Chicago Bulls, New Orleans Pelicans, Redaktions-Roundup

Redaktions-Roundup #7

Go-to-Guys heißt Euch zur siebten Runde des Redaktions-Roundups willkommen. Diese Artikelreihe wird sich immer wieder mit aktuellen Themen rund um die NBA und NCAA beschäftigen, die keinen ganzen Artikel wert sind, aber Erwähnung finden sollten. Unsere Redakteure kommentieren das zeitnahe Geschehen kritisch und geben mitunter einen Ausblick, was sie von dem behandelten Thema erwarten.

Reif genug?

Derrick Rose spielt seit drei Jahren in der NBA. Bisher galt er zwar als riesiges Talent und überzeugte als wichtigster Spieler der Chicago Bulls, aber diese Saison toppt der 22-Jährige alles. Vielleicht hat der ein oder andere Experte prognostiziert, dass Rose seine Statistiken deutlich verbessern wird, aber in einem Punkt sind alle überrascht. Rose ist einer der Topfavoriten auf den MVP-Titel! Noch vor Dwight Howard, LeBron James & Co. steht er in der Liste der Kandidaten. Seine Chicago Bulls sind momentan Dritter der Eastern Conference. Nur die Boston Celtics und Miami Heat haben mehr Siege als die Bulls eingefahren. 24.7 Punkte pro Spiel, 8 Assists und 4.7 Rebounds zeigen, dass der Point Guard einen sehr großen Anteil an dem Erfolg seines Teams hat. Teamkamerad Carlos Boozer sollte Rose helfen, das Team zu führen und ihm Druck nehmen. Doch aufgrund der langen Verletzungspause zu Beginn der Regular Season kann der Forward erst seit Dezember auflaufen. Somit war Rose den ersten Saisonmonat (fast) auf sich alleine gestellt. Letzte Woche legte er gegen die Memphis Grizzlies das erste Triple-Double in seiner Karriere auf. Auch wenn diese ganzen Punkten für ihn sprechen, stellt sich die Frage, ob er wirklich schon reif für den MVP-Titel ist?

Julian Barsch: Natürlich steht neben Derrick Rose noch ein weiterer Star in Person von Carlos Boozer im Kader, allerdings musste Rose oft ohne ihn auskommen. Dass es dann Spiele gibt, in denen kein Spieler außer D-Rose zweistellig scort und die Bulls trotzdem gewinnen, zeigt, dass er durchaus Berechtigung hat, als Erster im MVP-Rennen geführt zu werden. Die große Schwachstelle, den Sprungwurf, hat er deutlich verbessert (37.9 3P%) und eine weitere Komponente hinzugefügt. Auch die bei ihm so oft kritisierten Playmakerqualitäten entdeckt er langsam für sich. Acht Assists pro Spiel sind der Beweis dafür. Als Franchise-Player übernimmt Rose in den wichtigen Phasen des Spiels die Kontrolle. Seine Punkte in der Crunchtime haben die Bulls schon des Öfteren gerettet. Im Gegensatz zu so manchen anderen Topspielern besitzt der ehemalige Memphis Tiger das Gewinner-Gen. In Zukunft sollte sich Derrick Rose noch defensiv verbessern, um die volle Dominanz zu entwickeln. Wahrscheinlich ist das mit der einzige Punkt, den man an seinem Spiel noch dringend optimieren muss.

Schlussendlich bin ich der Meinung, dass Derrick Rose momentan der einzige Spieler ist, der diesen Award wirklich verdient hat. Bei Konkurrenten wie LeBron James (bessere Mitspieler), Dwight Howard (Schwächephasen) und Amaré Stoudemire (fehlender Teamerfolg) halte ich einige Aspekte für zu wichtig, als dass sie den Titel wirklich verdient hätten. Deswegen halte ich es für absolut richtig, dass Derrick Rose Topfavorit auf den MVP-Titel ist.

Prokhorovs Machtwort

Am vergangenen Mittwoch trat Mikhail Prokhorov, seines Zeichens Mehrheitsbesitzer der New Jersey Nets, vor versammelte Reporter und ließ verlauten, dass die Nets kein Interesse mehr an einem Deal für den Star-Forward der Nuggets, Carmelo Anthony, hätten. Der Preis sei mittlerweile schlicht zu hoch. Die Tatsache, dass den Nets am folgenden Tag ein Gespräch mit Anthony gewährt worden wäre, konnte den russischen Milliardär offensichtlich nicht umstimmen. So ist ein Trade, welcher eine gute Woche vorher angeblich schon kurz vor dem Abschluss stand, tot. Laut Prokhorov, auch ohne Chance auf Wiederbelebung. Was hat dieser doch eher unerwartete Schritt für Konsequenzen für Denver, New Jersey und, nicht zuletzt, den Interessenten von der anderen Seite des Hudson, die New York Knicks?

Jonathan Walker: Prokhorov wurde es offenbar zu bunt. Nachdem die Nets mit Derrick Favors ein vielversprechendes Talent, mit Devin Harris einen der besseren Point Guards, mit Anthony Morrow einen der besten Schützen der Liga sowie mehrere Firstround-Draftpicks nach Denver schicken wollten, forderten diese Berichten zu Folge zusätzlich die Aufnahme von Al Harrington, natürlich samt seinem nicht gerade günstigen, langfristigen Vertrag. Das vor dem Hintergrund, dass Melo allen Gerüchten zu Folge in New York City (wo bekanntlich auch die Nets ab 2012 spielen sollen) spielen will, und zwar auschließlich dort. Für Denver hätte die Folge ein freudiges Annehmen des Angebots sein müssen, denn die Alternative, die Knicks, haben weder Picks noch ein Talent vom Schlage eines Favors’. Teams, bei denen Anthony nicht langfristig zu bleiben gedenkt, würden für ihn selbstredend ebenfalls weniger bieten. Es könnte also gut sein, dass Masaj Ujiri, General Manager der Nuggets, kein besseres Angebot mehr vorgelegt werden wird. In diesem Fall hätte sich Denver selbst ein Bein gestellt, denn egal ob sie Melo dann billiger verkaufen oder ihn gar nicht erst traden, sie stehen am Ende des Tages voraussichtlich mit weniger da, als sie hätten haben können. In der Liga gilt es mittlerweile als sicher, dass Anthony ab nächster Saison am Hudson spielen wird.

Hoch gepokert und gewonnen hätten die Nuggets nur im Falle einer Kertwende entweder Anthonys (er unterschreibt die Verlängerung auch außerhalb New Yorks – bestenfalls in Denver) oder Prokhorovs (erlaubt den Nets erneute Verhandlungsaufnahme), doch das scheint unwahrscheinlich. Prokhorov ist ein gerissener, sehr erfolgreicher Geschäftsmann. Ein selfmade Billionaire. Ist der Rückzieher in Wahrheit nur etwas zwischen geschicktem Verhandlungstrick und unfreiwilliger Komik à la Mark Cuban, oder steht der Russe zu seinem Wort?

Bis diese interessante Frage geklärt ist, dürfen sich Fans und Management der Knicks berechtigte Hoffnungen auf einen zweiten Star im Madison Square Garden machen. Hier hofft man derzeit, dass man in Denver aus den Debakeln des vergangenen Sommmers in Toronto, Cleveland und, in abgeschwächter Form, Phoenix, gelernt hat und den wechselwilligen Star lieber für etwas Gegenwert verschifft, als in der Offseason dann vor dem Nichts zu stehen. Zeigen sich die Nuggets uneinsichtig, kann Anthony im Sommer auch einfach als Free Agent zu den Knicks wechseln, jedoch nur mit nicht unerheblichen Gehaltseinbußen seinerseits.

Neben den Nuggets, Nets, Knicks und Anthony tangierte Prokhorovs Befehl von oben auch die Detroit Pistons, welche im angedachten Deal Richard Hamilton involviert hätten. Der dienstälteste Pistons sieht seitdem keine Spielzeit mehr, was ihn, genauso wie seine Fans, in Aufruhr versetzte.

Wie man es auch dreht und wendet: Der zum jetzigen Zeitpunkt für Denver, Detroit und Melo günstigsten Lösung hat Prokhorov einen Riegel vorgeschoben. Was sich nun für die verbleibenden Parteien daraus entwickelt, bleibt abzuwarten.

Bees are flying high

Der Saisonverlauf der New Orleans Hornets ähnelt in diesem Jahr einer Sinuskurve. Da wäre der grandiose 8-0-Start, der Chris Paul in alle relevanten MVP-Rankings verfrachtete und die Ambitionen der Franchise auf Erfolg in der Postseason erhöhte. Man hatte Blut geleckt. Umso enttäuschender war dann das im Anschluss darauf folgende Tief, welches in vier verlorenen Spielen zum Ende des Novembermonats mündete und auch nicht im Dezember gestoppt werden konnte, als man in insgesamt neun Spielen weniger Punkte als der Gegner am Ende des Spiels vorzuweisen hatte.

Jan Karon: Doch da die Sinuskurve keine Sinuskurve wäre, wenn sie nicht wieder nach oben zeigen würde, kamen auch wieder bessere Zeiten: Seit acht Spielen sind die Hornets nunmehr ungeschlagen, darunter Blowout-Siege gegen Atlanta und die Spurs. Go-to-Guys begab sich auf Spurensuche…

Zum einen ist anzumerken, dass die Teamdefense der New Orleans Hornets seit der Übernahme des Head Coach-Postens durch Monty Williams sehr verbessert wirkt. Gerade beim derzeitigen Winning-Streak überzeugt man vorrangig defensiv. So konnte man seine Gegner bei durchschnittlich 84.5 Punkten pro Partie halten. Besonders überzeugend wirkt der wie neugeboren aufspielende Emeka Okafor, der als Anker der Defensivrotation fungiert und durch zahlreiche Rebounds und Blocks unentbehrlich erscheint. Hinzu kommt, dass die Hornets gerade von außen extrem gut schießen und in Person von Marcus Thornton, Jarrett Jack und Willie Green die nötige Entlastung von der Bank bringen. Alles in allem wirkt das Team rundum solide, leistet sich wenige Fehler und spielt konzentriert die eigenen Stärken aus. Und wenn man dann mit Chris Paul und David West noch zusätzlich zwei All-Stars in den eigenen Reihen hat, dann können auch knappe Spiele (Overtime-Sieg gegen Memphis und Houston) gewonnen werden.

Ein Contender sind die Hornets trotzdem noch lange nicht, dafür fehlt es sowohl an Qualität als auch an Quantität. Gerade wenn man sich die Ersatzspieler auf den großen Positionen anschaut, kommt man zum Schluss, dass ein Ausfall von David West oder Emeka Okafor schwerwiegende Folgen hätte. Dennoch: gegen die Hornets in Bestbesetzung wird in den Playoffs kein Team gerne spielen. Wenn man per Trade (auslaufende Verträge von Marcus Banks und David Andersen in Höhe von mehr als sieben Millionen) einen soliden Back-Up für die 4 und 5 holen kann, so wird man unter Umständen gar mehr als die erste Playoff-Runde erreichen können.

Ihr habt Fragen?

Ihr habt selbst auch eine Frage zum aktuellen Geschehen in der NBA oder NCAA? Euch interessiert unsere Meinung zu einem Thema oder ihr wollt etwas erläutert haben? Dann fragt einfach nach. Unsere Redakteure werden versuchen, jede Frage – so sie denn ernstgemeint ist – zu beantworten. Ihr werdet namentlich in einer der nächsten Ausgaben des Redaktions-Roundups erwähnt. Ihr erreicht uns über die „Fragen und Vorschläge“-Funktion, sowie auf den Pinnwänden von Facebook oder studiVZ.

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