NCAA Previews 11/12

College Preview: Baylor Bears

Baylor Bears, Big 12

2010-11: 18-13, keine Turnierteilnahme

Die letzte Saison können die Baylor Bears beruhigt unter „Enttäuschung“ abhaken. Das Team um LaceDarius Dunn und Perry Jones III galt als talentiert, Jones wurde innerhalb der Saison auch schon als #1 Pick in der NBA-Draftnacht gehandelt. Nach der Saison stehen recht müde 18-13 zu Buche, Baylor war lediglich ein Bubble Team und wurde letztlich nicht für das NCAA Tournament ausgewählt. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Bears schon ein Erstrungen-Aus im Big 12-Turnier hinter sich, als überraschend Perry Jones für nicht spielberechtigt erklärt wurde, da es Ungereimtheiten darüber gab, ob  Jones‘ Mutter Gelder erhalten hätte. Dies hatte siewirklich, wohl aber nur als Anleihe – und das Geld wurde auch fristgerecht wieder zurücküberwiesen. Ohne Jones verlor Baylor in Runde 1 deutlich mit 84-67 gegen Oklahoma State.

Nach dieser verschenkten Saison sieht Go-to-Guys die Bears jedoch unter den besten 16 Teams des Landes. Warum?

Wer ging?

Mit LaceDarius Dunn verlässt der Leader dieses Teams die Universität, nachdem der Senior im letzten Jahr sein viertes Jahr vollendete. Außer Dunn stehen keine weiteren namhaften Abgänge zu Buche. Dunn war jedoch der Star des Teams, hat es scoringtechnisch getragen und die wichtigen Würfe genommen. Dabei kam  er auf fast 20 Punkte pro Spiel, wobei er durchschnittlich fast neun Dreier nahm und den Distanzwurf mit respektablen 35% traf.

Dunn war sicherlich kein effizienter Scorer, sondern ein High Volume Shooter (15,1 Würfe pro Spiel), der damit aber auch die Identität des Teams prägte. Dabei war Dunn charakterlich nie ein einfacher Spieler, sondern auch dafür bekannt, abseits des Feldes auszuteilen. Eine Anklage wegen Körperverletzung wurde aber fallen gelassen.

Dunn hinterlässt also eine Lücke bei den Baylor Bears, was das Scoring, den Dreipunkte-Wurf (Dunn nahm knapp 53% aller Dreier der Bears) und die Clutchfähigkeit angeht.

Wer kam?

Die Bears haben zwei  Freshmen rekrutiert, die in dem ESPN-Recruiting-Ranking locker die Top 100 geknackt haben. Power Forward Quincy Miller ist gar ein Top 10 Rekrut und der drittbeste Freshmen-Power Forward in der NCAA. Vor Miller sind nur Anthony Davis und James McAdoo zu sehen, obwohl Julian Barsch Miller gar auf #2 des Power Forward-Rankings sieht. Dazu gesellt sich mit Deuce Bello ein Shooting Guard, der auf Rang 54 gelistet wird. Das Besondere an diesem Pärchen ist, dass beide Spieler auch vorher bereits zusammen gespielt haben. Die Freshmen kommen von der Westchester Country Day School zu den Bears.

Fünf-Sterne-Rekrut Miller ist ein sehr athletischer Spieler, der aber auch über einen Wurf bis hinter die Dreierlinie verfügt. Gerade sein Shooting hat sich verbessert, als Miller den Großteil der letzten Saison aufgrund einer Knie-Verletzung verpasste. Miller verbesserte und trainierte seinen Sprungwurf, dessen Release aber noch immer zu langsam scheint und die Wurfbewegung – speziell am Perimeter – einen Feinschliff benötigt. Ihm wird ein hoher Basketball-IQ zugeschrieben, was der bedeutendste Grund sein sollte, um Miller nicht in eine Reihe von „Leichtathleten“ einzuordnen. Miller ist Basketballer. Fraglich wird auf dem NBA-Level nur sein, ob der groß gewachsene Forward eher ein Mismatch auf dem Flügel bilden soll oder eine Art Stretch-Four spielt. Am College sollte Miller ohne Probleme die 4, vielleicht gar die 5 spielen können. Ausgestattet mit seinem Inside-Out-Skillset wird er Räume für penetrierende Guards schaffen können. Miller muss in diesem Jahr aber an seiner Balance aus Perimeter- und Zonenspiel arbeiten. Momentan verlässt er sich noch zu oft auf seinen Wurf.

Deuce Bello steht den athletischen Fähigkeiten Millers in Nichts nach. Er hat für die Shooting Guard Position eine akzeptable Größe, ist unheimlich schnell auf den Beinen und einer der spektakuläreren Spieler, die die NCAA als Freshmen hinzugewinnt. Der Freshman ist so explosiv, dass er beim Rebound meist beim zweiten Sprung ist, wo viele andere Spieler noch den ersten Sprung vollführen. Diese Fähigkeit hilft ihm zudem, den Fastbreak selbst einzuleiten. Bello kann sicher per Dunk oder Lay-Up abschließen und trifft auch Midrangejumper, die nahe der Zone liegen. Der grundsätzliche Wurf muss jedoch verbessert werden, da dieser sehr flach und allerspätestens hinter der Dreipunktelinie nicht mehr ernst zu nehmen ist. Bello hat zudem eine Tendenz entwickelt, immer an der rechten Seite vorbeiziehen zu wollen. Sein Ballhandling benötigt fürs nächste Level noch ein wenig Feinschliff, um variabler zu sein.

Darüber hinaus kam der unter 1,80 Meter kleine Pierre Jackson vom Junior College zum Team. Jackson führte sich mit beeindruckenden Dunks beim Midnight Madness gleich gut ein und könnte einer der scorenden Guards werden, die Baylor schon ausgebildet hat.

Wer blieb?

Neben dem angehenden Lottery-Pick Perry Jones III bleiben fünf weitere Spieler der Siebener-Rotation der Bears beim Team. Jones besticht durch seine Athletik und seine Bewegungen insgesamt. Problematisch war seine Freshman-Saison deswegen, weil Jones unkonstant war. Mit der Kombinatiopn aus Größe und Athletik hätte er viele Spiele dominieren können, ja müssen. Zumindest auf dem Feld hätte er LaceDarius Dunn in Nichts nachstehen sollen, doch Jones’ Leistungskurve pendelte zwischen Performances, wo er als #1 Lottery Pick anzusehen war, und Rollenspieler-Spielen. Jones muss präsenter werden, muss sich darüber auch im Klaren sein, dass er es ist, der nun der Gesicht der Bears repräsentiert.

Point Guard AJ Walton wird weiterhin den Spielaufbau übernehmen und dabei auf zwei Jahre Erfahrung am College zurückgreifen können, Center J’mison Morgan füllt als Rollenspieler ebenso einige Minuten auf der 5. Dazu gesellen sich mit Quincy Acy und Anthony Jones zwei variable Forwards, die hinter Dunn und Perry Jones in der abgelaufenen Saison die Scoringoptionen 3 und 4 waren. Mit Fred Ellis bekommt das Team dazu einen unauffälligen Arbeiter, der neben Acy, Morgan und Anthony Jones nun sein Senior-Jahr bestreitet. Walton ist – wie bereits angesprochen – Junior. Ein großer Teil des Stammes ist also beisammen geblieben.

Stärken/Schwächen

Perry Jones III, Anthony Jones, Quincy Acy, Quincy Miller, J’mison Morgan. Außer den verwirrenden Namensdopplungen stehen die Spieler vor allem für Länge. Der Frontcourt der Baylor Bears ist einer der besten des Landes, alleine weil er schon so viele talentierte, hochgewachsene Spieler vereint. Darüber hinaus werden sowohl Jones III als auch Quincy Miller als Lottery Picks bei einem kommenden Draft gehandelt. Beide Forwards bringen ein Skillset mit, das sich ähnelt und den Bears auch nützlich sein wird. Die Big Men können nämlich das Spielfeld ein wenig breiter machen, um den penetrierenden Guards Räume zum Agieren zu verschaffen. Das ist zumindest bei Freshman Deuce Bello nötig, da der Guard über keinen zuverlässigen Distanzwurf verfügt und den Platz benötigt, um effektiv zu sein.

Hierbei zeichnen sich auch die Schwächen der Bears ab: der Backcourt. AJ Walton ist ein solider Point Guard, aber irgendwer muss die starke Frontline auch beständig einsetzen können. Wenn der Frontcourt nicht gefüttert werden kann, werden die Bears es immer schwer haben, ein Spiel zu gewinnen.

Dazu kommt das Problem, dass sich bisher kein Spieler hervorgetan hat, um das Dreierloch von LaceDarius Dunn zu stopfen. Walton und Anthony Jones haben gute Quoten bei wenigen Versuchen erzielt, Bello hat keinen Wurf, bei Pierre Jackson ist die Frage, ob der Transfer nach Baylor reibungslos funktioniert und er ähnlich gute Werte auflegen kann wie in Southern Idaho. Wenn niemand im Backcourt einen Durchbruch erzielen kann, steht das Team vor größeren Problemen.

Ausblick

Baylor hatte im Vergleich zur letzten Saison nur einen signifikanten Abgang zu verzeichnen. Das Team ist sonst zusammen geblieben, ein Jahr älter und reifer geworden und hat zudem mit Quincy Miller und Deuce Bello schlagkräftige Verstärkung erhalten. Das Erreichen des NCAA Tournaments muss das erste Ziel des Teams sein, die Sweet Sixteen sind ein realistisches Vorhaben. Je nachdem, wie sich Miller, Bello und Jackson einfügen und Jones III sich entwickelt, kann Baylor eine größere oder kleinere Rolle im Turnier spielen. Das Elite Eight ist aber nur in Reichweite, wenn Vieles optimal läuft und die Talente auch wirklich ihr Potenzial in Leistung ummünzen.
Hauptverantwortlich für ein gutes Abschneiden wird das Spiel der Point Guards sein, die die vielen guten Waffen im Frontcourt einsetzen müssen, um die Baylor Bears zu einem sehr guten College-Team zu machen. Gelingt dies nicht, kann das versammelte Frontcourt-Talent nicht gefüttert werden, um Siege für die Bears zu erspielen.

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