Los Angeles Clippers, Playoffs 2015

Keine Bank – keine Chance?

Wie weit können die Clippers es ohne Hilfe von der Bank schaffen?

Das Highlight-Spiel der ersten Runde war ohne Frage Game 7 der Spurs-Clippers Serie. Erst in letzter Sekunde entschied Chris Paul die Partie und sorgte dafür, dass die Spurs nicht zum dritten Mal in Folge in den Finals stehen werden.  Dabei scheiterten die Spurs an einem Team, welches quasi als Gegenentwurf zu ihnen gesehen werden kann. Während man mit dem Team aus San Antonio Erfahrung, Abgezocktheit und Teambasketball verbindet, steht das Team aus L.A. für überragende Athletik, Highlight-Plays und ein Superstar-Duo. Trotz des Heimvorteils für die Clippers sahen viele Experten die Spurs als Favorit aufs Weiterkommen. Neben dem Titelverteidigerbonus war es vor allem die bessere und tiefere Bank, welche für die Spurs sprach, dementsprechend betonten wir in unseren Podcasts bereits, dass den Clippers eigentlich nur eine bessere Bank fehlt, um als legitimer Contender zu gelten. Doch wie gelang es nun den Clippers ausgerechnet die abgezockten Spurs mit der extrem kleinen Rotation zu schlagen?

Weniger ist mehr

Traditionell werden Rotationen in den Playoffs immer kleiner. Selbst Teams wie die Spurs 2014 reduzierten die Minuten der Bank von 21,3 MPG (Liga-Höchstwert) auf 19,3 MPG in den Playoffs. Demnach ist eine große Rotation vor allem während der Regular Season hilfreich, insbesondere wenn man viele Spieler im Team hat, welche aus Altersgründen jede Verschnaufpause herbeisehnen.
Auch in der aktuellen Saison gab Pop seinen Bankspielern ligaweit die meisten Minuten (20,8). Das komplette Gegenteil ist in L.A. zu beobachten, denn dort kriegen die Bankspieler nur durchschnittlich 15,5 Minuten Spielzeit zu sehen, was gleichzeitig den geringsten Wert der Liga darstellt. In der ersten Runde reduzierten sich der Wert der Clippers gar auf 12 MPG, wohingegen die zweite Reihe der Spurs immerhin noch 19,1 MPG bekam. Die Spurs als Vorzeigeteam der letzten Jahre scheinen wohl das Erfolgsrezept gefunden zu haben, nämlich eine starke Bank. Doch ist das wirklich notwendig? Ein Blick auf die Finalisten seit 2004 zeichnet ein etwas ausgewogeneres Bild.

Minuten22

[MPG in den Playoffs. In Klammern der Platz in den Playoffs von viel bis wenig Minuten]

Die 2014er Spurs sind eine Extremerscheinung. Mit 19,3 Minuten liegen sie 2,1 Minuten über dem zweithöchsten Wert, den das Team aus Miami im Meisterjahr 2013 für sich beansprucht. Schaut man also auf die letzten beiden Jahre könnte der Eindruck entstehen, dass eine tiefe Bank unumgänglich für den Erfolg ist. Allerdings brauchen wir nur ins Jahr 2010 zum Finale der Celtics gegen die Lakers zurückgehen, um festzustellen, dass man auch mit einer kleineren Rotation erfolgreich sein kann. Für Boston sahen Tony Allen (20,1), Rasheed Wallace (17,1) und Glen Davis (16,3) mindestens 10 Minuten von der Bank. Die Lakers konnten auf Odom (29,0), Shannon Brown (14,1) und Jordan Farmar (13,1) zurückgreifen.
Die wenigsten Minuten der letzten 10 Jahre sah die Bank der Pistons im Jahr 2005 mit 9,3 Minuten. Nur McDyess (19,8) und Lindsey Hunter (15,0) konnten mindestens 10 Minuten in der Rotation ergattern.

Vorbilder: Pistons 2005, Celtics + Lakers 2010?

Die angesprochenen Teams haben eines gemeinsam: Eine fantastische Starting Five. Jeder NBA-Fan kann aus dem Stegreif die jeweilige Startformation der drei Mannschaften nennen und hat diese als optimal zusammenpassende Gruppen im Gedächtnis. Demnach ist es nicht zwangsläufig nötig eine tiefe Rotation zu haben, um in die Finals zu kommen. Dabei können die unterschiedlichsten Modelle zum Erfolg führen, während die Celtics von den Big Three angeführt wurden, glänzten die Lakers durch das Duo Bryant+Gasol und die Pistons kamen faktisch ohne wirklichen (Offensiv-)Superstar aus. Das aktuelle Team der Clippers ähnelt am ehesten noch dem Konstrukt der Lakers aus zwei Stars und passenden Roleplayern, auch wenn ein direkter Vergleich nicht gezogen werden muss. Deutlich wird allerdings, dass  Teams nicht zwingend eine größere Rotation brauchen, sondern mit einem starken Kern auftrumpfen können.

Unbenannt

Die Clippers haben eine solche Starting Five. Mit Paul hat man einen Top 5 Spieler, Griffin scheint mittlerweile brutal unterschätzt und Jordan ergänzt trotz seiner Freiwurfschwäche Blake hervorragend. Matt Barnes und J.J. Redick sind Roleplayer, die sich gegenseitig und das Team an sich sehr gut ergänzen. Auch die klassische Scoring-Option von der Bank fehlt den Clippers keinesfalls, denn mit Jamal Crawford hat man zumindest den richtigen Spielertypen, welcher leider auch kein optimales Jahr spielt und das schwächste TS% seit 2009 auflegt. Zudem nutzt er die Zeit in der Defensive, um gedanklich Hero-Dreier, Killer-Crossover oder verrückte Layups vorzubereiten. Dennoch ist er die wichtigste Option von der Bank, was vor allem daran liegt, dass nach ihm kaum Qualität vorhanden ist. Besonders auf den Guard-Positionen ist man fragwürdig besetzt. 
Die zweitmeisten Minuten von der Bank sieht schon Trainersohn Austin Rivers, der sich in seiner Rookie-Saison darum bemühte eine der schlechtesten Rookie-Saisons aller Zeiten abzuliefern. Obgleich er in seinem zweiten und nunmehr dritten Jahr nicht zu überzeugen wusste, holte ihn Doc zu den Clippers und etablierte diesen als zweiten Mann von der Bank. Vielversprechend erscheint die Lösung jedoch nicht, denn eine große Entwicklung ist auch unter seinem Vater nicht zu erkennen, stattdessen sieht die Spielweise zumeist weiterhin zögerlich aus, was unter anderem bei seinen Teamkollegen für Belustigung sorgt. Ab und zu blitzt sein Talent auf, wie etwa in Spiel 1 der Serie gegen die Rockets, wo er 4 von 6 Dreiern traf, allerdings war ihm im gleichen Spiel die Überforderung ins Gesicht geschrieben, sofern von ihm verlangt war, das Spielgeschehen aktiv zu leiten. Kurz gesagt: Austin Rivers ist aktuell kein Spieler, der eine wichtige Rolle in der Rotation eines Meisterschaftskandidaten spielen sollte. Die Performance des Teams muss man demnach fast schon trotz Rivers bewerten.
Neben den beiden Guards  sieht nur ein Big Man konstant Minuten von der Bank: “Big Baby” Davis. Dieser macht in den Playoffs bislang einen akzeptablen Eindruck, was jedoch eher überraschend kommt, da auch dieser in der Regular Season nicht durch Beständigkeit bestach. Hinter ihm kommen nur noch Spieler, die zwar teils große Namen tragen, aber nur in Teilzeit arbeiten (Turkoglu, Hawes, Dahntay Jones, Udoh).

Die Bank der Clippers besteht demnach aus drei Spielern, die konstant Minuten erhalten, wobei nur zwei davon ihre NBA-Tauglichkeit über längere Strecken bewiesen haben. Auch die Zahlen aus der Regular Season unterstreichen den erbärmlichen Zustand der Clippers-Bank: Sie sind Numemr 27 in FG% in der Liga, werden komplett ausgereboundet (30th OReb, 29th DReb, 30th TReb), spielen nur mittelmäßig viele Assists und blocken entschieden zu wenige Würfe. 

Überzeugen kann die Bank nur bei der 3P% und den Stl/Tov Zahlen. Schlussendlich steht die zweite Garde der Clippers mit einem Plus/Minus Wert von -2,9 da. Nur die Wizards und die Nets weisen von den Playoff-Teams schwächere Werte auf. Den besten Plus/Minus Wert wies, wenig überraschend, die Bank der Spurs mit +5,3 auf. Unter dieser Prämisse kommt man unweigerlich zur Ausgangsfrage zurück: Wie konnten die Clippers trotz dieses Handicaps die Spurs schlagen?

Alles ist relativ

Der Unterschied zwischen der Spurs und Clippers Bank erscheint gewaltig mit 8,2 Punkten pro 100 Possesions. Diesen Vorsprung können die Starter der Clippers nicht egalisieren, obgleich sie die zweitbeste Starting Five nach den Warriors haben. Mit einem Wert von +11,3 stehen sie “nur” 4,1 Punkte vor den Spurs-Startern, die es auf 7,2 kommen. 
Doch nun muss man berücksichtigen, dass die Clippers-Starter deutlich mehr Spielzeit sehen, was gleichzeitig bedeutet, dass der negative Impact der Bank auch minimiert wird. Somit enden die Clippers bei +6,8, wohingegen die Spurs auf +6,4 kommen. Doch diese Zahlen lassen natürlich komplett die aktuelle Form der Spieler sowie das konkrete Matchup außer Acht und dennoch lässt sich konstatieren, dass dieser knappe Vorsprung der Clippers den tatsächlichen Ablauf der Serie widerspiegelt. 

Um erfolgreich zu sein, müssen die Clippers zwangsläufig die Bank so wenig wie möglich beanspruchen, was ihnen auch hervorragend in der Serie gelungen ist. Daraus entsteht natürlich das Problem, dass die Starter viele Minuten sehen und dies sich möglicherweise kurzfristig (Crunch Time) oder langfristig (im Laufe der Playoffs?) negativ auswirken könnte, denn die Hauptfunktion einer Bank ist es, den Startern Pausen zu verschaffen, denn selten kommen die Spieler auf Kaderplatz 8-13 an die Top 5 des Teams heran. Den Clippers könnten einige generelle sowie teamspezifische Aspekte zugute kommen, die oft vergessen werden.

Fitness. Griffin und Jordan sind mit 25 und 26 noch jung und können die erhöhte Spielzeit problemlos gehen. Auch Paul (29) und Redick (30) sind im besten Basketballalter, sodass dort keine Ermüdungserscheinungen zu befürchten sind. Barnes und Crawford (jew. 34) sind im fortgeschrittenen Alter, allerdings sehen die beiden auch die wenigsten Minuten von den “Big 6” und sind auch noch nicht im absolut kritischen Alter.

Auszeiten. Wer die Spiele live verfolgt, wird sicher bemerkt haben, dass in den Playoffs alles etwas länger dauert. Mike Beuoy befasste sich im Juni 2014 mit der Frage “Why Do NBA Playoff Games Take So Long?” und kommt zum Schluss, dass vor allem aufgrund der längeren Timeouts (TV Commercials) sich die durchschnittliche Spielzeit von 137 Minuten in der Regular Season auf 160(!) Minuten in den Playoffs ausweitet. Faktisch bedeutet dies für die Sportler mehr Pausen und Zeit zur Regeneration.

Fouls. Die oben zitierte Erhebung sieht die Verlängerung der Spielzeit durch zusätzliche Freiwürfe bei etwas über 2 Minuten. Dort ist aber das allseits beliebte Hack-a-Jordan Spiel nicht ausreichend berücksichtigt. Dieses verschafft den Clippers-Startern zusätzliche Pausen. In Spiel 1 der Conference Semifinals gegen die Rockets konnte man sogar noch mehr Pausen dadurch ergattern, dass sich beide Trainer zeitweise für die Hack-a Taktik entschieden.

Verkleinerung der Rotationen. Zwar sind die Clippers ein Extrembeispiel, aber auch die Rotationen der anderen Mannschaften werden kleiner. Potentielle Finals-Gegner wie etwa Chicago und Cleveland sind auch dafür bekannt, dass dort regelmäßig die Topspieler viele Minuten abreißen müssen. Obwohl es für Cleveland und Chicago gegen vermeintlich leichte Gegner ging, spielten James, Irving und Jimmy Butler über 41 MPG. Gasol musste mit seinem 34 Jahren auch knapp 35 Minuten pro Spiel ran. 

Alle Wege führen zu Larry

Ist eine gute, tiefe Bank hilfreich in der NBA? Selbstverständlich, wie wir in den letzten Jahren bei den Spurs sehen konnten. Braucht man diese zwangsläufig? Nein, denn wie sich zeigte, haben es schon Teams wie die Pistons 2005 geschafft mit einer 7-Mann-Rotation ins Finale um die Larry O’Brien Trophy zu gelangen. Die Clippers sind von der Zusammenstellung und den angesprochenen Umständen dafür prädestiniert, um mit ihrer kleinen Rotation auch in den Playoffs erfolgreich sein zu können, was sie sagenhaft mit dem Sieg über den amtierenden Meister bewiesen haben. Des Weiteren verfügen auch die anderen Teams nicht zwangsläufig über eine tiefere Bank, auch wenn die Gründe dafür zum Teil nicht in der Macht der Teams liegt (Love-Verletzung). Die Clippers könnten ihre Möglichkeiten in Zukunft dennoch verbessern, wenn es ihnen gelingt 2-3 Rollenspieler für die Bank zu verpflichten, die diesen Namen auch wirklich verdienen und nicht ihre Position im Team dank einer Wagenladung Vitamin B erhalten. Bis dahin müssen sie aber versuchen, das Beste aus der Situation zu machen und den schwersten Weg aller Teams mit ihrer Mini-Rotation angehen.

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4 comments

  1. Avatar

    lemanu

    hmm da bin ich etwas anderer meinung.
    die grauenhafte bank kostet die Clippers die Chance auf den Titel.
    man braucht vlt keine tiefe bank, die viel spielt aber 3 Spieler die man guten Gewissens rein werfen kann Sollten es schon sein.
    bei den clippers Sind es 1.5. Craw ford ist super Davis ok, aber Rivers Sieht nicht aus wie ein NBA Spieler.
    da mUss nur matt Barnes mit einem verstauchten knöchel fehlen und es wird verdammt schwer weil dann
    Ich gar nichts mehr von der Bank kommt.
    Ich finde auch man hat gesehen wie platt blake teilweise war. das häLst du nicht 4 Serien durch.
    das spiel hat sich seit 2005 verändert und ist intensiver Geworden, die Clippers sind da Zu dünn besetzt.

    übrigens nach der Statistik hat in den finals fast immer das team mit der tieferen bank gewonnen :)

  2. Martin Sobczyk

    |Author

    hmm da bin ich etwas anderer meinung.
    die grauenhafte bank kostet die Clippers die Chance auf den Titel.

    Sobald sie rausfliegen, unterstreiche ich diesen Punkt. Aber noch sind sie gut dabei.

    da mUss nur matt Barnes mit einem verstauchten knöchel fehlen und es wird verdammt schwer weil dann
    Ich gar nichts mehr von der Bank kommt.

    Eigentlich stimmt das, aber Game 1 zeigte uns auch, dass man sogar ohne Paul zeitweise lebensfähig ist, auch wenn dies eher der Unfähigkeit der Rockets zuzuschreiben ist.

    Ich finde auch man hat gesehen wie platt blake teilweise war. das häLst du nicht 4 Serien durch.
    das spiel hat sich seit 2005 verändert und ist intensiver Geworden, die Clippers sind da Zu dünn besetzt.

    Das Problem ist natürlich der harte Weg bis zu den Finals. Gegen die Rockets sieht man aktuell sehr gut aus und es wäre natürlich optimal, wenn man die Serie in 5 durchbekommen würde und GS/Mem noch länger dauert. In den Finals sehe ich dann schon einen guten Talentvorteil und Cle+Chi sind auch nicht dafür bekannt, dass man den Schlüsselspielern gerne Pausen gibt.

  3. Avatar

    lemanu

    ich glaube tatsächlich die clippers hätten in einer serie gegen jedes team ganz gute chancen. aber irgendwann lässt man doch nach (lebron war letztes jahr kn den finals dann auch ganz schön platt) und das wird halt noch dadurch verschlimmert,dass es halt normal ist dass im laufe der playoffs irgendwann 1-2 spieler länger fehlen.
    die verbleibenden clippers müssen dann einfach übermenschliches leisten
    bin auch gespannt wie es mit ihnen weiter geht

  4. Martin Sobczyk

    |Author

    ich glaube tatsächlich die clippers hätten in einer serie gegen jedes team ganz gute chancen. aber irgendwann lässt man doch nach (lebron war letztes jahr kn den finals dann auch ganz schön platt) und das wird halt noch dadurch verschlimmert,dass es halt normal ist dass im laufe der playoffs irgendwann 1-2 spieler länger fehlen.

    Das ist richtig. Einen weiteren Ausfall eines Schlüsselspielers dürften die Clippers nicht verkraften, vor allem in den potentiellen Conference Finals wäre das eine Katastrophe. Im Endeffekt wollte ich auch (nur) ein Plädoyer gegen eine zwingend tiefe Bank halten. Die Bank der Clippers ist definitiv nicht als Blaupause für künftige Contender zu verstehen, viel mehr wäre es eine historische (einzigartige) Leistung, wenn ihnen tatsächlich der Durchmarsch gelingen würde. Aber erstmal sollten sie jetzt mal Game 4 eintüten, denn wenn die Rockets das gewinnen, sind sie plötzlich wieder Favorit.


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