Charlotte Hornets, Milwaukee Bucks, Sacramento Kings

Zwei Sieger, ein Verlierer?

An etwas mangelte es am Abend des Draftdays sicherlich nicht: Gerüchten über spektakuläre Trades. Dass das Getuschel über größere Transaktionen jedoch größer ist als die Tauschgeschäfte, die am Ende heraus kommen – daran besteht ebenso kein Zweifel. Vieles entpuppt sich im Nachhinein als heiße Luft, als Ablenkungsmanöver eines General Managers oder als glatte Erfindung irgendeines Autors. Der erste Trade des Abends bestätigte jedoch die Gerüchte, die schon seit Tagen durch das Netz gingen: Die Sacramento Kings wollten ihren Pick an Position 7 loswerden, das sollte ein offenes Geheimnis gewesen sein.

Der Grund: Ihrer Meinung nach können sie ihr Objekt der Begierde (Jimmer Fredette) auch an einer niedrigeren Position wählen. Noch vor 24 Uhr deutscher Zeit war es also um den siebten Pick des diesjährigen Drafts geschehen, in Form eines Three-Team-Trades zwischen den Charlotte Bobcats, den Milwaukee Bucks und eben den Sacramento Kings. Doch war der Deal wirklich für alle vorteilhaft?

Aus Sicht der Bucks – eine Fehlerkorrektur

Die Bucks erhalten: Stephen Jackson (Wing, Bobcats), Beno Udrih (PG, Kings), Shaun Livingston (PG, Bobcats), Pick #19 (Tobias Harris, Forward, Bobcats)

Die Bucks geben ab: Corey Maggette (Wing, Bobcats), John Salmons (Wing, Kings), Pick #10 (Jimmer Fredette, Guard, Kings).

Die Ausgangssituation

Um den Deal aus Sicht der Bucks besser zu verstehen, muss man zunächst ein wenig in die Vergangenheit schauen. 2009/2010 schafften die Bucks ziemlich überraschend die Playoffteilnahme, Dank einer ausgeglichenen Teamleistung und guter Defense. In der dann folgenden Offseason nahm das Frontoffice der Bucks an, dass es weiter so läuft, wenn man einfach möglichst alle Spieler hält und die ein oder andere Verstärkung tätigt.

Dieses Konzept wurde ziemlich teuer: John Salmons bekam einen stattlichen Vertrag in Höhe von knapp 40 Millionen über die nächsten fünf Jahre (das letzte Vertragsjahr nur mit einer Million garantiert). Corey Magette und sein Vertrag über 30 Millionen über die nächsten drei Jahre kamen via Trade von den Warriors. Und Big Man Drew Gooden bekam von den Bucks einen neuen Vetrag über 32 Millionen für 5 Jahre angeboten, den er selbstverständlich annahm. Somit bestanden die Bucks fast ausschließlich aus Rollenspielern, die zwar sehr solide sind, aber sehr viel Geld verdienen und viele Fragen offen lassen. Der Grund: Dass ein Team aus Rollenspielern ohne wirklichen Star längerfristig das Niveau hält, ist alles andere als die Regel in der NBA. Demnach waren diese offensiven Investitionen mit einem gewissen Risiko verbunden. Leider kam es dann auch so, wie viele befürchteten. Milwaukee gewann elf Spiele weniger als noch im Vorjahr, die Playoffs wurden verpasst und die Zeichen standen mal wieder auf Umbau.

Die Bewertung

Mit diesen Deal schafften es die Bucks, sich von zwei sehr schlechten Verträgen (Maggette und Salmons) zu trennen, indem sie einen schlechteren Pick akzeptierten und Stephen Jackson, Beno Udrih und Shaun Livingston aufnahmen. Die Verträge von Stephen Jackson und Corey Maggette sind sehr ähnlich, Stephen Jackson jedoch der bessere Spieler, das heißt dieser Tausch war ein klares Upgrade.

Beno Udrihs und Shaun Livingstons Verträge muss man Salmons Vertrag entgegenstellen. Udrihs Vertrag ist zwar auch recht hoch (14 Millionen über zwei Jahre), er läuft aber ein Jahr vorher aus als der Vertrag von Salmons und kostet im Vertragszeitraum über elf Millionen Dollar weniger. Shaun Livingston verdient in der kommenden Saison nur 3.5 Millionen, das Jahr danach ist nur mit einer Million garantiert.

Des Weiteren verdient der neunzehnte Pick weniger Geld als der Zehnte. Spielerisch tut der schlechtere Pick (#19 anstatt #10) den Bucks nicht wirklich weh, weil auch an Position 10 nur bestenfalls Rollenspieler-Talente zu finden waren. An Position 19 bekamen die Bucks jetzt Tobias Harris, der als defensivstarker Combo-Forward gut ins Team passen sollte und mit 18 Jahren noch Upside hat.

Insgesamt ist dieses Tauschgeschäft für Milwaukee sehr gelungen. Man spart sehr viel Geld und bekommt darüber hinaus noch den besten Spieler des gesamten Trades (Stephen Jackson).

Aus Sicht der Bobcats – mehr Talent zum Nulltarif

Die Bobcats erhalten: Corey Maggette (Wing, Bucks), Pick #7 (Bismack Biyombo, Big Man, Kings)

Die Bobcats geben ab: Stephen Jackson (Wing, Bucks), Shaun Livingston (PG, Bucks), Pick #19 (Tobias Harris, Forward, Bucks)

Die Ausgangssituation

Im Februar hatten Michael Jordan & Co bei den Charlotte Bobcats durch den Wallace-Trade (zu Portland) den Neuaufbau eingeleitet. Zukunftsweisender war jedoch die Personalie um den neuen General Manger der Bobcats, Rich Cho. Cho war bis 2010 Assistant-Manager der Oklahoma City Thunder unter der Führung von Sam Presti und galt im Business als einer der talentiertesten Nachwuchsleute. 2010 wurde er von den Blazers als neuer Hauptverantwortliche vorgestellt und nach einer Saison trotz keineswegs schlechter Arbeit entlassen.

Jetzt übernimmt Rich Cho also in Charlotte das Kommando und kündigte kurz nach seiner Verpflichtung an, dass die Bobcats den Weg der Thunder gehen wollen. Dieses Bekenntnis ist mittlerweile bei fast jedem Team im Neuaufbau zur reinen Floskel mutiert, jedoch hatte Rich Cho aufgrund seiner Vita tiefen Einblick in die Konzepte der Thunder. Die Thunder taten damals alles, um in kurzer Zeit den gesamten Kader umzukrempeln und massenweise junge Spieler und zukünftige (Draft-)Picks anzusuammeln. Im Vergleich zu den Thunder haben die Bobcats jedoch einen entscheidenen Nachteil: der Kader ist schlechter als schlecht besetzt. Während die Thunder viele Trade-Assets ihr Eigen nennen durften (Ray Allen, Rashard Lewis) sowie den neuen Franchiseplayer bereits im Team hatten (Kevin Durant), findet man bei den Bobcats bis auf DJ Augustin nur bestenfalls durchschnittliches Talent (Henderson,  Cunningham) oder schlechte Verträge (Diop, Carroll). Irgendwelche wertvollen Assets?  Fehlanzeige. Die Ausgangssituation war bis zur Draft also alles andere als optimal.

Die Bewertung

Eins möchte ich jedenfalls sofort anmerken: Dieser Deal war ein Schritt in die richtige Richtung. Stephen Jackson ist ohne Frage ein Spieler eines Kalibers, der einigen Teams helfen kann. Trotzdem war es offensichtlich, dass er – auch aufgrund seines Alters – mittelfristig kein Teil des neuen Projekts in Charlotte sein würde. Anders ausgedrückt: Es gab nur noch die Frage, wann er geht und nicht, ob er geht. Jetzt hatte Cho die Gelegenheit, den hochdotierten Zwei-Jahres-Vertrag von Jackson durch einen ähnlichen Vertrag von Maggette zu ersetzen, um sich gleichzeitig einen besseren Pick zu verschaffen, und nutzte sie.

Maggette ist der schlechtere Spieler der beiden (siehe oben), das steht zweifelsfrei fest, aber das interessiert die Bobcats zurecht nicht. In der Phase, in der sich Charlotte nun befindet, haben Siege keine entscheidende Bedeutung. Vielmehr geht es darum, einen neuen talentierten Stamm mit Perspektive für die Zukunft zu finden. Es musste einfach mehr Talent ins Roster der Bobcats kommen. Der junge Big Man Bismack Biyombo, der an Position 7 gewählt wurde, bringt dieses Talent mit. Er ist einer dieser “High Risk/High Reward” Spieler und könnte in einigen Jahren die NBA defensiv dominieren.

An Position neun wählte man mit dem eigenen Pick Scoring-Guard Kemba Walker. Mit Walker, DJ Augustin und Henderson hat man für die kommende Saison drei talentierte Guards im Kader, die alle drei sehr viel Scoring ins Team bringen. Zusammen mit Maggette wird auch die Grundausrichtung des Bobcats-Teams von nächster Saison deutlich. Offensiv wird das Spiel von Perimeterspielern dominiert, während Big Men wie Bismack Biyombo oder Tyrus Thomas  in der Defense ihre Stärken haben. Biyombo und Thomas werden sicherlich auch für einige Highlights in Form von spektuklären Dunks und Blocks sorgen.

Problematisch ist, dass Augustin nur 6-0 groß und Kemba Walker 6-1 groß sind, das heißt deutlich zu klein für die Shooting-Guard-Position. Mittelfristig muss einer von beiden gehen. Ich gehe jedoch davon aus, dass die Bobcats mit beiden die Saison beginnen und zur Not sehr klein spielen werden. Vor allem ist bei Augustins Wurf offensiv auch vorerst kein Problem zu erkennen.

Einen größeren Wermutstropfen gibt es darüber hinaus auch noch: Der Franchiseplayer fehlt den Bobcats weiterhin, aber das sollte aufgrund des Mangels an Assets kein Bewertungskriterium für diesen Trade sein. Die Bobcats werden die kommende Saison ohne Frage zu den Kellerkindern der NBA gehören. Und vielleicht bekommt man 2012 mit einem dann hohen Draftpick bessere Chancen, den neuen Franchiseplayer zu finden. Die Basis für eine bessere Zukunft ist jedenfalls gelegt.

Aus Sicht der Kings – Zurück zu alten Zeiten

Die Kings erhalten: John Salmons (Wing, Bucks), #10 (Jimmer Fredette, Guard, Bucks)

Die Kings geben ab: Beno Udrih (PG, Bucks), #7 (Bismack Biyombo, Big Man, Bobcats)

Die Ausgangssituation

Die Ausgangsposition hatte ich bereits in der Einleitung grob umrissen: Sacramento wollte unbedingt Jimmer Fredette haben, die Kings wollten jedoch nicht den siebten Pick nutzen, weil sie sich sicher waren, dass man ihn auch beispielsweise an Position 10 bekommen könne. Problem ist, dass man auf der 1 den relativ teuren Beno Udrih bereits hatte und auch sonst mit Tyreke Evans einen Spieler in den Reihen hat, der die Position des Point Guards spielen kann bzw. den Ball dominiert. Ideal wäre also ein Deal, der Beno Udrih und seinen Vertrag (siehe oben) verschifft, man somit mehr Platz für Evans und Jimmer Fredette schafft, und im Draft eine Position etwas tiefer erhält. Denn darum geht es doch gerade, wenn man den eigenen höheren Pick nicht nutzen will: Man verspricht sich beim Heruntertraden noch etwas anders, sinnvolleres zu erhalten. Im Grundsatz klingt dieses Vorhaben ohne Frage richtig. Doch ist Salmons für dieses Team überhaupt eine solche sinnvolle Verstärkung?

Die Bewertung

Mir fällt es schwer, Gründe zu finden, wieso sich die Kings für diesen Deal entschieden haben. Dafür sind die Widersprüche, die in diesem Tauschgeschäft stecken, viel zu zahlreich:

1) Auf der einen Seite wollen sie mit Jimmer Fredette ein Scorer-Talent auf den Guardpositionen haben, doch es ist ungewiss, ob er sein Spiel auf die NBA übertragen kann. Zum Anderen haben sie mit Marcus Thornton bereits einen NBA-erprobten jungen Scorer in den eigenen Reihen, der jetzt Restricted Free Agent wird (die Kings also jedes andere Angebot “matchen” können, was sie jetzt sicherlich nicht mehr tun werden).

2) Die Argumentation, dass Thornton möglicherweise sehr teuer wird, lässt sich grundsätzlich hören. Dann stellt sich jedoch die Frage, wieso die Kings unbedingt den Vertrag von John Salmons aufnehmen wollten. Beno Udrihs Vertrag ist zwar auch hoch dotiert, läuft aber ein ganzes Jahr eher aus und er verdient im Vertragszeitraum elf Millionen weniger als Salmons.

3) Dass ein Wegtraden von Udrih Sinn macht, um Platz für andere Spieler zu schaffen, hört sich im ersten Moment nicht schlecht an. Jedoch besetzt jetzt Salmons eine Position, wo die Kings mit Casspi, Greene, Garcia und Thornton in der Breite gut besetzt waren. Eine Überbesetzung auf einer Position wird durch eine andere ersetzt. Die Kings sind jetzt fast gezwungen, noch einen Folgetrade einzufädeln, um den Flügel aufzuräumen.

4) Wenn Salmons jetzt die Klasse hätte, die spielerische Qualität auf dem Flügel auf ein ganz anderes Niveau zu heben, könnte man die zweistellige Millionen-Invesitition in Salmons ja verstehen, doch er ist keineswegs ein “Difference-Maker”. Er ist ein solider Rollenspieler, mehr nicht.

5) Ein wenig Ironie geht mit der Verpflichtung von Salmons auch noch einher, denn dieser wurde 2009 (zusammen mit Brad Miller) von den Kings weggeschickt für Spieler wie Drew Gooden, Andres Nocioni, Michael Ruffin und Cedric Simmons. Keiner der vier spielt jetzt noch bei den Kings, Gooden gar beim Tradepartner Milwaukee.

Aufgrund dieser zahlreichen Kritikpunkte sehe ich die Sacramento Kings als den klaren Verlierer dieses Tauschgeschäftes. Dass Salmons ein wenig mehr Klasse hat als Udrih hin oder her. De facto bezahlt man deutlich drauf, an einer schlechteren Position picken zu dürfen als vorher. Gutes Management sieht anders aus.

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