Atlanta Hawks, Indiana Pacers, Playoffs 2014

No Hope for Hibbert?

Wie soll Indiana mit seinem Center umgehen?

Wenn man an die Erstrundenserie zwischen den Indiana Pacers und den Atlanta Hawks denkt, war das bestimmende Thema der letzten Tage die Personalie Roy Hibbert. Der – offiziell – zweitbeste Verteidiger des Jahres der NBA stand nach Spiel 1 in der Kritik, weil er nicht am Perimeter verteidigen konnte. Wie kam Roy Hibbert damit in Spiel 2 zurecht? Welche Adjustments nahm der Coaching Staff der Pacers vor?

Das Problem

Zunächst muss man anerkennen, dass die Atlanta Hawks im ersten Spiel konsequent ein Five-Stretch spielten, indem sie wirklich alle Spieler um den Perimeter verteilten und somit Roy Hibbert dazu zwangen, dass der 7‘2‘‘-Riese seinem Gegenspieler bis an die Dreierlinie folgen musste. Hibbert ist der wahrscheinlich beste Rim-Protector in der NBA und fühlt sich zudem direkt am Korb am wohlsten. Hier kann er aufgrund seiner Größe nicht nur die aufpostenden Gegner vom Ring fernhalten, sondern findet immer wieder Möglichkeiten, sich in die Penetrationswege der gegnerischen Guards zu stellen.
Erschwerend kommt hinzu, dass die gesamte Defense der Pacers darauf ausgerichtet ist, dass sie die Penetration der Guards in die Mitte verlagert und so den Gegner direkt auf Hibbert zusteuert. Dieser kann dann den Wurf blocken oder den Ballhandler zu einem Pass fernab des Korbes zwingen. Auf diesem Grundprinzip beruht ein Großteil der Defensivschemata der Pacers, weshalb Hibbert auch bis zur Hälfte der Saison als klarer Defensive Player oft he Year gehandelt wurde.

Die Atlanta Hawks überforderten sowohl Hibbert als auch die restliche Verteidigung mit ihrer unkonventionellen Smallball-Lineup und konnten damit überraschend gleich das erste Spiel in Indianapolis stehlen. Gerade Roy Hibbert stand in der Kritik – und dies zu Recht, sofern ein Spieler für einen gesamten defensiven Kollaps verantwortlich gemacht werden kann.
Hibbert verteidigte in der regulären Saison – per SportsVU Tracking – in knapp 30 Minuten pro Spiel fast 10 Wurfversuche der Gegner direkt am Ring. Durch seine Länge sind zudem nur 41% dieser Würfe erfolgreich. Im ersten Spiel gegen die Hawks verteidigte Hibbert null Würfe direkt am Ring. Keinen einzigen. Die Hawks hatten es verstanden, Hibbert konsequent aus seiner comfort zone in der Defensive zu locken.
Deshalb ist die generelle Kritik an Hibbert auch gerechtfertigt, da dieser sich zu Teilen auch selbst die Chance nahm, seine Stärken auszuspielen. Die Frage, die sich vor dem zweiten Spiel nun jeder stellte, beschäftigte sich natürlich damit, wie – und ob – man Hibbert nutzen sollte.

Ein Lösungsversuch?

Exemplarisch für die Adjustments der Pacers lässt sich dies in diesem Video zusammenfassen:

Auffällig sind gerade zwei Aspekte bei Hibbert und der Pacers-Defense:
Zum einen ist die Orientierung an Paul Millsap als Gegenspieler zu Beginn des Spiels zu beachten. Die Pacers haben sich wohl gegen das Defensivmatchup zwischen Hibbert und Antic entschieden, wenn sie die Wahl dazu haben. Augenfällig wird dies direkt in der ersten defensiven Possession, wo Millsap der letzte Spieler ist, der über die Mittellinie trabt, Hibbert aber auf diesen wartet. Wieso sich die Pacers hierfür entschieden, ist zunächst nicht ersichtlich. Millsap ist der bessere Basketballer und hatte im ersten Spiel Hibbert auch im Dribbling geschlagen. Im weiteren Verlauf switcht Hibbert auch wieder zu Antic.
Zum anderen erkennt man aber das konsequente Absinken Hibberts, das ihn wieder zurück in seine comfort zone bringt und wo er defensiv Einfluss aufs Spiel haben kann. Hibbert verändert in den zwei Beispielen gleich drei Würfe, die Teague, Korver und Millsap nehmen wollen. Bei Teague ist es die Entscheidung, nicht bis zum Korb zu penetrieren, sondern einen Floater anzusetzen; Korver entscheidet sich für das Herauspassen; Millsap erkennt Hibbert als letzte Defensivreihe und versucht direkt nach dem Spin abzuschließen, anstatt die Verteidiger zu splitten und an Hibbert vorbei oder um Hibbert herum den Korb zu attackieren.

Auch statistisch kann belegt werden, dass Hibbert in Spiel 2 zumindest fünf Würfe direkt am Ring verteidigt hat, wovon allerdings einer mehr fiel als bei Hibberts Saisonschnitt. Die Zeichen, dass man Roy Hibbert zumindest zu Teilen wieder als Defensivanker etablieren konnte, zeigen an, dass man Hibbert durchaus nutzen kann. Insgesamt kamen die Pacers im zweiten Spiel auf ein zufriedenstellendes D-Rating von 99 und damit wieder an ihre alte Leistungsfähigkeit heran.

Experiment geglückt?

Hibbert selbst kam mit seinen Lineups auf exakt diesen Wert (98,8). Wenn er auf dem Platz stand, hielt die Verteidigung den Angriffen der Hawks stand. Überraschend hingegen ist die Leistung Ian Mahinmis. Der Backup konnte in fast derselben Spielzeit wie Hibbert diesen Wert um 15 Punkte unterbieten. Generell macht Mahinmi bisher einen leicht besseren Eindruck. Lineups mit dem Franzosen verteidigen besser, Mahinmi kam im zweiten Spiel auf großartige sieben Fehlwürfe der Gegner, wenn er den Ring beschützte – bei acht Versuchen. Auch offensiv kommen Lineups mit Mahinmi leicht besser zurecht als mit Hibbert. Zieht man beide bisherigen Spiele zusammen, kommen die Pacers mit Mahinmi auf dem Feld zu 19,9 Punkten mehr als Gegner (auf 100 Possessions gesehen). Bei Hibbert ist dies ein Nullsummenspiel.

Gerade das Offensivspiel Hibberts ist weiterhin ein Problem im Spiel der Pacers. Die Hawks wurden in der regulären Saison immer dafür bestraft, dass sie so small gingen, indem die gegnerischen Bigs Antic und Millsap dominierten. Bei Hibbert ist dies schlicht nicht der Fall. Gerade Spiel 2 lässt mehr Sorgenfalten erscheinen als verblassen. Unverständlich ist zudem, dass Hibbert zu beginn eines Spiels bisher immer seinen Touch bekam und den Wurf auch erfolgreich abschloss. Generell ist aber besorgniserregend, dass Hibbert direkt am Korb nicht abschließen kann. Ihm fehlen beim Aufposten die richtigen Moves oder zumindest eine Routine, Hibbert wirkt noch immer überhastet, wenn er in Korbnähe den Ball bekommt. Dementsprechend katastrophal sieht nach zwei Spielen auch seine Shotchart aus. So schloss er nur ein Viertel der Würfe direkt am Korb erfolgreich ab. Dabei ist diese Zone die mit Abstand effizienteste der NBA. Zugutehalten kann man Hibbert lediglich, dass er weiß, dass er nur von dort treffen kann und somit 70% seiner Würfe hier kreiert.

Shotchart_HibbertHawks2gms

Unbedenklich ist aber weiterhin das Rebounding, für das Hibbert zumeist angegriffen wird. Hibbert holt – zusammen mit Paul George – die meisten contesteten Rebounds in dieser Serie. Auch bringt er sich immer noch in gute Positionen, um potentiell zu rebounden: trotz deutlich kürzerer Einsatzzeiten liegt Hibbert nur eine Reboundchance hinter George. Dass Hibbert nur 52% dieser Reboundchancen nutzt und somit auf keine großen totalen Zahlen kommt, ist unwichtig. Er greift sich 58% aller umkämpften Rebounds – das ist nach David West der beste Wert im Team und genau deshalb ist Hibbert auch so wichtig. Dass Hibbert lieber George, Stephenson oder Turner die unbedrängten Rebounds überlässt, ist eine Teamstrategie, um direkt die Ballhandler in Szene setzen zu können. Das war auch früher bei den New Jersey Nets um Jason Kidd nicht unbedingt anders.

Fazit

Defensiv konnten die Pacers mit ihren Änderungen im Defensivsystem die Serie wieder offen gestalten und für Roy Hibbert auch wieder eine Rolle finden, die der Riese ausfüllen kann. Dennoch muss man beobachten, ob dieses ständige Absinken letztlich nicht nur ein großes Gamblen ist, da die Pacers-Rotationen zum dann offenen Hibbert-Gegenspieler – verständlicherweise – noch nicht immer funktionierten.

Problematisch ist es aber weiterhin, dass Hibbert offensiv nicht die smallball-Lineups der Hawks bestrafen kann. Dies muss sich im verlauf der Serie unbedingt ändern, damit Hibbert wieder ein „Plus“-Spieler wird und sich nicht offensiver und defensiver Einfluss egalisieren, wie es nach zwei Spielen der Fall ist.

Die Pacers sollten zudem auch nicht auf Hibbert verzichten, weil dieser bei jedem Angriff gegen die Pacers die Möglichkeit wie kein anderer NBA-Spieler hat, die Würfe des gegnerischen Teams zu beeinflussen. Man hat zu Beginn des zweiten Spiels schon Rotationen gefunden, wie dies möglich ist, darauf sollte aufgebaut werden.

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1 comment

  1. Smido83

    Es wird immer schlimmer… Hibbert ist volkommen außer Form und wie es scheint hat er auch die Lust und den Willen verloren. WENN Indiana ausscheidet, dann bin ich mir nicht sicher ob er nächste Saison noch bei den Pacers spielt. 2 Jahre 30 Mio sind jedoch ne Menge Holz.

    Frage mich echt was da bei Indiana gerade los ist.


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