Debatte, Draft

Wer ist der beste Big Man nach Embiid?

Noah Vonleh vs Julius Randle

debatteJoel Embiid ist mit Abstand der beste Big Man dieser Draftclass. Nur selten kommt ein Sevenfooter mit solchen Anlagen und Fähigkeiten daher. Dass er sich nun erneut verletzt hat, ist sehr bitter, ändert aber nichts an dieser Tatsache. Selbst wenn sein Draftstock an Wert verlieren sollte, was nicht unbedingt sein muss, steht er als unser bester Big Man auf dem Draftboard. Doch wer reiht sich dahinter ein? Wie in unserem Draftranking zu lesen, sind die nächsten Bigs Noah Vonleh und Julius Randle. Die beiden Prospects hatten ebenfalls eine überzeugende College Saison und wollen jetzt ihren Traum von der NBA verwirklichen. In ihren Stilen könnten sie unterschiedlicher kaum sein und deswegen ist es auch sehr spannend, zu sehen, wer für uns den besseren Profi abgeben wird. 

Philipp Servatius: Obwohl er aufgrund einer überragenden Freshmen Class immer wieder unter dem Radar geflogen ist, bleibt Noah Vonleh einer der besten Big Men im Draft! Durch sehr gute körperliche Anlagen und die ausgeprägte Reboundfähigkeit, kann man ihn dabei sogar direkt hinter Joel Embiid als nächstbesten Big Man im Draft sehen. Gerade in der Offensive verfügt er noch über großes ungenutztes Potential – auch in diesem Bereich könnte man ihn dort direkt hinter dem genannten Kansas Big Man an zweiter Stelle sehen. Vonleh ist für mich dementsprechend auch die Nummer Zwei, was die Big Man-Frage angeht!

Julian Barsch: Julius Randle konnte in seiner Freshman Saison komplett überzeugen. Allerdings hat das schwache Abschneiden der Kentucky Wildcats, und vor allem der Harrison-Twins, von den Leistungen des Forwards abgelenkt. Sicherlich gibt es einige Bedenken aufgrund seiner Größe, doch die Statistiken sprechen für Randle. 15 Punkte und 10,4 Rebounds sind, insbesondere für einen Spieler im ersten Jahr, hervorragend. Nie zuvor hat ein Kentucky Freshman 24 Double-Doubles aufgelegt. Sein Talent ist nicht zu übersehen und daher ist meiner Meinung nach eindeutig der beste Big Man nach Joel Embiid.

Philipp Servatius: Ob Randle tatsächlich komplett überzeugen konnte, sei einmal dahin gestellt, wenn man sich einmal betrachtet, dass er vor der Freshman Saison teilweise vor Parker als zweitstärkster Spieler gesehen wurde. Talent kann man ihm dabei zwar nicht absprechen, aber so gut wie anfangs eingeschätzt, ist er nicht. Der wichtigste Vorteil, den Vonleh aber gegenüber Randle besitzt, sind seine körperlichen Fähigkeiten. Die Pre-Draft Measurements zeigen klar: Vonleh ist größer, verfügt über eine größere Spannweite und dementsprechend auch über eine größere Standing Reach, auch was den Vertical leap angeht, hat er die Nase vorne. 

Julian Barsch: Das ist korrekt, doch trotz der Größenvorteile wiegt Randle leicht mehr als der ehemalige Indiana Hoosier. Er ist bulliger, sehr agil für einen Big Man und deutlich aktiver. Zwar hatte Vonleh eine starke Saison, oftmals lies er aber den so notwendigen Einsatz vermissen. Er kam oft über Länge und hatte dort den Vorteil gegen die meist kleinere College-Konkurrenz. Auffällig war dabei, dass er in der Offense oft überhaupt nicht den Weg in die Zone fand, sondern vom Perimeter aus als Schütze agierte. Hier unterscheidet er sich von Randle. Während Randle zumindest ein solider Midrange-Schütze ist, hat er kaum Distanzwürfe genommen. Zwar bekam der 19-Jährige oft den Ball am Perimeter, zog von da aus aber kontinuierlich zum Korb. Zu Beginn der Saison war Randle die Option der Wildcats im Post, wobei er sehr produktiv war. Im zweiten Abschnitt der Spielzeit hat sein Spiel deutlich unter dem schwachen Abschneiden der Guards gelitten.

Philipp Servatius: Offensiv mag Randle noch die Nase vorne haben, aber wie schon angedeutet, ist Vonleh in der Lage, immer wieder von außen einzustreuen – dies könnte bei den Profis Gold wert sein. Dass beide klassischen Lowpostscorer sind, verhindert es bei beiden Big Men zu einer echten Scoringoption eines Contenders zu werden. Es wird also die Verteidigung entscheiden müssen, wer in einigen Jahren eine entscheidende Rolle bei einem Play-off Kandidaten ausfüllen kann. Mit 0,9 SPG und 1,4 BPG  hat er hier schon mal einen Vorsprung gegenüber der 0,5 SPG und 0,9 BPG von Randle. Defensiv hat der Indiana Freshman hier also auch die Nase vorne. Und genau darauf wird es in Zukunft bei den beiden Big Men mit eingeschränktem Postplay am meisten ankommen.

Julian Barsch: Sicherlich geht die Entwicklung in der NBA dorthin, doch genau das spielt Randle in die Karten. Auch wenn er im Post einen ordentlichen Impact haben kann und wird, ist er ein sehr vielseitiger Offensivspieler. Sein Wurf ist bis in die Mitteldistanz durchaus solide, wurde von John Calipari aber praktisch nicht genutzt. Des Weiteren ist er auch aus dem Dribbling vom Perimeter oder High Post eine Waffe. Dabei zieht Randle im Schnitt 7,2 Freiwürfe pro Spiel, fast drei mehr als Vonleh. Dass Vonleh hingegen defensiv den Vorteil hat, ist klar. Doch man muss auch hier die Rollen der beiden betrachten. Vonleh wird im besten Fall ein Rim Protector. Randle kann diese Rolle alleine wegen seiner Größe überhaupt nicht ausfüllen. Das ist aber auch nicht schlimm. Mit seiner Athletik und der bulligen Spielweise kann der Texaner Forward-Tweener verteidigen, was immer mehr an Bedeutung gewinnt. Obwohl er nicht unbedingt als Top-Verteidiger gilt, besitzt er eben aufgrund dieser Spritzigkeit und Agilität defensives Potential. Das sollte bei seiner Evaluierung nicht übergangen werden.

Philipp Servatius: Natürlich zieht er aufgrund seines guten Drives mehr Freiwürfe als Vonleh, der einfach von der Fußarbeit noch nicht weit genug ist, um ordentlich zum Korb ziehen zu können. Mit 4,5 Freiwürfen pro Spiel ist dieser Wert zumindest solide, wobei er sich diese halt auch meistens aus dem Lowpost erarbeitet und eben nicht durch Drives. Dass Randle Tweener verteidigen kann, mag ein Faktor sein, allerdings wird er große Probleme bekommen, wenn eben kein Tweener auf dem Feld ist und er einen großen Gegenspieler verteidigen muss. Aber das ist ja ein bekanntes Tweenerproblem. Ein weiterer Faktor, der in der NBA eine Rolle spielen wird, ist das Rebounding. Beide scheinen hier erst einmal gleich auf zu sein(19,4 TRB% bei Vonleh zu 19,2 TRB% bei Randle). Vonleh hat am defensiven Ende hier jedoch einen klaren Vorteil, er liegt mit 27,3 DRB% auf einem Level mit Joel Embiid. Randle hat mit 24,7 DRB% noch Verbesserungsbedarf. Im Bereich des defensiven Rebounds hat Vonleh hier die Nase vorne – und auch dies ist wieder ein Punkt für Vonleh, der in NBA von großer Bedeutung sein.

Julian Barsch: Im Gegenzug steht der offensive Rebound. Mit 13,3 ORB% hat Randle einen viel größeren Einfluss als Vonleh (10,8 ORB%). Das passt wieder sehr gut zu der aktiven, fleißigen Spielweise mit der Julius Randle so viel Energie auf das Parkett bringt. Selbst größeren Kontrahenten wird es schwer fallen, das Kraftpaket vom offensiven Brett fernzuhalten. So schlecht sind allerdings auch die 24,7 DRB% nicht. Wenn man alle College Spieler seit 2010 (einzelne Saisons) anschaut, befindet sich Randle noch fast in der Top 100 (Platz 100: 24,9). Vonleh steht da natürlich besser da. Aber zu sagen, dass bei Randle noch großartig Verbesserungsbedarf nötig ist, halte ich für übertrieben. An dieser Stelle muss erwähnt werden, dass der ehemalige Wildcat (im Vergleich) recht kurze Arme hat und dazu noch gegen größere Gegenspieler auf dem Feld stehen wird. Sein Körperbau und das gute Ausboxen wird ihm jedoch trotzdem eine gute Rolle als Rebounder ermöglichen.

Philipp Servatius: Beim offensiven Rebound ist Randle genau wie auch in der Offensive besser. Man sollte allerdings das Augenmerk noch einmal auf die körperlichen Fähigkeiten legen. Die Werte von Vonleh im Bereich der Spannweite und Standing Reach sind, wie schon angesprochen, besser als die bei Randle. In Verbindung mit den guten Anlagen, die er Offensiv wie Defensiv zeigt bringt er ein gewaltiges Upside mit sich. Natürlich ist es dabei reine Spekulation, was er wirklich aus diesem Potential machen wird, aber es sollte dennoch berücksichtigt werden. Randle mag jetzt einen größeren Impact haben – Vonleh verfügt aber über mehr Upside. Er wird dabei sicher, auch jetzt schon, einigen Teams helfen können. Wenn man sich dem bewusst ist, ihm seine Zeit gibt und noch keine Wunderdinge von seinem Big Men erwartet, sollte Noah Vonleh aufgrund der genannten Vorteile im defensiven Rebound und dem Verteidigungspotential die richtige Wahl sein.

Julian Barsch: Genau das ist eben der große Unterschied. Randle ist vom Körper her NBA-ready und wird seinem neuen Team sofort helfen können. Vonleh hat mit den Maßen natürlich das höhere Upside, ob er das je bestätigen wird, ist aber die Frage. Er muss deutlich aktiver und aggressiver in seiner Spielweise werden, um das umzusetzen. In dem Sinne ist es mehr eine Frage, was sich das jeweilige Team und die Führungsetage von dem Rookie erhofft. Im schlimmsten Fall wird Vonleh ein paar Spielzeiten benötigen bis er eine Hilfe sein kann. Aber auch wenn Randle von Beginn an starten kann, ist ungewiss, ob er sich weiterentwickelt. Doch meiner Meinung nach sollte hier vor allem defensiv und beim Sprungwurf noch einiges passieren. Wenn sich der Schützling von John Calipari auf diese Aspekte im Training fokussiert, kann er in einigen Jahren als Top 3 Spieler dieser Draftclass in die Geschichte eingehen.

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2 comments

  1. glover

    Sorry, aber ihr müsst in eurer Argumentation kenntlich machen, ob ihr euch auf die Stats per Game oder per 40 Minutes bezieht.
    Gerade bei Vonleh suggeriert ihr, es handele sich um seine Stats per Game, also um seine Performance. In Wirklichkeit zitiert ihr aber seine Stats per 40 Minutes.

    Als Beispiel: “Natürlich zieht er aufgrund seines guten Drives mehr Freiwürfe als Vonleh, der einfach von der Fußarbeit noch nicht weit genug ist, um ordentlich zum Korb ziehen zu können. Mit 4,5 Freiwürfen pro Spiel ist dieser Wert zumindest solide, wobei er sich diese halt auch meistens aus dem Lowpost erarbeitet und eben nicht durch Drives.”

    Tatsächlich zog Vonleh 3.2 Freiwürfe pro Spiel.
    Gerade bei Vonleh ist diese Differenz nicht ohne Bedeutung. Er spielte, im Vergleich zu den anderen Kanditaten für die Lottery, weniger Minuten und hatte eine kleinere Rolle. Dass er seine effizienten Zahlen auch bei mehr Spielzeit bestätigen kann, ist möglich aber keineswegs selbstverständlich.

  2. Philipp Servatius

    |Author

    Erstmal vielen Dank dafür, dass du dich an der Diskussion beteiligst.

    Bei Vonleh werden jedoch Tatsächlich die Stats per Game als Richtwert genannt. Ich beziehe mich dabei auf die Freiwurf Versuche und nicht etwa auf die Treffer, die er erzielt hat. Bei den Erzielten Treffern liegt er Tatsächlich bei 3,2 pro Spiel. Zugesprochen bekommt er allerdings 4,5 (hab es mir nochmal von ESPN bestätigen lassen). Zudem gebe ich dir auch recht, dass die Per Game Stats bessere Richtwerte bieten, da sie das wiederspiegeln, was der Spieler Tatsächlich leistet!

    Zum Abschluss eine Frage an dich: Wen siehst du vorne? Vonleh oder Randle?

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