Gedanken, Houston Rockets, Minnesota Timberwolves

Alle Jahre wieder

Der Deal…

In Minnesota scheint am Tag der Draft das Verlangen nach Veränderung alljährlich ins Unermessliche zu steigen. 2007 war das letzte Jahr, an dem man am Draft-Day keine Spieler tauschte. Seitdem konnte das Team diesen wichtigen NBA-Termin nach den Finals nie ohne unangetastet überstehen. Auch in der gestrigen Draftnacht kam es zu einem Deal, in den die Timberwolves involviert waren. Man schickte Jonny Flynn, Donatas Motiejunas (#20 overall pick) und Chandler Parson (#38 overall pick) nach Texas zu den Houston Rockets und erhielt im Gegenzug Brad Miller, den First Round Pick der Memphis Grizzlies für die Draft 2013 sowie einen Second Round Pick und Cash aus Folgedeals mit den Chicago Bulls und den Miami Heat.

…aus Sicht der Timberwolves

Warum Minnesota wieder einmal einen Draft-Day-Trade einfädeln musste? Die Antwort ist dieses Jahr recht einfach, kommt sie doch aus Spanien und trägt den Namen Ricky Rubio. Dadurch dass man den ehemaligen 5th Pick aus der 2009er Draft nach langem Ringen endlich als Neuzugang vorstellen konnte, musste man für die nun etwas überladene Aufbauposition eine Entscheidung treffen. Für die neue Saison standen mit Ricky Rubio, Luke Ridnour und Jonny Flynn drei fähige Point Guards zur Verfügung, die alle Ansprüche auf genügend Minuten stellen würden. Das Management der Timberwolves entschied sich dazu, den bisher wenig überzeugenden, allerdings 2009 nur eine Position hinter Rubio gedrafteten, Flynn nach Houston zu schicken und den 30 jährigen Veteranen Ridnour als Mentor für die große, spanische Hoffnung auf der Eins zu behalten. Genügend Spielzeit für Rubio, die dieser für seine Anpassung an die Liga brauchen wird, scheint also freigeräumt.

Als Neuling kann man in Minnesota nach diesem Trade den Center Brad Miller begrüßen. Der 35-jährige Big Man kann in seinem Alter zwar immer noch einen Körper in die Schlacht werfen, der 7 feet misst, und mit hohem Basketball-IQ und ausgezeichnetem Passing überzeugen. Allerdings befindet sich Miller auch im Spätherbst seiner Karriere und dürfte sportlich nicht mehr als für eine kleine zweistellige Minutenanzahl gut sein. Zu viele Meilen stehen schon auf seinem Tacho und zu viele junge, hungrige Spieler stehen im Kader der Timberwolves, die diese Spielzeit energiegeladener ausfüllen können. Zudem fällt Miller nach einer Mikrofraktur frühestens wiede rim Januar 2012 dem Team zur Verfügung. Ob er je für die Timberwolves aufläuft, ist fraglich.
Allerdings kann der Veteran den beiden anderen Centern im Team, Darko Milicic und Nikola Pekovic, im Training sicherlich noch einige Kniffe und Tricks beibringen. Außerdem besitzt Miller einen quasi auslaufenden Vertrag. In diesem Jahr wird er noch einmal knapp 4,7 Millionen Dollar verdienen. Sein Kontrakt für die Saison 2012/13 ist aber dann nicht mehr garantiert. Dies spart den Timberwolves in der Zukunft viel Geld.

Über den First Rounder der Grizzlies, der auch im Paket der Rockets enthalten war, kann man natürlich noch wenige Aussagen treffen. Aber einen der oben schon erwähnten kleinen Folgetrades muss man ein wenig kritisch hinterfragen. Zunächst tauschte Minnesota den Forward Nikola Mirotic (#23 overall pick) für Point Guard Norris Cole (#28 overall pick) nach Chicago. Allerdings gaben sie den jungen Aufbau dann sofort für einen Second Rounder und Cash nach Miami. Ein Fehler, wenn man sich Coles Akte aus der NCAA genauer ansieht. Wegen seiner guten Arbeitseinstellung, seiner überdurchschnittlichen Defense und seinem 41 Pts-20 Reb-9 Ast-Spiel gegen Youngstown State ist Cole als Sleeper in dieser Draft zu sehen, der hinter Rubio und Ridnour sicher funktioniert hätte.

…aus Sicht der Rockets

Manager Daryl Morey gilt als einer der gewieftesten GMs in der Liga, der immer einen anständigen Plan verfolgt und aus Wenig Viel machen kann. Der Plan scheint nach dem Verpassen der Playoffs im letzten Jahr und dem bevorstehenden Karriereende von Yao Ming zu sein, ein neues junges Teams aufzubauen, das über die nächsten Jahre wachsen soll. Im aktuellen Kader stehen mit Luis Scola und Kevin Martin nur zwei Akteure, die mehr als 28 Lenze auf dem Buckel haben und durch den Trade mit den Timberwolves konnte man noch zwei junge Talente zum Roster hinzufügen.

Jonny Flynn wurde in 2009 an sechster Stelle gedraftet und galt als aussichtsreicher Spieler. Wirklich in Leistung umsetzen konnte dies der Guard allerdings in seinen zwei Jahren in der Liga allerdings noch nicht. Ob dies aber an der Atmosphere und dem System in Minnesota lag, an seiner schwereren Verletzung oder ob Flynn einfach zur damaligen Draft überschätzt wurde, muss sich jetzt in Texas zeigen. Einfach wird die neue Situation auf jeden Fall nicht, hat er doch mit Kyle Lowry und Goran Dragic zwei überdurchschnittlich gute Konkurrenten um die Spielzeit auf der Eins. Eben deshalb ranken sich auch schon wieder Gerüchte um Flynn, der direkt wieder auf dem Tradeblock gelandet sein soll.

Der Litauer Donatas Motiejunas (#20 overall pick) ist ebenfalls ein talentierter Neuzugang für Houston. Der Power Forward hat, wie schon in unserer Draftpreview beschrieben, besonders offensiv einiges zu bieten. Nur seine schlechte Arbeitseinstellung galt immer als große Schwäche und verwehrte dem eigentlichen Ausnahmetalent letztendlich auch einen Platz in der Lottery. Kann man Motiejunas allerdings zu harter Arbeit motivieren, könnte der Big Man sich als echter Steal erweisen. Es bleibt abzuwarten, wie der Euro mit den Konkurrenzsituation auf seiner Position im Team umgeht. Momentan stehen mit Luis Scola, Patrick Patterson und Jordan Hill noch drei andere Power Forwards mit Anspruch auf Minuten im Kader. Sieht Motiejunas diese Situation als Ansporn, kann er mittelfristig einen Großteil der Spielzeit auf dieser Position abgreifen.

Der letzte Teil des Deals war Chandler Parsons (#38 overall pick), auf den die Rockets einiges zu halten scheinen. Zunächst war der Foward Teil des Pakets, welches nach Minnesota wechselte. Allerdings bemühten sich die Rockets sofort um den ehemaligen Gators- Spieler und kauften ihn zurück. Das bedeutet, dass man schon etwas an den 22-jährigen Allrounder glaubt und probieren wird, ihn in der Rotation hinter Chase Budinger und Marcus Morris auszutesten.

Fazit

Talentmäßig ist Houston als klarer Sieger des Deals zu sehen. Aus dem Halbrentner Miller und einem Firstrounder, einen ehemaligen 6th Pick und einen 20th Pick zu machen, kann man schon als Erfolg ansehen, auch wenn diese nicht hundertprozentig in die aktuelle Kaderstruktur auf den jeweiligen Positionen passen.

Allerdings kann sich dieser Deal auch für die Timberwolves bezahlt machen. Dieses klare Bekenntnis zu Rubio dürfte selbigem mehr Selbstvertrauen geben und die freigeschaufelten Minuten seiner Entwicklung sehr gut tun. Außerdem gewinnt man an finanzieller und personeller Flexibilität.

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2 comments

  1. Eastwood

    Sehr schönes Teil GTGs, danke!
    Hatte mich gestern Abend für Houston als den Draft-Sieger entschieden. Natürlich ist das nur meine Meinung.
    Ich finde, dass man mit Motiejunas, Morris und Flynn drei wirklich sehr gute Spieler verpflichten konnte. Über Parsons kann ich nicht wirklich was schreiben, da ich ihn nicht kenne^^.
    Motiejunas ist für mich einer der am meisten unterschätzten Spieler im Draft. Find auch das Video, dass ihr letztens gepostet habt nicht wirklich passend. Hab noch mal ein anderes für euch.
    http://www.youtube.com/watch?v=G5Tblw5WggQ
    Ich finde man kann da erkennen, dass der Junge auch unter dem Korb so einiges drauf hat und tatsächlich ein Steal des Drafts werden könnte. Seh ihn aber nicht wie ihr auf der 4 sondern eher als Center. Da könnte er wirklich eine Menge Minuten erhalten und sich gut entwickeln. Natürlich ist das alles Wunschdenken, man weiß ja nie wie sich jemand in einer neuen Liga machen wird^^.
    Morris soll ja auch ne Menge Talent haben so wie ich das schon in einigen Blogs gelesen habe. Hab mir auf Youtube ein paar Videos von ihm angeschaut und mir gefällt was ich da gesehen habe. Wirds zwar schwer haben, aber Talent setzt sich ja meistens durch.
    Flynn ist auch ein Spieler der mir sehr gefällt. Ich würd lieber ihn als Dragic in Houston als Back-up für Lowry sehen. Die Drei ziehen zwar alle sehr gerne zum Korb, aber ich finde Flynn unterscheidet sich als Spieler etwas mehr von den anderen zwei und sollte deshalb gehalten werden. Ist auch nur meine Meinung.

    Zu Minnesota sag ich lieber nichts, denn ich kann die echt nicht mehr ernst nehmen. Jedes Jahr der gleiche Mist. Wiliams ist sehr geiler Spieler, aber braucht Minnesota seinen Spieler Typ???? Love, Beasey, Randolph… Dann holt man sich Motiejunas und gibt ihn für Miller ab???? Lächerlich…
    Scheiss drauf, da kann man sich nur aufregen.

    Sehr geil, dass ihr den Artikel gebracht habt. Danke nochmal!!!!
    Lasst bouncen :mrgreen:

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