NCAA Previews 11/12

College Preview: Kansas Jayhawks

Kansas Jayhawks, Big 12

2010-11: 35-3; NCAA-Tournament:  Elite Eight.


Es sollte das Jahr der Kansas Jayhawks werden. Das Team hatte individuelle Klasse, Rollenspieler, die ihre Aufgaben auf dem Feld perfekt verstanden, eine Tiefe im Roster, die Möglichkeiten offenbarte, auf viele verschiedene Situationen innerhalb  eines Spiels zu reagieren. Nach einem Durchmarsch durch die (Non-)Conference-Spiele und einer Bilanz von 32-2 gingen die Jayhawks als regionaler #1-Seed ins NCAA-Turnier. Das Ausscheiden gegen VCU im Elite Eight war demzufolge eine große Enttäuschung.  Gerade gegen ein auf Rang 11 gesetztes Team wollte man nicht stolpern. In diesem Jahr sieht Go-to-Guys die Jayhawks nur als einen Anwärter aufs Sweet Sixteen. Warum erklären vor allem die Abgänge.

Wer ging?

Mit Marcus und Markieff Morris verließen die beiden dominanten Frontcourt-Spieler die Jayhawks. Die Morris Twins waren Top Scorer und Rebounder in diesem Team und hinterlassen eine Lücke, die 30 Punkten und 15 Rebounds entspricht. Die vielseitigen Forwards, die in der NBA wohl zeitweise sowohl die kleine als auch die große Forward-Position bekleiden können, waren die Gallionsfiguren der Jayhawks.

Als wäre dies noch nicht genug, meldete sich Josh Selby ebenfalls zur Draft an. Der explosive Guard hatte eine eher schlechte Freshman-Saison hinter sich gebracht und konnte nur in Ansätzen zeigen, was für ein talentierter Basketballer er sein kann. Selby wurde in der zweiten Runde von den Memphis Grizzlies gedraftet und wird somit wahrscheinlich in dieser Saison neben Zach Randolph oder Marc Gasol auflaufen.

Dazu gehen mit Brady Morningstar und Tyrel Reed zwei sehr erfahrene und konstante Rollenspieler vom College nach ihrer Senior-Saison ab. Beide zeichneten sich durch ein ausgezeichnetes Händchen von jenseits der Dreierlinie aus.

Diese fünf Spieler haben mehr als 60% der gesamten Spielzeit der Jayhawks im abgelaufenen Jahr gesehen. Nimmt man dann noch die Minuten von Mario Little hinzu, der auch sein letztes Collegejahr bei den Jayhawks absolvierte, sind es gar zwei Drittel der gesamten Spielzeit. Coach Bill Self arbeitet also de facto in dieser Saison mit einer komplett neuen Mannschaft. Er verlor vier von fünf Startern und muss nun aus den restlichen Spielern mitsamt neuer Rekruten wieder ein Team aufstellen.

Wer kam?

Self hat mit Ben McLemore nur einen Top 50 Rekruten für KU gewinnen können. Der athletische Flügelspieler kann einem Spiel über kürzere Strecken seinen Stempel aufdrücken. Er bringt ein Skillpaket mit, das ihm erlaubt, gut am Ring zu finishen, aber auch einen Wurf bis hinter die Dreierlinie anzubringen. McLemore spielte in der High School meist nahe am Ring und konnte dadurch sein Rebounding trainieren, was ihm in Kansas sicherlich hilfreich sein kann. Aufgrund seiner physischen Voraussetzungen könnte McLemore ein sehr guter Verteidiger werden, der für jeden Gegenspieler unangenehm zu spielen wäre. McLemores Perimeterspiel muss jedoch noch weiter verinnerlicht werden, ebenso könnten ihm fünf bis sieben Kilo Muskeln gut tun, um das nächste Level zu erreichen. Des Weiteren wäre ein konstanteres, präsenteres Auftreten wünschenswert.

Als weiterer namhafter Zugang ist Naadir Tharpe zu nennen. Der pass-first Point-Guard wird Senior Tyshawn Taylor entlasten können, zumal er Thomas Robinson schon von der Brewster Academy in Worchester kennt. Dort waren beide schon im selben Kader. Tharpe kann die Defense lesen, trifft gute Entscheidungen und spielt zentimetergenaue Pässe, um seine Spieler einzusetzen. Über die Jahre hat er sein Skillset erweitert. So verfügt er nun neben dem Drive auch über einen anständigen Wurf, der zwar noch ein wenig Feinschliff benötigt, aber relativ stabil aussieht. Dazu hat der recht kleine Point Guard an seinem Körper gearbeitet, um seine Gegenspieler vor sich halten zu können. Auch hier muss er aber weiter trainieren, da er am College nicht jeden Spieler verteidigen kann.

Braeden Anderson und Jamari Traylor sind beides Power Forwards, die aber als drei Sterne-Rekruten schon mit einer gewissen Limitierung im Talent beschrieben werden. Während Anderson mehr ein inside-out-Spieler sein kann, ist Traylor dafür bekannt, dass er als Banger versucht, jeden Ball zu stopfen. Inwiefern diese beiden Coach Bill Self helfen können, muss erst die Saison zeigen.

Soweit die Theorie. In der Praxis trainieren bis auf Braeden Anderson zwar alle Rekruten in Kansas, am Spielbetrieb teilnehmen darf aber nur Naadir Tharpe. Die anderen drei Rekruten wurden zu “partial qualifiern” erklärt. Dies bedeutet, dass sie eine Aufnahmehürde zum College nicht erfolgreich absolviert haben und so nicht komplett am College eingeschrieben sind. Sie stehen dem Team erst im nächsten Jahr zur Verfügung.

Wer blieb?

Alle Hoffnungen ruhen in dieser Saison auf Thomas Robinson. Dieser sah hinter den Morris Twins nur 16 Minuten, spielte aber mit vollem Einsatz und ließ seine Qualitäten schon aufblitzen. Nachdem nun Marcus und Markieff Morris die Jayhawks verließen, ist der Tisch für Robinson bereitet. Man erwartet, dass der Junior seine Spielzeit verdoppeln und als erste Option im Frontcourt agieren kann. Robinson gibt sich bescheiden und charakterisiert sich weiterhin nur als „high-energy guy“, der das Skillset der Morris Twins nicht besäße. Dies stimmt auch, trotzdem kann Robinson dominant sein und hochprozentig abschließen.

Zu verdanken wird er dies vor allem dem einzig verbliebenden Starter des letzten Jahres haben. Point Guard Tyshawn Taylor leitet das Spiel sicher und ist als Senior wohl auch Kopf des Teams, auch wenn Robinson nach außen hin das Aushängeschild der Jayhawks sein könnte. Taylor wird der verlängerte Arm Bill Selfs auf dem Feld sein und neben dem Playmaking nun auch eine prominentere Rolle in Sachen Scoring spielen können oder müssen.

Den nächsten Schritt muss zudem auch Flügel Travis Releford machen. Releford sah auch im letzten Jahr schon immer nach einem guten Verteidiger aus, zudem traf er die Kickouts, die am Perimeter landeten. Nachdem Morningstar und Reed die Universität verließen, gehört Releford das Feld. Er muss beweisen, dass er auch bei mehr Einsatzzeit die Intensität hochhalten kann, um ein wertvolles Puzzleteil der Jayhawks sein zu können.

Aufgrund der “partial qualifier” muss Jeff Whitey nun auch unbedingt produzieren. Der baumlange Center sah im letzten jahr nur 6 Minuten hinter den Twins oder Thomas Robinson. Jetzt ist er aber gefragt, um dem eh schon schwachen Frontcourt wenigstens ein bisschen Entlastung zu bringen.

Stärken/Schwächen

Coach Bill Self kann durchaus als Stärke angesehen werden. Sieben Big 12-Meisterschaften in Folge haben die Jayhawks gewonnen. Diese Qualität verdankt man auch dem Coaching Selfs. Dazu steht einem Team auch immer ein Senior-Point Guard mit viel NCAA-Turniererfahrung gut zu Gesicht. TyShawn Taylor hat schon viele Situationen auf einem Basketballfeld gesehen und kann mit seiner Collegerfahrung dem Team helfen, schwierige Situationen zu lösen.

Dazu hat man mit Thomas Robinson in zentraler Rolle wohl den Kandidaten für einen Durchbruch am College in seinen Reihen. Robinson muss im Team funktionieren, muss seine Rolle so adaptieren, dass er dem Team helfen kann und darf sich nicht nur auf die high-energy-plays beschränken.

Auf der anderen Seite stehen vor allem die vielen Fragezeichen. Sechs Spieler aus der Rotation haben die Jayhawks verloren, außer Naadir Tharpe ist keine hochkarätige Ergänzung zu vermelden. Wenn Thomas Robinson nicht zum Star dieses Teams avancieren kann, droht das Gefüge in Kansas einzubrechen. Man hat keine erprobten Rollenspieler, keinen festen Stamm mehr, keine eingespielte Mannschaft. In Kansas muss einiges funktionieren, um die vielen Löcher zu stopfen, die die Abgänge gerissen haben. Man benötigt eine Teamphilosophie, verlässliche Dreierschützen und einen weiteren Rebounder neben Robinson. Eine Mammutaufgabe für Self.

Ausblick

Die Jayhawks stehen vor einem Neuaufbau. Man hat mit Taylor und Robinson zwei Bausteine, um die man ein Team konstruieren kann, das funktionieren kann. Findet man dazu solide Rollenspieler, die schießen, rebounden und arbeiten können, kann dieses Team durchaus die zweite Runde im NCAA-Tournament überstehen und ins Sweet Sixteen einziehen.
Ebenso besteht aber auch die Möglichkeit, dass dies ein hartes Jahr für Bill Self wird. Findet er nicht die Bausteine, um eine homogene Mannschaft zusammenzustellen, ist nicht nur der Conference-Titel in Gefahr, sondern auch die zweite Runde des Turniers. Glücklicherweise befindet sich momentan die gesamte Big 12 in einer Art Umbruch, sodass die Chancen für die Jayhawks gar nicht so schlecht stehen.

  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  

Schreibe einen Kommentar