BBL, Scouting

Sein Name ist Burton, Deonte Burton.

Mit einem 73:75 Auswärtssieg gewinnt ratiopharm Ulm das erste Spiel im Playoff-Viertelfinale gegen die Telekom Baskets Bonn. Mit 16 Punkten avancierte Tim Ohlbrecht zum Topscorer seines Teams und holte weitere 8 Rebounds. Spielentscheidend, aus Sicht der Süddeutschen, war das mit 10:22 gewonnene letzte Viertel und der neun-Punkte-Lauf zur 71:72 Führung.  

Die Rheinländer erwischten den besseren Start in die Partie und waren über weite Strecken der ersten 30 Minuten überlegen. Auf maximal 16 Punkte wuchs der Vorsprung der Mannschaft von Mathias Fischer im dritten Viertel (58:42). Trotz des hohen Rückstands wichen die Ulmer kaum von ihrem Konzept ab und drehten die Partie abschließend im vierten Viertel, als sie den Bonnern nur 10 Punkte erlaubten. “Es freut mich umso mehr, dass wir die Kontrolle über unser Spiel nach dem hohen Rückstand nicht verloren haben. Es macht mich stolz, wie wir im letzten Viertel aufgetreten sind”, kommentierte Coach Leibenath das Spiel abschließend auf der Pressekonferenz. Mathias Fischer betonte besonders den Begriff des “leichtfertig vergebenem Sieg”.

Im Detail:   Das, häufig als Schlüssel auserkorene, Pick&Roll mit Per Günther verteidigten die Bonner mit einem harten hedge (heraustreten) des zweiten involvierten Verteidigers der Bonner. Günther konnte infolgedessen nur selten zum Korb ziehen, während ihn sein direkter Gegenspieler Eugene Lawrence auf der anderen Seite des Parketts viel im Blocken und Abrollen zu attackieren versuchte. So kam es, dass sich der Ulmer Aufbauspieler anfangs häufig frustriert auf der Bank wiederfand.  

Bonn verteidigt das Blocken und Abrollen gegen Günther

Gegenüber, Lawrence, hatte bereits nach 30 Minuten acht Vorlagen auf dem Konto und leitete das Spiel der Bonner in der selben Zeit stark. Aus dem Pick&Roll ergaben sich zu Beginn für ihn und seine Mitspieler viele einfache Punkte. Auch, weil Ulm dies teilweise schlecht verteidigte.   Mit drei Ballverlusten in nur neun Minuten zeigte Backup McConnell eine schwache Vorstellung. Zog er zu oft in die Zone, erreichten seine Pässe unter dem Korb mit hoher Wahrscheinlichkeit nur die Hände der “Spatzen”.     Das Team von Thorsten Leibenath, fokussierte sich in der Wurfauswahl zu Beginn vermehrt auf die Ferndistanz. Über die reguläre Saison hinweg kamen sie durchschnittlich auf 22 Versuche jenseits der Drei-Punkte-Linie, an diesem Tag 28, bei nur sechs erfolgreichen Abschlüssen, 21%.  Bonn griff den Korb stärker aus der Nahdistanz an und erzielte 34 Zähler direkt in der farblich abgegrenzten Zone.    

Topscorer Ohlbrecht erarbeitete sich aus dem Blocken und Abrollen heraus vermehrt eine gute Post-Up Position unter dem Korb und stellte sich in der dominanten Bonner Phase als effektiver Punktgarant, während sein Team von draußen unsicher (1/7 in den ersten Minuten) in die Partie startete. Doch auch er konnte seinem Team innerhalb des dritten Viertels mit keinem Punkt helfen, dass Bonn die Führung auf ein Maximum heraufschraubte. Gegen die Bonner hedge-Verteidigung konterte er vermehrt mit einem schnellen Abrollen zum Korb, ohne vollständig Kontakt zum Gegenspieler herzustellen. In dieser Szene kommt Klimavicius weit heraus, um Rush den Dreier und Drive zu nehmen, der Abstand den Ulmer Big-Man erhöhte sich stark. Rush scheint in dieser Situation gar nicht erst an den eigenen Abschluss zu denken und sucht direkt Ohlbrecht. Mit dem Ball in der Hand hat er nur wenig Schwierigkeiten gegen den körperlich unterlegenden Lawrence, der die Hilfe von der Weakside bringt, hat. Das letzte Viertel:   Gingen in den bisherigen Vierteln jedem zweiten Bonner Punkt ein Assist voraus, so belief sich die Quote in den letzten zehn Minuten des Playoff-Viertelfinals auf jeden vierten erfolgreichen Korberfolg bei vier Treffern aus dem Feld. Über die volle Distanz ging es für Ryan Brooks in diesem Viertel, der nach einem langem Abend auf 22,5 Minuten Einsatzzeit kam, und als Hauptverantwortlicher für die Bonner Offensive stand. Am Ende feuerte der US-Forward den Spalding 14 mal gen Ring, insgesamt sieben mal in diesem Spielabschnitt. Dabei gingen die Bonner Systeme jedoch verloren und viele schwere, gedeckte Würfe kamen zustande. Ein Sonderlob bekam Deonte Burton von Thorsten Leibenath. Der US-amerikanische Guard war in der regulären Saison kaum in Erscheinung getreten und zeigte in Spiel Eins eine hervorragende Leistung. Insbesondere in der Defense setzte Burton wichtige Akzente im letzten Spielabschnitt. Ein gutes Beispiel dafür ist das folgenden Bonner Pick&Roll mit Lawrence und Klimavicius. Burton spielt BLUE (auch ICE genannt) und versperrt für den Bonner Aufbauspieler somit die Middle-Penetration. Lawrence muss nun an der rechten Seitenlinie etwas kreieren und scheint mit dem Gedanken zu spielen auf Klimavicius durchzustecken, da Ohlbrecht sehr hoch steht. Allerdings beweist Burton seine defensive Stärke, in dem er sofor wieder zum Bonner Ballhandler zurückkehrt und den Passweg auf den Big Man versperrt. Lawrence muss somit den langen Zweier nehmen und verfehlt deutlich.   Als dann die echte Crunchtime beginnt, agieren die Rheinländer offensiv weiter zu kopflos. Zwei Mal in Folge geht Ryan Brooks aus einer Isolation zum Korb, beide Male entstehen keine guten Würfe. Hier beispielweise übersieht e de sehr gut postieren Angelo Caloiaro in der Ecke, der einen offenen Dreipunktwurf gehabt hätte.     Aus dem langen Rebound entsteht dann wohl die spielentscheidende Szene. Per Günther nimmt den Ball und rast bis zum anderen Ende. Dirk Mädrich versucht sich Günther in den Weg zu stellen, begeht allerdings kein Foul. Somit hilft er seinem Team gar nicht, da er nun auch länger braucht, um bis zum eigenen Korb zurück zu kehren.   Als der Ulmer Ballhandler auf der anderen Seite ankommt, stimmt die Kommunikation bei den Bonnern ganz und gar nicht. Gleich zwei Spieler orientieren sich zu Vougioukas, keiner zu Günther. Mädrich kommt erst ins Bild, als Ulms Nummer Sechs schon zum entscheidenden Dreier ansetzt.   Bei der letzten Possession der Bonner hatten sie noch einmal die Möglichkeit die Verlängerung zu forcieren. Nach einer Isolation von Lawrence, zieht dieser zum Korb und findet in der Ecke Steve Wachalski, der den Dreier zum Sieg verfehlt. Hier hätte der Bonner Point Guard sicherlich noch bessere Optionen gehabt. Mit Brooks zieht ein weiterer Spieler sehr offen zum Korb für einen ungehinderten Korbelger. Zudem war der Pass auf Wachalski ein Bodenpass, der sehr langsam ist und somit Rush auf der rechten Seite wieder als Verteidiger ins Spiel brachte. Game over!  

 

Die Big Men 

Mit einem besonderen Auge wird in dieser Serie auch auf die großen Spieler beider Teams geschaut. Immerhin pflegen beide eher den Small-Ball. Trotzdem liegen die Stärken beider Teams sicherlich in diesem Mannschaftsteil. Mit Tadas Klimavicius spielt der beste Scorer die Position des Centers bei den Bonnern. Bei den Ulmern waren die Big-Men-Positionen lange die Schwachstelle, da Ohlbrecht sehr foulanfällig ist und mit Boris Savovic kein ebenbürtiger Ersatz da war. Doch mit der Verpflichtung von Ian Vougioukas haben die Süddeutschen nun endlich auch zwei vollwertige Center, die auch defensiv glänzen können. So war die Rim-Protection des Griechen ein weiterer Grund für den Sieg der Spatzen. Immerhin ließ er bei acht Versuchen der Männer von Mathias Fischer nur 50 Prozent in direkter Korbnähe zu. Hier die Statistiken für alle wichtigen Big Men nach Spiel Eins der Serie:  

    Alle Rechte an den Bildern liegen bei der Telekom.

  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  

Melde dich an, um einen Kommentar zu schreiben