Cleveland Cavaliers, NBA, Off-Court

Vom Pech verfolgt

Die Sportstadt Cleveland

Wer momentan mit den Cleveland Cavaliers sympathisiert, dem könnte es nicht besser gehen. LeBron James ist zurückgekehrt und bildet zusammen mit Kyrie Irving, Kevin Love und fähigen Rollenspielern ein schlagkräftiges Roster. Nun könnte der Heimkehrer sein Team zur ersten NBA Championship führen.

Bereits jetzt sind die Cavaliers-Trikots mit LeBron restlos ausverkauft und auf unbestimmte Dauer nicht mehr im NBA-Store verfügbar. Nicht nur sportlich sondern auch wirtschaftlich bringt LeBron einen Aufschwung in die Region. Die Einnahmen in Ticketverkäufen oder Sportbars steigern sich laut Jalen Rose um 500 Millionen US-$ in der Umgebung.

Doch dieser euphorische und glückliche Zustand herrschte nur selten in der Historie der Sportstadt. In den vergangenen Jahren assoziierten Beobachter durchaus andere Gefühlslagen mit der Stadt an der Ostküste. Die drei Franchisen in den drei großen Sportarten Baseball, Basketball und American Football wurden regelrecht vom Pech und Misserfolgen verfolgt, wie es nur wenige schafften.   

Cleveland Browns

Die letzte nationale Championship einer Sportmannschaft aus Cleveland liegt in diesem Jahr genau 50 Jahre zurück. Damals feierten die Cleveland Browns ihre vierte und bis heute letzte NFL-Championship, nachdem man zuvor viermal die AAFC gewinnen, doch seit Einführung des Super-Bowls keine fünfte Trophäe  in die Höhe recken konnte. 

Der letzte Auftritt in den NFL Playoffs-im Jahre 2002- endete dramatisch und -aus Cleveland Sicht- tragisch. Nachdem die Browns es seit sechs Jahren erneut in die Playoffs geschafft hatten und in der Stadt eine neue Aufbruchsstimmung verbreiteten, kamen die rivalisierenden Steelers genau recht. Nur zwei Autostunden reichten den Fans aus Pittsburgh, um sich eine der größten Aufholjagden in ihrer Vereinsgeschichte anzusehen. Davon ahnten die zahlreichen Browns Fans zuerst nur wenig. Führte man doch im dritten Viertel mit 24:7, hatten die meisten Fans wohl bereits an die nächste Runde gedacht. Die Spieler der Browns anscheinend auch. Denn in der zweiten Spielhälfte gab ihre Mannschaft das Heft der Handlung aus der Hand, und konnte nach einem 36:33 die Taschen für den Sommerurlaub packen.

Ab diesem Zeitpunkt führte der Weg für die Browns in die Bedeutungslosigkeit. Bis heute blieb ihnen die Superbowl-Teilnahme stets verwehrt. 1987 standen die Browns nur einen Touchdown entfernt vom Superbowl. 1:12 vor Ende des Spiels brach Ernest Byner, Runningback der Browns, durch die Defensivlinie der Broncos, auf dem besten Weg Richtung Endzone, verlor an der ein Yard Linie das Leder und die Broncos gelangten in Ballbesitz. Der Tag, der unter dem Namen „the fumble“ für immer in die Annalen der Stadt Cleveland eingehen sollte, zeigte den Anhängern erneut die schmerzhafte Seite des Sports auf.

Einzige Hoffnung bleibt der in diesem Jahr gedraftete Rookie Johnny Manziel, alias Johnny Football. Der erste Pick der 2014er Draft soll das Team von der Westküste wieder zu neuem Ruhm verhelfen.

Cleveland Indians

Eben jenen Johnny Manziel luden die Baseballer aus Cleveland ein, um den traditionellen ersten Pitch am vierten Juni gegen die Red Sox aus Boston zu werfen. Der Hintergrund war offensichtlich: Die neue Hoffnung der Football Sparte sollte auch den lokalen Baseball Spielern helfen, Zuschauer und Aufmerksamkeit anzuziehen. Diese ist bei den Indians dringend von Nöten. Nachdem sie 1948 ihre letzte World Series gewinnen und zwischen 1960-1993 nie mehr die Postseason erreichen konnten. Erreichte das Team in der Folgezeit zweimal die World Series, so verlor man 1995 als Favorit gegen die Atlanta Braves im sechsten und 1997 im siebten Spiel gegen die Florida Marlins. In den letzten beiden Jahrzenten hielt sich das Team vermehrt im Tabellenkeller auf, schaffte es jedoch nie einen erfolgreichen Wiederaufbau durchführen.

Cleveland Cavaliers

Auch bei der dritten Sportmannschaft im Bunde, sah es lange nicht danach aus, als könnte man LeBron aus dem sonnigen Florida ins graue Cleveland locken. Zwar reizte  der Faktor der Heimkehr, aus sportlicher Sicht betrieb man in der vergangenen Saison keine Eigenwerbung. Obwohl Teambesitzer Dan Gilbert vor der Spielzeit noch stolz erklärt hatte, man wolle die Playoffs erreichen, war die Saison ein  großer Reinfall. Trotz eines schwachen Ostens, landete das Team von der Ostküste am Ende bei einer Bilanz von 33:49 und einem Platz in der Lotterie. Stetig hielten sich Gerüchte, dass Point Guard Irving und – der via Trade aus Chicago herangezogene – Luol Deng, mit dem Gedanken spielten das Team zu wechseln. Letzterer heuerte nach Auslaufen seines Vertrages in Miami an, Irving entschied sich hingegen für einen maximal Vertrag über  fünf Jahre und 90 millionen US-$ in Cleveland.  Lotterie Pick Anthony Bennett, am College mit 16 Punkten und 8 Rebounds noch dominierend, trat mit einigen Kilos zu viel auf der Waage das Trainingslager an, litt an Schlafstörungen, diversen Verletzungen und Asthma. Seine erste Saison sah dementsprechend aus: Der erste Pick spielte nur 52 Spiele, warf enttäuschende 35% aus dem Feld und erzielte 4,2 Punkte pro Partie. Hoffnung machten jedoch einige Auftritt in der zweiten Saisonhälfte, so dass viele Experten zur kommenden Saison einen großen Schritt in seiner Sophomore Saison erwarten.

Das Team vom ehemaligen Head Coach Mike Brown wirkte oft  unmotiviert, ohne Teamgeist und lieferte einige grausame Spiele ab. So grausam, dass die Fans lieber aufs Spielfeld liefen, anstatt sich eine leblose Truppe Athleten anzuschauen. Obwohl auch einige aufmunternde Siege im Gedächtnis der Fans hängen blieben, überragten die ernüchternden Niederlagen dennoch in der Mehrzahl.

So landete man mit einer 1,7 prozentigen Chance auf den ersten Pick in der Lotterie. Nachdem man in den vorherigen drei Jahren zweifach das erste Wahlrecht einheimsen konnte, blieb das Glück auch in diesem Jahr auf ihrer Seite. Es begann ein Aufschwung in Ohio. In David Blatt angelt sich die Führungsetage einen europäischen Top-Coach. Der 55-Jährige  israelisch-amerikanische Coach feierte bereits unter anderem den Gewinn der Euroleague und holte 2007 mit Russland Gold bei der Europameisterschaft.  

Andrew Wiggins wird an erster Stelle gezogen und kann entweder selbst aufgebaut werden oder in einem Tradepacket gen Minneapolis für Kevin Love geschickt werden. Nach dem Kanadier folgte der nächste Paukenschlag: Immer öfter ließen „Quellen“ verlauten, dass sich Miami Heat Forward LeBron James in Gesprächen mit der Führungsetage der Cavaliers befindet.

Nachdem man sich 2010 noch im unreinen getrennte hatte und sich der Point Forward wohl alle Sympathien in seiner Heimatstadt verspielt hatte, sah es erst lange nicht nach einer Homecoming story aus. Obwohl er das Team 2007 alleine-zum ersten Mal in der Vereinshistorie- in das Finale geschleppt hatte, ließen seine Äußerungen bei der Präsentation in Miami „Not one, not two, not three“ die Stadt Cleveland erzürnt aufspringen.  Doch über die Jahre ist Gras über all die verbrannten Trikots gewachsen. Beiden Seiten haben mittlerweile Fehler eingestanden. James soll seine Cavaliers wieder in bessere Zeiten verhelfen und alte Traumata in Vergessenheit geraten lassen, von denen es in der Vergangenheit genügend gab. Noch nie konnte die Larry O´Brien Trophäe in Cleveland in der Stadt präsentiert werden.

Als 1986 unter anderem Mark Price und Ron Harper nach Cleveland zogen, gehörte man unter Headcoach Lenny Wilkens zu den Top-Teams und erreichte in den folgenden neun Jahren-bis auf eine Ausnahme-jedes Jahr die Postseason. Doch wie es der Lauf des Lebens so möchte, muss jede Generation die Profikarriere irgendwann an den Nagel hängen. Price, Haper, Daugherty und Nance blieben keine Ausnahme. Nachdem die goldene Generation abtrat, stürzte man in Ohio in eine Phase der Misserfolge. Es war einzig Lebron, der seine Heimat aus der Krise zog. Denn als man 2002/2003 eine derartig schlechte Bilanz aufwarf, waren die Chancen auf den ersten Pick und diesen Highschool Spieler namens LeBron James umso größer. Er schlug sofort ein: Rookie des Jahres, dominante Spielweise, 19 Zähler, fünf Rebounds und fünf Vorlagen sprachen für sich. Vier Jahre und einige Umstellungen in der Franchise später, schleppte LeBron die Cavs in die Finals. Das Verb „schleppte“ ist jedoch keineswegs eine Hyperbel. Mit Larry Hughes als zweite und Drew Gooden als dritte Scoringoption, trug der King alle Last auf seinen Schultern. Der schwache Kader machte sich in den Finals erkennbar, sehr deutlich sogar. Mit 4:0 deklassierten die San Antonio Spurs ihren Gegner und ließen keine Hoffnungen aufkommen.

Auch in den folgenden Jahren stieß das Team nie erneut in die Finalserie vor. Als 2009 die Titelhoffnungen in der zweiten Playoffrunde endeten, richtete sich der Fokus auf die anstehende Free-Agency. Statt in Ohio zu verweilen, entschied LeBron sich unter Pat Riley in Miami eine neue Big Three zu formen. Cleveland fühlte sich betrogen. Besitzer Dan Gilbert äußerte seinen Frust via öffentlichem Briefes. Er bezeichnete den Umzug gen Süden als Treuebruch, blieb von der NBA aber nicht verschont. 100.000 US-Dollar stellte die NBA für die Äußerungen in Rechnung, Fans verbrannten seine Trikots und wollten sich an der Zahlung der Strafe beteiligen. Eine friedliche Trennung war es nicht.  

 

Es war der letzte traurige Höhepunkt in der jüngeren Geschichte der Sportstadt Cleveland. Über die Jahre vergossen die Fans sicherlich mehr Liter Tränen als die Fans anderer Franchises. Ob im Baseball, Football oder Basketball blieb keine der drei großen Franchises verschont. Auch ohne Sympathien für Cleveland bleibt zu hoffen, dass es in naher Zukunft weitere positive Ereignisse zu vermelden gibt. Der erste Grundstein wurde im Basketball bereits gelegt. 

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