NBA, Playoffs 2014

Check the replay!

Muss die Replayfunktion in der NBA erweitert werden?

Game 1 zwischen den Golden State Warriors und den Los Angeles Clippers hatte alles, was das Basketballerherz begehrte (außer Defense). Beide Teams brannten ein Offensivfeuerwerk vom allerfeinsten ab, die Partie war bis zum Ende spannend und an Starpower hat es auch nicht gemangelt. Doch selbst in solch spektakulären Aufeinandertreffen gibt es immer wieder Dinge, die einem irgendwie den Spaß verderben. Dieses Spiel ist da vielleicht das beste Beispiel.

18,9 Sekunden vor Ende des Spiels zog Chris Paul an Steve Blake vorbei und Draymond Green versuchte, den Ball zu stealen, welcher daraufhin ins Aus ging. Die Referees entschieden direkt auf Clippers Ball, doch die Spieler der Warriors beschwerten sich vehement und auch die anderen Unparteiischen schienen sich nicht ganz so sicher zu sein. Dementsprechend wurde die Szene nochmals angeschaut und tatsächlich, die Referees änderten ihre Meinung: Golden State bekam den Ball. Allerdings wurde in dieser Situation nicht berücksichtigt, dass Chris Paul bei dem Stealversuch von Green offensichtlich gefoult wurde. Warum? Weil es nicht möglich ist.

Eine weitere Situation ergab sich in Spiel 3 zwischen den Pacers und Hawks. In der Schlussphase des vierten Viertels zog Jeff Teague nach links und nahm einen unkontrollierten Dreier, um die Shotclock-Violation zu umgehen. Zur Freude der Atlanta-Fans traf der Point Guard und erhöhte den Vorsprung auf neun Zähler. Daraufhin gingen die Schiedsrichter zum Monitor, um zu kontrollieren, ob er einen Fuß auf der Dreipunktelinie hatte. Im Replay war dann klar zu erkennen, dass Teague auf seinem Weg zum Wurf auf die Auslinie getreten war. Da die Entscheidung allerdings schon getroffen war, konnte nur geklärt werden, ob die Hawks zwei oder drei Punkte bekommen.

20 Minutes of Replay, 2 Minutes of Action

In der Situation bei den Clippers wurde nur berücksichtigt, dass der Ball ins Aus ging. Bei den Hawks ging es nur um die Entscheidung, ob der erfolgreiche Treffer zwei oder drei Punkte einbrachte. Genau aus diesem Grund konnten auch nur diese Pfiffe nach dem Replay geändert werden. Es darf aus der Betrachtung des Spielgeschehens keine komplett neue Situation erschaffen werden.

Der Grund ist offensichtlich: Niemand hat Lust, dass in der Schlussphase auf einmal zwei Spielminuten zu einer halben Stunde werden (was durch Freiwürfe und Timeouts ja so schon fast der Fall ist). Die Spieler und Verantwortlichen würden nach praktisch jedem (nicht) gegebenen Foul ein Replay fordern.
Eventuell hätten die Warriors auch mit dem Foul an Green gewonnen, doch es hätte die Dynamik des Spiels auf jeden Fall verändert. Allgemein muss diese Regelung unbedingt überdacht werden, um solche verzwickten Situationen in der Zukunft zu vermeiden

Potentielle Lösung

In der NFL wird eine Regel angewandt, die für genau diesen Fall sehr passend ist. Falls dem Trainer eine Entscheidung nicht passt, kann er die sogenannte „Red Flag“ werfen, was bedeutet, dass er den Pfiff in Frage stellt. Behält er Recht, wird die Entscheidung widerrufen. Liegt der Coach jedoch falsch, verliert er ein Timeout. In einem Spiel darf er diese Challenge zweimal nutzen. Wenn er in beiden Fällen richtig liegt, bekommt er eine dritte.

Durch dieses System muss genau abgewogen werden, ob man das Risiko eingehen möchte, von seinem Veto Gebrauch zu machen. Es entstehen kaum zeitliche Verzögerungen und die Coaches bekommen trotz alledem eine Möglichkeit, die Entscheidungen in Frage zu stellen.

Wenn man jetzt bedenkt, dass NBA Coaches in entscheidenden Spielsituationen diese Möglichkeit haben würden und dabei sowohl überprüfen, wer den Ball zuletzt berührt hat und ob es ein Foul gab, dann wäre allen geholfen.

Fehlentscheidungen gehören zum Spiel

Das Argument, dass man mit Fehlern im Sport leben muss, hört man immer wieder. Überall, wo es um Regeländerungen geht, wird es genannt. Jeder Sportfan kann diese Aussage sicherlich irgendwo nachvollziehen, doch im Endeffekt sollte das bessere Team gewinnen, nicht das glücklichere. Es gibt im Sport nichts Schlimmeres, als durch eine Fehlentscheidung zu verlieren. Auch die Schiedsrichter sind nur Menschen und bekommen somit eine Möglichkeit, ihre Fehler zu berichtigen. Wenn sie keine Möglichkeit aufgrund des Regelwerks haben, sind auch ihnen die Hände gebunden.

Es könnte damit ein entscheidender Schritt gemacht werden, wenn man bedenkt, dass Entscheidungen der Refs immer mehr von Coaches und Spielern in Frage gestellt werden. Natürlich ist das nicht erst seit gestern so, doch es hat den Anschein, als ob sich die Akteure gegenüber den Unparteiischen immer mehr trauen und weniger Respekt haben.

Andererseits kann zum Beispiel der Verlust eines Timeouts in vielen Situationen auch sehr schmerzhaft sein. Wenn diese Regelung überhaupt nicht existiert, dann kommt dieser Konflikt auch nicht auf. In der NFL geht es bei dieser Regelung häufig darum, ob ein Receiver den Pass des Quarterbacks innerhalb des Feldes gefangen hat. Das Spielfeld ist zwar viel größer, die Situation jedoch viel klarer auszumachen. Außerdem stehen die Coaches in Kontakt mit ihren Assistenten, die teilweise viel besser platziert sind und Bildschirme zur Hand haben. Beim Basketball ist es alleine durch das fortlaufende Spiel viel schwieriger, die Fehler der Schiedsrichter zu erkennen und der Trainer wird große Probleme damit haben, eine Entscheidung mit diesem Maß an Risiko zu treffen. Wenn die Regel also aus verschiedensten Gründen überhaupt nicht angewandt wird, muss sie auch nicht eingeführt werden.

Fazit

Eine solche Regelung würde den Trainern immerhin eine Möglichkeit geben, in entscheidenden Situationen mehr Entscheidungsfreiheit zu haben. Bis es zu solch einer Änderung kommen kann, müssen aber noch viele Aspekte geklärt werden. Wie oft darf die Option genutzt werden? Wie viel Zeit haben Coaches, um ihre Entscheidung zu treffen? Wünschen sich die Verantwortlichen in der NBA überhaupt eine Veränderung in diese Richtung? Wünscht sich die NBA zukünftig mehr Replays und weniger Fehler oder möchte man von dieser Technisierung des Sports abkommen? All das sind Fragen, die ausführlich diskutiert werden müssten, bevor man überhaupt an eine Umsetzung denken könnte.

Gerade in den Playoffs wird aber jedes Spiel, jede Possession, jeder Pfiff noch viel wichtiger. Wenn die Spiele gerecht ausgehen sollen, dann sollte man zumindest an solche Lösungsvorschläge anknüpfen. Aber natürlich ist dies nur eine von vielen Möglichkeiten und soll viel mehr die Diskussion eröffnen. Braucht die NBA ein erweitertes Replay?

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