NCAA Previews 11/12

College Preview: Arizona Wildcats

Arizona Wildcats, PAC-12

2010-11: 30-8; NCAA Tournament:  Elite Eight.

Die Arizona Wildcats blicken auf die erfolgreichste NCAA-Tournament-Teilnahme seit 2005 zurück. Das damalige Team um Channing Frye, Mustafa Shakur, Hassan Adams und Salim Stoudemire musste sich ebenfalls im Elite Eight geschlagen geben. Sie scheiterten an Deron Williams und den Illinois Fighting Illini. 2011 trug ein fantastischer Derrick Williams das Team ebenfalls unter die besten acht Teams des Landes, wo erst gegen den späteren NCAA Champion Connecticut um Kemba Walker Schluss sein sollte. Werden die Wildcats diesen Erfolg wiederholen können?

Wer ging?

Angesichts der Abgänge kann dies natürlich bezweifelt werden. Mit Derrick Williams verliert Arizona den besten Spieler seiner Universität. Der explosive Forward war Dreh- und Angelpunkt des Teams. Williams gab den Wildcats die erste Scoringoption, reboundete am besten, blockte die meisten Würfe und traf am besten aus dem Feld. Dies erkannten auch die Minnesota Timberwolves und pickten ihn an zweiter Stelle in der diesjährigen Draft. Arizona verlässt also eine Art Identifikationsfigur.

Beachtet werden sollte zudem der Transfer von Point Guard  Lamont – genannt MoMo – Jones. Jones spielte im Sweet Sixteen im letzten Jahr gegen Duke eine sehr gute Partie und ihm war es – neben Derrick Williams – zu verdanken, dass man die Blue Devils schlagen konnte. Jones legte 16/6 ohne Turnover auf und sollte eine Säule für das Team nach dem Abgang Williams‘ bilden. Jones selbst entschied sich aber, das College zu wechseln. Er verließ ein aufstrebendes Programm in einer guten Division und wechselte nach Iona. Diese spielen in der unbedeutenden MAAC – die Chancen, dass MoMo Jones nochmal eine zweite Runde in einem NCAA-Tournament spielen wird, sind sehr gering. Iona erreichte nur ein Mal überhaupt die zweite Runde im NCAA-Tournament: 1980. Seit 2006 qualifizierte man sich nicht mal für die March Madness. Über die Beweggründe wurde spekuliert. Die Wahl soll auch aufgrund der Nähe zu seiner in New York ansässigen Familie gefallen sein. Jones spielte in der vergangenen Saison die zweitmeisten Minuten – wiederum nach Derrick Williams – für die Wildcats.

Als Senior verlässt zudem mit Jamelle Horne ein guter Distanzschütze das Team.

Wer kam?

Das Team um Head Coach Sean Miller hat in diesem Jahr sehr gut rekrutiert. Die neuen Freshmen in Arizona werden von einigen Medien als siebtbeste Recruiting Class des Landes angesehen. Die Prunkstücke bilden sicherlich die beiden Fünf-Sterne-Rekruten Josiah Turner und Nick Johnson.

Turner ist ein für seine Position recht großer Point Guard, der sowohl über ein elegantes Passspiel als auch über die Möglichkeit, sich einen Wurf selbst zu kreieren, verfügt.  Turner besticht zudem durch seine Schnelligkeit, um an seinem Verteidiger vorbeiziehen zu können. Diese Fähigkeit benötigt er momentan auch, da sein Sprungwurf noch ein wenig wacklig ist. In der Zone kann der Linkshänder aber sicher abschließen. Sollte sich keine Scoringmöglichkeit ergeben, findet Turner den freien Mann.  Gerüchten zufolge könnte Turner auch dafür verantwortlich sein, dass MoMo Jones die Universität wechselte, da er sich vom Freshman bedroht fühlte und sich um seine Spielzeit sorgte.  Turner wurde von ESPNU als drittbester Point Guard seines gesamten Jahrgangs und als 15. aller neuen Studenten eingestuft.

Nick Johnson kommt als Combo-Guard mit ungefähr denselben physischen Voraussetzungen wie Turner nach Arizona. Dadurch könnte er bereits am College in einigen Situationen Probleme bekommen, da er im System von Sean Miller den Shooting Guard geben soll. Die Reichweite dafür bringt Johnson mit, ebenso die Fähigkeit, den Fastbreak selbst einzuleiten oder auch spektakulär am Ring abzuschließen. Johnson agiert zumeist mit viel Energie, was sich auch auf sein defensives Spiel positiv auswirkt, da er über eine gute Fußarbeit verfügt und schnelle Hände besitzt. Johnson muss jedoch weiter an seinem Ballhandling und dort insbesondere an seiner linken Hand arbeiten, um den nächsten Schritt zu machen. ESPNU sieht ihn an 22. Stelle im gesamten Jahrgang.

Zu den beiden Backcourtspielern gesellen sich mit Angelo Chol und Sidiki Johnson zwei Power Forwards, die das entstandene Loch durch Derrick Williams irgendwie stopfen sollen. Beide zeichnen sich durch Athletik aus, wobei Chol hier mehr durch ein gesichertes Skillset auf sich aufmerksam machen kann. Chol hat mit einem Jump Hook über seine rechte Schulter bereits einen Go-to-Move entwickelt, mit dem er scoren kann. Dennoch muss er – ebenso wie Sdiki Johnson – an seinem Spiel mit dem Rücken zum Korb arbeiten. Beide Spieler können Derrick Williams natürlich nicht ersetzen, bilden aber eine gute Basis, um seinen Verlust halbwegs aufzufangen.

Wer blieb?

Mit Kyle Fogg hat das Ream einen Shooter, der in seinem Sophomore-Jahr über 41% von Downtown traf. Daran müsste Fogg, der in seinem Junior-Jahr nur 35% traf und auch einige Minuten weniger spielte, anknüpfen, um dem Team noch mehr helfen zu können. Fogg selbst äußerte sich über das Team, indem er herausstellte, dass man in diesem Jahr über sehr viel mehr offensive Potenz als im letzten Jahr verfügen würde. Mit Josiah Turner und Nick Johnson bekommen die Wildcats in der Tat zwei potente Scoringoptionen hinzu. Sollte Chols Go-to-Move zu einer weiteren Option in der Offensive taugen, sind die Wildcats in der Tat variabler und noch tiefer aufgestellt.

Eine Schlüsselrolle wird dabei auch Kevin Parrom einnehmen. Der Junior hat im Sommer zehn Pfund Muskelmasse zugelegt und an seinem Offensivarsenal gearbeitet, um sich unter anderem für die frei werdenden Minuten von Horne zu bewerben. Parrom traf auch im letzten Jahr schon über 41% seiner Dreipunktwürfe und könnte mit einer noch größeren Rolle ebenfalls einen Teil der Last schultern.

Stärken/Schwächen

Aus der 10-Mann-Rotation, die Miller im letzten Jahr integrierte, blieben sieben Studenten im Programm. Die Abgänge von Jones, Horne und Williams sind mit den vier neuen Rekruten aufgefüllt worden. Arizona verfügt über vier Seniors im Team, die Verantwortung gewohnt sind und diese auf mehrere Schultern verteilen können. Generell wird Sean Miller wieder auf eine tiefe Rotation zurückgreifen können, die es ermöglicht, auf viele verschiedene Situationen in einem Spiel zu reagieren.

Fraglich ist jedoch, wer die bestimmende Rolle in der Crunchtime übernehmen soll. Von dem erprobten Personal hat in der abgelaufenen Saison niemand zweistellig scoren können. Man muss hier darauf hoffen, dass Josiah Turner direkt einschlägt. Der Abgang MoMo Jones’ sorgte hier gleich für klare Verhältnisse. Darüberhinaus ist Arizona als Guard-Schule bekannt. Neben den oben genannten NBA-Projekten zeichnete sich das College auch für Mike Bibby, Jason Terry oder Gilbert Arenas verantwortlich. Sollte man also aus Turner oder auch Nick Johnson auch nur ansatzweise so ein Potenzial schöpfen können, würde das Team in eine ganz neue Dimension aufsteigen.

Zudem steht bisher ein Fragezeichen hinter dem Rebounding, das Derrick Williams dem Team gab. Chol ist ein exzellenter Shotblocker, aber ob er die Lösung für das Rebounding sein kann, ist noch nicht abzusehen. Nach Williams war Jesse Perry der beste Rebounder des Teams und bleibt diesem auch erhalten.

Ausblick

Wenn ein Team ein so individuell herausragendes Talent wie Derrick Williams verliert, dann muss es sich neu finden und wieder eine neue Identität herausbilden. Der Großteil des Teams blieb zusammen, garniert wird das Team mit einem sehr guten Point Guard, einem vielseitigen Comboguard und einer defensiven Präsenz in Angelo Chol. Im besten Fall kann die Last auf viele Schultern verteilt werden oder die Scoringrolle Williams von einem der beiden neuen Guards zu größeren Teilen übernommen werden. Findet Coach Miller die richtige Mischung aus forderndem Training und funktionierenden und alle Spieler zufrieden stellenden Rotationen, wäre auch ein abermaliger Vorstoß ins Elite Eight möglich. Bedenkt man aber den Verlust der beiden Top Scorer des Teams und die generell ansteigende Qualität in diesem Jahr am College wäre ein Erreichen des Sweet Sixteen ein realistisches Ziel und auch ein Erfolg für Miller und die Arizona Wildcats.

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