Dallas Mavericks, Denver Nuggets, Gedanken, Portland Trail Blazers

Im Westen nichts Neues

Ein Spanier, ein Finne, ein Katarer mit kongolesischen Wurzeln und drei US-Amerikaner – nein, das wird kein Bar-Witz, sondern der Trade zur Draft-Nacht zwischen den Dallas Mavericks, Denver Nuggets und Portland Trail Blazers hat einfach einen internationalen Flair. In dem drei Mannschaften umfassenden Spielertausch wurden Raymond Felton und Tanguy Ngombo (57. Pick, 2011) nach Portland verfrachtet, während sich Andre Miller und der 26. Pick der diesjährigen Draft, Jordan Hamilton, an die Höhenluft in Denver, Colorado gewöhnen müssen. Zumindest für Miller ist dies keine neue Erfahrung, denn er spielte bereits zwischen 2003 und 2007 in den Rocky Mountains. Außerdem erhielten die Nuggets bei diesem Trade das Recht, anstelle der Trail Blazers in den Jahren 2013 und 2014 in der zweiten Draft-Runde aktiv zu werden. Das dritte Team im Bunde ist der amtierende NBA-Champion – die Mavericks werden mit der Verpflichtung von Rudy Fernandez und Petteri Koponen (30. Pick, 2007) multikultureller.

Denver Nuggets

Tywon Lawson. Er ist der Grund, weshalb Felton innerhalb eines halben Jahres bereits zum zweiten Mal in einem Trade involviert wurde. Dessen Abschied aus Denver kommt nicht überraschend – bereits im Februar, als der ehemalige Tar Heel im Zuge des großen Carmelo-Anthony-Wechsels nach Denver kam, hatte Lawson (ebenso ein ehemaliger Tar Heel) bereits das Versprechen von Trainer George Karl bezüglich des Postens als Starter. Als Ersatzspieler hätte sich Felton mittelfristig nicht zufriedengegeben – da er sich im besten Basketballalter befindet und für mehrere Teams als Starter auflaufen kann, könnte man es ihm nicht verübeln. Der 35jährige Miller – der Iron-Man unter den Aufbauspielern (in seinen elf Jahren in der NBA hat er bisher sechs Spiele verpasst) – ist für die Rolle hinter Lawson besser geeignet. Er bringt eine größere Portion Erfahrung ins junge Team, zudem könnte Lawson sich noch einige Tricks vom alten Hasen abschauen. Theoretisch könnte man Miller auch vom Salary Cap verschwinden lassen, da sein Vertrag für die kommende Saison nicht garantiert ist. Im Hinblick auf die anstehenden Weiterverpflichtungen von Nene, Wilson Chandler und Arron Afflalo ist dies wohl auch eine Alternative, die sich die Verantwortlichen der Nuggets durch den Kopf gehen lassen haben.

Der Bonus für die Denver Nuggets ist Jordan Hamilton von der University of Texas. Letzte Nacht wurde er zwar erst an 26. Position gewählt – im Draft-Powerranking von Go-to-Guys befindet der Flügelspieler sich jedoch auf dem elften Platz. Die vom Kollegen Glowania im Profil beschriebene Stärke beim Distanzwurf und die Fähigkeit, sich ohne Ball zu bewegen, könnte ihn direkt zu einer Option im teamorientierten Angriffssystem von Coach Karl machen. Anderseits hat er mit Danilo Gallinari und Wilson Chandler (sofern dieser verlängert wird) bessere Optionen für die Position des Small Forwards. Sollte Chandler die Mannschaft verlassen, so hat man seinen Ersatz zumindest bereits in den eigenen Reihen.

Die beiden Picks in der zweiten Draft-Runde sind zunächst zu vernachlässigen. Insgesamt ein solider Trade von General Manager Masai Ujiri.

Dallas Mavericks

Vor nicht allzu langer Zeit galt Rudolfo Fernandez noch als eines der besten Talente auf der Position des Shooting Guards, doch konnte er in Portland sein Talent höchstens gelegentlich aufblitzen lassen. Zunächst war seine angestammte Position natürlich durch All-Star Brandon Roy besetzt. Hinzu kam, dass der Spielstil von Nate McMillian (umgesetzt durch Roy) nicht seinem Naturell entsprach. Fernandez spielt seinen besten Basketball in einem offenen, schnellen System – dem genauen Gegenteil der Offensive der Trail Blazers. Das Ergebnis war ein unzufriedener Spanier (inklusive Trade-Forderungen mit der Androhung, nach Europa zu verschwinden), der keine Fortschritte gemacht, sondern eher abgebaut hat (siehe dessen Effienz bei den Würfen).

Der Zug steht aber noch im Bahnhof und ist nicht abgefahren. 26 Jahre ist der Shooting Guard nun alt und in Dallas hat er die Gelegenheit aufzublühen, wie es Tyson Chandler, Shawn Marion, DeShawn Stevenson oder auch Predrag Stojakovic kürzlich gelungen ist. Offensiv bringt er ein gutes Paket mit: beweglich/athletisch, gute Bewegung abseits des Balles, anständiger Wurf, Zug zum Korb – theoretisch eine gute Ergänzung zu Jason Kidd.

Gegen welche Mitspieler er sich durchbeißen muss, ist bis dato unklar. Zwei Guards der Playoff-Rotation sind vertragslos (Jose Juan Barea, DeShawn Stevenson), ebenso Small Forward Caron Butler. Des Weiteren wird der Franzose Rodrigue Beaubois dieses Jahr Spielzeit sehen wollen, Finals-Held Jason Terry hat garantierte Minuten und Sophomore Dominique Jones steht auch noch im Kader. Trotz der starken Leistung in den Playoffs sollte der kleine Puerto Ricaner eigentlich nicht weiterverpflichtet werden, sofern das Team Vertrauen in Beaubois hat, ansonsten wird Rick Carlisle Probleme bekommen, die Minuten im Backcourt anständig zu verteilen. Fernandez und Beaubois sollten Barea überflüssig machen können.

Für die Mavericks ist dies ein sogenannter “Low Risk – High Reward”-Trade – sie haben wenig zu verlieren, aber im besten Fall haben sie einen guten Spieler im jungen Alter gewonnen. Möglicherweise wird sich die Involvierung des finnischen Aufbauspielers Koponen (23) langfristig auch noch auszahlen.

Portland Trail Blazers

“Hätten wir ihn doch mal früher getradet!” –  So dürften die Verantwortlichen und Fans der Trail Blazers nun denken, denn der Tauschwert von Fernandez war vor einiger Zeit wesentlich höher. Letzte Nacht reichten der Wert von Fernandez und ein später 1st Rounder (Jordan Hamilton) sowie zwei 2nd Round Picks bloß für eine Verjüngung auf der Position des Point Guards (Forward Ngombo außen vor gelassen). Miller ist acht Jahre älter als Felton und die beiden Aufbauspieler haben ihre Stärken in unterschiedlichen Bereichen. Der Nuggets-Rückkehrer spielt mit Verstand und verfügt über ein starkes Postup-Game, während sein neuer Ersatz – der zu College-Zeiten noch Chris Paul und Deron Williams bei der Auszeichnung für Aufbauspieler hinter sich ließ – athletischer, verteidigungs- sowie wurfstärker ist.

Unterm Strich bekommt Portland einen etwas anderen Aufbauspieler, der aber vermutlich kurzfristig kein wesentliches Upgrade darstellt, dem Team aufgrund des Alters aber wesentlich länger etwas bieten kann. Den bulligen Felton kann man sich aber gut im Portland-Team vorstellen – im gesunden Zustand des Kaders könnten sich die wenigsten Teams mit der körperlichen Kraft von Greg Oden, Gerald Wallace, LaMarcus Aldridge, Brandon Roy und eben Felton messen.

Auf dem ersten Blick sieht das Paket der Trail Blazers nach einer Menge aus, aber Fernandez wäre in einem Jahr definitiv aus Portland verschwunden, die Zukunft von Koponen hinsichtlich der NBA ist ungewiss und ob der späte 1st Rounder Pick den Trail Blazers in irgendeiner Form geholfen hätte, darf auch bezweifelt werden. Die Verwendung dieser Assets zur Verjüngung ist daher vertretbar.

Fazit

Abschließend lässt sich sagen, dass es – aus den oben genannten Gründen – insgesamt ein gelungener Trade für die Teams ist. Dallas geht als Gewinner hervor, während man die beiden anderen Teams für ihre Vorgehensweise kaum kritisieren kann. Den Deals kann man eine verständliche Argumentation zugrunde legen.

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8 comments

  1. Chipper Klein

    Wie sehen denn die Tendenzen bei J.J. Barea,Stevenson und Butler aus? Gibts da neue Verträge?

    Ich finde,langsam müssten die Mavs sich nen neuen PG suchen,wieder so nen richtigen Ballverteiler,am besten einer,der noch 1 Jahr hinter Kidd lernen und dann als Starter direkt durchstarten kann. Auf den Koponen verlassen würde ich zugewagt halten (haben die Mavs aber bestimmt auch nicht vor…)

  2. Hassan Mohamed

    |Author

    Neue Verträge gibt es frühstens, wenn sich die Spielergewerkschaft und die Besitzer auf einen neuen Tarifvertrag geeinigt haben. Wann dies soweit ist, steht derzeit in den Sternen.

    Bei den Mavericks und dem Thema ‘Point Guard’ stellt sich die Frage, wie sie zu Rodrigue Beaubois stehen. Er wird niemals ein ‘natural point guard’ werden, der im Stile eines Kidds die Bälle verteilt, dennoch könnte es sein (bspw. wenn man Cuban schwärmen hört, ist dies sogar sehr wahrscheinlich), dass sie in ihm ihren Aubau der Zukunft sehen – als einen PG vom Schlage Devin Harris / Tony Parker, auch wenn er derzeit eher einem Shooting Guard ähnelt.

    Jose Barea würde ich ziehen lassen, vor allem da er sonst mit dem zusätzlichen Finals-Bonus bezahlt werden würde. Respekt vor seiner Leistung in den Playoffs, aber bei dem Kader wäre ein Abgang in meinen Augen sinniger. Bei einem Verbleib sehe ich keine vernünftige Rotation, wenn alle gesund sind.

    Für DeShawn Stevenson ist eigentlich auch kein Platz, aber ihn würde ich für Verteidigungsaufgaben in den Playoffs eher halten als Barea. Optimal wäre es, wenn man Barea und Dominique Jones für einen Backup-PF tauschen könnte. In dem Fall könnte man Stevenson weiterverpflichten (es sei denn, man traut Corey Brewer zu, dessen Aufgabe zu übernehmen), dann hätte man die Fünfer-Rotation im Backcourt mit Kidd, Fernandez, Terry, Beaubois und Stevenson.

    Man sollte sich jetzt zwischen Barea und Beaubois entscheiden…

  3. Smido83

    Hassan schrieb:

    “Fernandez und Beaubois sollten Barea überflüssig machen können.”

    Hmmmm… meinst du echt, dass durch diesen Draft ein Verbleib von Barea unwahrscheinlicher wird? Für mich deutet es eher darauf hin, dass es noch einen weiteren viel größeren Draft geben wird, welcher Beaubois in ein Trade-Packet mit Haywood für einen Forward und Center Backup + 1st Round Pick beinhalten wird.

    Kahn und Minnesota würden mir da z.B. als Trade-Partner einfallen!
    Haywood/Beaubois für Milicic/Tolliver+ Pick oder gar Miller/Randolph+Pick (Traum)?

    Ich meine, Minnesota hat noch Spielraum im Salary cap und könnte einen defensiven Anker wie Haywood durchaus gebrauchen! Obendrein würden sie auf den Guard Positionen einen weiteren Scorer bekommen, welcher m.M.n. sein volles Potenzial noch lange nicht erreicht hat! Beaubois und der im anderen Thema erwähnte Rubio könnten dann den Backcourt der Zukunft bilden! Haywood/Love/Beasley(Williams)/Beaubois/Rubio könnte in ein zwei Jahren, wenn sich alle ordentlich weiterentwickeln sollten, durchaus ein Team bilden, welches ordentlichen Impact haben kann! Ein zweites OKC wird dieses Team wohl nicht, aber es könnte durchaus ein echter Contender werden!

    Dallas braucht eigentlich keine 2 starting Center vom Kaliber eines Haywood und würde bei diesen Trades jede Menge Gehalt in den nächsten Jahren sparen! Obendrein könnte man so wohl auch Buttler ersetzten, welcher teurer als Barea beim resign werden sollte. Vor allem hätte man das Team weiter verjüngt, ohne zu viel Risiko zu gehen bzw. deutlich an Qualität in der Rotation zu verlieren!

    Meine Bescheiden Meinung und nur ein Beispiel. Aber für mich würde es viel mehr Sinn machen Beaubois als “Leckerli” in einen möglichen Haywood Trade dazuzugeben. Was meinen die Experten, könnte es zu solch einem Trade mit Minnesota kommen, oder seht ihr andere Mannschaften eher als Partner? Bzw. glaubt ihr überhaupt, dass solch ein Haywood/Beaubois Trade generell sinnvoll wäre?

  4. Hassan Mohamed

    |Author

    Smido83 schrieb:
    Hmmmm… meinst du echt, dass durch diesen Draft ein Verbleib von Barea unwahrscheinlicher wird?

    Es sollte es meiner Meinung nach sein. Ich vermute aber, dass die Mavericks ihn behalten werden, sofern kein exorbitantes Angebot auf dem Tisch von Bareas Agenten landet. Fernandez, Beaubois und Barea ist zuviel.

    Smido83 schrieb:
    Aber für mich würde es viel mehr Sinn machen Beaubois als “Leckerli” in einen möglichen Haywood Trade dazuzugeben.

    Presse-Aussagen von NBA-Verantwortlichen sind bekanntlich keine eidestattliche Versicherungen und dienen gelegentlich auch bloß zur Erhöhung des Tradewertes, aber bisher hatte man den starken Eindruck, dass die Mavericks den kleine Franzose höchstens für einen wirklichen Impact-Spieler opfern würden.

    Beispielhaft zwei Aussagen von Mark Cuban:
    a. ESPN.com
    b. SLAMonline

    Eventuell sieht es jetzt etwas anders aus.

  5. Smido83

    Hassan Mohamed schrieb:

    … dass die Mavericks den kleine Franzose höchstens für einen wirklichen Impact-Spieler opfern würden.

    Na ja, den hätten sie meiner Meinung nach ja mit Randolph bekommen! Dallas braucht einen adequaten Ersatz für Dirk auf der PF Position und solch einer ist Randolph allemal, bzw. könnte aus ihm auch noch viel mehr werden! Der Junge könnte in 3-4 Jahren Dirk ablösen! Er hat vieleicht nicht die qualität eines Franchise Players (womit wir wieder beim Thema wären ^^) aber ein überdurchschnittlicher Starter auf der Position könnte er ohne weiteres werden! Bei Minnesota sehe ich dort aber Love in den nächsten Jahren!

    Vieleicht wird aus ihm ja auch der Nachfolger von Marion, und er kann dort in Rotation mit dem defensiv viel stärkeren Brewer die Zukunft von Dallas bilden?

    Na ja, ich versteife mich hier ein bißchen zu sehr auf Minnesota. Generell war ja mein Gedanke, dass man versuchen sollte Haywood irgendwie zu traden um dabei Gehaltskosten zu sparen! Nun, da die Guard-Positionen eigentlich schon voll besetzt sind, würde es vieleicht mehr Sinn machen, Beaubois als zusätzlichen Anreiz mit ins Tradepaket einzubinden (2 potentielle Starter)! Einen Center und Forward dafür zu bekommen (Rollenspieler bzw. Spieler mit Potenzial für mehr) und einen zukünftigen vorderen 1st Round Pick um vieleicht einen zukünftigen Franchise-Player für die Era nach Dirk zu bekommen!

    Mir ging es darum, ob soetwas für euch im Generellen eine Möglichkeit wäre die Dallas in betracht ziehen würde, oder ob es nun wirklich darauf hinauslaufen wird, dass Barea keinen neuen Vertrag erhält! Letzteres fände ich mehr als schade! Wenn ja, welche anderen Tradepartner würden sich denn anbieten? Bzw. wo ist Bedarf auf der Center und SG/PG Position? (Miami mal ausgenommen ^^)

  6. Hassan Mohamed

    |Author

    Gerade die vermeintliche Verletzungsanfälligkeit beim Franzosen könnte für eine Weiterverpflichtung von Barea sorgen.

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