Draft, Off-Court

East vs. West

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Die NBA bezeichnet sich selbst als die „beste Basketballliga der Welt“. Und unbestritten – die besten Spieler der Welt laufen in der nordamerikanischen Profiliga auf. Die Dramatik und Intensität steigt jedes Jahr im April, wenn die Playoffs anstehen und die besten Teams der Liga ihren Meister ausspielen.  Dabei gibt es jedoch ein Problem – den Modus -, das verhindert, dass wirklich die besten Teams aufeinandertreffen und zugleich dafür sorgt, dass Teams in der Draftlottery landen, die eigentlich in den Playoffs spielen sollten.

Der derzeitige Modus

Ein kurzer Blick darauf, wie die Liga derzeit aufgebaut ist. 30 Teams spielen momentan in der NBA. Sie sind nach regionalen Gesichtspunkten in zwei Conferences zu je 15 Teams aufgeteilt. Nachdem jedes Team 82 Saisonspiele absolviert hat, ziehen die 8 besten Teams jeder Conference in die Playoffs ein und jede Conference spielt einen eigenen Meister aus. Die beiden Conference Champions duellieren sich anschließend um die NBA-Krone.

Die Folge – Unausgeglichenheit

Doch dieser Spielmodus offenbart schnell ein Problem. Der Osten und der Westen sind nicht zwingend gleich gut besetzt, was dazu führt, dass nicht die besten Teams der Liga um den NBA-Titel spielen. Besonders nach dem Ende der Michael-Jordan-Ära bei den Chicago Bulls vor 12 Jahren wurde dieses offensichtlich, als mit den Indiana Pacers, den Philadelphia 76ers und zweimal den New Jersey Nets Teams die Finals erreichten, die vom Leistungsstand her sicher nicht zu den zwei besten Teams der Liga gehörten.

Seitdem ist zumindest die Spitze der Eastern Conference wieder wettbewerbsfähig und hat legitime Contender hervorgebracht, die den Westteams in den Finalserien nicht mehr hoffnungslos unterlegen sind. Drei der letzten sieben NBA-Titel konnten Teams aus der Eastern Conference gewinnen. Derzeit ist also nicht das Leistungsniveau der Topteams ein Problem, sondern das Leistungsniveau der sogenannten Borderline-Playoffteams, also der Teams, die auf den hinteren Plätzen in die Playoffs einziehen.

In der vergangenen Saison reichten 50 Siege in der regulären Saison für Platz 8 im Westen. Im Osten hätte dieses für Platz 4 gereicht. In der Saison 2008/09 verpassten die Phoenix Suns mit einer Bilanz von 46-36 gar die Playoffs. Ein Record, der in der Eastern Conference für Platz 5 gereicht hätte. Im Osten hingegen zogen die Detroit Pistons gar mit einer negativen Bilanz von 39-43 in die Playoffs ein. Ein Einzelfall? Mitnichten. In der Vorsaison 2007/08 verpassten die Golden State Warriors trotz einer 48-34 Bilanz die Playoffs im Westen. Diese Bilanz hätte im Osten zu Platz 4 gereicht. Im Osten hingegen reichte den Atlanta Hawks eine 37-45 Regular Season, um den letzten Playoffplatz zu sichern. Eine Bilanz, die in der Western Conference gerade einmal zu Platz 12 gereicht hätte. Ebenso erging es 2006 den Utah Jazz, die mit ihrer Bilanz Platz 6 im Osten erreicht hätten. 2005 waren es die Minnesota Timberwolves, die die Playoffs im Westen verpassten, obwohl ihr Record für Platz 6 im Osten gereicht hätte. 2004 gab es 4 Westteams, die eine bessere Bilanz aufzuweisen hatten als das letzte Playoffteam im Osten, die Boston Celtics (36-46).

Und auch in der aktuellen Saison bahnt sich eine ähnliche Entwicklung an. Derzeit würden im Osten zwei Teams die Playoffs erreichen, die eine deutlich negative Bilanz aufweisen. Den Philadelphia 76ers reicht derzeit eine 16-23 Bilanz für Platz 8 im Osten. Im Westen haben momentan die Portland Trailblazers diesen Platz mit einem Record von 21-20 inne.

Die größere Ausgeglichenheit innerhalb der Conference wird noch dadurch unterstrichen, dass die Westteams aufgrund des Spielplanes viel öfter gegen Teams aus der eigenen Conference spielen – also gegen stärkere Teams. Nur 30 der 82 Saisonspiele absolvieren die Teams gegen Mannschaften aus der jeweils anderen Conference.

Die Diskrepanz in Zahlen

Eine Möglichkeit, um die Leistungsstärke der Conferences zu analysieren, ist ein Blick auf die direkten Duelle der Teams aus Ost und West untereinander. Dabei fällt schnell auf, dass es dem Osten nur einmal in den letzten 10 Jahren gelang, eine positive Bilanz gegen den Westen zu erspielen.

SaisonSNSiegquoteDifferenz Siege/Niederlagen
2010/11*9713342,20%-36
2009/1020324645,20%-43
2008/0923121951,30%12
2007/0819225842,70%-66
2006/0719226042,50%-68
2005/0619825244,00%-54
2004/0519425543,20%-61
2003/0416628037,20%-114
2002/0317827039,70%-92
2001/0218723044,80%-43

*Stand 16.01.2011.

Eine Trendwende war die Saison 2008/09 hingegen nicht. Denn wie auch schon in der vergangenen Saison, verlieren die Ostteams in dieser Spielzeit deutlich mehr Spiele in den Interconference-Spielen als die Teams aus dem Westen. Die Topteams aus der Eastern Conference können ausnahmslos gute Records gegen die Westteams aufweisen. Es sind die Borderline-Playoffteams im Osten, die einen großen Anteil am negativen Record gegen Westteams haben. Schaut man auf die Teams im Osten, die um die Plätze 7 und 8, und damit um die letzten Playoffplätze, spielen, fällt auf, dass diese ausnahmslos eine negative Bilanz gegen Teams aus der Western Conference haben. Die Indiana Pacers als Siebter (6-8), ebenso wie die Philadelphia 76ers (5-7), die Charlotte Bobcats (6-8), die Milwaukee Bucks (6-12) und die Detroit Pistons (5-14). Im Westen hingegen hat keines der derzeit auf den Playoffplätzen liegenden Teams einen negativen Record gegen Teams aus dem Osten.

Erhalten des Status Quo durch den Draft

Photo: NBANets (Lizenz)

Die NBA-Draft-Lottery soll eigentlich dafür sorgen, die Liga ausgeglichen zu halten. Die Teams der Liga, die die Playoffs verpasst haben, nehmen an der Lottery teil und haben somit die Möglichkeit, einen hohen Pick zu ergattern und vielversprechende Talente ins Team zu holen. Doch wie kann man eine Liga ausgleichen, in der ein potentielles Playoffteam aus dem Westen, das nur aufgrund der Ligaeinteilung die Playoffs verpasst – nicht aber aufgrund ihres eigentlichen Leistungsvermögens – in der Draftlottery landet und damit die Möglichkeit hat, sich weiter zu verstärken, während ein Team aus dem Osten, das leistungsmäßig eher nichts in den Playoffs zu suchen hat, im besten Fall den 15. Pick im Draft erhält.

Natürlich ist die Wahrscheinlichkeit nicht sehr hoch, dass der neuntplatzierte im Westen auch einen sehr hohen Draftpick erhält. Aber es ist auch nicht ausgeschlossen. Mit den Orlando Magic (1993) und den Chicago Bulls (2008) gewannen immerhin schon zwei Teams die Lottery und damit den Nummer 1-Pick, die eine Wahrscheinlichkeit von unter 2% auf den Gewinn der Lottery hatten.

Die Draftlottery verschärft das Problem der unausgeglichenen Liga also eher weiter, als dass es dadurch gelöst wird. Die schwachen Teams im Osten haben keine Möglichkeit, sich über die Draftlottery signifikant zu verstärken. Die Atlanta Hawks zogen in der Saison 2007/08 beispielsweise mit einer Bilanz von 37-45 in die Playoffs ein. Damit hatten sie die 11.-schlechteste Bilanz aller NBA Teams. Aufgrund ihrer Playoffteilnahme durften sie aber erst an Position 15 im Draft picken und durften nicht an der Lottery teilnehmen – sie hatten also keine Chance, einen Toppick zu ergattern. Die Golden State Warriors hingegen durften, trotz 11 Siegen mehr in der regulären Saison, vor den Atlanta Hawks im Draft zugreifen.

Ein neuer Modus muss her

Das Problem der unausgeglichenen Liga kann man nur lösen, indem man endlich den Playoffmodus ändert und wirklich die 16 besten Teams der Liga um den Titel spielen – egal in welcher Conference sie spielen. Gleichzeitig müsste aber auch der Spielplan angepasst werden, damit nicht – wie bisher – die meisten Spiele gegen Teams der eigenen Conference ausgetragen werden.

Eine Möglichkeit  wäre, die Einteilung in Divisionen beizubehalten. Gegen die anderen 4 Teams der Division würde man, wie bisher auch, 4 Spiele absolvieren. Zudem könnte man, wie auch in der NFL, gegen eine Division aus der anderen Conference jeweils 4 Spiele absolvieren. Die Division aus der anderen Conference würde dann jedes Jahr wechseln. Gegen alle anderen Teams würde man je 2 Spiele austragen. Insgesamt wären das für jedes Team dann 76 Spiele in der regulären Saison und damit nicht wesentlich weniger Spiele als bisher. Am Ende der regulären Saison erstellt man eine Gesamttabelle für alle 30 Teams und die besten 16 Teams ziehen in die Playoffs ein. Natürlich besteht die Gefahr, dass Teams aus einer Conference dann überrepräsentiert wären, aber wenigstens würden die besten 16 Teams um den Titel spielen – und das ist schließlich der Sinn der Playoffs und auch das, was die Fans sehen wollen und erwarten dürfen. Zugleich dürfte jedes Team dann auch entsprechend ihrer abgelieferten Saisonleistungen im Draft Talente auswählen, was zur langfristigen Ausgeglichenheit beitragen würde.

Was spricht dagegen?

Doch warum wurde eine solche Reform nicht längst angegangen? Der NBA kann die Unausgeglichenheit doch nicht verborgen geblieben sein? Die Gründe sind vor allem finanzieller Natur. Die NBA ist ein Wirtschaftsunternehmen mit Millionenumsätzen. Ihr Hauptaugenmerk liegt wohl eher auf den wirtschaftlichen Kennzahlen, denn auf der sportlichen Ausgeglichenheit.

Ihr Geld verdient die NBA zu einem beträchtlichen Teil durch die Fernsehrechte. Doch anders als in Deutschland sind es vor allem regionale TV Sender, die die Spiele der Liga übertragen. Durch die Einteilung in Conferences und den jetzigen Playoffmodus soll sichergestellt werden, dass möglichst viele Regionen möglichst lange in den Playoffs vertreten sind. Man befürchtet, dass beispielsweise das Interesse an den Playoffs im Osten sinken würde, wenn alle Teams frühzeitig scheitern würden.

Zum anderen werden durch die regionale Einteilung die großen Rivalitäten zwischen zwei Teams beibehalten, die hohe Einschaltquoten garantieren. Und die Möglichkeit, dass zwei rivalisierende Teams aus einer Conference in den Playoffs aufeinandertreffen, ist natürlich im jetzigen Modus höher als in einem Playoffmodus mit den besten 16 Teams.

Was ebenfalls gegen eine Reform spricht, sind die Reisestrapazen. Es macht durchaus einen Unterschied, ob beispielsweise die Boston Celtics knapp 5000km zur Erstrundenpartie nach Los Angeles reisen müssen, oder aber nur 2500km bis nach Miami. Im Laufe der Playoffs können sich da jede Menge zusätzliche Kilometer anhäufen. Im Zweifel müssten mehr spielfreie Tage zwischen den einzelnen Playoffspielen liegen.

Dennoch wird die Liga langfristig eine Lösung für die Problematik der unausgeglichenen Liga finden müssen. Auch wenn der Spagat zwischen sportlicher Ausgeglichenheit und wirtschaftlichen Kennzahlen kein einfacher ist.

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6 comments

  1. Marcus

    hey, schöner beitrag. Vor allem ist er kurz und prägnant gehalten und nicht so aufgebläht wie manch anderer (seht das bitte als subjektive, konstruktive Kritik:))

    Seid ihr eigtl. schon einmal auf die Draftlottery eingegangen? Würde mich interessieren, wie das genau funktioniert. Macht auf jeden Fall weiter so!

    Grüße

  2. Fabian

    Hi, guter Beitrag, auch wenn ich die Aufführung der Sixers nicht ganz verstehe, da sie damals den 2 besten Record der gesamten Liga hatten, und als einzige die Lakers in den Playoffs zumindest ein Spiel abnehmen konnten und das die engste Serie überhaupt war. Von daher leicht übertrieben 😉

  3. Michael Stuhldreier

    |Author

    @ Marcus: In naher Zukunft wird es auch Erläuterungen zum Draft geben. Dann werden deine Fragen zu dem Thema sicherlich alle beantwortet!

    @ Fabian: Für mich gehören auch die 2001er-Sixers in die Reihe der Teams, die es im Westen nicht in die Finals geschafft hätten und auch nicht zu den besten Teams der Liga gehörten. Der Osten im Jahr 2001 war wirklich sehr schwach, der Westen hingegen sehr stark. Der Osten gewann damals in den Interconferencespielen gerade einmal 36%. Die 76ers hatten auf dem Papier damals zwar den zweitbesten Record der Liga – allerdings stark geschönt durch die vielen Spiele gegen Ostteams. 40 der damals 56 Siege holte man gegen Teams aus dem Osten. Nur 16 Spiele konnte man gegen Westteams gewinnen. Ein andere Statistik am Rande: Nur 4 Teams im Westen hatten einen negativen Record am Ende der Saison (darunter Denver denkbar knapp mit 40-42).
    Für mich waren die Sixers 2001 die Einäugigen unter den Blinden im Osten und sind deshalb in die Finals eingezogen und sicher nicht deshalb, weil sie das zweitbeste Team der Liga waren. Sie Sixers wären gegen mehrere Teams im Westen chancenlos gewesen und deshalb gehören sie für mich in eine Reihe mit den Nets.

  4. Florian

    Eine Idee, die mir zum Lösen dieses Trade-Offs spontan einfällt ist, ist folgende.
    Die Liga bleibt so in Conferences und Divisionen unterteilt und auch die Playoffs bleiben bestehen aus 8 Teams im Westen und 8 Teams im Osten. Nur mit einer Ausnahme: Falls das 8. beste Team der regulären Saison einer Conference um eine gewisse Anzahl an Spielen (z.B. 5, man könnte auch 1, 2, … , 9 oder 10 wählen) schlechter ist als das 9. beste Team der anderen Conference, dann tauschen beide für die Playoffs und die Stelle des Picks ihre Positionen. Weiter würde, sofern wieder eine bestimmte Differenz zwischen den Teams besteht, das 7. beste Team gegen das 10. beste Team getauscht werden, etc.

    Zum Schluss noch Beispiel, was diese Regel in den letzten drei Spielzeiten bewirk hätte.
    2009/10
    Ost: Chicago (8) mit 41:41, Toronto (9) 40:42
    West: Oklahoma City (8) 50:32, Houston (9) 42:40
    –>
    – bei 1 Sieg Diffenrenz: Tausch Chicago gegen Houston
    – bei 5: keine Änderungen
    – bei 8: keine Änderungen

    2008/09
    Ost: Detroit (8) 39:43, Indiana (9) 36:46, Chicago (7) 41:41
    West: Utah (8) 48:34, Phoenix (9) 46:36, Golden State (10) 29:53
    –>
    – bei 1 Sieg Diffenrenz: Tausch Pheonix gegen Detroit
    – bei 5: Tausch Pheonix gegen Detroit
    – bei 8: keine Änderungen

    2007/08
    Ost: Atlanta (8) 37:45, Indiana (9) 36:46, Philadelphia (7) 40:42
    West: Denver (8) 50:32, Golden State (9) 48:34, Portland (10) 41:41
    –>
    – bei 1: Tausch Atlanta gegen Golden State, Tausch Philadenphia gegen Portland
    – bei 5: Tausch Atlanta gegen Golden State
    – bei 8: Tausch Atlanta gegen Golden State

    Ich finde, dass diese Regel weder allzu kompliziert und noch allzu unfair und somit bei den Fans vermittelbar ist. Desweiteren funktioniert sie.

    Reiseprobleme treten nur auf, wenn ein Team, dessen Heimat am Atlantik liegt gegen ein Team am Pazifik spielen muss. Bei Chicago, Memphis, Minnesota, Dallas, Denver, etc. maht das keinen großen Unterschied.

  5. Jonathan Walker

    Eine gute und durchdachte Idee, die mir persönlich sehr gut gefällt, vor allem mit der Voraussetzung der fünf bis acht Spiele Differenz. Für eine “spontane Idee” ist das schon sehr brauchbar. Kommentare dieser Art sind bei uns natürlich besonders erwünscht, weiter so!

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