Playoffs, Playoffs 2015

Ändert das Playoff-Bracket!

Warum das bisherige Format ausgedient hat

3-0. Zwei Mal. Die diesjährigen Conference Finals bieten bisher nicht das, was man erwartet und worauf man sich ein Jahr darauf gefreut hatte. Im Osten dominieren die Cleveland Cavaliers trotz des Verlustes von Kevin Love und dem zeitweiligen Ausfall Kyrie Irvings locker die Atlanta Hawks, wo ein angeschlagener LeBron James immer noch reicht, um auch Spiel 3 zu gewinnen. Im Westen hielten die Houston Rockets in Oakland in beiden Spielen fabulös dagegen, nur um in Spiel 3 komplett abgeschlachtet zu werden. Im schlimmsten Fall (zwei Sweeps vorausgesetzt) haben wir neun Tage Basketballlosigkeit vor uns. Wie kann dies in Zukunft verhindert werden?

Das Ernüchterndste zu Beginn: Sweeps können natürlich nicht verhindert werden. Der Sweep der Warriors in Rudne 1 gegen New Orleans hätte mit ein-zwei besseren Entscheidungen der Pelicans auch schnell in einem  4-1 oder 4-2 münden können. Unsere Forderung besteht im Grunde auch nicht darin, dass wir keine Sweeps mehr wollen, sondern, dass wir hochklassigen Basketball geboten bekommen, wo die besten Teams aufeinandertreffen und wir den Sport genießen können, den wir lieben. Wenn dies vier umkämpfte Spiele sind, die (leider) immer nur ein Team für sich entscheidet, ist dies völlig legitim. Wir wollen also vor allem etwas, die Playoffs eigentlich implizieren sollten: die besten Teams.

Forderung 1: Kein besonderes Seeding für den Divisionsieger

Es ist seit jeher ein schwaches Argument in der heutigen Zeit gewesen, darauf zu bestehen, dass jede Division einen Playoffteilnehmer stellen muss. Dass diese Regel nicht unumstößlich ist, zeigt die Regelanpassung nach der San Antonio Spurs vs. Dallas Mavericks-Serie, als diese 2006 als Seeds #1 und #4 aufeinandertrafen, obwohl die Mavericks den zweitbesten Record im Westen stellten. Bis zu diesem Zeitpunkt galt die Regel, dass die ersten drei Plätze im Ranking für die Division-Sieger reserviert waren. Die Mavericks als 73%-Siegteam mussten sich mit Platz 4 begnügen. Der damalige Dritte – die Denver Nuggets als Sieger der Northwest-Division – hatten 16 Spiele weniger gewonnen als Dallas! Zur Folge hatte dies, dass wir die epische Sieben-Spiele-Serie der Spurs und Mavericks mit Overtime in Spiel 7 in der zweiten Runde bekamen und nicht dort, wo sie – ausgehend vom Standing und der Leistungsstärke – eigentlich hingehörte: in die Western Conference Finals.

In dieser Saison wirkte sich diese Regel wiederum negativ für den objektiven Fan aus: Die nach dem Record nur sechstbesten Portland Trail Blazers sicherten sich im Seeding den vierten Platz, weil zufällig kein weiteres gutes Playoff-Team in der Northwest-Division spielte, da die Oklahoma City Thunder extreme Verletzungssorgen hatten. Die Folge? Wir bekamen in Runde 1 die Serie zwischen den Los Angeles Clippers und den San Antonio Spurs. Bei einem Reseeding hätten wir die Serie frühestens in den Western Conference Finals gesehen, womöglich aber auch nie, weil die Spurs in Runde 2 auf die Golden State Warriors getroffen wären.

Was bisher immer übersehen wurde, ist der Einfluss der Divisionkrone auch auf die Setzliste bei Teams mit demselben Record. Die Houston Rockets waren eigentlich nicht der #2 Seed in diesem Jahr! Sie sind es geworden, weil die Clippers zufällig mit den Warriors in einer Division spielen und deshalb nicht Division-Champ werden konnten. Bei gleichem Record gilt zunächst der Divisiongewinn als erster Tiebreaker. Danach folgt der direkte Vergleich (die Clippers und Houston trennten sich 2-2), drittes Entscheidungskriterium ist die Bilanz gegen die eigene Conference: Dort hatten die Clippers vier Spiele mehr gewonnen als der die Rockets. Würde Los Angeles also zur Northwest Division zählen, wären die Clippers der #2-Seed gewesen. Sie hätten in Runde 2 gegen die Rockets Heimrecht gehabt. Vielleicht würden wir die Clippers heute noch in den Playoffs sehen.

Die Bevorzugung des Divisionsiegers trägt in dieser Saison massiv dazu bei, dass sich im Westen das Playoffbild verändert. Es werden Teams für ihre guten bzw. besseren Saisons nicht belohnt. Um dies nochmals zu verdeutlichen, schauen wir uns die Matchups im Westen an, wenn man die Regel des Divisionsiegers abschaffen würde:

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Runde 2 mit Golden State vs. San Antonio und Los Angeles gegen Houston hätte uns das Duell der beiden besten Teams nach dem Allstar-Break eingebracht; ob die Clippers nicht Houston geschlagen hätten, ist zudem eine weitere spannende Frage. Im Western Conference Finals ständen dann die Warriors oder Spurs den Clippers gegenüber. Das Herzschlagfinale aus Runde 1 hätten wir nun – statt eines vermeintlichen Sweeps – im Western Conference Final gehabt. Eine epische Sieben-Spiele-Schlacht – so denn die Spurs die Warriors irgendwie bezwungen hätten. Wenn nicht, hätten wir das Duell der beiden besten Offensiven des Jahres gehabt – und wir müssten zudem nicht daran zweifeln, wie unglaublich gut die Warriors sind, denn sie hätten die Spurs und die Clippers gespielt. Einige Restzweifel blieben ob des jetzigen Weges (New Orleans, Memphis, Houston) sicherlich bestehen, wenn man nicht gegen die Teams spielen musste, die vor den Playoffs als die größten Contender im Westen gehandelt wurden.

Dies soll die Leistungen von Golden State und auch Houston überhaupt nicht schmälern. Beide haben abgeliefert und sich den Platz in den Western Conference Finals redlich erkämpft. Der objektive Fan will trotzdem die „Gewissheit“, dass dort wirklich die besten Teams spielen. Das Seeding hat dies zerstört und Teams benachteiligt. Deswegen sollte die Divisionregel so schnell wie möglich fallen.

Forderung 2: Ein Playoff-Bracket, keine Trennung zwischen West und Ost

Machen wir uns nichts vor, das ist der Elefant im Raum, der bei aller Konsequenz nun angesprochen werden sollte. Die Eastern Conference Finals sind eine Farce. Die momentan vertretenen Atlanta Hawks oder Cleveland Cavaliers (ohne Kevin Love) hätten mit großer Sicherheit die zweite Runde im Westen nicht überlebt. Es ist momentan gar nicht zu benennen, was abschreckender ist: Dass die Cavaliers ohne Love und Irving auf Finalskurs sind – oder dass ein seit Playoffbeginn underperformendes Hawks-Team trotzdem in die Conference-Finals vordingen konnte, nur um dann völlig auseinanderzufallen. Seit der Kevin-Love-Verletzung gibt es kaum noch eine Berechtigung, dass die NBA in zwei Conferences aufgeteilt ist, sodass wir zwingen Vertreter aus Ost und West in den Finals benötigen.

Dass dies kein Einzelfall ist, wird nach einer Betrachtung der letzten Jahre deutlich: Die Pacers hätten in den Vorjahren auch keine zwei Runden im Westen überstanden und ob die Bulls wirklich ihre 75%-Quote im Jahre 2012 gerechtfertigt hätten, steht in den Sternen. Genau dies sollte es aber eigentlich nicht. Vielleicht unterschätzen wir diese Teams auch einfach und stehen ihnen nicht genügend Respekt zu. Dies liegt einzig daran, dass wir keine Vergleichbarkeit bekommen: Gebt uns ein großes Seeding! Dann finden wir einfach heraus, ob unsere Thesen stimmen oder die Ostteams uns Lügen strafen.

Vor allem werden aber alle Teams für ihre Leistungen in diesem Jahr belohnt. Wir brauchen –auch finanzielle – Entschädigungen für gute Arbeit von den Coaches oder dem gesamten Staff. Wenn man 55% seiner Spiele gewinnt, ist es einfach nicht erklärbar, warum man die Playoffs verpasst, wenn ein 46%-Team teilnehmen darf. Auch abseits der finanziellen Motive (mindestens 2 weitere Heimspiele), ist es sportlich nicht vertretbar. Die Teams haben bessere Arbeit geleistet und werden ausgeschlossen, weil sie zufälligerweise zum Westen zugeordnet wurden. Die Leidtragenden – in einem geringeren Maße natürlich – sind auch die Fans. Wir wollen die besten Teams in den Playoffs sehen, ganz einfach. Wir wollen den bestmöglichen Basketball bestaunen. Es braucht keiner den 48%-Celtics-Sweep der Cavaliers mit ansehen.
Es ist auch aus finanzieller Sicht für die Liga einfach ungeschickt. Diese Teams repräsentieren die Liga im Fernsehen. Bessere Matchups versprechen mehr Zuschauerzahlen und damit mehr Aufmerksamkeit für die Liga und den Sport. Es sprechen zudem schlicht keine Argumente gegen eine Belohnung der sportlichen Leistung. In der heutigen Zeit kann gerade das Reise-Argument keines mehr sein, wenn wir in der Regualr Season Back-to-Backs haben und dies von der NBA auch so gewollt ist.

Im Vordergrund sollte aber die Belohnung der Teams stehen. Oklahoma City hat mehr in dieser Saison geleistet als Boston und Brooklyn. Die Thunder haben mit einem schwereren Spielplan mehr Spiele für sich entscheiden können. Wieso soll dies nicht belohnt werden? Die Antwort darauf fällt schwer.

Darüber hinaus ergibt sich durch das Aufbrechen der Conferences ein völlig neues Playoffbild, was – wiederum gut für die Liga – in den letzten Spieltagen für noch mehr Spannung sorgen kann, weil nicht achte Teams um eine Platzierung in ihrer Conference kämpfen, sondern 16 in einer großen Setzliste. Plötzlich haben wir nicht nur den Kampf zwischen Houston, San Antonio, Memphis und den Clipeprs im Westen um die Plätze 2-6, sondern auch noch einen Wettstreit zwischen Portland (kein Divisionsieger mehr), Chicago, Toronto und Dallas um eine bestmögliche Platzierung. Und schenkt Phoenix wirklich 10 der letzten 11 Partien ab, wenn man noch 16. werden könnte?

Ein Seeding ohne Conferences würde so aussehen:

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Davon ab, dass wir Golden State trotzdem nicht gegen die Clippers und die Spurs sehen würden und auch wieder Cleveland gegen Atlanta bekämen (allerdings schon in Runde 2!), ist die offensichtlichste Änderung eine, die nun bereits seit Jahrzehnten eifrig diskutiert wird: Es gäbe die Möglichkeit, dass zwei West- (oder Ost-)Teams in den Finals aufeinandertreffen könnten. Es wird bereits seit Beginn des Jahrtausends diskutiert, wie schwach der Osten ist und dass das Western Conference Final eigentlich das vorgezogene Finale sei. Dann wird erwidert, dass der Osten in Boston, Detroit und Miami doch gar nicht so schlecht abgeschnitten habe, was mit dem Verweis auf den deutlich einfacheren Playoffbaum gekontert wird. Es entstehen endlose Spekulationen, aber am schönsten wäre es doch, wenn wir Beweise dafür bekämen, indem einfach die 16 besten Teams gegeneinander antreten.

Ein letzter Rückgriff auf die heutigen Playoffs: Niemand wünscht Kevin Love, dass er sich verletzt. Seine Verletzung führt aber dazu, dass Gedankenspiele angeregt werden, wie viele Westteams den Osten gewinnen könnten oder würden. Mit Golden State, Houston, den Clippers, Memphis und San Antonio gäbe es gleich eine ganze Hand voll Kandidaten. Ein gemeinsames Playoff-Bracket könnte diese Verletzungen auffangen. Cleveland würde in Runde 3 auf den Sieger von Clippers/Spurs treffen. Da könnten sie (als wahrscheinlich einziges Ost-Team) zeigen, ob sie zu den besten vier Teams gehören oder nicht. Wenn nicht, erreichen sie nicht die Finals, sondern werden durch ein besseres Team ersetzt.

Statistische Spielerei: real playoff-bracket

In den letzten Jahren hat Go-to-Guys.de immer wieder darauf hingewiesen, dass die Records der Teams verzerrt sind, weil sie einen unterschiedlichen Spielplan haben und demnach bevor- oder benachteiligt wurden. Wir haben versucht, diese Ungerechtigkeiten behelfsmäßig auszugleichen (zur Erläuterung der Herangehensweise könnt ihr diesen Artikel konsultieren). Das Playoff-Bracket verschiebt sich abermals ein wenig, weil Teams eigentlich einen anderen Record hätten, gäbe es nur 2 Spiele gegeneinander. Ein 30-Team-standing sähe so aus:

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Darauf ergäben sich folgende Konstellationen für ein 16-Team-Playoff-Bracket:

(1) Golden State Warriors vs. (16) Utah Jazz
(2) Atlanta Hawks vs. (15) Phoenix Suns
(3) Houston Rockets vs. (14) New Orleans Pelicans
(4) San Antonio Spurs vs. (13) Washington Wizards
(5) Los Angeles Clippers vs. (12) Oklahoma City Thunder
(6) Memphis Grizzlies vs. (11) Toronto Raptors
(7) Cleveland Cavaliers vs. (10) Chicago Bulls
(8) Portland Trail Blazers vs. (9) Dallas Mavericks

Auffällig ist hier natürlich, dass – streng mathematisch  – sogar die Suns und die Utah Jazz in die Playoffs gehören und die Plätze 6-8 im Osten die Playoffs verpasst hätten. Golden State bekäme wieder nur einen aus dem Duell Clippers vs. Spurs und dies bedeutet auch gleichzeitig, dass aus dem Quartett Atlanta / Houston / Cleveland / Memphis ein Team die Finals erreichen würde.

Fazit

Die Conference Finals machen aus zweierlei Hinsicht keinen Spaß: Sie sind einseitig, weil sowohl Cleveland als auch Golden State die ersten drei Spiele für sich entscheiden konnten. Dieses Problem können wir nur zu Teilen beheben. Problematischer ist aber, dass wir das Gefühl haben, dass nicht die vier besten Teams im jeweiligen Conference Finale stehen. Dies ist darauf zurückzuführen, dass die Setzliste einer dringenden Überarbeitung unterzogen werden müsste. Die Sonderplätze für den Divisionsieger müssen umgehend fallen. Wünschenswert wäre noch die komplette Aufhebung der Conferences, um Ungleichheiten zu beseitigen und – wichtiger – das bestmögliche Produkt anbieten zu können, damit die Liga noch mehr Zuspruch erhält, als sie es eh schon tut. Dies wäre aus sportlicher und finanzieller Sicht lohnenswert. Löst die Conferences für die Playoffs auf!

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3 comments

  1. Matthias Holtermann

    Wieder mal ein super Artikel von dir :tup:
    Sehr interessant dann auch mal das alternative Seeding vor Augen zu haben!

    Und zu #endconferences kann ich auch nur volle Zustimmung geben, allein wegen der 1st Round Series Clippers-Spurs, die so spannend war wie man sich die Conference-Finals und Finals gewünscht hätte.

    Einen Teil der nicht erfüllten Erwartungen würde ich aber auch den Leistungen mancher Mannschaften zuschreiben, die uns enttäuscht haben und zum Teil auch den Verletzungen:

    Die Hawks wirkten wie ausgetauscht und zwei Klassen schwächer in den Playoffs.
    Die Wizards hätten ohne die Wall-Verletzung die ECF vl. spannender machen können.
    Die Bulls konnten nicht über ihren Schatten springen.
    Jetzt sind die Cavs ohne Love und mit nem angeschlagenen Kyrie so gut wie in den Finals.
    Also der Osten hat mMn. noch mehr enttäuscht als eig. schon zu erwarten war.

    Und im Westen bahnte sich eig. ein starkes Playofffeld an.
    Durant kam aber nicht zurück und es gab keinen starken 8th Seed.
    Die Mavs implodierten schon vor den Playoffs.
    Die Schwächephase der Blazers fand in der ersten Runde ihren Höhepunkt.
    Memphis konnte GSW ärgern, aber auch nur über 2 Spiele, u.a. wegen den Verletzungen von Conley und Tony Allen.
    Und die Clippers konnten die Rockets nicht finishen und verfielen wieder ins Loser-Image.

    Also die Playoffs hätten auch mit dem aktuellen Seeding wesentlich spannender werden können, aber ohne Conferences und Divisionsieger werden die Begegnungen in vielen Fällen sicherlich noch qualitativ ausgeglichener besetzt sein.

    Von daher bin ich mal gespannt wann sie uns den Gefallen tun und das ändern.

  2. Dennis Spillmann

    |Author

    Mir geht’s hier auch vor allem ums Prinzip. Selbst wenn wir ein exakt identisches Bracket (nur East-Macthups und nur West-Matchups in Runde 1) durch die RS erhalten würden, muss es geändert werden, um für die folgenden Jahre Gleichberechtigung im Seeding zu erhalten.

    Bei mir hat es vor allem bei dem Rockets/Clippers-Seeding “klick” gemacht. Da hat niemand drüber gesprochen, alle haben immer nur auf die Blazers eingehauen. Aber Los Angeles ist wegen des Quatsches evtl. rausgeflogen.

  3. Martin Sobczyk

    Ich bumpe mal die Geschichte, bevor der Westen sich wieder erholt und eine vernünftige Samplesize vorhanden ist. :)
    Zur Zeit ist man mit mit (für den Osten) unglaublichen 45% auf Platz 13. Sogar den direkten Vergleich entscheidet man aktuell mit 27-26 für sich. Ist etwa Licht am Ende des Tunnels im Osten zu sehen? Geht der Westen etwa unter? Dallas auf Platz 3 ist doch ein klares Zeichen dafür, dass der Westen untergeht. Und das sage ich als Dallas-Fan. :mrgreen:


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