NCAA Previews 11/12

College Preview: Florida Gators

Florida Gators, SEC

2010/11: 29-8; NCAA Tornament: Elite Eight.

2007 war das wohl erfolgreichste Jahr in der Geschichte des Gators Basketballprogramms. Man gewann eine Back-to-back Championship und bereicherte die NBA-Draft dieses Jahres gleich mit drei Lottery Picks (Al Horford, Corey Brewer, Joakim Noah) und zwei Spielern, die in der zweiten Runde gezogen wurden (Taurean Green, Chris Richards). Seitdem versuchte man, an alte Erfolge anzuknüpfen. Das letzte Jahr beendete man mit einer einer Bilanz von 26 Siegen bei 7 Niederlagen und spielte damit die erfolgreichste reguläre Saison seit der magischen Spielzeit 2006/07. Als #2 Seed startete man im letzten März in das NCAA Tournament und kämpfte sich bis in das Elite Eight vor, um dort recht unglücklich gegen den späteren Vize-Champ Butler nach Verlängerung auszuscheiden.

Wer ging?

In dieser Spielzeit soll nun ein ähnlicher Erfolg her, auch wenn im Sommer gleich drei Starter ihre Karriere als Florida Gator beenden mussten. Coach Donovan verlor den Löwenanteil seines Frontcourts und muss nun schauen, wie er seine drei Senior Graduates ersetzt. Den größten Verlust sollte der Abgang von Chandler Parson darstellen. Der Forward war in der letzten Saison der klare Anführer des Teams und gab gern die eierlegende Wollmilchsau auf dem Feld. Er spielte die meisten Minuten aller Gators, griff teamintern die meisten Bretter ab und glänzte auch als Playmaker. Keiner seiner Mannschaftskollegen spielte mehr Assistenten als der SEC Player of the Year. Folgerichtig fand er seinen Weg in die NBA und von den Houston Rockets mit dem #38 Pick gezogen wurde.

Vernon Macklin wurde ebenfalls gedraftet. Die Detroit Pistons wählten den athletischen Center in der zweiten Draftrunde mit dem #52 Pick aus. Macklin war die erste Frontcourtoption der Gators, schloss extrem hochprozentig ab (59,3% FG) und sorgte mit seiner bloßen Präsenz für Platz für die Schützen.

Außerdem verließ Forward Alex Tyus den Campus in Gainsville. Auch er war ein Starter für Florida und zweitbester Rebounder der Gators. Seine 9 Punkte im Schnitt werden der Mannschaft fehlen.

Wer kam?

Allerdings haben die Gators ja noch ihren Übungsleiter Billy Donovan, dem es gelang, auch in diesem Sommer wieder gute Spieler nach Florida zu lotsen, um die entstandenen Löcher zu schließen. Der wichtigste neue Mann ist Shooting Guard Bradley Beal. Der Flügelspieler wird von ESPNU als einer der besten fünf Spieler der diesjährigen Highschool Klasse angesehen und wurde auch von uns in der Top 10 der neuen College Freshman gelistet. Vielerorts mit Ray Allen verglichen, ist Beal wohl sofort als talentiertester Spieler auf dem Campus anzusehen. In der vergangenen Saison gewann der Highschool Senior mit seinen Fabelstats von 32,4Pkt/5,7Reb/2,8Ast/2,7Stl bei unglaublichen 73% aus dem Feld den Gatorade Player of the Year Award. Damit steht der in einer Reihe mit LeBron James, Dwight Howard, Kobe Bryant oder aber Chris Webber. Beal ist in erster Linie ein Shooter, der gern abseits vom Ball spielt und seinen hervorragenden Distanzwurf jeder Zeit anbringen kann. Allerdings kann er auch, seinen schnellen ersten Schritt nutzend, zum Korb ziehen, dort sogar „in traffic“ abschließen. Als Verteidiger macht er ebenso eine ordentliche Figur.

Hinzu kommt Freshman Walter Pitchman, der allerdings keine solche Vorschusslorbeeren vorweisen kann. Der Big Man gilt als roh und muss wohl erst einmal an das Collegelevel herangeführt werden. Eine gute Athletik ist vorhanden, aber es fehlt noch gänzlich an offensiven Bewegungen und anderen Feinheiten. Seine Spielzeit in der nächsten Saison wird begrenzt sein.

Außerdem konnte Coach Donovan Mike Rosario verpflichten. Der Guard kam als Transfer aus Rutgers zu den Gators, um den Backcourt zu verstärken. Der Junior war bei seinen zwei Spielzeiten mit den Scarlet Knights in der Offensive mehr oder minder Alleinunterhalter und hatte damit alle Freiheiten. Schlechte Würfe gab es nicht. So kam es, dass er wohl in beiden Jahren mehr als 16 Punkte erzielte, aber nur rund 38% aus dem Feld traf. Rutgers gewann in beiden Spielzeiten jeweils weniger als 50% der eigenen Partien. Jetzt – in einer neuen Situation – könnte Rosario aber wertvoll werden. Nicht mehr dazu gezwungen zu sein, den Volumescorer zu geben, könnte er als potente Option von der Bank dienen.

Wer blieb?

Nach der Auflösung des erfolgreichen Frontcourts Parson – Tyus – Macklin sind nun alle Augen auf Patric Young gerichtet. Der Sophmore ist in Gainsville nun zum wichtigsten Mann unter den Körben geworden. Von dem talentierten Center wird ein großer Entwicklungssprung erwartet, galt er doch vor einem Jahr als einer der dreizehn aussichtsreichen Highschooler der Recruitingclass von 2010 und wurde damit gar vor Enes Kanter geführt. Letzte Saison wurde der athlethletische Bigman eher sporadisch eingesetzt. Im Sommer spielte er eine gute U19 WM für die USA und legte in durchschnittlich 20 Minuten Spielzeit rund 10 Punkte und 7 Rebounds im Schnitt auf. Als Starter wird es für den guten Shotblocker nun Zeit, das nächste Level zu erreichen.

Ähnliches kann man über den ebenfalls in sein Sophomorejahr startenden Forward Will Yeguete schreiben. Auch von ihm wird ein Leistungssprung erwartet, nachdem er ebenfalls im Sommer seiner Jugendnationalmannschaft half. Der Franzose spielte bei der U20 EM in Litauen und agierte dort äußerst ansprechend, indem er 5 Pkt/5Reb in begrenzter Spielzeit auflegte.

Power Forward Erik Murphy geriet diesen Sommer eher negativ in die Schlagzeilen, weil er versuchte, das Auto eines Barangestellten zu stehlen. Aber auch der Junior wird in der kommenden Spielzeit benötigt werden, um dem ramponierten Frontcourt Stabilität zu verleihen. Der Backcourt der Gators veränderte sich hingegen kaum. Senior Erving Walker und Junior Kenny Boynton kehrten nach Gainsville zurück und somit auch fast 40% aller erzielten Punkte Floridas. Beide sind zu kurz geratene Shootingguards, denen ein echtes Playmaker-Gen abgeht. Neben Parsons war dieses auch nicht wirklich nötig. Aber in der kommenden Saison muss sich zeigen, ob die beiden auch eine Offensive leiten können oder der einzige klassische Aufbau im Kader, Scottie Wilbekin, mehr Zeit auf dem Parkett erhalten wird. Zusammen brachten es Boynton und Walker in durchschnittlich gut 66 Minuten Spielzeit pro Partie auf gerade mal 6 direkte Korbvorlagen, aber feuerten im selben Zeitraum rund 12 Dreierversuche ab.

Stärken/Schwächen

Der Backcourt, bestehend aus Walker/Boynton/Beal/Rosario/Wilbekin, ist einer der besten des gesamten Landes. Gerade scoringtechnisch kann kaum ein Team so viele potente Guards aufbieten. Gleich vier Leuten wäre hier ein zweistellliger Punkteschnitt zuzutrauen. Nominell kann das Team von Billy Donovan also mit jeder anderen Mannschaft mitrennen und diese durch das bloße erzielen von mehr Punkten schlagen. Die Combo Walker/Boynton ist nach dem letztjährigen Ritt in das Elite Eight endlich einmal über die erste Tournament Runde hinausgekommen und konnte so wichtige Erfahrungen sammeln, die für die kommenden Führungsaufgaben nützlich sein können und auch der in seine dritte Collegesaison gehende Rosario hat schon einiges in seiner Karriere gesehen, dass dem Team helfen sollte.

Diese Saison wird leider der Frontcourt das Sorgenkind der Gatorsnation werden. Hier gleich drei Starter zu verlieren, schwächt die Mannschaft erheblich. Wie oben schon beschrieben, müssen sich die jungen Talente Young und Yeguete zu Qualitätsspielern entwickeln. Passiert dies nicht, ist man auf nationaler Ebene nur bedingt konkurrenzfähig. Auch die Minutenverteilung auf den kleinen Positionen wird Coach Donovan vor eine schwierige Aufgabe stellen. Ohne klassischen Aufbau, der sich aufdrängt, wird wohl viel experimentiert werden, um das Playmakingproblem zu lösen und auch alle Scorer bei Laune zu halten. Es bleibt abzuwarten, wer der primäre Ballhandler wird. Auch wird es interessant, ob Donovan eine Balance zwischen dem sich aufdrängenden Smallball mit vielen Drei-Guard-Lineups und Aufstellungen finden wird, die nicht wegen fehlender Länge ständig Mismatches abgeben.

Ausblick

Der Kader der Gators könnte ausgewogener sein, aber hat talenttechnisch einiges zu bieten. Falls Young sich so stark verbessert wie erwartet und Beal voll einschlägt, ist eine erneute Teilnahme am zweiten Wochenende des NCAA Tournements im Bereich des Möglichen.

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