BBL, Scouting

Die San Antonio Spurs der Beko BBL

Es ist jetzt schon die bekannteste und wohl auch beste Szene der deutschen Basketball-Saison 2014/15. Mit noch vier Sekunden auf der Uhr, stiehlt Reggie Redding den Ball und spielt einen langen Pass auf Jamel McLean. Dieser schnappt sich den Spalding und netzt den Floater von der BBL-Dreipunktlinie ein. Zum Sieg. Mit dem Buzzer. Gegen den amtierenden NBA-Champion. Während ganz Deutschland ALBA für diesen Sieg feierte, lässt sich mittlerweile sagen, dass dieser Erfolg kein Zufall war. Die Berliner zeigen sich früh in der Saison schon unglaublich konstant und überzeugen mit Teambasketball. BBL News erklärt, wie „ALBA Berlin 2014/15“ funktioniert…    

Das Personal  

Auch mit dem Wissen um die finanziellen Möglichkeiten in Berlin, lässt sich wohl behaupten, dass ALBA zusammen mit dem FC Bayern Basketball den tiefsten Kader der Liga aufweisen. Sasa Obradovic kann auf eine Vielzahl von unterschiedlichen und flexiblen Akteuren zurückgreifen, die es ihm möglich machen, Lineups auf das Parkett zu schicken, von denen (fast) die ganze Bundesliga nur träumen kann. Zudem wurde nach dem langfristigen Ausfall von Aufbauspieler Jonathan Tabu mit Alex Renfroe nochmal ordentlich Qualität hinzugewonnen. Trotz dieser enormen Klasse der einzelnen Spieler, schafft es Headcoach Obradovic aber trotzdem alle bei Laune zu halten und die Minuten zu verteilen. Zehn Spieler stehen in dieser Saison 15 Minuten oder mehr im Schnitt auf dem Parkett. Mit Cliff Hammonds (27.3 MPG), dem besten Verteidiger der Berliner und Reggie Redding (27.0 MPG), dem Allrounder, gibt es nur zwei Ausreißer nach oben, was die Minuten angeht. Der Rest bewegt sich zwischen 15 und 23 Minuten. Diese Tatsache ist enorm wertvoll, da Berlin meist donnerstags oder freitags noch in der Euroleague ran muss und die einzelnen Spieler so genug Kraft tanken können für die wirklich wichtigen Spiele.

In der Beko BBL wurden die Albatrosse bislang selten gefordert. Gegen die Aufsteiger aus Göttingen (110:74) und Crailsheim (65:93) sowie gegen Trier (54:91) teilten die Spreestädter ordentlich aus. Die Konkurrenten aus Bonn (74:83), Ulm (88:68) und Bayreuth (58:68) sollten sich auch nicht als echte Gegner erweisen, sodass alles mal wieder auf ein Gipfeltreffen mit den Bayern hinauslief. Diese wurden ebenfalls bezwungen (83:80), dann folgten Siege gegen Hagen, Braunschweig und Oldenburg, womit ALBA das einzige ungeschlagene Team in der Bundesliga bleibt. Zudem stellt Berlin sowohl die beste Offense (125.1 Offensive-Rating) als auch die beste Defense (100.1 Defensive-Rating) der Liga. Doch der Blick auf den aktuellen Kader zeigt, dass dies sicherlich kein Zufall ist. Die Berliner haben dieses Jahr einen extrem guten Mix aus schnellen, defensivstarken Guards und großen, aber auch beweglichen Spielern gefunden. Ihr primäres Ziel ist es, den Ball an das Brett zu spielen. Eine Vielzahl von Possessions der Berliner starten oder enden mit einem Post-Up von einem der Big Men. Die Besonderheit der Großen ist wohl, dass sich unter ihnen kein Center á la Anthony King befindet, sondern dass sie alle über einen Mitteldistanzwurf verfügen und auch aus dem Post-Up Würfe für andere kreieren können. Mit Marko Banic und Leon Radosevic sind zwei osteuropäische Spieler dabei, die generell eher über ein weiches Handgelenk und Passing-Skills kommen. Jamel McLean bietet mit seiner Athletik das Gegenstück dazu und ist hauptverantwortlich für die Reboundarbeit. Allerdings kann er auch außerhalb von Brettnähe agieren. Obradovic lässt deshalb gerne McLean als Vierer mit einem der Kroaten zusammen auflaufen. Allein mit dieser Frontcourt-Lineup haben sie sich schon unglaubliche Vorteile unter den Körben der Beko BBL geschaffen. Sie vereinen Athletik mit Länge und Physis, dazu kommt ein guter Wurf und die Offense ist unberechenbar. Das Spacing ist phänomenal, sodass auch die schnellen Guards wie Renfroe oder Hammonds zum Korb ziehen können.

Genau dieselben Charakteristiken lassen sich auch in der Defense feststellen. Unter den Körben haben sie eigentlich immer die Reboundüberlegenheit, weshalb sie die Liga in Total Rebound Percentage auch mit Abstand anführen (60.25%). Dies liegt nicht zuletzt an Neuzugang Jamel McLean. Der Ex-Bonner sammelt 7.0 Boards pro Partie ein und ist ein Brandherd unter beiden Brettern, wenn es um Abpraller geht. Dazu kommen exellente Wing-Defender wie Cliff Hammonds oder Akeem Vargas. Beide bringen enorm viel Enegie mit und stellen jede Offense mit ihren schnellen Händen oder starken Fußarbeit vor Probleme. So treffen die Gegner nur 35.4 Prozent ihrer Dreipunktwürfe (ligaweit Rang 9) und kommen insgesamt nur auf eine Feldwurfquote von 40.7 Prozent (ligaweit Rang 1), wenn sie gegen Berlin ranmüssen. Ein weiteres Zeichen für gute Defense: Gegen die Albatrosse leisten sich die Gegner im Schnitt 14.86 Turnover pro Spiel, womit sie in dieser Kategorie auf Platz Vier rangieren. Besonders Small Foward Reggie Redding hat einen Anteil daran, da er in dieser Saison die fünftmeisten Bälle der Liga stiehlt (1.71 SPG).

Redding, seit Sommer 2013 bei den Albatrossen, hat sich zu einem der besten Allrounder der BBL entwickelt und wurde in der letzten Spielzeit im MVP-Voting Zweiter hinter Malcolm Delaney. Besonders seine Fähigkeit aus der Isolation abzuschließen, bringt ALBA neue Facetten in die Offense, weil sie so ein enormes Spacing erzeugen können, was die Gegner in Verlegenheit bringt. Es ist die „Pick-your-posion“-Entscheidung, die die Konkurrenten da zu fällen haben. Lieber Redding im 1-on-1 all seine Stärken ausspielen lassen oder ihn doppeln, aber dafür einen offenen Dreipunktwirf zulassen. Diese Frage haben sich die Trierer hier wohl auch gestellt und prompt einen Mitteldistanzwurf von Redding eingeschenkt bekommen:  

Foto: www.telekombasketball.de, Trier-ALBA

 Redding ist so variabel, dass es auch oft vorkommt, dass er den Point Guard mimt und die Berliner auf seine Ansage Plays laufen. Durch diese Verschiebung haben die Gegner oft Schwierigkeiten dies zu veteidigen und ALBA gelant zu Mismachtes, in denen sie ihre Schnelligkeits- bzw. Größenvorteile nutzen können.

Von den Größenvorteilen profitiert dann meistens Leon Radosevic. Der Center ist einer der Eckpfeiler im Berliner Spiel, da er unglaublich flexibel einsetzbar und beweglich ist in der Offense. Meist wird er von seinen Mitspielern im Low-Post gesucht, woraus er entweder selbst einen Wurf kreiert oder den Ball wieder raus passt, um die Offense nicht stagnieren zu lassen. Radosevic kann zudem gegnerische Fünfer vom Korb weglotsen, da er mit seinem sicheren Mitteldistanzwurf auch aus größerer Entfernung zum Korb Gefahr ausstrahlt. Der Kroate nimmt zurzeit die zweitmeisten Würfe im Berliner Spiel (7.57 FGA), was vor allem darauf zurückzuführen ist, dass die Offensive der Hauptstädter sehr Big Men-lastig ist (siehe unten). Radosevic trifft momentan immerhin 47,2 Prozent aus dem Feld und 65,5 Prozent von der Freiwurflinie.

Die größte Überraschung für Obradovic, ist aber sicherlich die Integrierung von Niels Giffey. Der Berliner gewann 2012 und 2014 die College-Meisterschaft in den USA und kam in diesem Sommer nach Deutschland bzw. Berlin zurück. Alle waren gespannt, wie sich der 23-Jährige sich wohl in der Beko BBL zurechtfinden würde. Nach sieben Spielen, lässt sich sagen, dass Giffey zu keinem Zeitpunkt Integrierungsprobleme zeigte und direkt zu einer der wichtigsten Stützen in der ALBA-Offense avancierte. 45,8 Prozent seiner Würfe aus dem Feld treffen ihr Ziel, von der Dreipunktlinie sieht es sogar noch besser aus (47,8%). Mit 8.86 Zählern pro Spiel ist er der fünftbeste Berliner Scorer (Stojanovski ausgenommen) und sammelt zudem zwei Rebounds pro Spiel.

Doch wenn ich bis zum jetzigen, frühen Zeitpunkt einen ALBA-MVP wählen sollte, fiele die Wahl wohl auf Jamel McLean. Der US-Amerikaner hatte ebenfalls gar keine Probleme das System Obradovic zu verstehen. Ganz im Gegenteil: McLean kommt das Berliner Spiel sehr entgegen und seine Stärken werden bislang perfekt genutzt. Er führt die Albatrosse in Punkte (14.71 PPG) und Rebounds (7.0 RPG) an. Dazu kommen – für einen Big Men überragende – 2,57 Assists pro Partie. Ziehen wir die „Advanced Stats“ hinzu, wird sein Impact noch deutlicher. Trotz seiner extrem hohen Usage Percentage (24.71%, zweitmeiste nach Leon Radosevic), trifft der Ex-Bonner enorm konstant. Seine True Shooting Percentage von 73.3 spricht dort eine eindeutige Sprache. Laut realgm.com, erzielt McLean zurzeit 2.06 Punkte pro Wurf, was ein überragender Wert ist, den er wohl bis Saisonende auch niemals halten kann. Doch es zeigt, wie früh McLean seine Form schon gefunden hat und wie sehr er von Obradovic’s System profitiert.      

Die Taktik: Offense  

Wie bereits angesprochen, lastet das Game der Berliner enorm auf den Schultern ihrer großen Spieler. Immer wieder wird Weg unter den Korb gesucht. Dieses Konzept ist in der Basketball-Bundesliga sicher kein schlechtes, da es viele Teams gibt, die mit kleinen Spielern auch auf den normalerweise größeren Positionen auskommen müssen. Die besten Beispiele hierfür sind Hagen, Ulm, Bonn oder Göttingen. Gegen drei davon haben die Berliner bereits schon sehr deutlich gewonnen, die Feuervögel müssen am Sonntag gegen ALBA ran.  

Immer konnten die Albatrosse von ihren Vorteilen unter den Brettern profitieren, gewannen die Reboundduelle meist deutlich. Dabei ist das Prinzip von Obradovic meist ähnlich. Oft wird ein Big Men im Low-Post gesucht, der dann meist viel Aufmerksamkeit auf sich zieht. Sollte er gedoppelt werden, warten außen genug Schützen um abzudrücken oder der Ball wird nochmals am Perimter gepasst. Es lässt sich gut erkennen, dass nachdem der Spalding im Low-Post ist, ein Guard (meist Hammonds) zum Korb zieht und für mögliche Offensivrebounds bereitsteht. Zwei weitere Flügel kreisen dann um die Dreipunktlinie, um sich in eine gute Position für einen Wurf von „beyond the arc“ zu bringen. Gegen die TBB Trier, die ebenfalls Probleme mit den Berlinern Big Men hatte, zeigte sich deutlich, wieviel Spacing da ist, wenn der Ball mal im Low-Post ist:  

Foto: www.telekombasketball.de, Trier-ALBA

Auf dem Bild wird sichtbar, wieviel Aufmerksamkeit die Trier Defense Marko Banic beim Post-Up schenken. Vier der fünf Spieler von der Mosel stehen im bemalten Bereich. Der fünfte (Samenas), dreht seinen Kopf zu Banic, um das Geschehen zu beobachten. Nun könnte Vargas, der allerdings nicht als ausgezeichneter Offensivspieler bekannt ist, ganz einfach seine Position am Perimter verändern oder zum Korb cutten, um einfache zwei Punkte zu bekommen. Da die Zone jedoch ziemlich dicht ist, wäre die erste Option wohl die bessere. In einer perfekten Welt, würde Redding sich in der Nähe des Schiedsrichters (oben rechts) positionieren, um noch mehr Spacing zu schaffen. Hammonds, der diese Saison noch nicht gut von Downtown trifft aber trotzdem den Dreier treffen kann, steht dagegen schon vollkommen blank in der linken Ecke. Leider hat sich Banic von ihm gewandt und kann somit den einfachen Pass nicht spielen.

Natürlich offenbart Trier hier auch einige defensive Schwächen, aber es zeigt wieviel Gefahr die Berliner Big Men ausstrahlen. Sollten sie nicht gedoppelt werden, werden sie versuchen mit einem Post-Move zu Punkten zu kommen. Häufig endet dies auch mit Freiwürfen, so gehen McLean (6.29 FTA) und Radosevic (4.14) zurzeit am meisten an die Linie bei den Albatrossen.

Auch eine weitere Statistik verdeutlicht, wie Big Men-lastig das Berliner Spiel ist. So werfen de Hauptstädter bislang in dieser Saison die wenigsten Dreier. Nur 14.86 Versuche von „beyond the arc“ sind mit Abstand die wenigsten. Das davon allerdings 6.43 reingehen (43.3%, Beko BBL: rang 2), zeugt einfach von guter Offense und kluger Wurfauswahl.  

Foto: www.telekombasketball.de, Trier-ALBA

Auch hier muss  es etwas relativieren werden, weil die Defense der Trierer in diesem Spiel wirklich nicht immer bundesligareif war. Doch auch hier lassen sich viele Erkenntnisse rausziehen. Diesmal postet mit Hammonds ein Guard auf, der dies aber aufgrund seiner Physis durchaus machen kann. Sofort ist Bewegung am Perimeter da, Renfroe hat sich sogar schon in gute Position gebracht. Banic wird an der Freiwurflinie natürlich etwas mehr Platz genehmigt, könnte diesen Jumper aber wohl auch verwandeln. Interessant ist vor allem die Situation um Jamel McLean. Nachdem Dwyane Anderson von den Weiß-Grünen in den Tiefschlaf verfallen ist und Akeem Vargas alle Freiräume gegeben werden, muss der kleine Trierer PG jetzt gegen McLean verteidigen. Hammonds hat also nun unendlich viele Optionen, um dieses Post-Up aufzulösen. Sollte der Dreier noch verteidigt werden, wird der Spalding nach links weitergeleitet, wo McLean einfaches Spiel gegen Anderson hat. Wird der Dreipunktwurf genommen aber verfehlt, dann sollte der Albatross mit der 33 wohl keine Probleme haben diesen Offensivrebound zu holen.  

Um zu zeigen, dass das nicht nur gegen Trier funktioniert, hier ein Beispiel aus dem Bayern-Spiel. Der Meister schenkt selbst Jonas Wohlfahrt-Bottermann (2.83 PPG in 7.1 MPG) im Post-Up so viel Aufmerksamkeit, dass sich Räume ergeben, die letztendlich in einem komplett offenen Dreipunktwurf von Niels Giffey resultieren:  

Foto: www.telekombasketball.de, ALBA-FCB

Wolfahrt-Bottermann passt den Ball nochmals raus zu Renfroe, der nun schon viel Freiraum genießen kann. Lucca Staiger erkennt die Sitaution scheinbar am schnellsten und sprintet raus, um den Dreier zu verhindern. Leider hat Jan Jaglas denselben Einfall, sodass Renfroe merkt, dass einer noch viel freier ist: Niels Giffey.  

Foto: www.telekombasketball.de, ALBA-FCB

Dieser muss den Ball nur noch fangen und abdrücken. In diesem Fall springt der Ball rein, dann aber wieder hinaus, sodass die Münchener mit einem blauen Auge davon kommen.  

Foto: www.telekombasketball.de, ALBA-FCB

Letztendlich will aber wohl auch Svetislav Pesic lieber einen gut verteidigten Hook Shot von Wohlfahrt-Bottermann sehen, als einen offenen Dreipunktwurf von Niels Giffey. Den Schuh muss sich wohl Jan Jagla anziehen, der zu früh doppelt und somit einen offenen Wurf ermöglicht. Auch der Ex-Berliner musste sich hier entscheiden: Pick your poison.  

Doch natürlich besteht die Berliner Offense nicht nur aus Post-Ups. Auch im Pick&Roll, haben die Hauptstädter viele Möglichkeiten zu scoren, da ihnen hier ebenfalls die Beweglichkeit ihrer Big Men extrem in die Karten spielt. Wenn sie das Block und Abrollen hoch ansetzen, können sich die Langen schnell zum Korb wenden und den Pass empfangen. Hier eine weitere Variante, die aber eher daraus entstanden ist, dass der Trierer Power Foward, Benedikt Breiling, das P&R extrem schlecht verteidigt hat:  

Foto: www.telekombasketball.de, Trier-ALBA

Hier lässt sich gut erkennen, wie nach einen Pick and Roll von Hammonds und Banic, Banic’s Gegenspieler schlicht zu lange braucht, um wieder seinen Mann zu finden. Breiling wollte hoch verteidigen, hat Banic allerdings im Rücken davonziehen lassen. Der Trierer PG, Anthony Canty, hatte nicht damit gerechnet, sodass nun Banic gut von McLean bedient werden könnte. Dieser hatte übrigens den Pass direkt aus dem Pick and Roll von Hammonds erhalten, um ihn dann schnell weiterzuspielen. Da Trier nun mit drei gegen vier steht, muss der Gegenspieler von Renfroe (oberer Bildrand) sich nun entscheiden. Entweder er bleibt bei Renfroe, um den Dreipunktwurf zu verhindern oder er folgt Banic, um nicht zwei einfache Punkte zuzulassen. Hier entscheidet er sich für den Berliner Vierer, sodass McLean ohne Gegenwehr den Crosscourt-Pass zu Renfroe spielen kann:  

Foto: www.telekombasketball.de, Trier-ALBA

Foto: www.telekombasketball.de, Trier-ALBA

McLean’s Pass kommt auf den Punkt und eröffnet Renfroe den offenen Dreipunktwurf. Wichtig hierbei ist auch, dass Banic unter dem Korb Renfroe’s Gegenspieler konsequent wegblockt, damit dieser den Wurf nicht mehr verhindern kann. Wieder sind einfache Punkte möglich. Wieder hatte Trier die Wahl. Pick your poison.  

Häufig wird in der BBL auch beim Pick and Roll einfach geswitcht. So wird der einfach Pass zwar verhindert, aber es entstehen Mismatches. So wie die Spurs in der NBA wohl die Meister im Ausnutzen darin sind, sind es die Berliner in der BBL. Kaum ein Klub hat solch flexiblen Spieler, die nahezu jede Position bekleiden können.

In diesem Fall, gab es vorher ein Block und Abrollen mit Redding und Radosevic. Die Bayern switchen das Ganze, weil Radosevic so schnell abrollt, dass Jagla dem Tempo nicht folgen kann. So muss Vasilje Micic nun im Low-Post gegen Radosevic kämpfen und Redding ist im 1-on-1 gegen Jagla:  

Foto: www.telekombasketball.de, ALBA-FCB

Foto: www.telekombasketball.de, ALBA-FCB

Mit seinem schnellen ersten Schritt kommt der zweite des letzten MVP-Votings vorbei und hat dann noch die Option zu Banic zu passen, falls John Bryant den Schritt in seine Richtung macht. Redding entscheidet sich für die schwierigereren Korbleger, kann aber vollenden.  

Foto: www.telekombasketball.de, ALBA-FCB

Foto: www.telekombasketball.de, ALBA-FCB

Dieses Erzwingen der Mismatches, ist ein fundamentaler Teil der ALBA-Offense. So kann zum Beispiel auch Power Foward Alex King den Ball bringen, der damit übringens gleichzeitig die Full-Court-Presse der Bayern aus den Angeln hebt. Diese hatten beim vorangegangen Einwurf nämlich Renfroe und Giffey sehr gut zugestellt, doch King kam zur Hilfe und mimte den Aufbauspieler.  

Foto: www.telekombasketball.de, ALBA-FCB

Die Berliner laufen danach oben ein einfaches Pick and Roll, welches aufgrund der Schnelligkeit von King aber sofort für Probleme sorgt. Jagla will wegen seiner fehlenden Geschwindigkeit switchen, allerdings fehlt die Abstimmung mit Anton Gavel und der Ex-Bamberger fällt zu Boden.    

Foto: www.telekombasketball.de, ALBA-FCB

Bislang haben sich alle sieben Gegner in der Bundesliga die Zähne an den Albatrossen ausgebissen. Sieben Siege und eine Offensive-Rating von 126 sprechen einen deutliche Sprache. Dabei ist die Offense noch nicht mal der Schlüssel zum Erfolg…    

Die Taktik: Defense  

Sasa Obradovic legt einen unheimlich hohen Wert auf die Verteidigung. Immer wieder zeigt er sich aktiv in seiner Coaching-Zone, wie er sein Team pusht und fordert noch aggressiver zu verteidigen. Das bereits erwähnte Defensive-Rating von 96.7 ist natürlich das Beste der BBL und auch in der letzten Spielzeit stellten die Albatrosse schon die beste Defense. Zudem wurde mit Cliff Hammonds ein Berliner „Defensive Player of the Year.“ Im Spiel gegen die TBB Trier hatte ALBA im ersten Spielanschnitt die Verteidigungsarbeit etwas vernachlässigt und ließ 19 Zähler zu. Deutliche Worte von Obradovic in der Viertelpause, müssen die Einstellung seiner Spieler wohl schlagartig geändert haben. In den restlichen 30 Minuten kassierten die Hauptstädter nur noch 35 Zähler. Sollte ALBA diese Defensivarbeit über 40 Minuten halten, sind sie kaum zu schlagen.

Die ALBA-Verteidigung setzt sich aus einem guten Mix aus Schnelligkeit, Beweglichkeit, Athletik und Physis zusammen. Schon die Guards gehen mit einer enormen Vehemenz auf die gegnerischen Spieler und versuchen so schon früh Zeit von der Shotclock zu nehmen. Obradovic nutzt dazu sehr gerne die Ganzfeldpresse:    

Foto: www.telekombasketball.de, Trier-ALBA

Wie hier zu sehen, stehen beim Einwurf schon vier Spieler von ALBA im Bereich der Dreipunktlinie des Gegners. Den Moselstädtern bleibt gar nichts anderes übrig, als einen gefährlichen, weiten Pass als Einwurf zu spielen. Die Wege zu den Aufbauspielern sind zu. So nimmt die “D” dem Gegner schon mal die erste Möglichkeit schnell in’s Setplay zu kommen. Bei einem langen Ball, muss der Angespielte meist erst noch auf den Point Guard warten, bis ein Play angesagt wird. Spielen sie das Out-of-bounds-play gut aus, können einfache Punkte schnell folgen. Wird  nämlich die vorderste Reihe überspielt, sind meist Wege zum Korb offen. Allerdings sind sie Albatrosse immer sehr schnell wieder in der eigenen Hälfte, wenn die Presse scheitern sollte.

Natürlich kostet so eine Full-Court-Press enorm viel Kraft, da sie mit viel Aufwand und Kondition verbunden ist. Doch hier schließt sich wieder der Kreis. Hagen könnte beispielsweise nie eine Ganzfeldpresse spielen, weil die Starter 35 Minuten auf dem Parkett stehen müssen. Doch da ALBA so breit aufgestellt ist und so eine tiefe Bank hat, kann Obradovic ständig durchtauschen und hält das Level enorm hoch. Besonders defensiv.

Neben der Ganzfeldpresse, wird bei Headcoach Sasa Obradovic das Wort „Help-Defense“ ganz groß geschrieben. Auch diese hängt natürlich mit der niedrigen Spielzeit der einzelnen Akteure zusammen und der damit vorhandenen Energie in jeder Defensiv-Phase. Besonders wenn die Berliner das Pick and Roll zu verteidigen haben, zeigt sich diese „Help-D“ ziemlich gut:  

Foto: www.telekombasketball.de, ALBA-FCB

Bei diesem Block&Abrollen von Micic und Yassin Idbihi gegen Vargas und McLean hat besonders der Fünfer der Albatrosse eine gute Position. Er ist ein Stück entfernt von Idbihi, dem er da aber den Platz lassen kann, ist aber gleichzeitig gut postiert, falls Micic zum Korb ziehen sollte. Vargas versucht sich um den Screen herum zu kämpfen, um dann wieder den bayrischen PG unter Druck setzten zu können. Die wichtigste Aufgabe wird aber gleich Alex Renfroe zuteil, der noch bei Heiko Schaffartzik am oberen Bildrand steht:  

Foto: www.telekombasketball.de, ALBA-FCB

McLean kann zwar den Drive von Micic verhindern, allerdings rollt Idbihi gut zum Korb ab und wäre deshalb eine gute Anspielstation. Doch Renfroe macht einige Schritte in Richtung Idbihi und nimmt den Bayern somit die Möglichkeit den Center anzuspielen. Die nächste Möglichkeit für Micic ist, Schaffarzik an der Dreipunktlinie zu suchen. Diesen findet er dann auch aber wegen der schnellen Fußarbeit von Renfroe kann er die Distanz zu Schaffartzik wieder verringern.    

Foto: www.telekombasketball.de, ALBA-FCB

Während Renfroe zu Schaffartzik sprintet, übernimmt McLean wieder seinen eigentlichen Gegenspieler, nämlich Yassin Idbihi. Sofort ist die komplette ALBA-Defense wieder geordnet und die einfachen zwei Zähler wurden verhindert. Schaffartzik muss den schwierigen Dreipunktwurf von zwei Metern hinter der Linie nehmen. Das sind die Würfe, die Obradovic dem Gegner immer gerne gibt.

Durch dieses aufwändige, aber ertragreiche Defense gelingt es den Berlinern ihre Gegner bei 53,5 Prozent True Shooting Percentage zu halten (Beko BBL: Rang 1). Zudem lassen sie ihren Gegner nur 39,9 Prozent der möglichen Rebounds (Beko BBL: Rang 1) und erzwingen die zweitmeisten Turnover der Basketball Bundesliga (gegerische Turnover-Percentage: 19.05%). Alles gute Voraussetzungen dafür, dass ALBA Berlin diese Saison wieder die beste Defense der Liga stellt.    

Die Zukunft  

ALBA Berlin hat das Personal und das System, um in dieser Spielzeit wieder in die Finalserie einzuziehen. Defensiv bleiben sie wohl das beste Team der Liga und werden bei durchgehend aggressiver Defense kaum ein Spiel (deutlich) verlieren. Die reguläre Saison sollten sie ohne größere Probleme unter den ersten Drei abschließen. Wichtig wird es dann in den Playoffs, wo wohl wieder der FC Bayern Basketball der größte Konkurrent ist. Bamberg befindet sich noch in der Findungsphase. Was die Mannschaft von Headcoach Andrea Trinchieri in diesem Jahre leisten kann, lässt sich noch nicht mit voller Sicherheit sagen.  Mit Oldenburg und Artland stehen aber zwei weitere Teams in den Startlöchern, die bereit für den ganz großen Wurf sind. Somit gilt es für ALBA den ersten Tabellenplatz zu verteidigen und sich das komplette Heimrecht zu sichern.

Insgesamt lässt sich wohl festhalten, dass die Berliner für ein Finale gegen die Bayern dieses Jahr noch besser gerüstet sind. Mit Jonathan Tabu haben sie noch einen weiteren Top-Spieler, der sein Können noch gar nicht unter Beweis stellen durfte. Sollte er sich ebenfalls so gut wie die anderen Neuzugänge integrieren, könnte es das Jahr der Berliner werden.

Das Jahr, welches mit dem Champions Cup-Sieg über Bayern und dem großartigen Triumph über die San Antonio Spurs begann. Die Texaner, mit denen die Berliner einige Gemeinsamkeiten haben, was das spielerische betrifft. Doch eins unterscheidet die beiden: Die Albatrosse haben letzte Saison keinen Titel gewonnen. Doch das soll sich dieses Jahr ändern…    

Alle Rechte an den Bildern liegen bei der Telekom.

  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  

Melde dich an, um einen Kommentar zu schreiben