BBL, Portrait

Moses Ehambe – Auf dem Pfad Gottes

Als die Verantwortlichen der Eisbären Bremerhaven die Saison 2013/14 analysierten, fanden sie heraus das ihr größter Schwachpunkt der Distanzwurf ist. Lediglich 22,5% ihrer Würfe war ein abgeschlossener Dreier und lagen damit über 10% hinter dem Spitzenreiter die Artland Dragons. Um diesen Wert zu steigern, wurde im Sommer Moses Ehambe verpflichtet. Wir stellen den Scharfschützen der Nordseestädter einmal vor.

„Moses at the left corner…. and good!“ schallt es aus dem Fernsehgeräten am 3.4.2014. Ehambe traf an jenem Abend sieben Distanzwürfe in der Partie gegen die Idaho Stampede. Aber dies ist nahezu alltäglich für Moses Ehambe in der D-League, denn er ist der alleinige Rekordhalter mit Treffern jenseits der 7.24m-Linie. In seinen 218 Partien in der Entwicklungsliga der NBA traf Ehambe über 537 Distanzwürfe und hatte eine traumwandlerische Quote von über 43%. Dabei standen die Vorzeichen ganz anders um die Karriere von Moses Ehambe. Moses Ehambe, der eigentlich Moses Randall Lufile Ehambe heißt, wurde in einer Migrationsfamilie aus dem Kongo geboren, da sowohl seine Mutter als sein Vater kongolesische Wurzeln besitzen. Neben den afrikanischen Wurzeln hatten die beiden Ehambes auch wenig mit dem orangen Leder am Hut. Sein Vater ist bekennender Pastor und tritt gelegentlich bei Gesprächsrunden rund um Gott im Fernsehen auf. Seinen Junior erzog er auch sehr glaubens-orientiert. Ehambes Weg zum orangen Leder dagegen war kein Typischer. „Fußball war meine erste große Liebe. Aber in der Schulzeit wurde ich anschließend aus dem Fußball-Team ausgeschlossen, weil ich immer Streit mit meinen Mitschülern suchte. Dann nahm ich den Ball und warf ihn auf den Korb. Dadurch entstand meine Liebe zum Basketball,“ erinnert sich Ehambe.

College dank Gott

Bei der Auswahl der Universität überließ er nichts dem Zufall. „Ich hatte Angebote von diversen Schulen. Als Letzte besuchte ich die Oral Roberts Universität. Dort hörte ich Gottes Stimme und er sagte, dies sei die richtige Schule für mich.“ beschreibt Moses Ehambe den Auswahlprozess seiner weiteren Schulausbildung. Dabei wirkte sein erstes Jahr an der Oral Roberts Universität keineswegs wie Gottes Weg. Immer wieder musste er bei den Spielen nur zu sehen. Insgesamt kam er nur zu 14 Einsätzen und insgesamt 103 Minuten Einsatzzeit. Von der Situation enttäuscht, trainierte Ehambe über den Sommer unermüdlich. Als Belohnung seiner harten Arbeit verdoppelte er fast seine Einsätze und Minutenzahl. Auch seine Punkteausbeute stieg von 2.5 Punkten pro Spiel auf 4.5 Punkten pro Spiel. Im Folgejahr gelang ihm der Durchbruch. Zwar durfte er alle 33 Spiele der ORU bestreiten, aber kam immer von der Bank. Aber Ehambe hatte damit keine Probleme und etablierte sich als eines der besten sechsten Männer seines Colleges. Die große Bühne in den drei Jahren (2004-2007) gehörte dem Lokalmatador Caleb Green. Trotz überragender Zahlen führte Greens Weg in die Beko BBL zu der TBB Trier. Moses Ehambe dagegen blieb der Oral Roberts Universität treu und wurde zum Starter befördert. Zwar war er immer noch nicht der beste Werfer, aber führte sein Team, gemeinsam mit Robert Jarvis und Shawn King, in die erste Runde des NCAA Tournaments. Dort war Endstation gegen die Pittsburgh Panthers, welche die zukünftigen NBA Spieler DeJuan Blair und Sam Young in ihren Reihen hatte. Außerdem stand der heutige Aufbauspieler der Brose Baskets Bradley Wanamaker im Aufgebot.

Tulsa ist Heimat

Nach dem enttäuschenden Ausscheiden und zudem letzten College Jahr hatte sich ein Wert in Ehambes Boxscore stets verbessert. Es war kein geringerer als seine Dreierquote. Am Ende stand ein Wert von 40,7% zu Buche und war damit hauchdünn der zweitbeste Distanzschütze der Oral Roberts University. Stets den Traum von der NBA im Fokus,meldete er sich zur Draft an. Leider sahen die NBA Verantwortlichen in ihn nur einen eindimensionalen Werfer und verwehrten ihm die Chance seinen NBA Traum auszuleben. Auch die nachfolgende Teilnahme an der Summerleague brachte wenig Verheißungsvolles. Ähnlich wie ihr Dachverband veranstaltet die D-League ein Draftsystem über acht Runden um neue Spieler zu verpflichten. Als letzter Pick der zweiten Runde fiel dann schlussendlich der Name von Moses Ehambe und er kehrte zurück nach Tulsa. Das Farmteam der Oklahoma City Thunder, die Tulsa 66ers, sicherten sich die Dienste des Distanzwerfers. Einen Pick später holten sie seinen Klassenkameraden Yemi Ogunage. Neben den beiden Schulabgängern standen noch der im Aufbautraining befindliche Shaun Livingston und der ausgemusterte NBA Profi Gary Forbes. In der Spielzeit 2008/09 zeigte Moses Ehambe, weshalb er als ein gefährlicher Distanzwerfer gilt. Über 103 Treffer gelangen ihn in seiner ersten D-League Saison. Da sich kein NBA Team seine Dienste über die Saison sicherten, versuchte Ehambe in der Folgesaison immer noch sein Glück und blieb den Tusla 66ers treu. Trotz leichter Veränderungen im Kader blieb Ehambe seinem Spiel treu und legte eine Schippe bezüglich des Distanzwurfes drauf. 117 Treffer jenseits der 7.24m standen am Ende auf seinem Konto.

Geben statt Nehmen

Abseits des Spielfeldes lernte Ehambe das Hilfsprojekt „NBA Cares“ kennen und fand dort seine Passion. Zudem drafteten die Oklahoma City Thunder einen kulturellen Weggefährten mit Serge Ibaka. Gemeinsam versuchten die beiden diverse Projekte in dem Land ihrer Eltern, dem Kongo, etwas zu bewegen. „Meine Frau und ich haben einige Basketball-Camps ins Leben gerufen. Wir haben sie allesamt nach mir genannt: „The-Moses-Ehambe-Basketball-Clinic“. Darin zeigen wir den Kindern, dass Basketball viel mehr ist als nur ein Sport. Es ist eine Möglichkeit das Leben eines Menschen zu verändern, aber zeigen ihnen ebenso Alternativen. Zudem helfen wir den unterprivilegierten Menschen in meiner ursprünglichen Heimat. Wir wollen einfach alles gerne zurückgeben.“ resümiert Ehambe.

Nie wirklich weg gewesen

Sportlich gesehen verließ Ehambe nach über 100 Spiele die D-League. Knapp 12 Punkte im Schnitt standen auf seinem Konto und sein Agent vermittelte ihm eine Station außerhalb der Staaten. Der Weg sollte nach Spanien gehen zum Zweitligisten Ourense Balocenstro. Dessen goldene Zeit eher in den 90er des letzten Jahrhunderts war. Nichtsdestotrotz trat Ehambe die Reise in Richtung Spanien an. Dort traf er im Team auch auf den ehemaligen Center der Phoenix Hagen Jonathan Kale. Nachdem der Saisonverlauf alles andere glücklich verlief, lies: die Mannschaft war akut abstiegsgefährdet, verließ Ehambe den Verein bereits im Dezember. „Ich war der einzige Amerikaner im gesamten Kader. Zudem versuchte das Management seine Probleme zu lösen und ich war ein Baustein um dieses Problem zu lösen.“ erinnert sich Ehambe. Nach dem kurzen Intermezzo in Spanien schloss sich Ehambe zuerst – wie es typischerweise Spieler aus Europa kommend tun – dem Farmteam der San Antonio Spurs an. Anschließend war er verwickelt in einem Tauschgeschäft und landete letztendlich bei in Iowa. Da seine Teilnahme an der Summerleague wieder keinen NBA Kontrakt herausspringen ließ, kehrte er zurück nach Iowa. Da die Trainer dort eine andere Philosophie von der Spielweise praktizierten als zu seiner Zeit bei den Tulsa 66ers, nahm auch die Zahl der getroffenen Dreier in Ehambes Statistikbogen ab. Insgesamt standen „nur“ 98 Trefffer in seinen Büchern. Stattdessen entwickelte Ehambe seine Fähigkeit als verbissener Eins-gegen-Eins Verteidiger weiter und erweitere sein Spiel um diese Komponente.

Abenteuer ACB

Von dieser Fähigkeit angetan war auch der damalige Coach von Joventut Badalona Salvador Maldonado und holte Ehambe zurück nach Spanien. Ehambe bekam die Chance sich in der stärksten Liga Europas durchzusetzen. In allen Spielen der Katalanen stand Ehambe in der Starting Five und überzeugte nicht nur mittels seines Distanzwurfs sondern auch seiner Sicherheit an der Freiwurflinie. Insgesamt verwarf er nur 2 Würfe von der Linie.  Neben ihm standen auch noch im Kader: Tony Gafffney und Corey Fischer. „Die ACB ist eines der besten Ligen Europas und ich war ein Teil von ihr. Das alles ist einfach großartig. Ich habe unter Salvador Maldonado eine Menge gelernt. Leider haben wir um einen Sieg die Playoffs verpasst. Trotzdem war es eines eine großartige Zeit und ein Teil dieser Organisation gewesen zu sein.“ fasst Ehambe die Zeit zusammen. Trotz der Auslandserfahrung waren das Jahr in Badalona nicht von Erfolg gekrönt. Weder einen Titel noch eine großartige Ausgangsposition wurde erreicht.

Wieder da

Vom Traum der NBA angetrieben oder wie Ehambe sagt: „Es klingt echt verrückt, wenn ich das immer wieder betone. Aber es ist nicht mein Weg sondern der Weg, welchen mir Gott vorschreibt.“ Kehrt er immer wieder zurück in die D-League. Aber die D-League hatte sich verändert über das Jahr seiner Abwesenheit. Die Houston Rockets nutzen ihr Farmteam – die Rio Grande Valley Vipers – um ein neuartiges Spielsystem umzusetzen. Nur noch Distanzwürfe oder Direkt in Korbnähe erzielte Würfe sollen die Zukunft des Basketballs sein. Von diesem Hype der Spielweise angesteckt, implementierten einige Teams dies auch. Eines davon war auch das Team aus Iowa. Mit seinen 169 erfolgreichen Dreiern setzte Ehambe einen persönlichen Rekord. Das i-Tüpfelchen war den bisherigen Rekord von Blake Ahearn mit 510 erfolgreichen Dreiern geknackt zu haben und um 27 weitere Dreier erweitert zu haben. „Der Rekord bedeutet mir persönlich eine Menge. Aber es war auch eine Menge harte Arbeit. Aber Rekorde sind ja dazu da um sie wieder gebrochen zu werden. Aber im Moment genieße ich es sehr der Rekordhalter zu sein.“ meint Ehambe, wenn er über den Rekord zu sprechen kommt.

Willkommen in Deutschland

Wieder zurück in Europa. Dieses Mal ging die Reise nicht nach Spanien sondern nach Deutschland in die Beko BBL. „Ich liebe die deutsche Liga. Ich kam hierher mit kleinen Erwartungen. Aber hier kümmert man sich um einen. Ich hatte die Chance meine gesamte Familie mitzubringen. Außerdem hatten wir ja zuvor in Barcelona, welches eines der besten Wohngegenden ist, gewohnt. Aber selbst meine Frau lobt Deutschland in den höchsten Tönen. Sie meinte neulich, es ist ein besserer Ort als in Barcelona zum Leben,” schwärmt Ehambe über Deutschland. Dabei erlebt Ehambe eine durchaus turbulente Zeit mit Bremerhaven. Einerseits kämpft die Mannschaft um den Abstiegskampf und andererseits veränderte sich die Mannschaft permanent. Neben einen Wechsel an der Trainerbank wurden auch drei Spieler entlassen und drei Spieler neu verpflichtet. Ehambe versucht stets das Beste aus der Situation zu machen und gilt als Kommunikator auf dem Spielfeld. „Großartiger Typ, großartiger Schütze.“ diese Kurzbeschreibung von  Co-Trainer Chris Harris sagt mehr aus als der gemeine Fan sich vorstellen kann. Und wer weiß: Vielleicht trägt er sich mit seinen Dreiern auch noch mal irgendwann in die Beko BBL-Geschichtsbücher ein.

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