Golden State Warriors, NBA

Der Einfluss der Splash Brothers: Fluch oder Segen?

Wie Curry und Thompson Golden States Offense tragen

67 Siege. Mit riesigem Abstand Erster in der Western Conference. Eines der besten Net-Ratings der Geschichte. Die beste Dreierquote in der Regular Season. Nur einige der Superlative, die die Golden State Warriors in der Saison 2014/15 produziert haben. Danach wurden die New Orleans Pelicans in der ersten Runde mit 4-0 geschlagen und der Point Guard und Leader des Teams, Stephen Curry, bekam hochverdient die MVP-Trophäe überreicht. Überhaupt dreht sich ein Gutteil des Hypes, der um die Warriors gemacht wird, um den Backcourt des Teams. „Splash-Brothers“ werden Curry und sein kongenialer Partner Klay Thompson genannt, weil sie gefühlt jeden Dreier ohne Berührung des Rings durch die Reuse jagen.  Schon in der Regular Season legten beide sensationelle Trefferquoten auf und in der ersten Runde der Playoffs konnten sie das sogar noch steigern: Curry traf 41,6 % seiner 12 (!) Dreier pro Spiel, Thompson schaffte es sogar, 48,5 % von 8,25 Versuchen zu verwandeln. In der zweiten Runde dagegen erlebten beide plötzlich eine Off-Nigth – und schon stockte der sonst so fehlerfreie Angriffsmotor der Warriors. Wie groß ist bei Golden State also die Abhängigkeit vom vielleicht besten Backcourt der Liga und warum ist das so? Und wie kann ein Gegner daraus einen Vorteil ziehen?

Wie funktionieren die Warriors?

Um zu verstehen, warum gerade Curry und Thompson mit ihren Fähigkeiten für die Warriors so wichtig sind, muss man zunächst die Kaderstruktur des Teams aus Oakland betrachten.

Die beste Dreierquote der Regular Season – man könnte meinen, dass das Team nur so vor starken Dreierschützen strotzt. Dem ist aber nicht so. Insgesamt nehmen nur fünf Spieler eine nennenswerte Anzahl von Dreiern pro Spiel: Curry, Thompson, Andre Igoudala, Draymond Green und Harrison Barnes. „Iggy“ und Green treffen hierbei leicht unterdurchschnittlich, die anderen drei legen gute bis ausgezeichnete Quoten auf. Der Team-Erfolg beruht dabei allerdings auf dem enorm hohen Volumen an genommenen Dreiern, das Curry und Thompson jede Nacht aufs Parkett bringen. Zusammen versuchten sie über 15 Versuche von Downton pro Spiel, mehr als das komplette Team des Letztplatzierten in diesem Bereich, den Minnesota Timberwolves. In den Playoffs hat sich diese Tendenz noch weiter verstärkt: Beide nehmen zusammengenommen jetzt sogar 18,5 Dreier pro Spiel und wie bereits erwähnt waren es in der ersten Runde noch mehr.

 

Das Spacing der Warriors hängt zu einem großen Teil von dem Platz ab, den die Splash-Brothers schaffen. Natürlich trägt auch die Small-Ball-Strategie, bei der oft Spieler wie Green oder Barnes neben Bogut im Front-Court agieren oder sogar Green als Center, zu maximalem Spacing bei. Das wäre allerdings so nicht möglich, wenn Curry und Thompson den Dreier nicht mit ihrer traumwandlerischen Sicherheit verwandeln würden. Laut nbawowy.com sinkt die Dreierquote der Warriors von 41,2 % mit Curry und Thompson auf dem Feld auf 32,7 % ohne die beiden (aus Gründen der Sample-Size wurden hierbei alle Spieler der Regular Season und der Playoffs, Stand 08.05.15, betrachtet). Das ist nur logisch: wenn sich die gegnerische Defense vermehrt auf die beiden Guards konzentrieren muss, bleibt mehr Platz für die anderen Spieler, die dann natürlich auch besser treffen. Der Scoring-Erfolg des Teams sinkt ebenfalls stark, wenn sich beide Stars auf der Bank ausruhen: von 1,18 PPP auf 0,99 PPP, was auf hundert Angriffe gerechnet 19 weniger erzielten Punkten entspricht. Auch die Dreierquoten ihrer Mitstreiter fallen zum Teil rapide ab. Natürlich muss angemerkt werden, dass die Sample-Size hierbei nicht riesig ist und dass die Ersatzmänner im Backcourt der Dubs von der kompletten spielerischen Qualität her deutlich schlechter sind. Die Statistiken zeigen allerdings die Abhängigkeit der Warriors von der Güte ihrer beiden Stars und decken sich dabei auch mit dem Eye-Test. Es gibt zudem einen weiteren Hinweis auf diese Abhängigkeit: das Auftreten des Teams, wenn Curry und Thompson eine Off-Night erwischen. Doch dazu später mehr.

Shotchart Curry Thompson

Es gibt nämlich noch eine zweite Tatsache, die besonders Curry, aber auch Thompson für dieses Team so wichtig macht: den anderen Spielern im Team fällt es schwer, in der Offensive für sich selbst und andere Spieler zu kreieren. Ein Beispiel hierfür sind die Drives, denn aus einem erfolgreichen Drive kann immer wieder gute Offense entstehen, sei es durch einen Abschluss des Drives oder durch einen Pass, der zu einem Catch-and-Shoot-Wurf führt. Hierbei zeigt sich, dass Curry (5,7 DPG) und Thompson (4,8 DPG) weit vor den anderen Rotationsspielern stehen. Auch ihre Punktausbeute aus den Drives ist bedeutend höher als bei ihren Teamkameraden. In den bisher gespielten sechs Playoff-Partien ergibt sich ein ähnliches Bild. Natürlich liegt das auch am Backcourt-lastigen Offensivsystem der Warriors, es ist allerdings klar festzustellen, dass von den restlichen Flügelspielern wenig bis kaum ein eigener Beitrag zur Offense kommt. Dass die meisten Korberfolge von Green (73%), Iguodala (64%) und Barnes (61%) assistiert sind, bestätigt diesen Trend. Dies ist nicht weiter schlimm, vor allem nicht in einem eher passlastigen System wie dem der Dubs, zeigt aber die Wichtigkeit der Creation von Curry noch einmal auf, gerade wenn es um Scoring geht. Weiterhin ist auch kein Bigman der Warriors im Stande, selbstständig Punkte zu kreieren. David Lee konnte das einmal, seit seinen vielen verschiedenen Verletzungen ist er dazu jedoch weder qualitativ noch quantitativ in der Lage. Dementsprechend erzielen die Warriors in allen Spielen der bisherigen Saison (Playoffs + Regular Season) sechs Punkte pro 100 Angriffe mehr, wenn Curry auf der Platte steht. Ein Wert, der in den entscheidenden Spielen über Sieg und Niederlage entscheiden kann.

Wie sind die Warriors zu knacken?

Halten wir also fest: Das individuelle Können seiner beiden Stars ist das Fundament, auf dem Steve Kerrs Offsensivsystem aufbaut und dank dessen die gut ausgewählten Rollenspieler funktionieren können. Die gegnerischen Teams müssen sich also vor allem darauf verlegen, die Stärken des Warriors-Backcourts so stark wie möglich einzuschränken. Hier kommen die Memphis Grizzlies ins Spiel, das Team, gegen das Golden State in der zweiten Runde der Playoffs bestehen muss. Die Grizzlies haben die aufgeführten Tatsachen spätestens im zweiten Spiel erkannt und anschließend die richtigen Konsequenzen gezogen: Curry versenkte nur 2 von 11 Dreiern, Thompson traf nur einen seiner sechs Versuche. Infolgedessen konnten die Warriors nie ins Rollen kommen und am Ende des Spiels standen für die zweitbeste Offense der Regular Season lediglich 90 Punkte auf dem Scoreboard. Doch wie machten die Grizzlies das? Wie hier zweimal exemplarisch gezeigt, versuchten die Spieler von Coach Dave Joerger, sowohl Thompson als auch Curry bei ihren Dreiern extrem eng zu verteidigen. Dadurch entstanden erstens deutlich weniger offene Würfe als sonst und zweitens kamen beide Spieler nie in ihren Rhythmus und verfehlten so auch immer wieder offene Würfe. Diese liegengelassenen Punkte fehlten den Warriors am Ende.

 

Allgemein war Joergers Taktik von sehr enger und giftiger Defense geprägt. Und Memphis hat mir Tony Allen, Courtney Lee und Mike Conley die idealen Spieler für diese Art von Verteidigung. Zudem steht mit Marc Gasol oder Kosta Koufos fast immer ein defensivstarker Center in der Nähe des Rings, der eingreifen kann, wenn Curry oder Thompson ihren Verteidiger abschütteln können. Im ersten Spiel konnte Joergers Team ihre Taktik – wahrscheinlich auch durch das verletzungsbedingte Fehlen von Mike Conley – noch nicht erfolgreich umsetzen. Umso besser klappte der Plan dann in Spiel zwei.

Den Backcourt ausschalten gleich Golden State ausschalten?

Es ist also relativ deutlich, dass die Warriors ein gutes Stück weit von ihren Superstars abhängig sind – doch welches Top-Team ist das nicht? Es gibt nur einen kleinen, aber feinen Unterschied zu anderen Teams wie Cleveland, den Clippers oder Oklahoma: Der zweite Spieler des Superstar-Duos ist bei diesen Teams auf einer der größeren Positionen zu finden. Das heißt vor allem, dass sich die Skills und das Betätigungsfeld dieser Spieler zwar auch zum Teil überschneiden, es allerdings ebenso Bereiche gibt, in denen nur einer der beiden glänzen kann. Somit können diese Teams ein deutlich weiteres Spektrum an Aufgaben im Team durch ihre Stars abdecken. Bei den Warriors fehlt bspw. eine Post-Präsenz fast vollständig. Die Grizzlies – die wie beschrieben beste defensive Voraussetzungen haben – könnten sich diesen Umstand zunutze machen, indem sie sich vor allem auf die Verteidigung der beiden Stars konzentrieren. Da die Warriors eine wirklich absolut verlässliche dritte Scoring- und Creation-Option nicht vorweisen können, kann diese Taktik wie in Spiel Zwei durchaus von Erfolg gekrönt sein. Die Pelicans hatten dafür nicht die Mittel. Memphis hat sie und wird es versuchen.

Ist für die Warriors jetzt also alles verloren? Nein, natürlich und definitiv nicht. Zwei Faktoren sprechen dafür, dass Golden State trotzdem die Conference Finals erreichen wird. Zum einen sind sowohl Curry als auch Thompson extrem gute Spieler. Gerade der frisch gewählte MVP ist der wohl beste Shooter der Liga und einer der besten Scorer. Es würde an ein Wunder grenzen, wenn die Grizzlies ihn und Thompson in jedem Spiel so marginalisieren könnten wie am letzten Dienstag. Außerdem kann auch einer von Golden States starken Rollenspielern mal einen guten Tag erwischen und eventuelle Schwierigkeiten der Splash Brothers ausgleichen. Zum anderen verfügen die Warriors zudem auch über eine sehr starke Defense. Es ist daher für sie immer möglich, die nicht ganz so starke Offense der Grizzlies weniger Punkte erzielen zu lassen als sie selbst machen. Das Weiterkommen ist also trotz des verspielten Heimvorteils immer noch mindestens möglich, wenn nicht sogar wahrscheinlich. Trotzdem sollten die sich die Warriors spätestens im Sommer einen Plan C oder D ausdenken, denn je unausrechenbarer eine Offense ist desto besser.

Banner Curry Thompson

Alle verwendeten Statistiken entstammen den Seiten nbawowy.com, basketball-reference.com und nba.com/stats. Videos von Currys verworfenen und getroffenen Dreiern in den Playoffs können hier eingesehen werden.

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