawks ihrem Power Forward Josh Smith keinen Maximalvertrag anbieten wollen, wenn dieser im Somme Free Agent wird. Als Konsequenz wird nun darüber spekuliert, wo Josh Smith in der nächsten Saison spielen wird. Es stehen dabei zwei Möglichkeiten zur Verfügung: Smith wird bis zur Trading Deadline zu einer anderen Franchise geschickt oder Smith entscheidet sich im Sommer für eine Franchise, die ihm das maximale Gehalt zahlt. Wer wird also in der nächsten Saison Josh Smith in seinem Kader vorfinden? Vier Meinungen.


Fabian Thewes: Ich tippe auf die Houston Rockets. Das Team um den jungen Franchiseplayer James Harden ist auf der Position des Power Forwards am schwächsten besetzt und besitzt im Sommer viel Capspace. Josh Smith könnte deren Probleme der Verteidigung lösen. Die Rockets sind defensiv nur bestenfalls Mittelmaß in der NBA (#20), dafür sehr offensivstark (#4). Smith besitzt zwar zugegebenermaßen keinen guten Wurf und ist ein sehr ineffizienter Scorer, jedoch könnte das Plus, was durch seinen Einfluss in der Verteidigung entsteht, das Minus in der Offensive klar überwiegen. Verschiedene auf Netpoints basierte Statistikmodelle suggieren, dass Smith seit Jahren einen ungeheuren Einfluss auf die Verteidigung der Hawks ausübt. Da die Rockets bereits bei der Verpflichtung von Jeremy Lin, James Harden und Omer Asik auf die Aussagekraft der Netpoints-Statistiken vertraut haben, würden sie eine Verpflichtung des athletischen Power Forwards sicherlich ebenfalls positiv gegenüber stehen.

joshsmith

Jonathan Walker: Ich fürchte, Smith landet bei den Phoenix Suns. Aus den Bemühungen um Eric Gordon in der letzten Offseason sowie um Rudy Gay bis er zu den Raptors getradet wurde, ist klar ersichtlich, dass das Management der Suns händeringend nach einem Spieler sucht, den sie den Fans als Attraktion verkaufen können. Kein Wunder, in Anbetracht des Mangels an Stars (und Siegen) in Arizona seit dem Abgang eines gewissen Steve Nashs. Das Problem das ich als Anhänger der Suns bei der Sache sehe ist, dass Smith (wie auch Gordon und Gay) gar kein echter Star ist. Zumindest keiner, den man guten Gewissens als erste Option im Angriff nutzen oder um den man ein Team der Zukunft aufbauen sollte. Dafür ist Smith zu ineffizient bzw. langsam auch zu alt, was bei einem Spieler, dessen Stärken auf seiner Athletik basieren, nicht zu unterschätzen ist. Wenn es schlecht läuft, ist Smith schon 30, bis die Suns wieder richtig konkurrenzfähig sind. Gleichzeitig würde J-Smooves Vertrag, der sich auf dem Niveau eines Max-Deals bewegen dürfte, den Salary Cap auf Jahre hin blockieren. Von der fehlenden Kompatibilät mit anderen Spielern, die noch für mehrere Jahre an die Suns gebunden sind, wie Michael Beasley oder Markieff Morris, fange ich gar nicht erst an… 

Leider scheint es so, dass die Verantwortlichen in Phoenix diese Bedenken nicht teilen, sonst würde würde man sich nicht um Smith und Co. bemühen. Mit Marcin Gortat ist zudem Gegenwert vorhanden, der für die Hawks sehr interessant ist. Mit Gortat im Kader könnte Horford auf seine angestammte Position des Power Forwards zurückkehren, das Duo würde sofort zu den besten Big Men Gespannen der Liga zählen. Gortat ist mit $7.3 Mio. in dieser und $7.7 Mio. in der nächsten Saison günstig, dazu erfolgshungrig und mit 29 im besten Alter. Die Hawks hätten im Sommer immer noch massig Platz unter dem Salary Cap, um den Kader weiter zu verbessern. Eine Vertragsverlängerung mit Gortat 2014 würde auch günstiger ausfallen, als eine mit Smith in diesem Sommer. Von Seiten der Hawks ist ein Deal um Gortat durchaus realistisch. Falls es jedoch zu keinem Trade kommt, könnten die Suns ihren Caproom natürlich auch erst im Sommer für Smith aufwenden, auch wenn Smith dann keinen ganz so dicken Vertrag unterschreiben könnte, wie es bei einer vorzeitigen Vertragsverlängerung nach einem Trade vor der Deadline der Fall wäre.

Dennis Spillmann: Es gibt Gleichungen, die unlösbar sind, wenn zu viele Variablen in dieser vorhanden sind. Damit meine ich nicht, dass man nicht vorhersagen kann, wo Josh Smith in der nächsten Saison spielt, sondern folgende Variablen eigentlich nicht auf das erhoffte Ergebnis kommen können:

Max Deal für Josh Smith + nur dritte Option in der Offensive + Fokussierung auf die Defensive = erfolgreiches Team

Das Problem bei dieser recht simplen Gleichung ist: Josh Smith selbst. Er selbst sieht sich als potente erste Option und will ein Team führen, sieht sich als Allstar und dementsprechend als einer der 24 besten Spieler der Liga. Das ist er nicht und wird es nie sein. Das Problem Smiths ist einfach sein basketball-IQ. Seit vielen Jahren versuchen die Coaches in Atlanta, Josh Smith dazu zu bewegen, keine Mid-Range-Jumper oder Dreier mehr zu nehmen. Smith ignoriert das und schadet damit seinem Team. Smith trifft 29% seiner Midrange-Jumper und 30% seiner Dreier. Das ist indiskutabel. Das Problem: 40% seiner Würfe kommen aus diesen Bereichen. Eine Katastrophe für sein Team.

Wenn wir auf die oben aufgestellte Gleichung schauen, ergibt sich eventuell doch noch eine Möglichkeit: die Brooklyn Nets. Wenn Smith nicht auf einen Max-Deal verzichten will, muss er in ein Team, das aufs Geld nicht achtet und ihn gleichzeitig so sehr einschränkt, dass er nicht zu viel Verantwortung übernehmen kann. Smith wäre hinter Brook Lopez, Deron Williams und wohl auch Joe Johnson nur die vierte offensive Option, würde zudem als Defensivanker gebraucht (Brooklyn verteidigt leicht unterdurchschnittlich im Ligavergleich). Die Frage aber bleibt: bekommt Josh Smiths Kopf dies hin? Denn der steht ihm schon über die gesamte NBA-Karriere im Weg.

Hassan Mohamed: Daryl Morey, General Manager der Houston Rockets, ist bekannt dafür, viel Wert auf quantitative Methoden bei der Beurteilung von NBA-Spielern zu legen und seine Personalentscheidungen zu einem hohen Grad auch davon abhängig zu machen. Die offensive (In-)Effizienz, die Josh Smith insbesondere in den letzten beiden Jahren an den Tag legt, dürfte einem Mann mit der beschriebenen Neigung keinesfalls gefallen. Könnte es trotzdem Gründe geben, die für einen Wechsel von Smith nach Texas sprechen? Durchaus.

Die Rockets befinden sich in der aktuellen Saison im unteren Drittel der NBA hinsichtlich des Defensive Ratings – von allen aktuellen Mannschaften auf einem Playoff-Platz sind einzig die Utah Jazz schlechter. Wenn man sich vor Augen führt, dass sie mit Center Omer Asik bereits einen sehr guten Anker haben, sind es deutliche Anzeichen, dass die Mannschaft in diesem Bereich Verstärkung gebrauchen kann. Smith könnte hier Abhilfe schaffen und mit Asik eine außerordentliche Verteidigungslinie bilden. Insbesondere in Zeiten von Stretch-Fours und Flügelspielern, die die nominelle Position des Power Forwards einnehmen, sowie verstärkt teamorientierten Offensivsystemen würde ein Smith mit seiner Agilität und seinen Verteidigungskünsten den Rockets viel Nutzen bringen. Ein Nutzen, der sich auf in der Offensive auszahlen würde, denn James Harden und Co. drücken wie keine andere Mannschaft auf das Gaspedal (schnellste Pace der NBA) und eine verbesserte Verteidigung würde zu noch mehr Möglichkeiten führen – obwohl die Rockets im Angriff bereits sehr effektiv und effizient sind (zweithöchsten Punkteschnitt, vierter Platz beim Offensive Rating). Von diesem schnellen Spieltempo könnte zudem die berechtigterweise oft kritisierte Effizienz von Smith profitieren. In den letzten Jahren gehörten die Atlanta Hawks zu den langsameren und teilweise sogar langsamsten Mannschaften in der Liga. Im schnellsten Spielsystem der NBA könnten seine athletischen Attribute wesentlich besser zur Geltung kommen – möglicherweise mitsamt einem positiven Einfluss auf seine Gesamteffizienz.

Im Set Play wären Spieler wie David West oder Ryan Anderson aufgrund ihrer überlegenen Wurffähigkeiten sicherlich die bessere Wahl für Houston. Ersterer ist aufgrund seines Status als Free Agent definitiv eine Alternative, allerdings mit seinem 33. Geburtstag im kommenden Sommer auch über fünf Jahre älter als Smith. Der Aspekt, dass Mannschaften mit Ambitionen neben der Offensive auch die Defensive im Auge behalten sollten, könnte potentielle Kandidaten wie letzteren für Morey etwas weniger interessant machen. Trotz seines wackligen Wurfes sollte Smith sich aber auch im Set-Play einbringen können und eine Anspielstation für Harden oder Jeremy Lin sein, ohne diese zu weit einzuschränken, da er bei Weitem kein unbeweglicher Lowpost-Spieler ist, der sich nicht von der Zonenkante bewegt.

Den optimalen Spieler ohne jegliche Nachteile gibt es selten und wenn Smith seine exorbitanten finanziellen Ansprüche zurückschraubt – was früher oder später passieren wird – gibt es plausible Gründe, die Smith zu einer interessanten Möglichkeit für die Rockets machen.


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10 comments

  1. Anonymous

    Ich hätte eine Frage an Dennis. In wiefern hat Brooklyn denn den Capspace mit drei Max-Deals Smith zu holen?

    Ich wäre ebenfalls für Housten da diese dringend Hilfe für die Defense brauchen und Smiths Athletik perfekt zu Housten Stil passt.

  2. Dennis Spillmann

    Ich hätte eine Frage an Dennis. In wiefern hat Brooklyn denn den Capspace mit drei Max-Deals Smith zu holen?

    Capspace hat Brooklyn gar nicht. Sie müssten einen Trade vor der Deadline machen oder einen Sign & Trade im Sommer ausarbeiten. Zur Deadline würde man wohl Kris Humphries, MarShon Brooks, einen Wunschspieler (Blatche, CJ Watson oder Reggie Evans) und Picks (Erstrundenpick erst ab 2017 wieder) nach Atlanta schicken.
    Atlanta würde mit Humphries für diese Saison noch einen soliden PF bekommen, der Smith ein wenig ersetzen kann (bei den Hawks geht es mit Sicherheit auch darum, noch Geld aus den Playoffs mitzunehmen, deshalb benötigt man einen soliden PF-Ersatz), dazu mit Brooks ein Talent und einen weiteren Rollenspieler für die Playoffs. Ab dem Sommer ist Humphries ein großer auslaufender Vertrag, der dann schon fast wieder wertvoll wäre.

  3. Julian Lage

    Capspace hat Brooklyn gar nicht. Sie müssten einen Trade vor der Deadline machen oder einen Sign & Trade im Sommer ausarbeiten. Zur Deadline würde man wohl Kris Humphries, MarShon Brooks, einen Wunschspieler (Blatche, CJ Watson oder Reggie Evans) und Picks (Erstrundenpick erst ab 2017 wieder) nach Atlanta schicken.

    Öh, bist du dir da sicher mit S&T und Picks? Die Nets sind meilenweit über dem Apron, und ihre Verpflichtungen vor 2017 sind a) nur Rechte zum Tauschen und b) mit Atlanta selbst (vom Joe Johnson-Deal), so dass es sowieso völlig egal ist. Nur Zweitrundenpicks sind bis 2017 alle weg.

  4. Dennis Spillmann

    Sorry für die späte Antwort.

    Öh, bist du dir da sicher mit S&T und Picks? Die Nets sind meilenweit über dem Apron, und ihre Verpflichtungen vor 2017 sind a) nur Rechte zum Tauschen und b) mit Atlanta selbst (vom Joe Johnson-Deal), so dass es sowieso völlig egal ist. Nur Zweitrundenpicks sind bis 2017 alle weg.

    Du hast völlig recht. Ein Sign & Tarde dürfte gar nicht möglich sein. Bliebe nur der Deadline-Deal.

    Generell verstehe ich nicht, wieso ihr Houston als Favoriten seht, wenn gleichzeitig klar ist, dass Morey eigentlich einen guten Job macht. Dieser dürfte Smith dann doch eben nicht den Maxdeal geben, weil dieser keinen verdient. Eigentlich bräuchte man einen small markt, der sich einen Popularitätsschub erhofft (bspw. die Kings oder Bobcats, ohne jetzt auf deren Salary geschaut zu haben) oder einen big market, dem das Geld egal wäre und er einfach Talent anhäufen will.

  5. D41

    Wenn JS schlau wäre, würde er sich zu einem Top-Team als 2-3 Option begeben. Wenn er den Max-Deal haben will, dann denk ich da auch an die Bobcats. Jordan ist ja für seine guten Entscheidungen bekannt ^^
    Die haben im Sommer genügend Platz für einen Max-Deal, aber da will ja kaum einer hin, weil das Team kein Talent besitzt.

  6. Hassan Mohamed

    Generell verstehe ich nicht, wieso ihr Houston als Favoriten seht, wenn gleichzeitig klar ist, dass Morey eigentlich einen guten Job macht. Dieser dürfte Smith dann doch eben nicht den Maxdeal geben, weil dieser keinen verdient.

    Er will einen Maximal-Deal, aber es heißt ja nicht, dass auch er zwingend einen bekommt. Ich habe pro-Rockets geschrieben, aber nicht unter der Annahme eines solchen Vertrags. Mein Fazit war ja:

    Den optimalen Spieler ohne jegliche Nachteile gibt es selten und wenn Smith seine exorbitanten finanziellen Ansprüche zurückschraubt – was früher oder später passieren wird – gibt es plausible Gründe, die Smith zu einer interessanten Möglichkeit für die Rockets machen.

  7. Dennis Spillmann

    Er will einen Maximal-Deal, aber es heißt ja nicht, dass auch er zwingend einen bekommt. Ich habe pro-Rockets geschrieben, aber nicht unter der Annahme eines solchen Vertrags. Mein Fazit war ja:

    Den optimalen Spieler ohne jegliche Nachteile gibt es selten und wenn Smith seine exorbitanten finanziellen Ansprüche zurückschraubt – was früher oder später passieren wird – gibt es plausible Gründe, die Smith zu einer interessanten Möglichkeit für die Rockets machen.

    Oder er findet eine blöde Franchise, die ihm den Max-Deal gibt und Houston hätte eine Menge Assets weggeschickt, nur um ohne irgendwas dazustehen. Das wäre aus meiner Sicht auch kein Morey-Deal gewesen, der eigentlich durch advanced stats den Wert eines Spielers anders einschätzt als andere GMs und dann normalerweise Free Agents dementsprechend bezahlt oder einfach bei Rollenspielern erkennt, dass ihr Vertrag zu niedrig dotiert ist.

    Cleverer Schachzug am Rande: Hätte Houston Smith aufgenommen, hätte dieser gezetert, dass er 5 Jahre bei Maxbezügen will. Holt Morey ihn in der Offseason (könnte mit Max knapp werden), kann er ihm nur 4 Jahre geben. Wäre aber wahrscheinlich trotzdem zu viel und den Thomas Robinson-Trade würde dann auch kaum jemand verstehen.

    Nach der Deadline: Wer macht nun das Rennen um Josh Smith?

  8. Hassan Mohamed

    Nach der Deadline: Wer macht nun das Rennen um Josh Smith?

    Meinen Beitrag im Roundup hatte ich mit Blick auf die Free Agency geschrieben, daher bleibt es für mich bei Houston.

  9. Jonathan Walker

    Auch in Phoenix hat sich (leider) nicht viel an der Situation geändert.

    Es sei denn, die Morris Brüder schlagen nun so ein, dass das Management es nicht mehr als sinnvoll erachten, einen weiteren Forward ins Team zu holen. Wäre dann ein geschickter Schachzug Moreys gewesen. ;)


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