Boston Celtics, Minnesota Timberwolves, Off-Court

From hero to Nero

Boston im Jahr 2010: Das heimische NBA-Team gewinnt soeben ein wichtiges Spiel; das Publikum tobt. Als die letzte Sekunde von der Uhr getickt und der Sieg gesichert ist, stürmen die Spieler der Celtics das Parkett, feiern sich und ihren Erfolg. Einer von ihnen schlägt sich mit der Faust gegen die Brust, zupft stolz am Team-Logo auf seinem Trikot und brüllt Beleidigungen in Richtung des Gegners, der geschlagen aus der Arena trottet. Der Name des Spielers?

Photo: BangEmSmurf (Lizenz)

Nate Robinson.

Wer bei dieser Beschreibung an Kevin Garnett dachte, liegt damit jedoch meist auch nicht verkehrt. Wannimmer in Boston Negativschlagzeilen produziert werden, mischt Garnett nämlich vorne mit, was dazu geführt hat, dass viele Fans ihn als ersten Celtic mit solchen Meldungen in Verbindung bringen – „in dubio pro reo“ gilt in seinem Fall nicht mehr.

Garnetts zweifelhafte Reputation ist allerdings auch harterarbeitet. Was der ehemalige MVP und Defensive Player of the Year sich seit seiner Ankunft in Boston vor drei Jahren an Eskapaden geleistet hat, erhält ganze Redaktionen am Leben: kaum ein Spiel, in dem er nicht durch Aussetzer glänzt, und kaum ein Tag, an dem sein Verhalten die Menschheit nicht an seiner geistigen Gesundheit zweifeln lässt.

Ist der Ruf erst ruiniert…

Garnett betreibt das, was landläufig „trash talk“ genannt wird, und schüttet seinen Müll aus, als gäbe es kein Morgen: Er beschimpft seine Gegenspieler im „deine Mudda“-Stil und kassiert dafür technische Fouls. Er verteilt Ellenbogenschläge und fliegt deshalb aus dem Spiel. Er beleidigt und provoziert, wo er nur kann, bis er mehr durch fragwürdige Aktionen als durch sportliche Leistung auffällt. Der vorläufige Tiefpunkt war erreicht, als er Charlie Villanueva angeblich einen „Krebspatienten“ nannte. Villanueva, der aufgrund einer Krankheit keine Körperbehaarung hat, beklagte sich anschließend öffentlich via Twitter, und der jüngste Skandal um Garnett war geboren.

Nun hatte Garnett selbst vor seinem Wechsel zu den Celtics längst keine reine Weste mehr: Auseinandersetzungen mit Gegenspielern – auch solche körperlicher Art – reichen bis früh in seiner NBA-Karriere zurück. Dennoch ist beim Publikum das Gefühl entstanden, dass es in Boston um ein Vielfaches schlimmer geworden ist, und Garnett gibt sich größte Mühe, diesen subjektiven Eindruck einiger zur akzeptierten Überzeugung aller werden zu lassen.

Wie ist es soweit gekommen?

Will man diesem Phänomen auf den Grund gehen, lohnt sich ein genauer Blick auf Garnetts Charakter, an dem so lange kein Zweifel bestand. Im Gegenteil: Garnett war ein Vorzeige-Star mit der Mentalität des harten Arbeiters – und das als erster Prep-to-pro seit Moses Malone 20 Jahre zuvor. Auch wenn einige hoffnungsvolle High-School-Athleten ihm auf seinem Weg folgten und kläglich dabei scheiterten, ist Garnetts Entscheidung, ohne den Umweg „College“ in die NBA zu gehen, doch nie ernsthaft kritisiert worden – zu gut war der Spieler auf dem Feld und zu überzeugend der Mensch abseits davon.

Will man Garnett in einem Wort beschreiben, ist „Ehrgeiz“ wohl keine schlechte Wahl. Er hasse es, zu verlieren, sagte der Forward mal in einem Interview; es bringe ihn um. Dieser Ehrgeiz ist es auch, der ihn bis heute angetrieben hat, zunächst als Franchise-Spieler im provinziellen Minnesota und die letzten Jahre als Franchise-Retter im sagenumwobenen Boston. Garnetts Einstellung zum Sport ist dabei stets dieselbe geblieben:

„Ich habe meinen Mitspielern immer gesagt: „Wenn ihr nicht glaubt, dass wir gewinnen werden, wenn ihr nicht hier seid, um alles zu geben und die Meisterschaft anzustreben, dann geht, denn ihr verschwendet eure Zeit, und ihr verschwendet unsere Zeit. Wir sind hier, um zu gewinnen.“

„Wir“ ist ein wichtiges Wort in Garnetts Vokabular. Es ist kein Pluralis majestatis oder eine Distanzierung à la LeBron James, der gelegentlich in der dritten Person von sich spricht. Garnett meint mit „wir“ seine Mitstreiter und sich, denn er sucht den Zusammenhalt mit denen, die wie er nach Erfolg streben. Dieses Gemeinschaftsgefühl hat aber auch seinen Preis, denn es gibt kein „Wir“ ohne „die“, keine verschworene Einheit ohne eine klare Abgrenzung gegenüber „denen“.

„Die Anderen“ sind in Garnetts Fall all jene, die seinem Erfolgsdrang im Weg sind, vornehmlich gegnerische Spieler, aber auch durchaus solche in den eigenen Reihen, die im Verdacht stehen, nicht die nötige Leistung zu bringen oder gar nicht bringen zu wollen. Ihnen gegenüber verhält Garnett sich hart und unerbittlich, bisweilen sogar provozierend und angriffslustig.

Fehlende Konsequenz

Hier zeigt sich jedoch der erste Riss in Garnetts „tough guy“-Image. Es hat in der NBA andere Charaktere gegeben, die sich ähnlich extrem verhielten, doch sie schreckten auch vor den Besten und Stärksten nicht zurück. Garnett hingegen wird nachgesagt, seine Aggressionen bevorzugt an den Schwächsten auszulassen: an Rookies und No-Name-Spielern sowie an (weißen) Ausländern.

Über die Hintergründe dieser speziellen Auswahl seiner „Opfer“ lässt sich lange spekulieren. Möglicherweise trifft eine Beobachtung zu, die vom damaligen Timberwolves-Coach Flip Saunders schon vor anderthalb Jahrzehnten gemacht wurde: Garnett habe „Respekt für die Leute, die vor ihm dagewesen sind und was sie getan haben“, weswegen „er fühlt, dass er mit Leidenschaft spielen und alles geben muss, was er hat“.

„Das Leben eines Neuen ist nicht viel wert, weil er nicht viel geleistet hat“, heißt es in der deutschen Fassung des Films Platoon – in der NBA gilt das für junge und unerfahrene Spieler, die nur auf eine kurze Karriere zurückblicken können. Der Militär-Vergleich passt auch zu Garnett, der seine Vorbereitung auf eine entscheidende Playoff-Partie mal mit den Worten beschrieb: „Spiel 7; jetzt geht es um alles. Ich lade die Pump; ich lade die Uzi; ich habe Granaten, Raketenwerfer. Ich bin bereit für den Krieg.“

Auch die Konfrontation mit Ausländern ist erklärbar, wenn es um einen Menschen geht, der ein konkretes Feindbild offenbar für die eigene Motivation braucht und dabei ein US-amerikanisches Publikum hinter sich weiß, das für einen x-beliebigen Serben oder Franzosen kaum  parteiergreifen wird – „wir“ gegen „die“ eben.

Der emanzipierte Star

Dieses Schwarz-Weiß-Denken erklärt allerdings noch nicht die krasse Veränderung, die sich in Garnetts Wesen gezeigt hat, seit er den Timberwolves den Rücken zukehrte und bei den Celtics anheuerte. Vielleicht war es jedoch gerade der Wechsel von der „Kleinkunstbühne Minnesota“ ins Rampenlicht der nationalen Medien, der entscheidenden Anteil an Garnetts Radikalisierung hatte.

Immerhin fristete Garnett über viele Jahre ein trauriges Dasein ohne Chance auf großen Erfolg. Immer wieder war er bei den Timberwolves auf sich allein gestellt. In Boston hatte er dann auf einmal Spieler gleichen Kalibers an seiner Seite und endlich auch Aussicht auf Erfolg. Er ähnelt dem Jungen, der von zwei Angreifern in die Enge getrieben wird, als plötzlich drei seiner Kumpel auftauchen: Schlagartig „geht was“; er kann protzen und rücksichtslos seinen Frust ablassen.

Photo: orangetaki (Lizenz)

Man kann erahnen, was sich über all die tristen Jahre in Minneapolis in Garnett angestaut haben muss und neben Paul Pierce und Ray Allen endlich ein Ventil fand. Dieser starke Gegensatz des sportlichen Schicksals mag Garnett aber auch vor Augen geführt haben, wieviele Jahre er mit der Suche nach exakt der Situation, wie er sie in Boston vorfand, verloren hatte. Die Zeit für Erfolge drängte, und dies zu wissen, dürfte Garnetts Ehrgeiz nochmals gesteigert haben.

Und es kommt ein weiterer Faktor hinzu: So gut Garnett die Celtics gemacht hat, ist er längst nicht mehr der Spieler, der noch in Minnesota zu den besten der Liga gehörte. Knieprobleme und der pure Verschleiß einer langen Karriere haben ihm viel von seiner einzigartigen Athletik genommen. Garnett kompensiert dieses Manko durch mehr Reden, mehr Gesten, mehr Psycho-Spielchen – der Geist soll das ausgleichen, was der Körper nicht mehr zu leisten vermag.

Aussagen von Joakim Noah und Andray Blatche deuten darauf hin, dass diese Strategie funktioniert: Immer mehr (gerade junge) NBA-Profis zeigen sich öffentlich genervt von Garnett, der für sie mehr aus persönlichen als aus sportlichen Gründen zu den unangenehmsten Gegenspielern gehört. Bostons Bilanz der vergangenen Jahre, die von einer Meisterschaft und einer weiteren Finals-Teilnahme geprägt gewesen sind, lässt zudem keinen Zweifel daran, dass Garnetts Taktik aufgegangen ist und sein Einsatz sich sportlich bezahlt gemacht hat.

Der Preis des Erfolgs

Dafür droht Garnett allerdings an anderer Front zu verlieren, und diese Niederlage würde ihn vermutlich noch weit nach seinem Karriereende verfolgen, denn er setzt nicht weniger als seine Glaubwürdigkeit als Mensch aufs Spiel. Solange die Fans ihn gekannt haben, ist er für eine Sache berühmt gewesen: mit Leib und Seele Basketballer zu sein:

„Wenn ich keinen Freund hatte, wenn ich einsam war, wusste ich, dass ich mir immer die orangene Pille schnappen und zocken gehen konnte. Wenn die Dinge nicht gut liefen, konnte ich körbewerfen und mich besser fühlen.“

Diese Wahrnehmung drängte über Jahre alles Andere in den Hintergrund, bis irgendwann der Eindruck entstand, Garnett habe gar kein Leben jenseits des Basketballs. Wie heißt seine Frau? Hat er Kinder? Wieviele Autos besitzt er? All das ist spontan nicht so einfach zu beantworten wie Fragen nach seiner Wurftechnik oder seinem Reboundschnitt.

Genau aus diesem Grund wiegt der Image-Schaden bei Garnett ungleich schwerer als bei anderen NBA-Spielern, die sich Fehltritte leisten. Garnett hat keine Colorado-Affäre wie Kobe Bryant, keine häusliche Gewalt wie Jason Kidd, keine Drogenkontakte wie Carmelo Anthony. Er stellt keine Skandale neben sein Spiel; er stellt sie in sein Spiel. Er untergräbt das einzige, wofür er jemals bekanntgewesen ist, und die Zuschauer können nicht weggucken, weil es bei Garnett, den sie ihn nur als Basketballer kennen, eben nichts gibt, was einen ablenken kann.

Garnett rüttelt an seinem eigenen Fundament, und die Erschütterungen sind auch abseits des Feldes spürbar. Plötzlich ist er nicht mehr der Mann, der 2006 den J. Walter Kennedy Citizenship Award erhielt, nachdem er einen siebenstelligen Betrag für die Flutopfer in Louisiana gespendet hatte. Sein Verhalten erinnert die Menschen vielmehr daran, dass Garnett als Schüler den SAT nicht packte und deshalb nicht ans College gehen konnte. Das wiederum lässt seinen direkten Weg in die NBA in ganz anderem Licht erscheinen.

Auf die Art wird alles, was Garnett bisher erreicht hat, völlig neu bewertet, und es besteht die Gefahr, dass seine letzten, aus dem Rahmen fallenden Profijahre in der Retrospektive eine an sich vorbildliche, großartige Karriere überschatten werden.

Kevin Garnett, der immer nur gewinnen wollte, arbeitet hart an seiner größten Niederlage.

Photo: Keith Allison (Lizenz)
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9 comments

  1. Abgesehen davon, dass zunächst geschrieben wird “ihm wird nachgesagt, seine Aggressionen bevorzugt an den Schwächsten – also Rookies und No Name-Spielern sowie (weißen) Ausländern abzulassen” und dieses “ihm wird nachgesagt” anschließend als Faktum hingestellt wird, ohne Beispiele zu nennen – mir fallen zwar spontan mit Bayless und Calderon zwei ein, die die genannten Kategorien treffen, aber sollte das meiner Ansicht nach vom Autor gelifert bekommen, wenn es denn als Faktum genannt wird: Jordan war einer der größten Trash Talker überhaupt. Die Pistons haben in den Achtzigern und Neunzigern ihre ganze Identität auf “wir gegen die” begründet. Die New York Knicks Anfang der Neunziger waren als “tough guys” bekannt, haben auf dem Spielfeld rumgehackt und auch immer deftige Wortsalven abgefeuert. Reggie Millers größte Momente sind mit Trash Talking und makabren Gesten verbunden. Insofern wird Garnett sicherlich nicht seine Karriere ruinieren, sondern man wird sich irgendwann auf das sportliche besinnen. Und ich will nicht wissen, wie damals junge Spieler gejammeert hätten, hätte es twitter schon gegeben. Insofern ist das eher mit Vorsicht zu genießen.

    Und zu dem Ziitat vor einem siebten Spiel in den Playoffs: Sicherlich ist das sehr drastisch und für uns Europäer befremdlich. Aber wenn man sich mal vor Augen führt, welche Termini tagtäglich in der NBA gebraucht werden – angefangen bei “he shoots the ball”, “he’s on fire”, “he ripped him apart” usw. – ist das wirklich so verwunderlich? Auf TrueHoop gab es mal einen schönen Eintrag dazu, nachdem es den Waffenskandal um Arenas gab. Man mag davon halten, was man will, aber er fällt mit solchen AUssagen nicht aus dem Raster. Und selbst in Europa wird ja zum Beispiel gerne mal von der “Battle of Britain” geredet, wenn im Europapokal englicshe und schottische Teams aufeinander treffen.

  2. Christian Neumann

    |Author

    Ja, es stimmt wohl; da waren Beispiele angebracht. Auch das Offensichtliche sollte entsprechend belegt werden.

    Die übrigen Ausführungen finde ich schwerer zu kommentieren, da sie meine Thesen nicht abstreiten oder gar widerlegen, sondern nur relativieren wollen, was unterm Strich wohl unter “Ansichtssache” fällt.

    Danke für die kritische Stellungnahme.

  3. Wie gesagt, ich will hier ja auch gar nicht Garnett verteidigen – solche Aussagen wie “Ich bin bereit für den Krieg” finde ich auch befremdlich. Es war einfach nur so, dass mir beim Lese spontan einfiel, dass in den USA sowohl zu Waffen allgemein als auch mit deren Verwendung in Phrasen ein etwas anderes Verhältnis herrscht. Das finde ich auch nicht gerade begrüßenswert, aber das erklärt vielleicht ein bisschen, wie es überhaupt zu solchen Aussagen kommen kann.

    Sonst (wie eigentlich immer hier) ein schöner Artikel, insofern bitte meinen Kommentar nicht zu negativ beurteilen 🙂

  4. Sebastian Hagner

    @Malte:

    Was Garnetts Kriegswaffen-Vergleich vor dem 7. Spiel angeht (müsste 2004 in der Serie gegen die Kings gewesen sein), so hat das damals aber auch in den USA für Befremden gesorgt, wenn ich mich recht entsinne, und Garnett sah sich dann genötigt, diese Aussagen mehr oder weniger zurückzunehmen.

  5. Daniel Elich

    Hallo,

    ich verfolge als NBA Fan und im speziellen KG Fan, die NBA + die Karriere des Kevin G. nun schon seit 16 Jahren.
    Was man fest stellen kann als “Zuschauer” ohne im näheren Umkreis der Spieler zu sein, was zumindest für uns deutschen Fans ja alle zutrifft, ist das KG in den letzten Jahren eindeutig härter geworden ist. Wenn ich an seine ersten Seasons in Minnesota denke, war er der lange, schlacksige Forward, der IMMER lächelte, freundlich und sehr höflich wirkte. Da war KG jedoch 18,19, 20 Jahre alt. Inzwischen spielt er seine 16! Season bei einem Team, dass im Osten seit mehreren Jahren dominiert und gewinnen will, gewinnen MUSS. ( Verweis http://espn.go.com/video/clip?id=5881133 )

    Klar ist daher: KG ist nicht mehr everybodys darling wie zu seinen Anfangszeiten in Minnesota, aber anzudeuten oder gar zu unterstellen er sei psyisch gestört oder krank, finde ich 1) aus der Rolle des ZUSCHAUERS heraus sehr gewagt, wenn nicht gar dreist und 2) KG in diesem Fall, jedoch auch jedem Anderen gegenüber ebeneso, NUR beleidigend!

    Auch die Andeutung KG habe NUR den Sport, nichts anderes im Leben, ist letztendlich eine haltlose Vermutung, die sehr wahrscheinlich wenig auf Fakten beruht.
    Auch hier zu Lande gibt es EINIGE Prominenz, die SEHR BEWUSST Familie und Freunde aus ihrem öffentlichen Leben heraus hält.
    Daher ist es sehr wohl möglich, dass KG dies in den USA ebenso mit Erfolg forciert und wir als Zuschauer/Fans nur so wenig aus dem Privatleben des Kevin Garnetts wissen.

    Das die Fans der Boston Celtics KG nicht mögen oder ihn gar für einen Psycho/Freak halten, ist für mich zumindest in keinster Weise ersichtlich.

  6. Christian Neumann

    |Author

    Ich beschreibe die Wahrnehmung des Publikums, basierend auf den Kommentaren, die vielerorts zu lesen/hören sind. Davon leiten meine Erklärungsversuche sich dann ab. Ich denke nicht, dass ich den Inhalt des Artikels als absolute Tatsache präsentiert habe.

  7. Micha

    Ich finde diesen artikel verdammt schlecht. Da ist nichts investigatives, sondern ein gemisch aus unbelegten behauptungen, verdeckten beschimpfungen und wagen vermutungen…
    Nur mal so zum Beispiel, Kevin Garnett hat 2004, nachdem sie schon einige Jahre zusammen waren seine Freundin Brandi geheiratet. Woher ich diese höchst geheime Information nehme? Steht in Wikipedia.
    Noch witziger find ich ja Punkte die sich teilweise selbst erklären. Jeder weiß, dass die Amis Kriegsgeil sind, und dass er nicht der hellste ist erklärt wohl der Part mit den SATs. Gibt es wirklich etwas verwunderliches an einem dummen US-Patrioten, der ein wichtiges Spiel mit dem Krieg vergleicht? Dass Podolski ein Vollidiot ist weiß auch ganz Deutschland, genauso dass Pressekonferenzen mit ihm mehr zur Belustigung taugen als zu irgendetwas anderem, aber er kann Fußballspielen, und die Nation liebt ihn dafür. Ist doch vollkommen egal ob KG und Podolski über Kernphysik promovieren, Fußball als Schach ohne Würfel bezeichnen oder ihre geistige Pumpgun abfeuern, solange sie spielen können.
    Oder…Ihn interessiert nichts außer Basketball? Wieso spendet er dann eine siebenstellige Summe für Flutopfer? Nur um das nochmal zu wiederholen: Siebenstellig. Das ist mindestens 10 mal mehr als irgendjemand der diese Zeile hier liest jemals besitzen wird.

    Sorry, einige Artikel hier sind wirklich gut, aber solange solche Artikel hier kommen, die sich lesen wie der Sportteil der Bild, sag ich go-to-guys keine große Zukunft voraus… Wenn ihr über Spieler schreiben wollt, dann tut es bitte über Spieler denen ihr neutral gegenübersteht, bezüglich ihren Leistungen und versucht nicht einen Spieler den ihr nicht leiden könnt zu diffamieren und es als Artikel zu “tarnen”
    Danke.

  8. Hallo Micha,

    danke für deinen Kommentar, und dass du Go-to-Guys auch bis zu diesem Artikel schon verfolgt hast – und dies hoffentlich auch weiterhin tust.

    Inhaltlich habe ich Probleme, deinen Gedankengängen zu folgen.
    Ich sehe in dem Artikel keine unterschwellige Diffamierungskampagne gegen Garnett laufen. Die aufgezählten Vergehen (Beschimpfungen, für die er Ts bekommt; Ellenbogenschläge; Krebspatient) sind alle leider vorgefallen.

    Die folgenden Absätze missverstehst du dann komplett. Die Intention des Redakteurs war es, die ambivalente Beziehung zwischen dem Privatleben Garnetts und dem Sportler Garnett aufzuzeigen. Es ist ja schön, dass du weißt, wie seine Freundin heißt, aber was weißt du noch über sie? Über Hobbies, Skandale, Kinder? Es gibt bei Google gerade mal 3000 Suchergebnisse zu ihrem Namen. Garnett ist ein absoluter Superstar dieser Liga für eine Dekade und es gibt nichts zu seinem Privatleben. Und genau dieser Umstand (der eigentlich gutgeheißen werden muss) fokussiert alles auf den Sportler Garnett.

    Dazu ist das ausgewählte Beispiel Lukas Podalski auch einfach unpassend. Es gibt genug Idioten, auch in der NBA, die sich aber auf dem Feld immer so verhalten, wie man es erwarten darf. Garnett tut das aber eben nicht. Garnett benimmt sich auf dem Feld wie pubertierende Teenager in ihrem Viertel. In dieser Häufung habe ich spontan überhaupt kein Beispiel, wer auch nur annähernd an Garnett heranreicht.

    Ich widerspreche einer Aussage des Artikels aber auch: Garnett zerstört seinen Ruf nicht, weil er nichts von seinem Privatleben Preis gibt, sondern weil er sich auf dem Feld einfach nicht benehmen kann.
    Viele Fans können zwischen dem Privatmann Jason Kidd und dem Sportler trennen. Kidd hat sich auf dem Feld nie etwas zu Schulden kommen lassen. Garnett zerstört aber seinen Ruf eben genau auf dem Feld, nicht abseits des Courts. Das kann er auch mit guten Taten wie der Flutopfer-Spende nicht revidieren, weil die Fans auch hier wieder zwischen Privatperson und Sportler unterscheiden können.

    Ich würde abschließend gerne nochmals in Erfahrung bringen wollen, wo denn die diffamierenden Passagen genau zu finden sind, damit ich weiß, was du meinst.

    Danke für das umfangreiche Feedback.

    Dennis

  9. Micha

    OK, diffamieren ist vielleicht übertrieben. Aber was ich meine ist, dass der Artikel keine sachliche Abhandlung über den Spieler Kevin Garnett ist, sondern, meiner Meinung nach, eher eine Zusammenstellung von Fakten, Vermutungen und Behauptungen, die allesamt soweit als irgend möglich gegen ihn ausgelegt werden. Zumindest wirkt es so auf mich. Einige Stellen, die, für mich, den Artikel absolut nach BILD-Sportteil aussehen lassen:

    “Garnett betreibt das, was landläufig „trash talk“ genannt wird, und schüttet seinen Müll aus, als gäbe es kein Morgen: Er beschimpft seine Gegenspieler im „deine Mudda“-Stil und kassiert dafür technische Fouls.”
    Nahezu jeder NBA-Spieler tut das. Der Sinn des trashtalking ist den Gegner zu verunsichern. Dazu sagt man nicht “Ich finde dich unsympathisch” sondern “Ich mach dich fertig, du machst heute keine Punkte mehr, [Beleidigung]” Und man reißt auch keine Deine-Mutter-*Witze* (Was man im deutschen wohl unter deine-mudda-stil versteht) sondern sagt so etwas höchstens ernsthaft. Das weiß der Author genau so gut wie du und ich, davon gehe ich aus. Trotzdem schreibt er es, als würde sonst kein anderer Basketballer auf dem Feld ein Wort sprechen, und Garnett würde blind Beleidigungen brüllend übers Spielfeld rennen.

    “Immerhin fristete Garnett über viele Jahre ein trauriges Dasein ohne Chance auf großen Erfolg.”
    Das kann man so sagen. Könnte man aber über viele Spieler so sagen. Brandon Roy vom Lieblingsteam des Autors zum Beispiel. Aber schätze über ihn hätte er durchaus eine andere Formulierung gefunden.

    Oder auch nur der Anfang…
    “Garnetts zweifelhafte Reputation ist allerdings auch harterarbeitet. Was der ehemalige MVP und Defensive Player of the Year sich seit seiner Ankunft in Boston vor drei Jahren an Eskapaden geleistet hat, erhält ganze Redaktionen am Leben: kaum ein Spiel, in dem er nicht durch Aussetzer glänzt, und kaum ein Tag, an dem sein Verhalten die Menschheit nicht an seiner geistigen Gesundheit zweifeln lässt.”
    Doch, er hat so einige solcher Spiele. Jede Menge sogar. Immerhin ist er, ganz offensichtlich, einer der besten Basketballer, in den letzten 15 Jahren gewesen, und auch jetzt noch. Wäre das möglich, wenn er so nuts wäre, wie es im Text rüberkommt? Wenn den Text jemand liest, der nichts über KG weiß, dann dürfte sein Eindruck am Ende sein, dass es sich bei ihm um einen soziopathischen alten Mann handelt, der beleidigend übers Spielfeld kriecht und den keiner mag. Genau genommen ist er aber ein Ausnahmespieler, hält Rekorde zur Genüge, besitzt für sein Alter noch immer erstaunliche Athletik, taucht immer noch regelmäßig in den Highlights auf (2 mal war er letzte Woche in den Top 10, wenn ich mich nicht irre) Aber natürlich ein Ausnahmespieler, der sich durch Top-körperliche Defense auszeichnet, die er noch durch geistige verstärkt. Und das geht, meiner Meinung nach unter.

    Oder auch der Teil mit “Wir gegen sie”…Das ist nicht Garnetts dreckiger Trick, sondern Teamdenken, was schon Jugendspielern in jedem funktionierenden Team vermittelt wird.

    Das ist alles meine persönliche Meinung zum Text, ich empfinde ihn als unangenehm und nicht investigativ. Das kann durchaus jemand anders sehen.
    Ich will mit diesen Kommentaren nur zum Ausdruck bringen, dass ich diese Seite wirklich toll fand, eine deutsche Seite die sich mit den NBA-Hintergründen beschäftigt, eben nicht wie die anderen, die nur posten was ich auch selber aus dem nba.com-Newsticker übersetzen kann. Und genau deshalb fand ich es schade, auf einmal einen Artikel vor der Nase zu haben, der mich an Journalismus ala Bild erinnert.
    Aber es kann durchaus sein, dass genau diese Artikel aus praktischer Sicht für euch wichtig sind, weil vielleicht auch Leute genau deswegen mitlesen, Leute denen es mehr wie mir geht können sie ja auch einfach überlesen.
    Ich denke nicht, dass hier eine Diskussion aufkommen sollte, da wir vermutlich jeder von unserem Standpunkt überzeugt sind.

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