Memphis Grizzlies, NBA, Oklahoma City Thunder, Playoffs 2014

Gute Würfe, schlechte Würfe

Was Point Guard Russell Westbrook und die Thunder besser machen müssen

Die Situation erinnert ein wenig an die Playoffs 2010/2011. Schon damals reisten die Oklahoma City Thunder mit einem 1:1 nach Memphis, nachdem ein Heimspiel gewonnen und eins verloren gegangen ist. Es folgten zwei nervenaufreibende Partien, in welcher die Thunder ein mögliches 1:3 in Spiel 4 nur durch eine dreifache Verlängerung verhindern und die Serie ausgleichen konnten. Damals waren in der vielleicht besten Partie der damaligen Playoffs die 40 Punkte von Russell Westbrook überlebenswichtig und auch dieses Jahr liegt ungemein viel Verantwortung auf den Schultern des explosiven Thunder Guards. Der Grund liegt in der Verteidigungsstrategie der Memphis Grizzlies, die gestern Memphis Shooting Guard Courtney Lee sehr treffend auf dem Punkt brachte:

“We’re fine with Westbrook taking shots, I mean, that’s kinda what you want – the more shots he takes, the less Durant takes.”

Wieso Courtney Lee bislang so zufrieden ist, offenbart sich durch einen Blick auf die Shotchart des Superstar Point Guards der Thunder:

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Dabei fallen zwei Dinge besonders auf. Zum einen hat Russell Westbrook bislang 12 Dreier genommen, davon aber nur einen getroffen; zum anderen nahm er direkt am Ring nur 15 Würfe. Daraus ergibt sich folgende Wurfverteilung (dabei auch der Vergleich zur regulären Saison):

Wie man sieht, schließt Westbrook weniger am Ring ab, dafür mehr aus der Mitteldistanz, was nachweislich der ineffizienteste Wurf im Basketball ist. Dies wäre jedoch gar nicht so schlimm, wenn zumindest der Dreipunktewurf besser fallen würde. Selbstverständlich ist Russell Westbrook kein Scharfschütze wie ein Stephen Curry, doch ist er auch weitaus besser von Downtown als seine momentane Quote von 8% suggeriert.

Adjustments

Nun stellt sich die Frage, was Russell Westbrook und die Thunder verändern und was sie beibehalten sollen, wenn sie sich den Heimvorteil zurückholen wollen.

1. Weiter von Außen werfen

In Anbetracht der schlechten Quote von Außen sollte man meinen, dass Russell Westbrook weniger von dort werfen sollte. Das ist jedoch genau der falsche Weg. Momentan versuchen die Grizzlies Westbrook genau zu diesen Würfen zu zwingen, um seinen exzellenten Drive zum Korb zu verhindern. Das heißt also, sie lassen ihm bewusst die Räume am Perimeter und wollen, dass Westbrook derjenige ist, der sie dafür bestraft. Würde er jetzt das Werfen von Außen komplett einstellen, obwohl er frei ist, würde sein Spiel deutlich vorhersehbarer sein und es wäre für ihn noch schwieriger, zu guten Wurfpositionen innerhalb der Zone zu gelangen. Das Ziel muss also sein, weiter mit vollem Selbstvertrauen von Downtown zu werfen (solange er frei ist), und darauf zu setzen, dass die Würfe in der Regelmäßigkeit fallen, in der sie in der regulären Saison gefallen sind (immerhin 32%). Die Folge wäre, dass es die Grizzlies dazu verleiten würde, ihn enger am Perimeter zu verteidigen, was es Westbrook leichter machen würde, seinen Gegenspieler stehen zu lassen und zum Korb zu gehen.

2. Weniger Abschlüsse für Westbrook

Inhaltlich hat Courtney Lee mit seiner obigen Aussage natürlich Recht. Jedes Team ist glücklicher damit, wenn Kevin Durant so wenig Würfe wie möglich bekommt. So würde sich wohl jeder für Kevin Durant entscheiden, wenn es darum ginge, zu bestimmen, ob er oder aber Russell Westbrook den entscheidenden Wurf nehmen soll. Momentan geht diese Strategie für die Grizzlies auf. Westbrook schließt bislang 38,5% der Ballbesitze der Thunder ab, wenn er auf dem Feld ist. Kevin Durant steht bei 33.7%. Hinzu kommt, dass Kevin Durant – das wird niemanden überraschen – dabei deutlich effizienter ist: er produziert pro 100 eigene Ballbesitze 120 Punkte, Westbrook nur 100. Das Ziel muss also sein, Westbrook insgesamt weniger Angriffe abschließen zu lassen und – falls möglich – diese Würfe Kevin Durant zu geben.

Einfach wird dies nicht, denn es ist ja nicht so, dass er viel zu wenig Würfe bekommt; im Gegenteil: seine usage-rate ist sogar etwas höher als in der regulären Saison und seine Effizienz ist gut. Trotzdem gibt es hier, gerade in Anbetracht der exzellenten körperbetonten Verteidigung von Tony Allen gegen KD, Verbesserungspotenzial. Die Thunder müssen mehr Screens abseits des Balls stellen, um Tony Allen abzuschütteln und womöglich gar Wechsel der Verteidiger zu erzwingen, was wiederum Mismatches erzeugt. Bei der Niederlage im letzten Spiel wurden beispielsweise insgesamt nur acht Würfe nach Screens genommen (diese aber hochprozentig abgeschlossen); gegen die sehr gute und enge Verteidigung der Grizzlies viel zu wenig. Hier sind also die Screensteller der Thunder, Serge Ibaka, Kendrick Perkins und Nick Collison, besonders gefragt.

Eine weitere Maßnahme könnte sein, mehr Pick & Roll Situationen zwischen Kevin Durant und Russell Westbrook laufen zu lassen, gerade dann, wenn die Thunder “klein” spielen (also mit KD auf der PF-Position), da dies Mismatches für Kevin Durant fördert (falls ein Big von Memphis ihn verteidigt) oder aber die Grizzlies dazu nötigt, ihre Bigs gegen andere Spieler der Thunder zu stellen (z.B. Fisher, Sefolosha, Butler) und etwas nach Außen lockt.

3. Einbindung der Rollenspieler

Eine Umverteilung einiger Würfe von Westbrook nach Durant reicht aber nicht aus. Womöglich der wichtigste Punkte könnte sein, dass die Rollenspieler der Thunder besser und vor allem häufiger eingesetzt werden. Zwar war OKC schon immer mehr oder weniger ein 2-Mann-Team, doch hat dies in den bisherigen zwei Partien Ausmaße erreicht, die schädlich sind. Momentan hat das Duo Westbrook/Durant 100 der 169 Würfe (= 59%) genommen und 121 von 205 Punkten (= 59%) erzielt. In der RS lag das Verhältnis noch bei 46% der Würfe und 50% der Punkte. Dagegen haben Reggie Jackson, Derek Fisher, Thabo Sefolosha und Caron Butler, die Rollenspieler der Thunder, bislang nur durchschnittlich 6.5 Dreier pro Spiel genommen und nur 23% getroffen. Zum Vergleich: In der RS hat Scharfschütze (44%) Caron Butler alleine schon 4.6 Dreipunktewürfe pro Spiel genommen. Russell Westbrook, Kevin Durant, aber auch Reggie Jackson, der den Ballvortrag mit übernimmt, wenn Westbrook eine Pause erhält, sind also gefragt, weniger auf sich selbst zu schauen und mehr das gesamte Team ins Offensivspiel einzubeziehen.

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